Matschgruben, Sanddünen, Strand

Aus Tinghir fahren wir über eine Nebenstraße heraus – am Straßenrand sehe ich eine kleine Furt und dahinter eingestürzte Lehmhäuser. Wir fahren hin und laufen durch die Lehmhäuser, alles verlaseesn. Fabi dreht um und holt das Auto, ich laufe noch ein bißchen weiter. Wir fahren durch eine Matschgrube, aber nach ein paar hundert Metern müssen wir umdrehen. Auf dem Rückweg bleiben wir in der Matschgrube hängen. Es schaut schlecht aus, aber der Pajero lässt uns nicht im Stich, alle Sperren rein, ein bißchen rangieren und wir sind wieder auf Fahrt.

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Ruinen bei Tinghir

Die Fahrt führt uns über Alnif und Tazzerine nach Zagora, dann weiter Richtung Mhamid. Unterwegs halten wir noch bei den Dünen von Tinfou an, dort war ich vor 12 Jahren auch schon. Leider kommt gerade ein Sandsturm auf, von daher ist die Aussicht nicht besonders, und auch sonst sind keine anderen Touristen da, denen man beim Kamelreiten zusehen kann. Das hält den lokalen Kamelvermieter aber nicht davon ab, uns zwei Kamele zum Auto zu bringen und nachzufragen, ob wir reiten wollen, was wir angesichts des Sandsturmes dankend ablehnen.

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Blick von der Düne von Tinfou

In Mhamid checken wir in die Kasbah eines Belgiers ein. Der Holländer, auf dessen Campingplatz wir das letzte mal waren, ist laut Internet nicht mehr vor Ort. Die Kasbah ist aber auch gut, der Pool ist etwas sandig wegen des Sandsturms, aber baden kann man trotzdem. Zum Abendessen gibt es Truthahnspieße und Pommes, dazu Bier. Abends betrachten wir noch den Sternenhimmel, der unglaublich klar scheint.

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Sandiger Pool in Mhamid

Der belgische Kasbahbesitzer gibt uns noch ein paar Tipps für unsere Route – es hat in den vergangenen Tagen stark geregnet, daher gibt es einige Matschstellen in der Wüste, die es zu vermeiden gilt. Wir fahren durch den Ortskern von Mhamid, die Kasbah, wo wir übernachtet hatten, lag vor dem Ort. Der Ort erscheint mir wesentlich belebter als das letzte mal. Ein Mopedfahrer versucht uns noch zu überreden, bei seiner Agentur ein Begleitfahrzeug zu mieten, alleine sei das ja viel zu gefährlich. Ich stelle mir vor, dass der Mopedfahrer einer der „Kasbah“-schreiend hinter uns her rennenden Jungs von vor 12 Jahren ist.

Die Piste hinter dem Ort ist sandig, die Matschpfützen finden sich wie angekündigt, aber nichts wo wir nicht durchkämen. Wir verfahren uns einmal, aber finden dann zurück auf die Piste. Bei der Oase Sacrée biegen wir ab zum Erg Chigaga, den großen Sanddünen. Auf der Karte sind am Erg ziemlich viele Camps eingezeichnet, ich vermute zuerst, dass das halt mal temporäre Zeltbehausungen waren, die jedes Jahr woanders stehen. Vor Ort stellt sich aber heraus, das da tatsächlich viele Camps zwischen den Dünen stehen. Auch sind wir dort mitnichten alleine, in der Ferne erkennt man diverse Geländewägen, die auch von oder zu den Dünen untewegs sind.

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Wo der Defender hängen blieb kommt man mit dem Pajero noch weiter

Wir müssen wieder zurück zur Oase Sacrée fahren, da die Piste in die andere Richtung überschwemmt ist, und da wollen wir nicht drin steckenbleiben.

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Die steinige Piste lädt nicht unbedingt zum Rasen ein

Ab der Oase fahren wir weiter Richtung Westen, die Piste wird steinig und schwerer zu befahren. Aber ab diesem Zeitpunkt herrscht kaum noch Verkehr, auch in der Entfernung sieht man keine anderen Fahrzeuge. Auf den folgenden 150km kommen uns insgesamt 5 Fahrzeuge und 3 Mopeds entgegen. Abends um 6 sind wir dann endlich in Foum Zguid, wo wir uns über den Hotelpool und die leckere Tajine mit Lammfleisch freuen.

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Tajine mit Lammfleisch und Kartoffeln

Der nächste Tag beginnt mit Routine: Frühstück, Zimmer räumen, Reifen aufpumpen, Tanken. Fabi fährt und wird alsbald der Raserei überführt: 67 statt 60km/h. Fabis Weigerung, französisch zu sprechen stellt sich als Zielführend hinaus, das Thema ist nach ca. 1 Minute kostenfrei geklärt und wir können weiterfahren.

Wir fahren bis nach Sidi Ifni und checken dort in ein Hotel mit einem tollen Meeresblick ein. Wir gehen auch noch kurz vor Sonnenuntergang im Meer baden.

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Blick aus unserem Hotelzimmer in Sidi Ifni

Wir essen in einem leckeren Restaurant um die Ecke sehr gut zu Abend: gegrillter Oktopus, Zucchinisuppe und dann Pastillas, die lokale Spezialität, das sind Blätterteigtaschen mit Fleisch oder Fisch. Leider schaffen wir unsere Portionen nicht annäherungsweise. Den ganzen Tag im Auto zu sitzen ist nicht besonders förderlich für den Hunger.

Am nächsten Tag entscheiden wir beim Frühstück, noch ein Tag zu bleiben. So können wir mal Wäsche waschen lassen und uns von der ganzen Fahrerei erholen. Ich bringe auch das Auto ins Auto-Hammam, der ganze Wüstensand und -matsch kann wieder runter. Danach kann man endlich das Kennzeichen vorne wieder erkennen.

Wir fahren später noch zum Strand bei Legzira, wenige Kilometer nördlich. Dort gibt es eine Naturbrücke über den Strand. Früher gab es zwei, aber die andere ist irgendwann über Nacht eingestürzt.

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Naturbrücke bei Legzira

Abends gehen wir nochmal ins selbe Restaurant. Fabi bekommt eine Meeresfrüchtetajine, und ich eine gemischte Fischplatte.

