Rada

Von Damt wollen wir nach Rada weiterfahren. Wir nehmen einen Minibus und steigen an einer Kreuzung, wo auch ein Schild nach Rada weist und 40km Entfernung angibt, in einen anderen Minibus um. Nach etwas Wartezeit geht es weiter. Allerdings fällt uns auf, daß die Straße auf keiner Karte verzeichnet ist. Sie ist aber in einem größtenteils sehr guten Zustand, es ist also möglich, daß sie einfach neu ist und deswegen noch nirgends eingezeichnet ist. Andererseits gab es vorher sicher auch zumindest eine Piste, welche dann in der Karte eingezeichnet sein müsste. Die Straße führt durch mehrere Ortschaften in einer atemberaubenden Gebirgslandschaft. Die Serpentinen winden sich auf über 2700 Höhenmeter. An einigen Stellen sind letztens anscheinend Lawinen abgegangen, auf jedenfall ist die Straße nur auf einere Spur befahrbar, da die andere voll mit riesigen Felsbrocken ist. Auf der ganzen Strecke gibt es nur einen einzigen Checkpoint, am Ortseingang von Rada, der uns auch wie fast immer ignoriert, obwohl uns der Soldat sichtbar zur Kenntnis genommen hat.

In Rada checken wir in das nächstbeste Hotel ein und machen uns auf den Weg, den Ort zu erkunden, der laut Reiseführer eine der wichtigsten Moscheen mit angegliederter Koranschule im Jemen beherbergen soll. Wir finden auch die Koranschule, die von außen schon einiges hermacht. Leider sind die Eingänge mit Bauzäunen versperrt, und Teile des Gebäudes sind in Gerüsten. Von Innen kann man also nichts besichtigen. Wir gehen weiter durch die angrenzende Altstadt, die wirklich schön ist, da hier fast ausschließlich traditionelle, alte Häuser stehen, von denen die meisten auch in gutem Zustand sind. In den Gassen entdecken wir noch eine andere Koranschule, auch mit Bauzaun, aber wir kommen zumindest in den wenig spektatulären Innenhof. Wir wollen danach auf die Burg steigen, die nahe auf einem Felsen liegt. Wir kommen an einer anderen Moschee vorbei, in die wir auch hineingebeten werden. Dort versucht man uns zuerst mal wieder zum Islam zu bekehren, aber wir schaffen es die Konversation auf die Burg zu lenken. Da die Burg anscheinend schon abgesperrt ist kommt man nicht mehr hinein. Aber wir werden auf einen Felsen direkt unter der Burg geführt, von der man schon einen sehr schönen Blick über die Altstadt hat.

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Der Mann, der uns auf den Fels geführt hat, lädt uns dann auch zum Abendessen ein, aber geht schonmal wieder runter zur Moschee. Wir folgen später, warten noch ein bißchen und unterhalten uns mit Jugendlichen vor der Moschee, bis man uns dann bei Sonnenuntergang zum Essen ruft. Das Essen wird lustigerweise auf zwei großen, runden Tabletts bereitgestellt, die um die Ecke neben der Moschee, mitten auf der Straße abgestellt wurden. Um diese Tabletts scharen sich kurz darauf sicher über 20 Menschen, wie ein Haufen Tiere die etwas zum Fressen gefunden haben. Das Essen ist gut, aber an sich nur die Vorspeise. Nach der Vorspeise gehen fast alle kurz zum Gebet in die Moschee und bringen uns danach in ein Haus gegenüber der Moschee. Es ist ein sehr großes, traditionelles Haus. Der Besitzer des Hauses, Ahmed, führt uns im 2. Stock in das Esszimmer, wo es dann die Hauptspeisen gibt. Im Esszimmer sitzen dann um zwei große runde Platten auch sicher wieder 15 Leute. Es gibt mehrere Gänge, die alle gemeinsam aus den Töpfen und Platten mit Löffeln und mit den Händen essen. Zuerst gibt es eine Brühe, dann einen Teig, der in einen Topf mit Honig getunkt wird, danach einen ähnlichen Teig, der in eine salzige Soße eingetunkt wird. Dann folgt eine scharfe Soße, in die Brot eingetunkt wird. Reis mit Fleisch darauf folgt. Als Nachtisch gibt es eine Art Pudding. Das ganze wird wie hier üblich ziemlich schnell runtergeschlungen. Als wir fertig sind und uns die Hände gewaschen haben gehen wir ein Stockwerk tiefer, in eine Art Wohnzimmer, wo sicher für 50 Leute Sitzgelegenheiten in Form von Sofabänken bereitstehen. Wir vermuten, daß es jetzt dort Tee und Chat gäbe, aber wir warten dort nur kurz bis ein paar der Leute gebetet haben.

Das Haus ist wirklich groß, und man erklärt uns daß es über 300 Jahre alt ist. Beeindruckend ist auch, wie stabil das ganze gebaut ist. Die Außenwände sind sicher gute 70 cm dick, und selbst in den oberen Stockwerken knarzt nichts wenn man herumläuft. Und modern ausgestattet ist es auch, im Bad gibt es warmes Wasser, und eine Waschmaschine und ein Trockner stehen herum.

Nach dem Beten gehen wir aus dem Haus heraus und steigen in ein Auto. Wir wissen nicht wirklich was passiert, aber wir kommen nach kurzer Fahrt in einem Klamottengeschäft im Basar an. Das ist Ahmeds Geschäft, und jetzt nach dem Essen ist dort die Rush-Hour, wegen des Ramadans. Jetzt wird uns einiges klar: Ahmed ist der Chef von dem Laden, und die meisten Menschen die beim Essen dabei waren sind seine Angestellten. Er verteilt Chat an alle, auch an uns, und die Angestellten fangen an, sich die Backen vollzustopfen. Einer sitzt jedoch in einer Ecke und stopft sein Chat nicht in seinen Mund, sondern in eine kleine Mühle. Das zermahlene Chat schaufelt er sich dann mit einem Löffel in den Mund. Als wir ihn dabei fragend anschauen zeigt er uns sein Gebiss, wo in der Tat nur noch recht wenig Zähne übrig sind.

Wir nehmen auf einer Bank hinter dem Tresen Platz, und es vergeht nicht viel Zeit, da ist der Laden plötzlich proppenvoll. Und Ahmed steigt auf den Tresen am Eingang und kassiert die herausgehenden Kunden ab. Lustig ist dabei der Ablauf im Laden: die meisten Mitarbeiter beraten die Kunden und suchen ihnen die Waren raus. Wenn ein Kunde alles hat, werfen die Mitarbeiter die Sachen zu Ahmed, der diese in eine Tüte verpackt und dann mit den Kunden über den Preis verhandelt. Das ganze geschieht auf dem Tresen stehend. In der einen Hand hat er ein Geldbündel, das immer dicker wird. Ab und zu bückt er sich und wirft das Geldbündel in eine Schublade im Tresen. Wir sitzen mehrere Stunden im Laden und sehen uns das ganze an, ich kaue nebenher das Chat das wir bekommen haben. Interessant ist, daß über die ganze Zeit der Kundenstrom nicht wirklich abreisst, der Laden ist immer mehr oder wengier voll.

Als wir Ahmed zu verstehen geben, daß wir langsam gehen wollen, schickt er seinen Fahrer, der uns zum Hotel bringt. Dort müssen wir noch unsere Pässe an der Rezeption abgeben, damit diese registriert werden können. Wir gehen danach nochmal raus und trinken ein paar Tees in einem Café.