Abends spielt sich unterhalb unseres Hotelfensters noch eine Hochzeit ab, die wir von dort beobachten. Die Musik spielt bis 5 Uhr morgens, was uns aber nicht von unserem wohlverdienten Schlaf abhält.

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Im Hinterland von Erfoud

Unser erstes Camping-Frühstück besteht aus Kaffee, Keksen aus Italien und schwarzem Tee, den ich 2014 in Russland gekauft habe.

Danach fahren wir weiter nach Erfoud, wo wir den lokalen Scheich kontaktieren, um uns die Voth-Bauwerke anzusehen. Wir verabreden uns konspirativ an einer Tankstelle ein paar Kilometer hinter Erfoud, trinken einen Kaffee, und ein paar Handytelefonate später steht der Plan: eine Tankstelle weiter räumen wir unser Gepäck ein bißchen um, um Platz auf der Rückbank zu schaffen, und nehmen unseren Führer mit. Der spricht zwar nur Arabisch, aber mit dem Finger kann er uns den Weg zeigen, und so leitet er uns zu einer Abzweigung, wo eine Piste ins Hinterland geht. Zuerst müssen wir einen Fluß überqueren, der sogar gut Wasser führt, dann geht es ein paar Kilometer durch die Wüste.

Als erstes erreichen wir die Goldene Spirale. Dort kommt uns gleich der Wächter entgegen, und erklärt uns, dass die Bauwerke seit 2016 wegen Beschädigungen gesperrt sind, man kann sie nur von außen betrachten und nicht betreten. Wir laufen einmal um die Spirale, dann fahren wir weiter.

Nächster Stop ist die Stadt des Orion: auch hier gibt es einen Wächter, und wir dürfen nichtmal näher als ca. 100m ran. Schade, aber trotzdem ein beeindruckendes Bauwerk mitten in der Wüste.

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Stadt des Orion

Als letztes kommen wir zur Himmelstreppe. Der Wächter dort erzählt uns, dass ein Spanier mit einem Motorrad die Treppe herauf gefahren sei. Außerdem hält er uns einen Zettel mit einer Erklärung hin, die auch im Internet so zu finden ist.

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Himmelstreppe

Nach der Besichtigung fahren wir wieder zurück zur Hauptstraße und bringen unseren Führer zurück zu seinem Ausgangsort. Währenddessen regnet es ordentlich, zum Glück haben wir die Besichtigungen alle noch bei Sonnenschein machen können.

Wir fahren weiter bis nach Tinghir und fahren dort ein paar Kilometer in die Todgha-Schlucht rein. Das schaut alles noch so aus wie bei meinem letzten Besuch wie vor 12 Jahren. In Tinghir bleiben wir dann auch über Nacht.

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Todgha-Schlucht

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Blick über die Oase bei Tinghir

Von Fés über Meknès in das Atlasgebirge

Nach dem Frühstück nehmen wir uns auf Empfehlung des Chefs ein Taxi zum Place R’cif. Von dort aus starten wir unsere Stadttour. Zuerst verlieren wir in den engen Gassen ein wenig die Orientierung und wissen eigentlich gar nicht so genau wo wir hin wollen. Wir entscheiden uns für das Gerberviertel Chouara. Dort wird tatsächlich noch nach alter Tradition gearbeitet. Wir werden gleich angesprochen, ob wir vom Dach die Gerberei sehen möchten und stimmen zu. Zuerst bekommen wir Minze in die Hand gedrückt, gegen den Geruch. Oben angekommen wird uns erklärt, wie alles funktioniert und es riecht wirklich ziemlich stark. Naja, es wird nun mal eine Beize aus Taubenkot verwendet – die muss ja stinken… Danach werden wir natürlich obligatorisch durch den Laden gelotst. Wir entscheiden uns beide für einen Gürtel und ich mich zusätzlich für einen Geldbeutel. Das ist aber noch nicht genug, denn wir müssen uns unbedingt noch die Lederjacken ansehen, sonst lässt uns unser Verkäufer nicht gehen…Ich finde natürlich direkt eine tolle Jacke wie ich sie schon länger wollte (bilde ich mir zumindest ein) und Robert kann ich von einem Sakko auf eine Jacke umschwenken. So, dann die Frage nach dem Preis, wir handeln ordentlich und zahlen am Schluss nur die Hälfte. Wir werden danach noch zum Teppichladen und zum Schalladen gezerrt, können uns aber schnell losreißen. Genug Shopping für heute…

Weiter lassen wir uns durch die Gassen treiben und sind zwischen Kleidern, Gewürzen, Kaktusfeigenwägen, Elektronikshops, Juwelieren, Schreinern, Henna-Tattoo-Ständen und vielem mehr unterwegs. Danach gehen wir noch zum Nejjarine Brunnen und ins danebenliegende Holzmuseum. Letzteres nur weil uns der Reiseführer ein schönes Café auf dem Dach verspricht, was er auch hält. Es gibt zwar nur Pfefferminztee, aber gut. Langsam machen wir uns dann auf den Rückweg über die Talaa Kebira Richtung Bab Boujeloud. Immer wieder müssen wir bepackten Eseln und Maultieren ausweichen und kommen nur langsam voran. Mein kaputter Fuß hat aber nichts gegen langsames Laufen… Hier und da bleiben wir kurz stehen, am Tor angekommen entscheiden wir uns noch für einen Drink und eine Kleinigkeit zu essen auf einer Dachterrasse mit Blick über die Medina:

Blick über die Medina, Fés

Abendessen gibt’s im Restaurant Marrakesch, ca. 10 min zu Fuß von unserem Hotel. Robert isst Couscous Royale mit Würstl, Rind, Hühnchen und Gemüse, ich bestelle die empfohlene Pastilla, eine lokale Spezialität: Blätterteig gefüllt mit Hühnchen, Mandeln und Gemüse, darüber eine Schicht Puderzucker und Zimt. Klingt komisch, ist aber sehr lecker.

Am nächsten Tag packen wir in der Früh unsere Sachen, bevor es Richtung Meknès geht. Wir buchen nochmal ein schönes Riad mit Pool im Zentrum für eine Nacht und sobald wir eingecheckt und unsere Suite sowie die Dachterrasse ausgecheckt haben, machen wir uns zu Fuß auf in die Medina. Durch enge Gassen und den Souk in die Medrese Bou Inania, die ausnahmsweise zu besichtigen ist. Der Innenhof ist wirklich wunderschön mit Holzschnitzereien gemacht:

Medrese Bou Inania, Meknès

Weiter in Richtung Place Lahdim, dort Sandwiches gegessen mit Blick auf das angeblich schönste Tor Marokkos: das Bab Mansour. Davor wird ein Touribus nach dem nächsten ausgespuckt. Langsam freuen wir uns auf die Wüste mit weniger Menschen, wobei Meknès schon deutlich entspannter ist als Fés. Danach schlendern wir über den Lebensmittelmarkt und laufen dann Richtung das Mausoleum von Moulay Ismaïl. Das hat leider zu, und wir laufen weiter in Richtung Agdal, irgendwie scheint uns das aber dann zu weit und wir biegen links ab. Wir landen in einem schönen, ruhigen Viertel mit engen Gassen, wo nur ab und zu ein Roller vorbei düst. Keine unserer online Karten zeigt auch nur annäherungsweise Straßen oder Gassen an, aber sobald wir in eine Sackgasse kommen, werden wir von den Bewohnern mit den Worten „c’est fermée“ darauf hingewiesen und wieder in eine andere Richtung geschickt. Passiert nicht nur einmal…

Zurück im Hotel ruhen wir uns aus und gehen in den Pool bevor wir auf der Dachterrasse unseres Hotels lecker zu Abend essen. Robert hat eine Tajine mit Rindfleisch, getrockneten Pflaumen und Aprikosen. Meine Tagine ist mit Rindfleisch, Zitrone und Kartoffeln gemacht.

Am nächsten Tag fahren wir morgens nach dem Frühstück los Richtung Süden. In Midelt suchen wir uns ein nettes Restaurant fürs Mittagessen. Dort bewirtet uns ein netter Herr vorzüglich, Robert isst einen Spieß mit Rindfleisch, ich einen mit Turkey. Der gute Mann zeichnet uns aus dem Kopf eine Karte über alle möglichen Orte mit Entfernungen im Umkreis von ca. 300km. Wo wir hinfahren sollen oder eher nicht. Sehr cool. Wir sollen als Gegenleistung doch eine gute Review schreiben.

Kurz später passieren wir den Tizi n’Talrhemt-Pass und die Landschaft wird zunehmend interessanter. Hinter Errachidia suchen wir die blaue Quelle, als wir sie gefunden haben werden wir von einem Campingplatzbesitzer zunehmend zugequatscht, dass wir doch da bleiben sollen. Wir fahren weiter finden einen tollen Aussichtspunkt über die Tafilalet-Oase und müssen für ein Foto anhalten:

Blick über die Tafilalet Oase

Kurz darauf finden wir den Campingplatz wieder, an dem Robert damals vor 12 Jahren bereits gecampt hat. Wir entscheiden und hier zu bleiben.

Meine erste Camping Erfahrung. Mitten in einer Oase in der Wüste in Marokko. Das Dachzelt ist recht schnell aufgebaut. Die Duschen sind soweit gut, dann geht’s ums Kochen. Das ist erst mal bisschen schwierig, da wir nicht gut gepackt haben. 4 Kisten müssen aus dem Auto bis wir alle benötigten Utensilien irgendwie alles zusammen haben. Es gibt gebratene Nudeln aus der Tüte. Schmeckt passabel und geht schnell. Dazu gibt’s Wasser und danach einen Tee. Unsere neuen Campingmöbel sind super: bequem, stabil, schnell aufgebaut und mega platzsparend. Wir gehen recht früh ins Bett und diskutieren erst noch ob wir wirklich beide Bettbezüge brauchen…

Im Laufe der Nacht sind beide Bettbezüge, plus beide Decken im Einsatz sowie 3 von 4 „Fenstern“ zu, da die Mückennetze dann komischerweise doch nicht so kälteabweisend waren. Zudem bellen fast konstant Hunde und bei jeder kleinsten Bewegung wackelt das Zelt ordentlich hin und her. Man merkt ich muss mit Camping erst noch warm werden. Mal sehen wie es das nächste Mal läuft. Die Bettdecken haben wir jetzt zumindest mal bezogen.

Überfahrt und Ankunft in Nador, weiter nach Al Hoceima und Fés

Nachdem wir auf dem Schiff kein Frühstück verpassen, schlafen wir erstmal gemütlich aus und gönnen uns gegen mittags Kaffee und Pain au Chocolat. Danach schlendern wir gemütlich über die Decks, es ist angenehm warm und wir sehen sogar Delfine im Wasser. Im Laufe des Tages holen wir uns auch die Einreisestempel, es gibt Grenzbeamte an Board, und dann sieht man auch schon die Küste Spaniens wieder. Ibiza auf der anderen Seite verschwindet langsam.

Wir verbringen den Nachmittag abwechselnd mit Internet (spanisches Netz und Roaming – wohooo!), Reiseführer und einfach nur aufs Meer schauen. Gegen Abend sind wir wieder nahe der spanischen Küste und sehen die Hochhäuser am Strand. Idylle sieht vom Meer aus schon anders aus. Wie es dort vor Ort wohl ist wollen wir uns gar nicht vorstellen. Dann Abendessen wieder im Restaurant, das heute immerhin besucht ist. Gnocchi sind lecker, Pizza leider eher mäßig. Dafür gibt’s Aglianico – eine faire Entschädigung.

Im nebenliegenden Selbstbedienungsbereich unterhält später ein Sänger das Publikum mit arabischen Klängen auf voller Lautstärke. Langsam geht’s dann ins Bett. Wir wundern uns, dass wir laut GPS gar nicht mehr weit von Nador entfernt sind und fragen uns was die Fähre wohl bis mittags am nächsten Tag macht, denn angeblich braucht sie ja 40h…

Am nächsten Tag wache ich um 5 Uhr auf – wohl weil mich vorhergehende Frage umtreibt und schaue aus dem Fenster: und siehe da, ich habe wieder spanisches Netz, wir sind vor Melilla. Um 5.30 Uhr (4.30 Uhr Ortszeit) dann des Rätsels Lösung: es ertönt die Durchsage, dass wir in Nador angekommen seien und gebeten werden die Zimmer zu räumen. Ernst nehmen tun wir das nicht, erst als das erste Autodeck zum unboarding aufgerufen wird, springt Robert in die Dusche und ich fange an zu packen. Wir sind noch nicht ganz fertig, schon wird unser Deck aufgerufen. So packen wir fertig und machen uns beim dritten Aufruf auf den Weg. Kaum sind wir 5 Minuten im Auto, geht es auch schon los und wir fahren raus.