Als wir zurück kommen, so gegen zwei Uhr Nachts, klopft es, kurz nachdem wir wieder in unserem Zimmer sind, an der Tür. Ich bin währenddessen auf der Toilette, und denke es wäre vielleicht der Hotellier, der uns die Pässe zurückgibt, oder unser Zimmernachbar. Als ich zurück ins Zimmer komme sitzen dort 3 Männer, Daniel meint diese wären von der Polizei. Die Kerle waren auch schon in der Lobby, und wollten uns ansprechen, aber wir haben es irgendwie geschafft, uns schnell genug aufs Zimmer zu verziehen – unabsichtlich, wir werden hier so oft angesprochen, daß wir uns nicht mit jedem unterhalten können, und auf dem Weg ins Bett ist die Motivation noch eine Konversation zu starten auch nicht unbedingt die höchste.

Wir werden befragt, vermutlich vom Chef der Truppe, während einer stehend daneben mitschreibt. Es wird ziemlich schnell klar worauf die Fragen abzielen: warum wir keine Reisegenehmigungen haben, und wie wir ohne diese durch die Checkpoints gekommen sind. Allerdings läuft die Befragung relativ schleppend, mangels Englischkenntnissen der Befrager. Einer der Männer holt darauf einen Hotelmitarbeiter, der zumindest ein paar Worte Englisch spricht und übersetzt. Und dann wird es immer lustiger: erst wird die Vermutung aufgestellt, Daniel sei ein Syrer. Das haben auch schon ein paar Leute auf der Straße gefragt, und liegt vermutlich an seinm Bart und daran, daß sein Arabisch einen syrischen Akzent zu haben scheint. Außerdem wird nochmal unsere Route durch den Jemen durchgekaut, und uns werden Fragen gestellt wie die Fahrzeugtypen mit denen wir gefahren seien. Auch scheint die Männer zu interessieren, wo wir den ganzen Abend gewesen seien, da sie ja anscheinend schon eine gute Zeit in der Lobby auf uns warten mußten, während wir Tee trinken waren. Als den Polizisten dann die Fragen ausgehen, fragt Daniel ganz frech und auf arabisch, ob sie vom Geheimdienst seien, worauf die Kerle das Gesicht verziehen. Ich mache weiter, in dem ich die Fragestunde umdrehe und ein paar allgemeine Dinge in Erfahrung bringe, z.B. wie lange das Taxi nach Sana`a brauchen wird. Zum Schluß wird uns noch versichert, daß es hier sicher sei, und alles kein Problem war. Als die Männer abziehen, fragen wir uns, was der Sinn der Aktion gewesen sein soll.

Als ich kurz darauf nochmal runter gehe, um Bananen zu kaufen, weil ja noch Ramadan ist und wir was zum Frühstück brauchen, sehe ich, wie ein in der Lobby sitzender Mann sein Handy zückt und das Telefonieren anfängt. Kann Zufall gewesen sein, aber ich vermute daß der Kerl da positioniert wurde um Meldung zu machen was wir so tun.

Noch besser wird es am nächsten Tag: als wir das Hotel verlassen um nochmal kurz über den Markt zu gehen fällt mir sofort ein Kerl auf, der telefonierend hinter uns aus dem Hotel stolpert. Als ich dann absichtlich beim überqueren der Straße zögere, hält er auch an. Ich teile Daniel meine Beobachtung mit, und wir behalten den Typ im Auge. Er folgt uns tatsächlich, wir werden wie in einem schlechten Film beschattet, und das ziemlich dilettantisch. Da Ramadan ist, ist es schwierig mal in einem Café etwas zu trinken oder so, um beobachten zu können. Aber wir gehen in ein paar Läden, und der Kerl bleibt immer in unserer Nähe. Das ganze geht ein gutes Stück, bis er an einer Stelle im Markt ziemlich nah an uns ran kommt, weil er uns sonst aus dem Auge verlieren würde im Gewimmel. Daniel macht gerade Fotos von Ständen, und fotografiert dann auch unseren Verfolger, und zwar direkt ins Gesicht, mit Blitz. Unseren Verfolger scheint das nicht zu jucken, aber die Aktion hat zur Folge, daß er ab sofort zumindest nicht mehr versucht, unauffällig zu bleiben – obwohl im das auch vorher nur marginal gelungen ist. Als uns ein paar Passanten die Hände schütteln wollen steht er so nah bei uns, daß er auch begrüßt wird.

Wenig später sprechen wir ihn dann mal an, ob er von der Polizei sei. Er bejaht, was wir nicht erwartet hätten, und zückt sogar seinen Polizeiausweis, was nichtmal die Herren vom Vorabend für nötig gehalten haben. Da auf dem Ausweis nicht erkennbar ist, welcher Behörde er wirklich angehört, fragt Daniel nochmal ausdrücklich, ob er vom Geheimdienst sei, worauf er unerwarteterweise leicht verlegen grinsend nickt. Das hätten wir echt nicht erwartet, daß sich einer vom Geheimdienst, der uns beschatten soll, so leicht enttarnen lässt und sogar ohne Widerstand fotografieren lässt.

Wir gehen noch kurz im Laden von Ahmed vorbei, um uns bei ihm und seiner Mannschaft zu verabschieden, und gehen dann zurück zum Hotel um unser Gepäck zu holen. Unser Verfolger kommt natürlich mit, und fragt im Hotel dann sogar, ob er telefonieren könnte. Da das Hoteltelefon nicht zu funktionieren scheint, überlegen wir noch kurz, ob wir ihm eines unserer Handys anbieten, um mal an ein paar geheime Nummern zu kommen.

Er fragt uns noch, ob wir jetzt nacht Sana´a fahren würden, wir antworten mit der Gegenfrage, wo denn die Taxis seien. Er sagt uns, er würde uns hinbringen. Beim Taxi müssen wir dann noch wie üblich warten, bis alle Plätze belegt sind. Währenddessen werden wir natürlich bewacht, unser Aufpasser verschwindet nur kurz im Markt um sich seine Portion Chat zu besorgen.

Als wir mit dem Taxi beim Checkpoint am Ortsausgang vorbeikommen fällt sofort auf, daß hier heute wesentlich genauer kontrolliert wird als gestern. Wir müssen auch unsere Pässe vorzeigen, es wird daraufhin telefoniert, und unserem Taxifahrer wird eingeschärft daß er uns nirgendwohin außer nach Sana´a bringen dürfe.

Der Rest der Fahrt verläuft ruhig, bis auf einen wie üblich überstürzten Restaurantbesuch zum Sonnenuntergang – der letzte während des Ramadans. Zum Ende des Ramadans sieht man in der Dunkelheit auch überall große Feuer und Feuerwerke, die zur Feier des Tages gezündet werden.

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Hammam Damt

Wir schaffen es endlich mal wieder, rechtzeitig für einen Checkout aufzustehen, so stehen die Chancen gar nicht schlecht daß wir Aden verlassen. Ziel ist Ta´izz, weil wir ja die Genehmigung nach dort haben, und von dort weiter.

Am Taxistand entscheiden wir uns dann doch spontan, ein Sammeltaxi zu nehmen, welches nach Sana´a fährt, und zwar die Route über Hammam Damt. Zumindest für das erste Drittel ist die Strecke dieselbe wie die auf unserer Genehmgigung freigegebene. Die Fahrt beginnt damit, das wir durch einen schönen Sandsturm fahren. Der sorgt zumindest dazu, daß die Innentemperatur im Fahrzeug ein bißchen angenehmer wird.