Es ist 6 Uhr. Grenzkontrollen haben wir ja schon hinter uns, es gibt nur eine kurze Zollkontrolle mit Blick in den Kofferraum, in ca. 15 Minuten haben wir alles hinter uns gebracht (wow!). Zuerst mal Geld abheben und dann nach Nador Stadt evtl finden wir ja schon ein Café, das auf hat, langsam dämmert es. Das mit dem Café wird schwierig – die ganze Stadt schläft noch.

Um 7.20 dann endlich ein Café! Mit Parkplatz vor der Tür! Perfekt. Leckeres Croissant und 2 Espressi und die Welt schaut ganz anders auf.

Wir machen uns auf den Weg nach Al Hoceima. Wunderschöne Landschaft mit Blick aufs Meer. In Al Hoceima erst mal Tee trinken, Wasser kaufen, SIM Karte besorgen und Werkstatt aufsuchen. Irgendwie quietscht was, und es wurde zunehmend lauter. Von einer Werkstatt zur anderen geschickt, dann aber einen gefunden, der das Problem erkennt. Kurz den Wagenheber geholt, und schon ist der Reifen ab. Die Bremsbeläge sind durch. Der Laden im die Ecke hat sie nicht, also fährt Robert mit ihm in seinem Renault R4 mit Pistolenschaltung (hab ich von Robert gelernt) los und kommt kurz drauf wieder. 3 Läden abgeklappert und dann hatten sie die richtigen Beläge. Es stellt sich heraus, dass der eine Belag besonders abschleift, weil der Bremssattel hinüber ist. Das sollen wir aber besser in Casablanca versuchen. Momentan können wir problemlos weiterfahren…
Für Teile 25€ und Arbeit 10€ gezahlt, es kann weitergehen.

Robert hat Hunger, so finden wir auf Umwegen das Espace Miramar. Dort gibt es bei schönem Ausblick Paella und zuckersüßen Tee und hinterher noch Kaffee.

Ausblick vom Espace Miramar

Dann weiter Richtung Nationalpark gen Westen – die Geländegängkeit unseres Pajeros testen. Echt ganz schöne Landschaft hier.

Wir entscheiden uns in der Gegend ein Hotel zu suchen und landen am Schluss im Mercure, was traumhaft liegt, aber ein großer Kasten ist. Fun fact, dass booking.com deutlich günstiger ist als der Preis an der Rezeption. Wir buchen also an der Rezeption stehend über booking, und auch der Versuch dem Rezeptionisten zu erklären, dass das doch Quatsch ist, scheitert mangels Entscheidungskompetenz seinerseits. Wir beziehen unser Zimmer, gehen schwimmen und essen am Abend im Restaurant des Hotels. Müde fallen wir danach ins Bett und schlafen bei Wellenrauschen ein.

Am nächsten Tag stehen wir gemütlich auf und frühstücken erst mal im Hotel. Dann schwimmen im Mittelmeer – womöglich das letzte Mal auf dieser Reise. Danach noch kurz in den Pool, duschen, packen, auschecken und los Richtung Fés durch das Rif-Gebirge.

Kurvige Straße in mittelmäßigen Zustand, aber wunderschöne Landschaft.

Das Rif-Gebirge

Sobald es etwas weniger kurvig ist, fahre ich auch mal ein Stück und es geht trotz des Fußes sehr gut!

In Fès hat Robert ein schönes Riad in der Neustadt gebucht: Dar Ziryab mit Pool und perfekt deutschsprechendem Besitzer, der aber noch nie in Deutschland war. Dort essen wir auch zu Abend und es gibt original marokkanische Küche: zuerst eine Suppe, zu der Datteln sowie anderes Süßzeug gereicht werden, dann 7 verschiedene Vorspeisen, wobei diese getrennt voneinander, sowie die Karotten zuletzt gegessen werden sollten. Am besten schmeckt uns der weichgekochte Kürbis mit Mandeln, aber alles weitere ist ebenso gut. Danach entscheiden wir uns für Tagine mit Rindfleisch. Robert nimmt die Version mit doppelt gekochten Quitten und ich die mit Artischocken und Erbsen. Beides ein Gedicht.

Von München bis Sète und dann auf die Fähre

Auf den Tag genau 8 Jahre nach Roberts und meinem Kennenlernen auf der Wiesn brechen wir auf. Abfahrt 10.30 Uhr in München.

Beim ersten Tankstopp in Bregenz kurze Aufregung, da das Auto erst mal nicht mehr anspringt… eine kurze Überprüfung zeigt, dass die Schraube an der Batterie locker ist. Die ist schnell festgezogen und es kann zügig weitergehen… Glück gehabt 😉

In Österreich sagt der Wettermensch im Radio durch, dass die Schneefallgrenze auf 900m sinkt… Zeit dass wir loskommen gen Süden… Am San Bernardino schneit es bei 2 Grad.

Gegen 21h kommen wir dann endlich in Monaco an. Unser Freund empfängt uns gleich mit Bier und wir bereiten leckere Brotzeit zu und wir haben einen sehr netten Abend.

Am nächsten Tag frühstücken wir bei Traumwetter und Ausblick auf dem Balkon.

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Blick auf Monaco

Abfahrt um 10.45Uhr Richtung Sète. An der ersten Mautstelle kurze Verwirrung, da es massig Spuren mit 2m Höhe Begrenzung gibt, und bei den anderen allen ein „t“ steht und wir nicht wissen was das bedeutet. Wir entscheiden uns nach Hupkonzert diverser Lkws doch für t und es klappt…

Nach gut 5 Stunden sind wir in Sète angekommen und dann heißt es erst mal warten.
Stockend geht es voran… Gegen 19h fahren wir dann unseren Pajero gemeinsam mit vielen, vielen überladenen Autos auf die GNV CRISTAL.