Nach der Abzweigung, wo es nach Ta´izz gegangen wäre, wird es dann lustig. Der Sandsturm, durch den wir gefahren sind, hat anscheinend im Gebirge auch ein bißchen für Regen gesorgt, auf jeden Fall ist die Straße an mehreren Furten überschwemmt. Nach drei oder vier Flußdurchquerungen kommt dann eine Stelle, die zu tief ist für unser Taxi. Hier warten sogar Geländewagen und ein LKW, die einen wesentlich höheren Tiefgang haben als unser Taxi. Wir steigen also aus und beobachten die Szene. Auch am anderen Ufer warten Fahrzeuge. Ein Fußgänger versucht, den Fluß zu durchwaten, in der Mitte wird es aber zu tief und die Strömung zu stark, so daß er sich nicht weitertraut. Nach einiger Zeit kommt ein großer, uralter LKW, der sich den weg freihupt und dann tatsächlich den Fluß durchquert. Die Wellen, die sich am LKW brechen sind aber sehr hoch, für unser Taxi wäre das sicher nicht möglich da durchzukommen.

Nach ein bißchen Wartezeit sehen wir, wie oberhalb der anderen Flußseite Autos fahren, es scheint also eine Piste zu geben, die um die Flußwindung herum führt. Die Passagiere steigen also wieder ins Taxi, und wir fahren bis zur letzten Furt zurück. Aber hier ist der Pegel in der Zwischenzeit gestiegen, auch ander Fahrzeuge warten bereits, und keiner traut sich durchzufahren. Wir sind also eingesperrt vom Fluß. Wir warten wieder, der Fahrer unseres Taxis nimmt sich sein Kissen und seine Decke und legt sich zum Schlafen.

Nach etwas Wartezeit entscheidet sich einer der Geländewagen plötzlich, den Fluß zu durchqueren, obwohl die Strömung eigentlich nicht merklich zuirückgegangen ist. Aber es geht, man sieht auch, daß der Fluß gar nicht so tief ist. Also steigen alle wartenden Passagiere wieder in die herumstehenden Fahrzeuge. Gerade als wir einsteigen, sehen wir, wie einer der anderen Geländewagen, die gerade durch den Fluß fahren, umzukippen scheint. Auf jeden Fall steht er danach schief neben der Fahrrinne in einer Welle und kommt nicht mehr weiter. Es rennen Soldaten vom naheligenden Checkpoint und Leute aus den wartenden Fahrzeugen vom anderen Ufer herbei, um die Insassen herauszuholen, die nur auf der stromabwärts gelegenen Seite aussteigen können.

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Nachdem er dies gesehen hat, hat unser Taxifahrer verständlicherweise keine Lust mehr, den Fluß zu queren. Aber glücklicherweise traut sich ein anderes Fahrzeug trotzdem, durchzufahren, was dann auch unseren Fahrer wieder überzeugt, daß das klappen könnte. Wir kommen dann auch ohne Probleme durch und fahren auf einer Piste auf der anderen Seite des Flußes. Die Piste führt nach der Windung des Flußes oberhalb der geteerten Straße, ohne daß man auf diese wechseln könnte. Von dort sehen wir das Chaos, welches auf der Teerstraße herrscht. Eine Furt weiter oben stecken zwei LKWs im Fluß fest, und zwar richtig tief. Nach einem Stück ist die Piste zu Ende, hier warten mehrere Fahrzeuge. Es gibt eine ca. 3 Meter hohe, ziemlich steile Rampe runter auf die Teerstraße. Hier heben gerade die Insassen der anderen Fahrzeuge Steine in die Mulde hinter der Rampe, damit man hindurchfahren kann. Als die ersten Geländewagen durchfahren, setzen diese noch auf. Also werden noch mehr Steine reingelegt. Nach ein bißchen Wartezeit kommt auch unser Taxi durch, und die Fahrt geht weiter. Etwas weiter sehen wir noch einen umgekippten LKW.

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Die folgenden Checkpoints ignorieren uns alle, wir wissen nicht ob sie uns nicht sehen oder ob ihnen unsere Anwesenheit schlicht egal ist. Die Genehmigung, die wir eh nicht haben, ist also überflüssig. Nur ein Checkpoint ist interessant, der scheint nämlich nicht der Polizei zu gehören. Hier hat nämlich keiner eine Uniform, die Waffen schauen auch anders aus (hier haben nicht alle Automatikwaffen, sondern manche nur ein Jagdgewehr), und die Straße ist nicht mit den üblichen Hindernissen, die die Fahrzeuge bremsen sollen, versehen, sondern es liegen nur Steine auf der Straße. Es schaut also so aus, als würde hier eher ein lokaler Clan kontrollieren als die Polize. Der Mensch, der unser Auto anhält, steckt dann untypischerweise seinen Kopf ins Auto, und fängt an mit dem Fahrer zu reden. Sonst wurde höchstens ein Gruß gewechselt, aber hier gibt es eine richtige Diskussion, von der wir leider nicht wirklich etwas mitbekommen. Nur das Wort „Ramadan“ hören wir öfter.

Bei Sonnenuntergang hält das Taxi dann an einem Straßenrestaurant und es gibt Abendessen, in ortsüblicher Geschwindigkeit, so daß kaum Zeit verloren geht.

Wenig später kommen wir dann in Hammam Damt an, wo uns das Taxi rauslässt und weiterfährt. Wir gehen in das nächste Hotel. Da wir sehr müde sind und nur noch kurz zum Einkaufen rausgehen, sehen wir fast nichts von der Stadt. Auffällig ist nur, daß hier Nachts trotz Ramadan wesentlich weniger auf den Straßen los ist als in Aden oder Ta´izz.

Die Besichtigung in Hammam Damt am nächsten Tag fängt an mit einem Vulkankegel. Der Vulkan ragt am Stadtrand über alle Häuser, daneben gibt es noch zwei kleinere Vulkäne. Den größten kann man über eine Eisentreppe besteigen. Von oben kann man in den Krater sehen, welcher mit Wasser und Müll gefüllt ist, und hat außerdem einen tollen Blick über die Stadt.

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Während wir uns den Krater ansehen kommt auch eine Gruppe von vielleicht zehn Jemeniten, die meisten von ihnen mit automatischen Gewehren. Einige von ihnen fangen an, zum Spaß in den Krater zu schießen. Dabei fliegen jedes mal ein Haufen Vögel in die Luft, aufgeschreckt vom Krach. Generell sieht man in Hammam Damt einige Leute, die mit Gewehren herumlaufen, immer lässig um die Schulter gehängt. In den Städten, die wir bisher gesehen haben, haben höchstens Polizisten, Soldaten oder Wachmänner Gewehre. In Damt hört man auch permanent Knälle, aber die meisten scheinen von Kindern und Jugendlichen zu kommen, die Feuerwerkskörper entzünden. Ob das hier immer so ist, oder ob das wie Daniel meint mit Ramadan zu tun hat, ist fraglich. In den anderen Städten haben wir davon nichts mitbekommen. Meine Theorie ist, daß die Kinder Böller zünden, so daß es nicht auffällt, wenn mal ein Erwachsener mit seinem Gewehr schießt, weil jeder an die permanenten Knallgeräusche gewöhnt ist.

Nach dem Vulkan gehen wir weiter durch die Stadt, wo wir noch einen Geysir finden, der früher vermutlich mal höher gespien hat. Jetzt ist jedoch das Fundament undicht, und das meiste Wasser kommt seitlich hinaus und spritzt nicht nach oben. Einen guten Meter schafft die Fontäne noch. Das Wasser ist heiß und riecht leicht nach Schwefel. Nach einiger Zeit kommt auch die Gruppe Jemeniten mit den Gewehren, die wir bereits beim Vulkan getroffen haben, vorbei. Sie scheinen auch eine Art touristische Tour zu machen. Einer will mit seinem Gewehr in das gerade ruhende Loch des Geysirs schießen, aber die andern halten ihn aus irgendeinem Grund dvon ab.