Unsere 4 Bett Suite auf dem obersten Deck haben wir gleich gefunden, naja Suite ist für ca. 12m² mit Bad zwar übertrieben, aber für unsere Zwecke natürlich völlig ausreichend. Dann erst mal die anderen Decks besichtigen, raus und Sète im Sonnenuntergang fotografieren. Hat echt Charme…

Sonnenuntergang Sète

Gegen kurz nach 20h legen wir ab und beobachten interessiert das Rangiermanöver. Ein Schlepper dreht unser Schiff erst mal raus und erst kurz hinter der langen Hafenmauer dockt das Beiboot an und holt den Piloten ab…

Dann Abendessen im Restaurant. Wir sind die einzigen Gäste, essen aber leckere Pasta mit Zucchini, Curcuma und Speck. Das Personal spricht fast komplett italienisch, was uns natürlich sehr entgegen kommt.

Langsam wird der Seegang stärker und der Wind weht ordentlich. Duschen wird eine leichte Wackelpartie aber dafür werden wir dann gut in den Schlaf gewogen.

Vorbereitungen Afrika

Hallo zusammen,

dies ist mein erster Beitrag hier. Testpost und aktueller Stand für Euch in einem…

Robert und ich sind fleißig am Packen – in 3 Tagen geht es los!

Das Auto ist auf Vordermann gebracht, das Dachzelt montiert, Medikamente, Konserven und weiteres notwendige Zeug gepackt. Lang noch nicht alles, aber fast.

Unser Auto mit dem Dachzelt

Bilder von der Abfahrt fügen wir dann noch hinzu und wir versprechen, dass wir versuchen regelmäßig Updates zu geben – sofern es die Zeit, die Muße sowie das Internet hergeben.

Viel Spaß beim Lesen,

Eure Robert und Fabi

Guilin, Jangshuo, Longsheng

Nachtrag geschrieben auf der Fahrt Richtung Kerch (Krim). Bilder folgen irgendwann, genauso wie die Texte zu Krim etc.
In Guilin angekommen suchen wir erstmal ein Taxi, das uns in unser gebuchtes Hotel bringen soll. Das getaltet sich jedoch schwierig, da das Hotel relativ nah am Bahnhof liegt, und die Fahrer uns daher nur zu einem hohen Festpreis fahren wollen. Nach einigem hin und her finden wir jedoch eine Fahrerin, die uns für 15 Yuan fährt. Das Taxometer zeigt am Hotel angekommen 7 Yuan, also noch der Startpreis. (Anmerkung am Rande, um es mal festzuhalten: ein Liter Sprit kostet an den Tankstellen üblicherweise 6-7 Yuan)
Im Hotel treffen wir einen anderen Gast aus Hongkong, der uns von seinen Schwierigkeiten als Tourist berichtet, da er kein chinesisch spricht (nur kantonesisch), aber halt aussieht wie ein Chinese und die Leute ihm die mangelnden Sprachkentnisse nicht abkaufen wollen.
Helen, die Wirtin unseres Hotels fährt uns freundlicherweise mit dem Auto ins Stadtzentrum und hilft uns, Tickets für zwei Schiffsfahrten zu besorgen. Wir laufen dann ein bißchen durch die Stadt, essen auf einem Markt. Danach beginnt die erste Bootsfahrt durch Guilin. Diese stellt sich eher als Show mit viel Beleuchtung, Lichteffekten und sogar Tanzeinlagen dar denn als Stadtrundfahrt. Für unseren Geschmack etwas zu touristisch, aber trotzdem ganz interessant und lustig. Nach der Rundfahrt fahren wir mit dem Taxi zurück ins Hotel.
Am nächsten Morgen werden wir von einem Reisebus abgeholt und zum Schiff gebracht, mit dem wir nach Jangshuo weiterfahren. Auf dem Boot sind außer uns auch ein Haufen chinesische Touristen. Die Fahrt führt durch eine wirklich reizvolle Landschaft, aber vor, hinter und neben uns fahren jede Menge ander Schiffe und Boote mit vielen weiteren Touristen. In Jangshuo angekommen laufne wir zu Fuß zu unserem Hotel, was sich im Nachhinein als etwas längere Strecke herausstellt, insbesondere mit dem Gepäck. Abends fahren wir nochmal mit dem Hotelshuttle in die Stadt um zu Abend zu Essen (nach einem Hofbräu-Bier im dortigen deutschen Restaurant als Aperitiv, welches aber nicht ganz original schmeckt). Danach müssen wir wieder zum Hotel laufen, weil das Shuttle nicht mehr fährt.
Am folgenden Tag leihen wir uns Fahrräder vom Hotel und machen eine längere Tour, über 50km. Dabei wird uns mehrfach auch eine weitere Bootstour angedreht. Abends essen wir im Hotel.
Weiter geht es am darauffolgenden Tag mit dem gebuchten Bus nach Longsheng, wir werden um 7:10 Uhr abgeholt. Kurz vor Longsheng müssen wir in lokale Minibusse umsteigen. Doch nach kurzer Fahrt müssen wir wieder aussteigen und etwa 20 Minuten zu Fuß durch irgendwelche Dörfer laufen, weil ein Erdrutsch die Straße komplett verschüttet hat. Man sieht von der anderen Talseite nur noch einen Teil der Brücke aus der Erde hervorschauen. Auf der anderen Seite wartet dann ein weiterer Minibus, der uns dann final nach Longsheng hochfährt. Dort kann man dann die Reisterassen bewundern, echt schön, aber das ganze ist wieder sehr massentouristisch aufgebaut. Der ganze Weg durchs Dorf, der sich dank der Steigung schon eine gute halbe Stunde zieht, ist gepfastert mit Buden, die Souvernirs und Imbisse verkaufen. Als wir wieder unten am Parkplatz angekommen sind fahren wir gleich mit dem Minibus ab, da alle anderen schon vorher am Parkplatz waren. Doch auf halbem Weg wird unser Reiseleiter am Telefon angerufen weil wir offensichtlich ein paar Miterisende vergessen haben, stattdessen haben sich irgendwelche anderen Leute in die Gruppe geschmuggelt und so auch die Kontrolle durch durchzählen durcheinander gebracht. Auch die Weiterfahrt im großen Bus nach Guilin zieht sich in die Länge, da wir wegen eines Unfalls auf der Hauptstraße einen größeren Umweg fahren. Zudem ist die Umgehungsstraße ziemlich eng, so dass es mehrmals Rangierfahrten benötigt, wenn unserem Bus ein LKW entgegen kommt. In Guilin essen wir noch im Hotel zu Abend und machen noch einen kleinen Spaziergang durch die Seen in der Stadt, dabei sehen wir viele der Kulissen von der Bootsfahrt nochmal von hinten.
Tags darauf fahren wir früh morgens mit dem Taxi zum Flughafen und fliegen von dort weiter…

Peking II

Mal wieder ein älterer Eintrag, den ich gerade im Auto auf der Krim von Stichpunkten zu Fließtext umwandle. Bilder gibt’s daher vorerst nicht, da diese auf einer gerade nicht zur Hand stehenden Festplatte liegen. Vielleicht folgen die Bilder irgendwann…
Nach der Landung in Peking stehen wir erstmal 20 Minuten auf dem Rollfeld rum, bevor wir aussteigen können. Flüge aus Nordkorea scheinen nicht unbedingt Priorität zu haben. Die Einreise nach China verläuft unproblematisch. Vom Flughafen fahre ich mit der Metro in die Stadt und suche mein Hotel, was mir aber nicht gelingt, da es in meiner App mal wieder an einer falschen Stelle eingetragen ist.
Nachdem ich mich dann, endlich im Hotel angekommen, von dem längeren Spaziergang mit dem Gepäck ausgeruth habe gehe ich Abends nochmal auf die Straße. Auch hier werde ich wieder von Touristenfängern angesprochen, diesmal von einer Frau die mir unbedingt ihre Telefonnummer aufdrängen will, um mich nach dem Essen zu treffen. Ich esse nicht in einem Restaurant, sondern kaufe mir an verschiedenen Ständen auf der Straße erst mal zwei verschieden Knödel und danach 3 Skorpione am Spieß, welche hauptsächlich nach Fritteuse schmecken. Zum runterspülen stze ich mich danach in eine Kinepe un trinke ein Bier, nacdem ich den Preis auf ein bezahlbares Niveau reuntergehandelt habe.
Abends im Hotel nervt das Internet, da man sich irgendwie komisch mit der Passnummer authentifizieren muss, dauernd rausfliegt, und das Internet saulahm und kastriert ist.
Fabi kommt in der früh an, während ich gerade Dusche. Wir packen zunächst unser Gepäck ein bißchen m und machen dann einne Spaziergang zum Tianmenplatz, durch die Hutons (traditionelle Viertel), trinken ein überteuertes Bier und essen danach Hot Pot in einem muslimischen Restaurant.
Am nächsten Tag treffen wir Duo und fahren mit ihr zusammen mit der U-Bahn zum „Duftenden Berg“. Hoch fahren wir mit der Sesselbahn, runter laufen wir. Abends essen wir in der Nähe vom Tianmenplatz Pekingente. Danach trinken wir noch ein Bier in einer Gasse, wo ich auch schon am Abend zuvor ein Bier getrunken habe. Irgendwie findet in dieser Gasse auch auf einer kleinen Bühne eine Art kleine Pekingoper statt.
Tags darauf fahren wir zum Frühstück zu Thomas, wo wir auch einen Teil des frisch umgepackten Gepäcks deponieren. Von dort fahren wir zum Himmelstempel und besichtigen diesen samt dem umliegenden Park. Danach fahren wir zurück ins Hotel, holen unser Gepäck und fahren mit dem Taxi zum Bahnhof.
Unser Zug ist relativ modern, Schlafwagen vom Grundriss wie auch die ganzen russischen Wagen, aber klimatisiert und mit LCD-Bildschirm an jedem Bett. Auch fährt er im Vergleich zu den anderen Zügen relativ schnell, bis zu 160 km/h zeigt das GPS an. Mit uns im Abteil ist ein älterer Chinese (von dem wir zuerst beführchten, dass er nachts schnarcht, sich aber als vollkomen ruhig herausstellt), der die ganze Zeit auf seinem uralten Handy SMS tippt (mit angeschalteten, nervenden Tastentönen). Zu Abend essen wir im Speisewagen, die Speisenwahl gestaltet sich trotz hinzugezogener Übersetzungsprogramme auf diversen Handys schwierig. Aber wir bekommen trotzdem was leckeres am Ende.

Fazit Nordkorea

Tja, wie letztes mal ist die Motivation, noch Blogeinträge nach meiner Rückkehr zu verfassen, irgendwie verschwunden. Zum Glück habe ich eigentlich für alles noch Notizen, deswegen kommt es halt mit Verspätung.

In diesem Beitrag will ich nochmal ein paar Punkte hervorheben, die in den anderen Beiträgen zu kurz kamen, bzw. ein generelles Fazit zum Thema Nordkorea ziehen. Danach folgen dann noch die Artikel über die anschließenden Wochen in China.

Generell kann man sehr deutlich sehen, dass Nordkorea sich rapide entwickelt. Wenn man Reiseberichte liest, die ein paar Jahre alt sind, liest man vieles, was heute einfach nicht mehr zutrifft. Oft liest man, es führen weder in Pjöngjang noch auf der Autobahn andere Autos – das ist überholt: zwar hat der Verkehr noch lange nicht solche Dimensionen wie in Deutschland, oder sogar wie in China, aber man sieht trotzdem Autos. In Pjöngjang gibt es jetzt auch Ampeln (und nicht nur die berühmten Politessen), und wenn man da bei rot stehen bleiben muss, dann sammelt sich da meistens schon eine Hand voll Autos während einer Ampelphase an. Und auch auf der Autobahn wird man regelmäßig überholt, bzw. man überholt LKWs, und Gegenverkehr gibt es auch.

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Morgendlicher Berufsverkehr in Pjöngjang

Auch gibt es viele Dinge, die es vor wenigen Jahre noch nicht gab: Mobiltelefone sind allgegenwärtig, überall sieht man Leute mit Handy am Ohr oder in der Hand. Und zwar nicht nur in der Stadt, sondern auch auf dem Land – bei Fußgängern und Fahrradfahrern. Wiederum nicht in dem Maße wie bei uns, aber eben doch so dass es einem auffällt. Auch neu sind Taxis, laut meinen Reiseführern gibt es die in Pjöngjang seit ungefähr zwei Jahren. Mr. Jong erzählt mir sogar, dass er manchmal das Taxi zur Uni nimmt, wenn er zu Faul ist die U-Bahn zu nehmen.