Vom Geysr wird uns der Weg gezeigt zum eigentlich interessanten Geysir, der in der Stadtmitte liegt, und laut Reiserführer fünf Meter hoch sein soll. So hoch ist er dann doch nicht, aber es kommt schon mehr raus als aus dem anderen Geysir. Aber hier kommt man nicht so nah ran, da der Geysir auf dem Hof eines Hotels eingezäunt ist, was auch neu zu sein scheint, da der Reiseführer noch etwas anderes sagt.

Nach dem Abendessen nach Sonnenuntergang trinken wir noch ein paar Tees bzw. Kaffees in der Nähe des großen Geysirs. Der Kaffee hier in Jemen ist auch etwas anderes als man erwarten würde. Der Jemen zählt ja mit Äthiopien zu den Ursprungsländern des Kaffees, und mit Mokha gehört auch der ehemals wichtigste Exporthafen für Kaffee zum Jemen. Hier werden jedoch im Gegensatz zum Rest der Welt nicht die gerösteten und gemahlenen Bohnen aufgekocht, sondern die Spelzen. Das Ergebnis schmeckt zwar nach Kaffee, erinnert von der Konsistenz und Intensität eher an Tee mit Kaffeegeschmack. Der hiesige Kaffee ist aber durchaus trinkbar und schmackhaft, enthält aber kaum Koffein. Warum hier ausgerechnet die Spelzen aufgekocht werden kann für mich nur einen Grund haben: die Bohnen sind für den Export reserviert. Aber ob das wirklich so stimmt kann ich aufgrund der angeblich geringen Exportmengen kaum verifizieren.

Der Strom fällt im Jemen ja hin und wieder aus, meist nur kurz, aber manchmal dauert es auch ein paar Stunden bis wieder überall Licht brennt. Die meisten Jemeniten sind darauf vorbereitet, und eigentlich jedes Geschäft hat einen Generator vorrätig, der im Falle eines Stromausfalls angeschmissen wird. Was aber heute witzig war, ist wie plötzlich die halbe Stadt zu applaudieren begann, wie der Strom mal wieder ausfiel. Ob es genau in einem komischen Moment passierte, oder ob es einfach nur die Laune des Momentes war bleibt ein Rätsel.

Aden

Am Tag nachdem wir in Jiblah waren, sind wir mit einem Sammeltaxi weiter nach Aden gefahren. Die Fahrt hat ca. drei Stunden gedauert, während denen die Luft immer wärmer wurde.

In Aden angekommen verirren wir uns erstmal, da wir nicht an dem Taxistand angekommen sind, den wir erwartet hatten, und suchen verwirrt ein Hotel. Zur Verwirrung trägt auch noch bei, daß es hier anscheinend mehrere Hotels mit denselben Namen gibt. Wir entschließen uns, ein Taxi zu nehmen, welches dann doch noch ein gutes Stück zu unserem Hotel unterwegs ist.

Vor dem Abendessen sehen wir uns noch ein bißchen die Stadt an. Es gibt einige interessante Dinge, z.B. ein Minarett, das je nach Reiseführer 500 oder 1000 Jahre alt ist, einen Palast, wo jetzt ein Museum untergebracht ist, und diverse Festungen, davon eine auf einer Halbinsel, die beim alten Hafen ins Meer hineinragt.

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Aden selbst liegt auf einer Halbinsel, die wahrscheinlich noch vor gar nicht allzu langer Zeit noch eine echte Insel war. Die Halbinsel besteht aus einem über 500 Meter hohen Vulkan, die Altstadt liegt in einem Nebenkrater, und wird deswegen auch „Crater“ genannt. Die anderen Stadtteile liegen auf anderen Seiten des Vulkans und sind dementsprechend nur über Pässe oder Tunnel erreichbar.

Abends schlendern wir noch ein bißchen durch die Souks in der Altstadt und trinken den ein oder anderen Tee oder Saft. Für den Konsum des Tees hat ja beinahe jede Nation ihre eigenen Wege entwickelt, die sich durch verschiedene Merkmale unterscheiden, sei es wie man den Tee einschenkt (hier wären die Marokkaner erwähnenswert, die den Tee aus möglichst großer Höhe von der Kanne ins Glas schütten), wie der Zucker in den Tee kommt (z.B. in dem man die Zuckerstückchen zwischen die Zähne klemmt und dann den Tee durch diese durchsaugt, wie es die Iraner zu tun pflegen) oder was alles für Gewürze im Tee zu finden sind (z.B. Minze, Kardamom oder Ingwer). Die Jemeniten haben auch eine eigene Form des Teetrinkens erfunden, die ich sonst noch nirgends gesehen habe: da der Tee ja sehr heiß ist, wenn man ihn bekommt, kippen sie diesen auf die Untertasse, soviel diese eben fasst, um ihn abzukühlen. Danach wird der Tee direkt von der Untertasse getrunken. Wenn diese leer ist, wird wieder aus dem Teeglas nachgeschüttet.

In einer Teestube treffen wir dann auch noch einen echten Piraten, zumindest schaut er so aus: er hat noch ein echtes Holzbein, wie man es aus alten Piratenfilmen kennt.

Hier in Aden ist es tagsüber fast tot, man sieht kaum Autos auf den Straßen und nur wenige Menschen. Und von den paar Menschen die man sieht liegen viele im Schatten und schlafen. Nachts hingegen ist richtig viel los, der Markt ist voll mit Menschen. Und zwar bis spät in die Nacht, der Markt ist zwischen 11 und 1 Uhr Nachts am belebtesten. Aber selbst um 4 Uhr früh ist wesentlich mehr los als tagsüber. Das ist schon verständlich, da hier ja während dem Ramadan tagsüber nichts getrunken und gegessen werden darf, so daß alle Menschen so lange schlafen und nur Nachts aktiv werden, gerade hier in Aden, wo es ja ziemlich heiß (über 40 Grad im Schatten) ist.

Am nächsten Tag sehen wir uns das Nationalmuseum an, welches im Palast untergebracht ist. Dort sind einige interessante vorislamische Ausstellungsstücke zu sehen. Auch interessant ist das Gästebuch, das uns beim verlassen vorgelegt wird, mit der Bitte uns einzutragen. Man sieht, daß hier fast keine Touristen vorbeikommen. Eine DIN-A4-Seite hat vielleicht 20 Einträge, seit April. Bloß im April kam ein Kreuzfahrtschiff aus Italien nach Aden, was dann für eine ganze Seite Gästebucheinträge gesogt hat. Aber ansonsten kommen höchstens einmal die Woche Touristen hierher. Auch sonst haben wir bis zu diesem Zeitpunkt noch keine Touristen im Jemen getroffen. Keinen einzigen. Neben dem Museum sehen wir noch ein Pizza-Hut Restaurant, das vermutlich gerade geschlossen wird, da jemand das Schild am Eingang übermalt. Zumindest das Logo und den Schriftzug, die abgebildete Pizza darf bleiben. Interessant, das bisher einzige Kettenrestaurant das wir hier gesehen haben, macht zu. Dabei wird es im Reiseführer sogar als „feines Restaurant“ beschrieben. Danach fahren wir zur Abkühlung nach Gold Mohur, wo schöne Strände zu finden sind, an denen auch fast nichts los ist. Nach dem Baden gehen wir die Straße noch ein bißchen weiter, dort befindet sich das 5-Sterne-Hotel „Gold Mohur“, wo jedoch nichts los zu sein scheint. Eine Bucht weiter befindet sich nur noch eine Bauruine, und die Straße endet. Ein paar Jemeniten haben sich mit dem Auto in die Bucht verzogen und warten dort auf den Sonnenuntergang. Auf der Landzunge zwischen den Buchten befindet sich auch noch ein Leuchtturm, aber Soldaten halten uns auf als wir zu diesem hinaufsteigen wollen. Zum Abendessen fahren wir einen Stadtteil zurück, nach Tawahi. Von dort sieht man auch den modernen Containerhafen von Aden, der sich auf der anderen Seite der Bucht befindet. Ansonsten gibt es in Tawahi einige Relikte aus der britischen Kolonialzeit, z.B. eine kleine Version des Big Ben, der hier Little Ben heißt. Es gibt sogar einen Tourist Port, welcher sich bei einem alten Hafengebäude für Passagiere befindet.

Nachts wir nochmal in die Altstadt und trinken ein paar Tees und Säfte. Interessant ist hier zu sehen, daß fast jeder männliche Jemenit eine dicke Backe hat, in der er sein Chat bunkert. Manche scheinen ihre Backe in jahrelangem Training so weit gedehnt zu haben, daß locker ein Tennisball darin Platz finden würde. Aber die Leute hier bevorzugen Chat statt Tennisbälle. Beim Teetrinken sehen wir dann auch noch aus der Ferne die ersten Touristen seit vielleicht 2 Wochen, zwei europäische Frauen.

Im Jemen tragen die meisten Leute Sandalen oder Schlappen, fast niemand hat geschlossene Schuhe oder irgendetwas festeres an den Füßen. Das ist schon bemerkenswert, da es zwar von den Temperaturen her durchaus Sinn macht lockeres Schuhwerk zu tragen, aber im Jemen wäre festes Schuhwerk oft angebracht, da Wege und Straßen oft nicht befestigt und voller Steine sind. Auch führen die Wege zu Wohnhäusern auch oft über enge, steile Aufstiege, die voll mit Felsen, Steinen und Müll sind, über die sich kaum ein Europäer (ich nehme mich selbst mal aus an dieser Stelle) ohne festes Schuhwerk trauen würde. Durch die Gewohnheiten der Jemeniten bezüglich ihrer Schuhtracht wird natürlich eine ganze Zunft, die sonst in jedem Entwicklungsland heimisch ist, überflüssig, nämlich die der Schuhputzer. Stattdessen gibt es an den üblichen Stellen, an denen sonst Schuhputzer zu findene wären, Sandalenflicker. Die haben ein paar Sandalenpaare vor sich, die sie zum Verkauf anbieten, und geben ansonsten die Möglichkeit, seine Sandalen nähen zu lassen, wenn ein Riemen gerissen ist.

Am nächsten Tag wollten wir eigentlich weiterreisen, aber stehen zu spät auf, um noch aus dem Hotel auschecken zu können, obwohl die Checkout-Zeiten während dem Ramadan hier weniger streng zu seien scheinen. Wir beschließen, die Aden Tanks zu besichtigen, die sogar in irgendeiner Form von der UNSECO registriert zu sein scheinen. Dabei handelt es sich um riesige Wassertanks, die dazu verwendet werden, das Regenwasser, welches sich am hohen Vulkan abgeregnet hat, aufzufangen, und es für die Stadt, die ja früher eine Insel war und deswegen nicht vom Festland aus mit Frischwasser versorgt werden konnte, aufzubewahren. Die Tanks sind echt beeindruckend, sie scheinen auch sehr alt zu sein. Die Briten haben sie vor 150 Jahren renoviert. Bei den Tanks sehen wir dann auch nochmal Touristen, diesmal Inder.

Nach den Tanks wollten wir eigentlich nochmal zum Strand fahren, aber dafür ist es schon fast zu spät, deswegen steigen wir einen anderen Hügel hinauf, wo sich auch der „Turm des Schweigens“ befindet. Dabei handelt es sich um ein Gebäude, das Zarathustrer verwenden, um ihre Toten zu bestatten. In Aden gab es anscheinend bis ins letzte Jahrhundert hinein eine Gemeinde von Parsen, also iranischstämmigen Zarathustrern. Solche Bestattungstürme habe ich auch schon im Iran gesehen, in Yazd, wo auch noch einige Zarathustrer leben. Die Zarathustrer glauben, daß Tote unrein sind und deswegen nicht in Kontakt mit dem heiligen Feuer oder der Erde kommen dürfen. Deswegen werden sie auf die Bestattungstrüme gelegt, bis sie von Aasgeiern aufgegessen werden. Vom Turm des Schweigens hat man auch einen tollen Ausblick über Aden.

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Nach dem Abendessen fahren wir nochmal nach Tawahi, weil dort die Touristenpolizei ist, von der wir uns mal Reisegenehmigungen besorgen wollen, die man hier eigentlich braucht. Vor der Polizei treffen wir jedoch nur einen Kerl, der vor der Tür auf dem Boden sitzt und Chat kaut. Er bestätigt uns zwar, daß hier die Touristenpolizei sei, aber wir sollten ein bis eineinhalb Stunden später kommen, dann wär sie wieder offen. Wir verziehen uns solange in ein Internetcafé. Als wir zurückkommen sitzen zwei Kerle vor der Tür und kauen Chat. Aber sie geben uns zu erkennen, das sie uns Reisegenehmigungen ausstellen können. Allerdings wollen sie uns unsere geplante Route von Aden nach Hammam Damt nicht genehmigen, da diese zu gefährlich sei. Insgesamt wollen sie uns eh nur eine Genehmigung nach Ta´izz ausstellen, wo wir uns dann nochmals Genehmigungen für die weitere Strecke holen sollten. Wir willigen ein, besser als gar nichts. Lustig wird es, als Daniel auf die Frage, wo unsere vorherige Genehmigung sei, antwortet, daß wir keine gehabt hätten, was ja auch stimmt. Daraufhin telefoniert einer der Kerle erstmal ein bißchen rum, aber letztendlich bekommen wir unsere Genehmigung. Wir vermuten mal, daß am Telefon Ärger für die Checkpoints, die uns nicht kontrolliert haben, initiiert wurde.

Wir fahren zurück nach Crater um noch ein paar Tees und Säfte zu trinken. In einer der Teestuben werden wir sogar schon wiedererkannt, die Tees werden schon abgefüllt als wir uns noch nichtmal hingesetzt haben.

Jiblah

Jiblah liegt nördlich von Ta´izz, in der nähe der Stadt Ibb. Wir fahren mit einem Sammeltaxi nach Ibb. Die Straße ist in einem sehr guten Zustand und führt durch eine atemberaubende Berglandschaft. Alles ist grün, überall sind verstreute Siedlungen mit traditionellen Häusern. Echt sehr schön anzusehen. Schade daß man das Sammeltaxi nicht anhalten kann um sich das genauer anzusehen oder ein paar Fotos zu machen.

In Ibb steigen wir in ein anderes Sammeltaxi um, welches uns die restlichen Kilometer hoch nach Jiblah bringt. Jiblah liegt in einem engen Flußtal und war mal die Hauptstadt eines Königreiches, das eine Zeit lang von Königin Arwa regiert wurde, die auch heute noch sehr für ihre großzügigen Taten bewundert wird. Ihr ist auch ein Museum in Jiblah gewidmet, das wir uns als erstes ansehen.