Taxi in Pjöngjang wartet an einer Ampel

Taxi in Pjöngjang wartet an einer Ampel

Meine beiden Reiseführer erzählen mir, dass sie ihre Fremdsprachen erst an der Universität gelernt haben, in der Schule gab es das nicht. Allerdings soll sich das mittlerweile auch geändert haben, heute lernen die Kinder angeblich Englisch in der Schule.

All das mag jetzt vielleicht banal erscheinen, aber man muss das glaube ich schon in dem Kontext sehen, dass das Land eigentlich sehr isoliert arbeitet und solche modischen Erscheinungen wie Handys, Taxis und Fremdsprachen sonst eher kaum ins Land gelassen werden.

An der Infrastruktur im Land merkt man ganz deutlich, dass es dem Land an Ressourcen fehlt, aber nicht an Arbeitskraft. Die Autobahn ist voll mit Schlaglöchern, aber trotzdem ist der Mittelstreifen (wo vorhanden) schön bepflanzt und die Steine zur Straßenbegrenzung akkurat gestrichen. Offensichtlich fehlt es an Teer oder Beton. Die Eisenbahn fährt meistens nur um die 30km/h (um Energie zu sparen), aber man sieht überall Arbeitskommandos die etwas reparieren.

Das führt gleich zum nächsten Thema, denn es wird ganz offen gesagt, dass es dem Land an Devisen mangelt. Deshalb auch die Sache mit dem Tourismus. Und auch der scheint sich in den letzten Jahren ziemlich gut entwickelt zu haben, an den typischen Sehenswürdigkeiten trifft man überall auf Busladungen chinesischer Touristen. Ansonsten scheint die Entsendung von Arbeitskräften ins Ausland eine gute Devisenquelle zu sein: sowohl auf der Hinfahrt mit dem Zug als auch auf dem Rückflug nach Peking sind die Mitreisenden hauptsächlich Koreaner, die in China arbeiten. Das Bildungssystem scheint noch zu den am besten funktionierenden Institutionen in Nordkorea zu zählen, von daher sind Koreanische Softwareentwickler und andere Arbeiter in China anscheinend gerne gesehen.

Als Tourist wird man schon angeglotzt, ich vermute vor allem wenn man nicht asiatisch aussieht. Man merkt dabei aber deutlich, dass sich viele gar nicht trauen, den Kopf zu verdrehen, die meisten Menschen sind schon schüchtern. Aber trotzdem wurde ich einmal sogar von einer Gruppe junger Koreaner in der Nähe eines Wasserfalls gefragt, ob sie ein Foto mit mir zusammen machen könnten (mit ihrer Digitalkamera), was ich natürlich gerne gemacht habe, im Gegenzug für ein Foto mit meiner Kamera.

Was mich auch erstaunt hat ist das Unwissen der Koreaner über ihren Anführer Kim Jong-Un. Weder das im Westen geschätzte Alter von ungefähr 31 Jahren, noch dass er anscheinend in der Schweiz auf das Internat ging, war meinen Reiseführern bekannt. Interessant fand ich auch das Thema Atombombe und -energie (wobei ich hier nicht weiß, ob mir das nur so erzählt wurde, um mir zu schmeicheln): Nordkorea hat nach Aussage meiner Reiseleitung eine Atombombe (um gegen die amerikanischen Imperialisten gewappnet zu sein) und strebt natürlich auch Atomenergie an – aber eigentlich nur, weil man die Energie braucht, eigentlich sei man ja kritisch gegenüber Atomenergie wegen deren Gefahren, aber man habe halt momentan keine große Wahl, und das Volk wünscht Strom.

Auch interessiert hat mich natürlich, wie die Einstellung der Koreaner gegenüber Deutschland ist. Hier wurde ausschließlich positiv geantwortet, einerseits schätzt man die deutschen wegen ihrer Disziplin und Wirtschaftskraft und weil sie auf diplomatischen Wege auch versuchen, Beziehungen zu Nordkorea aufrecht zu erhalten. Andererseits ist Deutschland in gewisser Weise Vorbild, weil es ja auch mal ein in kapitalistisch und kommunistisch geteiltes Land war und die Wiedervereinigung geschafft hat.

Zum Thema Wiedervereinigung wurde mir auch einiges erklärt: Nordkorea strebt natürlich eine Wiedervereinigung mit Südkorea an. Die soll so aussehen, dass Gesamtkorea ein föderatives System erhält, in dem der Norden kommunistisch und der Süden kapitalistisch bleibt, nach einem Plan, der von Kim Il-Sung entworfen wurde. Einzige Bedingung für die Wiedervereinigung soll der Abzug der Amerikaner aus Südkorea sein. Das ist natürlich beides verkürzt und vereinfacht dargestellt, und ich kann mir nur sehr schwer vorstellen wie ein solches föderatives System funktionieren soll – aber gut, immerhin haben sie einen Plan. Und solange die Bedingung mit den Amerikanern bestehen bleibt glaube ich eh nicht, dass es so schnell geht mit der Wiedervereinigung, andererseits muss man nur in die Geschichtsbücher schauen und sieht, dass es in Deutschland auch mehr oder weniger von heute auf morgen geschah, ohne dass jemand auch nur wenige Monate vorher damit rechnete. Auf die Frage, wann sich Korea denn wiedervereinige haben sich die meisten nicht auf einen Termin festlegen wollen, aber ich habe Antworten gehört wie „in 5 bis 10 Jahren“, oder „noch zur Amtszeiten von Kim Jong-Un“.

Zum Schluß noch zwei kleine Themen: in Korea wird überall geraucht, viele Männer und auch manche Frauen haben oft eine Zigarette zwischen den Fingern, und auch Kim Jong-Un hat ja eigentlich auf jedem Foto eine Zigarette in der Hand (sogar im Schlafzimmer eines Waisenhauses). Und laut meinen Reiseführern wird der Tabak sogar in Korea angebaut, was ich erst gar nicht glauben konnte, irgendwie kommt mir das Klima dort nicht so vor als wüchse dort Tabak. Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich aber, dass der Tabak tatsächlich dort angebaut wird, denn wenn er gegen teure Devisen importiert werden müsste würde man sicherlich nicht so viele Raucher sehen. Interessant ist daran noch, dass Kim Jong-Uns Vater Kim Jong-Il Raucher als die Narren des 21. Jahrhunderts sah, neben den umusikalischen und denjenigen, die nicht mit Computern umgehen können.