Im Museum gibt es nicht wirklich herausragende Ausstellungsstücke, aber dafür einen tollen Blick über Jiblah vom Dach aus:

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Nach dem Museumsbesuch irren wir ein bißchen durch die Gassen von Jiblah, wo uns dann schließlich ein Mann im mittleren Alter anspricht und eine Moschee und das dazugehörige Hammam zeigt. Das ist schon sehr interessant, weil man hier im Jemen normalerweise als Nicht-Moslem eher selten die Gelegenheit hat, eine Moschee von innen zu sehen. Es stellt sich heruas, daß der Mann der Imam der Moschee ist.

In der Moschee sehen wir wie Leute beten und aus dem Koran lesen. Nach kurzer Zeit werden wir auch zum Abendessen und Fastenbrechen eingeladen, was aber noch ein paar Stunden hin ist, da noch Nachmittag ist. Wir lassen uns überreden, bis dahin zu bleiben, und sehen uns noch eine andere Moschee in Jiblah an, die älteste im Ort. Diese hat zwei Minarette, davon eins über 1000 Jahre alt, das andere „nur“ 500. Außerdem ist in der Moschee die Grabstätte von Königin Arwa untergebracht, die wir uns auch ansehen können, obwohl im Reiseführer erwähnt ist, daß das normalerweise nicht möglich ist. Wir werden hingegen sogar dazu aufgefordert, Fotos zu machen. An die Moschee ist auch hier ein Hammam angeschlossen, was aber außer Betrieb ist, aber angeblich auch sehr alt sein soll.

Nach dem Moscheebesuch werden wir noch in ein angrenzendes Haus geführt und dort auf das Dach gebracht. Die Häuser sind hier Jementypisch sehr hoch, wir befinden uns also ca. im sechsten Stock und haben wieder einen tollen Blick, diesmal aufs Tal und die gegenüberliegenden Berge.

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Nach der kleinen Tour gehen wir wieder zurück zur Moschee von vorhin und warten auf den Sonnenuntergang. Dabei sitzen wir in der Moschee und unterhalten uns mit den anderen Anwesenden. Für uns wird auch jemand herbeigerufen, der sehr gut Englisch spricht. Als er in die Moschee eintritt, denken wir zuerst daß es sich um einen hier lebenden Aussteiger oder so handeln würde – er trägt zwar die ortsübliche Tracht, bestehend aus einem Stoffrock, einem Hemd und einem speziellen Gürtel, hat aber rote, dünne Haare, die quer über den Kopf gekämmt sind. Im Gespräch stellt sich aber heraus, daß er hier geboren wurde, und der Englischlehrer des Dorfes ist. Er unterhält sich nett mit uns und übersetzt auch einige Fragen der anderen Anwesenden.

Bei Sonnenuntergang gibt es zuerst Datteln und eine Art Brotteig mit scharfer Soße, dazu Saft. Danach findet kurz das Sonnenuntergangsgebet statt. Da die Moschee dazu relativ voll wird, geht Daniel für die Tür. Als ich ihm gleich tun will, ruft der Imam meinen Namen und deutet, daß ich bleiben solle. Lustig ist, daß das Gebet für die vor der Tür betenden per Lautsprecher über die ganze Stadt durchgegeben wird. Daniel hört es draußen.

Nach dem Gebet gibt es unter den Arkaden des Moschee-Innenhofes dann das richtige Abendessen, mehrere Platten mit verschiedenen Gerichten, z.B. Reis mit Ziegenfleisch, einen Nudelauflauf, verschiedene Suppen die mit Brot gegessen werden, und Nachtisch. Wie wir es vom Jemen gewohnt sind, wird sehr schnell gegessen, und wenn man nicht aufpasst und zu langsam ißt, wird man danach zusammen mit den Abfällen in die Decke, die als Unterlage dient, mit eingewickelt und entsorgt.

Nach dem Essen unterhalten wir uns noch ein bißchen, aber deuten dann an daß wir aufbrechen wollen, weil wir ja noch ein Sammeltaxi zurück nach Ta`izz erwischen müssen, wo unser Gepäck noch im Hotel ist.

Der Imam lässt begleitet uns nach der Verabschiedung von den anderen noch zum Taxistand, unterwegs lädt er uns noch in eine Teestube ein, und läßt es sich danach nicht nehmen, auch noch das Sammeltaxi nach Ibb zu bezahlen.

Ich bin echt beeindruckt von der Gastfreundschaft hier, und verstehe auch langsam was viele Leute so reizt am Jemen.

Ta`izz

Wir kommen spätnachmittags mit dem Taxi in Ta`izz an und checken im Asia Hotel ein. Da es bis zum Fastenbrechen noch ein bißchen hin ist, spazieren wir kurz durch die Stadt, und die letzte halbe Stunde bis zum Essen verbringe ich damit, mir den Bart schneiden zu lassen. Das habe ich zuletzt in Äthiopien machen lassen, für 5 Birr (knapp 0,30 €), allerdings war das dort von eher geringem Erfolg gekrönt, da mir der Barbier dort nur einhändig aus großem Abstand mit einer Haarschneidemaschine den Bart stutze. Das war weder gründlich noch sah es danach ordentlich aus. Hier im Jemen läuft es jedoch anders. Ich setze mich hin, und ein ca. 12-jähriger Junge, der selbst noch weit entfernt von Bartwuchs zu sein scheint, fängt mit den Vorbereitungen an: desinfizieren des Messers (dazu übergießt er dieses mit einer Flüssigkeit, die er danach anzündet), einsetzen einer neuen Klinge, einschäumen meines Gesichtes. Als ich denke, er sei mit den Vorbereitungen fertig und der Barbier könne anfangen, legt er jedoch selber los. Und erledigt seinen Auftrag wirklich sehr gut und gründlich. Als er fertig ist kommt der Chef des ladens, schaut sich mich an, gibt dem Jungen noch Anweisungen wo er noch nachschneiden muß, was dieser auch tut. Das Ergebnis ist dann wirklich wie es sein soll. Und gekostet hat der Spaß 300 Rial, also knapp einen Euro.

Zum Essen danach gibt es Fleisch, Reis und frisches Brot. Allerdings tun wir uns schwer, die ortsübliche Geschwindigkeit beim Essen zu imitieren. Während wir Essen, wird der Nachbartisch zweimal belegt, und die Gäste essen jeweils ungefähr das gleich wie wir, bloß halt ca. doppelt so schnell. Gegessen wird mit der Hand, nur für den Reis gibt es Löffel. Da beim so schnellen Essen natürlich einiges daneben geht, werden die Tische mit Plastikplanen ausgelegt, damit nach dem Essen das Schlachtfeld schnell geräumt werden kann. Nach dem Abendessen laufen wir noch ein bißchen durch die Stadt. Beeindruckend ist die beleuchtete Burg, die hoch über der Stadt trohnt. Es sieht aus, als hätte die Burg einen runden Kreis um sich selbst freigeschossen, da dort kein Licht leuchtet.

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Und selbst über der Burg sind noch Lichter zu sehen, ein über 3000 Meter hoher Berg trohnt über der Stadt, der ziemlich hoch noch Siedlungen vorzuweisen hat.

Am nächsten Tag wollen wir uns das Museum ansehen, aber finden es nicht. Deswegen nehmen wir ein Taxi hoch auf die Burg. Der Wärter macht uns sogar das Tor auf, so können wir uns auch die innenliegenden Höfe ansehen. Die Burg wurde und wir noch renoviert, an manchen Ecken sieht man noch unfertige Baustellen. Aber die bereits fertiggestellten Teile können sich sehen lassen. Eine so gut renovierte Burg würde ich sonst höchstens irgendwo in Deutschland erwarten.mastory-image (18)

 

Von der Burg hat man auch einen tollen Ausblick über die ganze Stadt.20100901_006

Was den Jemen von den Ländern unterscheidet, die wir zuvor besucht haben, ist der Verkehr. Hier wird permanent gehupt, wesentlich aggresiver und rücksichtsloser gefahren, die Autos stinken wesentlich mehr, und die Motorräder haben alle keinen Schalldämpfer und könnnen von sehr weit gehört werden. Selbst von der Burg, die 300 Meter über der Stadt liegt, hört man den Verkehr. Was auch interessant ist, daß hier die Sammeltaxis, kleine Toyota-Minibusse, fast alle ihre Schiebetür permanent offen lassen, sie ist oft sogar mit Seilen festgebunden. Am nächsten Tag wollen wir versuchen, uns eine Reisegenehmigung von der Polizei zu holen. Was wir jedoch vergessen haben ist, daß Donnerstag ist, an dem alle Behörden höchstens Halbtags, wenn überhaupt, geöffnet sind. Wir laufen also zur nächsten Polizeistation, die nur wenige Schritte von unserem Hotel entfernt liegt. Dort liegen mehrere Männer auf Liegen herum, und eine Hand winkt aus einer Gittertür im hintersten Eck, vermutlich die Gefängniszelle. Allerdings kann uns nicht direkt weitergeholfen werden, die Polizisten versuchen zwar, irgendwo anzurufen, aber anscheinend geht niemand ans Telefon. Kurz darauf fährt jedoch ein Auto vor, und ein Polizist steigt aus. Nachdem er kurz mit den anderen geredet hat, nimmt er uns mit ins Auto und fährt zur Polizeizentrale. Dort gehen wir in einem Raum, der bei uns höchstens als heruntergekommene Kifferstube gelten würde. In der Ecke liegt auf mehreren Kissen ein Polizist, der ca. sechs Telefone um sich hat. Er telefoniert ein bißchen herum, aber heraus kommt für uns nichts. Nach ein bißchen gerede fährt uns unser fahrender Polizist zur Touristenpolizei, aber nicht ohne unterwegs fragen zu müssen wo diese überhaupt liegt. Aber die Touristenpolizei ist wirklich geschlossen, da lässt sich also nichts machen. Er meint jedoch, später könnten wir auf einer anderen Polizeistation noch eine Erlaubnis bekommen. Er schlägt vor, daß wir solange auf den Berg fahren, was wir dann auch machen. Die Straße führt in vielen engen Kurven hinauf, bald ist man wesentlich höher als die Burg, ca. 600 Meter über der Stadt. Von hier hat man natürlich nochmal einen wesentlich besseren Überblick über die Stadt. Danach versuchen wir es dann nochmal bei der anderen Polizeistation, aber der dafür zuständige Polizist ist doch noch nicht aufgetaucht. Wir beschließen, das Projekt Reisegenehmigung erstmal etwas aufzuschieben, und einen Ausflug nach Jiblah zu machen.

Nachtrag zum Saunaschiff

Im letzten Eintrag habe ich ein paar Kleinigkeiten vergessen, die ich noch zur Überfahrt von Somaliland nach Jemen erwähnen wollte.

Am Morgen es ersten Tages der Überfahrt wurden wir von einem Kampfhubschrauber umkreist. Ich habe leider nicht erkannt, welchem Land dieser zugehörig war, aber vermutlich gehört er zu einer der Missionen im Golf von Aden, die gegen die dort vorherrschende Piraterie kämpfen sollen. Nachdem er drei mal um unser Schiff herumgeflogen war zog er auf jeden Fall wieder ab. Später, als wir uns auf der Brücke mit dem Kapitän unterhalten haben, erfuhren wir mehr. Es handelte sich um Franzosen, die auch per Funk Daten zum Schiff, dessen Ladung und der Route abgefragt haben. Daß wir an Bord waren wurde aber nicht durchgegeben. Die Mission am Adener Golf scheint also wirklich ernsthaft jedes Schiff zu kontrollieren. Einer der Seemänner erzählte uns dann auch, daß ein solcher Hubschrauber auch mal auf einem anderen Schiff, auf welchem er arbeitete, landete und die Mannschaft persönlich kontrolliert wurde.

Eine andere interessante Sache ist die Beflaggung des Schiffes. Auf internationalen Gewässern sind wir ohne Flagge gefahren, was anscheinend so üblich ist. In jemenitischen Gewässern wurde dann die Somalische Flagge aufgezogen. Die Flagge von Somaliland wird nicht anerkannt, deswegen wird die Flagge eines Landes benutzt, dessen Regierung ungefähr zwei Straßenblocks in Mogadischu kontrolliert.

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Und was auch nochmal erwähnenswert ist, wie heiß es auf dem Schiff war. Die Kabinen können bestenfalls als Saunazellen beschrieben werden, es gab passenderweise auch eine Dusche mit einem Kaltwasserhahn. Nur dumm daß selbst da brühend warmes Wasser herauskam.

Berbera nach Mokha

Am nächsten Tag bekommen wir einen Anruf, daß Nachts ein Schiff nach Jemen fahren würde, und zwar nach Mukhalla, ein Ort sehr weit im Osten, wo wir sonst wahrscheinlich nie hingekommen wären, weil es eben so weit im Osten liegt, und vor allem weil die Zufahrtsstraßen aus Sicherheitsgründen für Touristen nicht passierbar sind.

Nachmittags werden wir dann abgeholt um ganze 50 Meter zum Immigration Office zu fahren, was ziemlich genau schräg gegenüber unseres Hotels liegt. Der Wärter schickt uns erstmal wieder weg, weil sein Chef noch nich anwesend ist. Doch als wir gerade wieder ins Auto steigen wollen, kommt er gerade dahergelaufen. Die Ausreiseprozedur geht relativ schnell, ein paar Infos aus unseren Pässen werden in ein Buch übertragen, zusammen mit der Information daß wir mit dem Schiff Seastar nach Mokha fahren würden. Mokha liegt ganz im Westen des Jemen, an der Westküste, die nicht an den Golf von Aden grenzt, sondern ans rote Meer. Außerdem bekommen wir die Ausreisestempel, den sich Daniel sogar selber in den Paß stempeln darf. Und dazu gibt es noch eine Bescheinigung, die uns das Betreten des Hafens ermöglicht.

Danach gehts weiter zur Reederei, die unser Schiff betreibt. Dort zahlen wir den Fahrpreis, 50 US-$, und werden als zweiter bzw. dritter auf der Passagierliste eingetragen. Der erste ist ein Jemenit.

Dann geht es erstmal zurück ins Hotel. Nach dem Abendessen kaufen wir noch Wasser und ein paar Kleinigkeiten zum Essen für die Überfahrt. Danach gehts zum Hafen, wo auch schon unser Schiff wartet. Das Schiff heißt Seastar, ist 56 Meter lang und wurde 1967 in Deutschland gebaut. Das Schiff ist ein Viehtransporter, wir erfahren daß mit uns ca. 2000 Kühe, Ziegen und Schafe reisen werden. Von denen ist aber noch nichts zu sehen. Es ist auch erst ca. 9 Uhr Abends, das Schiff soll nachts zwischen 3 und 5 Uhr ablegen. Solange dürfen wir uns frei auf dem Hafen bewegen, was ziemlich interessant ist.

Das Bild zeigt ein paar Schiffswracks am Hafen von Berbera.