Zuletzt noch etwas zu Autos: der Minibus mit dem wir umher fuhren sah ja ein bißchen so aus wie ein Toyota Hiace, aber eher wie eine chinesische Kopie davon. Auf die Frage, ob unser Auto ein chinesischer Import wäre, wurde mir wiedersprochen, es sei in Nordkorea hergestellt. Und tatsächlich, im Markenzeichen befinden sich koreanische Zeichen. Recherchen daheim ergaben dann, dass es sich dabei um ein Samcheonri der Firma Pyeonghwa Motors handelt. Dies ist jedoch ein Lizenzbau des chinesischen Jinbei Haise – und der ist dann wiederum eine Kopie des Toyota Hiace. Also lag ich ja eigentlich gar nicht so schlecht mit meiner Einschätzung.

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Unser nordkoreanischer  Samcheonri von Pyeonghwa

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Ein chinesischer Jinbei Haise

Pjöngjang III

Zurück in Pjöngjang geht es erstmal in einen Souvenirladen wegen diverser Besorgungen. Der Laden liegt gegenüber des Triumphbogens, der sich am Pariser Vorbild orientiert, aber ein paar Meter größer ist als sein Vorbild.

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Triumphbogen in Pjöngjang

Der Fahrer ist in der Zwischenzeit angeblich Tanken gefahren und taucht nicht mehr auf. Also laufen wir ein bißchen rum. Auf den Parkplätzen spielen Leute Volleyball während Autos rangieren. Man kann auch den Fernsehturm von Pjöngjang sehen, aber den kann man seit ein paar Jahren nicht mehr besteigen, vermutlich weil er zu marode ist. Auch von außen sieht er nicht mehr ganz neu aus.

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Fernsehturm von Pjöngjang

Als der Fahrer dann endlich kommt ist es schon zu spät um vor dem Essen noch ins Hotel zu fahren, also geht es direkt zum Restaurant. Unter dem Restaurant ist auch noch ein Geschäft, in dem ich den Eichelschnaps kaufen kann, den ich wollte, welcher aber im Souvenirladen nicht vorhanden war. Das Lokal ist randvoll mit Touristen, wir essen diesmal alle (also die beiden Führer, der Fahrer und ich) zusammen. Es ist ja der letzte Abend.

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O-Bus in Pjöngjang

Nach dem Essen fahren wir ins Hotel. Wir Trinken zusammen (aber ohne den Fahrer) noch ein paar Bier. Außerdem versuchen wir, die Bilder, auf denen die Führer mit drauf sind, von meiner Kamera auf den Laptop von Herrn Kim zu kopieren. Das klappt aber irgendwie nicht: sowohl mein Handy als auch meine Kamera werden über USB nicht vom Laptop erkannt. Und per Bluetooth kann man die Bilder zwar auf sein Handy kopieren, aber dort werden sie nicht gespeichert. Und der letzte Versuch, die SD-Karte im Laptop auszulesen klappt auch nicht, die Karte wird als unformatiert angezeigt. Die Koreaner haben also gut vorgesorgt, dass Dateien nicht so einfach ins Land kopiert werden können. Dass das Android auf dem Handy angepasst ist, ist mir klar. Die WLAN-Funktion bei dem Arirang-Handy ist komplett deaktiviert, obwohl ein Chip verbaut ist, was in den Systeminformationen ersichtlich ist. Aber wie sie das Windows XP auf dem Laptop so kastriert haben ist mir schleierhaft.

Nach den Kopierversuchen gehen wir in einen anderen Raum wo zwei Billardtische stehen und spielen noch ein paar Runden – wir sind alle ungefähr gleich schlecht. Um Mitternacht gehen wir auf unsere Zimmer.

Am nächsten Morgen wurde im Hotel extra das Postamt früher aufgemacht, damit ich noch Briefmarken für meine Postkarten kaufen kann. Der Buchladen im Hotel hat aber leider noch zu, also kann ich aber keine Postkarten kaufen (vorher hatte ich schon ein paar gekauft, aber halt nicht genug). Nach dem Frühstück fahren wir dann los Richtung Flughafen. Wir sind  schon spät dran weil der Zoll angeblich schon eine Stunde vor Abflug schließt. Trotzdem halten wir unterwegs nochmal und versuchen Postkarten zu kaufen – aber ohne Erfolg, die meisten Läden machen anscheinend erst um 10 Uhr auf (auch der Laden im Flughafen).

Am Flughafen gehe ich dann nach der Verabschiedung von meinen Aufpassern durch den Sicherheitscheck, dann zum Checkin. Im Sicherheitsbereich hat dann aber schon ein Souvenirstand auf, der mir meine heiß ersehnten Postkarten verkaufen kann. Ich setze mich danach auf das Gepäckband (Ankunft und Abflug finden hier in der selben, einzigen Halle statt, deswegen kann das auch nicht gleichzeitig stattfinden) und schreibe die Karten. Die Briefmarken halten nur mit viel Mühe. Leider will danach niemand im Sicherheitsbereich die Postkarten annehmen. Einer Polizistin mache ich dann mein Problem klar, und sie schafft es meine Aufpasser nochmal zurück zu holen, die waren anscheinend noch vor dem Flughafen. Ich gebe Herrn Kim meine Karten durch die Sicherheitsschleuse und gehe danach in die andere Richtung zur Passkontrolle.

Von dort geht es auch relativ bald weiter mit dem Bus zum Flugzeug. Auf dem selben Flug sind hauptsächlich Koreaner, erkennbar an ihren Kim-Ansteckern, und wenige Touristen. Viele von den Koreanern sind relativ jung, vermutlich Studenten im Ausland.

Das wars dann aus Nordkorea. Der Flug verläuft ohne Vorkommnisse, wir fliegen in einer Tupolev 204, relativ neu. In Peking stehen wir dann noch über 20 Minuten auf dem Rollfeld herum, bevor wir aussteigen können.