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Nicht weit von unserem Schiff liegt ein riesiges Transportschiff, von dem gerade Mais abgeladen wird, welcher direkt am Hafen in 50-Kilo-Säcke abgefüllt wird: transportiert wurde der Mais als Schüttgut und wird mit rieseigen Baggern in Maschinen gefüllt, die aus zwei übereinandergestapelten Containern besteht, welche den Mais dann in die Säcke füllen. Die fertigen Säcke werden dann direkt auf LKWs geladen. Diese sollen den von Spanien im Rahmen des WFP (World Food Programme) gesponserten Mais dann nach Mogadischu bringen. Der ganze Abfüllprozess ist sehr interessant anzusehen. Bei jeder Baggerladung, die in die Maschinen abgefüllt wird, weht eine Fahne mit Maisspelzen über den ganzen Hafen. Außerdem geht jedes mal einiges daneben. Aber um die Maschinen herum sind Planen ausgelegt, von denen dann der verschüttete Mais aufgesammelt wird, um von Hand in Säcke abgefüllt zu werden.

Weiter hinten am Hafen wird gerade ein Containerschiff gelöscht, was auch ganz interessant ist. Und am Ende des Hafens liegt eine Fähre, an deren Rampe ein älterer Mann auf einem Plastikstuhl sitzt und raucht. Als wir ihn ansprechen erklärt er uns, daß er Syrer und der Kapitän es Schiffs sei. Er warte seit 12 Tagen, daß die Ladung gelöscht wird, aber die Somalier arbeiten so langsam.

Nach der Runde über den Hafen gehen wir in die Caféteria um uns noch einen Tee zu bestellen, was sich jedoch als kompliziert herausstellt: Daniel bekommt seinen Tee mit Kamelmilch sofort, aber ich will einen ohne Milch. Als wir gerdacht haben, der Teeausschenker hätte kapiert was ich will, bringt er zunächst nur eine Tasse Tee. Wir erklären es ihm nochmal, mit Hilfe anderer Gäste im Café. Ich bekomme eine Tasse mit Teeblättern. Erst auf den dritten Versuch bekomme ich meine Tasse schwarzen Tee.

Als wir zurück zum Schiff kommen, geht das Beladen gerade los. Ich hatte gedacht, daß irgendwelche Tiertransporter-LKWs kommen würden, aber hier wird die Herde Kühe einfach auf den Hafen getrieben. Und die Kühe sind da recht eigenwillig, sie pinkeln und kacken den ganzen Hafen voll, manche Kühe kämpfen gegenseitig mit ihren Hörnern, andere begatten sich, viele rutschen auf dem Glatten Beton im Hafen aus, und alle machen zusammen ein riesiges Chaos. Die Kühe müssen alle über eine einzige Rampe aufs Schiff. Das geht am Anfang recht schnell, aber einige Kühe reissen aus oder bocken. Eine Kuh schafft es locker, die Rampe mal für 10 Minuten zu blockieren.

Neben der Rampe gibt es noch einen Kran, der jeweils zwei Kühe in den Laderaum hieft. Das geht aber nicht sehr schnell. Als fast alle Kühe verladen sind, bleiben nur noch die widerspänstigen übrig. Und je weniger Kühe übrig sind, desto mehr Männer braucht es pro Kuh um diese aufs Schiff zu bekommen. Erst 3, dann 5, und am Schluß sind es sicher je 10 Mann die eine Kuh aufs Schiff ziehen. Eine der Ausreißerkühe schafft es dann auch irgerndwie zwischen die Paletten, auf denen wir sitzen und zuschauen, und rennt mich dann noch von Hinten um. Zum Glück ist nichts passiert.

Nachdem die Kühe verladen sind taucht die Ziegen- und Schafsherde auf. Nachdem die ersten Ziegen auf der Rampe sind taucht irgendwo zwischen den herumstehenden Container noch eine ausgerissene Kuh auf, aber die muß erstmal warten. Die Ziegen und Schafe sind wesentlich einfacher zu handhaben, sie laufen immer einander hinterher. Nur manche laufen neben der Rampe und müssen dann zurückgeführt werden. Aber der Ziegen- und Schafnachschub scheint kein Ende zu haben. Stunden später legen wir dann ab, ich schlafe schon.

Die See ist zwar relativ ruhig, aber das macht die Fahrt nicht unbedingt angenehmer, weil das Boot eh schaukelt und Schlagseite hat, da es ziemlich überladen ist. Und andererseits ist der Wind nur schwach, was die Hitze nicht gerade erträglicher macht. Die Crew ist ziemlich nett, und wir können uns frei auf dem Schiff bewegen. Nur auf den Bug kann man nur schwer, da man dazu durch die Ziegenherde klettern müsste, was wir uns ersparen, da es vorne ziemlich nach Tieren stinkt. Auf der Brücke ist es aber ziemlich interessant, da hier für unsere Verhältnisse ziemlich antike Navigationsgegegnstände herumstehen. Das Schiff fährt ziemlich langsam, so zwischen 10 und 15 km/h. Und es ist überall sehr laut, da auf dem Achterdeck ein lauter Generator brummt. Aber der Strom reicht nichtmal für die Klimaanlagen, der Kapitän meint, alles würde für die Ventilatoren im Laderaum gebraucht, damit die Kühe nicht ersticken. Dementsprechend gibt es auch keinen kühlen Raum auf dem Schiff, nur ein paar Ventilatoren machen es ertragbar.

Das nächste Bild zeigt einen Blick von der Brücke Richtung Ladefläche, das darauf einen Blick auf die Brücke mit dem Steuermann und dem Funker:

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Abends gibt es bei Sonnenuntergang das erste mal Essen, zum Fastenbrechen. Es gibt Datteln, Gebäck und Saft als Vorspeise, als Hauptgericht Milchreis mit Gemüse und Fleisch.

Ein paar Crewmitglieder wollen mir in einer Kabine etwas zeigen, ein Pulver mit Klumpen drin, Ich denke erst, es ist Weihrauch, als ich „fire“ sage, meinen sie nein, aber sie halten trotzdem ein Feuerzeug dran, um mir zu zeigen daß es nicht brennt. Ein anderer Seemann meint dann, es handele sich um „Uranium“. Aber ganz schlau werde ich nicht aus der Vorführung.

Am nächsten Tag wird dann noch eine Ziege auf dem Schiff geschlachtet und auseinandergenommen, vermutlich für die Rückfahrt es Schiffes. Interessant anzusehen:mastory-image (14)

 

Gegen Mittag kommen wir dann nach ca. 30stündiger Überfahrt in Mokha an. Wir gehen als erste vom Schiff, nachdem ein Zöllner unsere Pässe und Rucksäcke inspiziert hat. Der Immigrationsbeamte ist sehr nett, er kann ein paar Brocken deutsch da er mal in der DDR war. Und er fährt uns nachder Einreiseprozedur freundlicherweise auch gleich noch in den Ort zum Taxistand, sonst hätten wir bei 40 Grad im Schatten durch die glühende Sonne dort hinlaufen müssen.

Mokha selbst ist nicht sehenswert, ein trockener, staubiger, verlassener Ort, der seine Besten Zeiten sicher vor langer Zeit hatte, wie man auch auf dem Bild erkennen kann. Deswegen warten wir dort wirklich nur, bis unser Sammeltaxi voll ist. Während dem Warten gehen wir nochmal schnell zum dreckigen Strand, damit ich meine Füße reinhalten kann, und finden noch einen Geldautomaten für unsere erste Ladung jemenitischer Rial.

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Mit dem Sammeltaxi fahren wir dann weiter nach Ta´izz, einer größeren Stadt die schon im Hochland liegt und deswegen wesentlich angenehmere Temperaturen vorzuweisen hat.