Sana´a

Vorwort zu diesem Beitrag: nach meiner Rückkehr nach Deutschland war ich aufgrund akuter Festivitäten in München sehr intensiv eingebunden. Das hat dazu geführt, daß ich die letzten Beiträge, die halb fertig, halb in Stichpunkten vorlagen, erst jetzt in einen publikationsfähigen Zustand bringen konnte. Ich werde die Beiträge jeweils hochladen, sobald ich sie komplettiert habe.

Nach unserer Ankunft am ersten Abend in Sana´a checken wir ins Golden Daar Hotel ein, was inmitten der schönen Altstadt liegt. Das Hotel selbst ist auch in einem restaurierten, historischen Hochhaus untergebracht. Da wir bereits gegessen haben entschließen wir uns noch, einen kleinen Spaziergang durch die Altstadt zu machen.

In der Altstadt ist heute der letzte Markttag während dem Ramadan und somit vor dem kleinen Opferfest Eid, d.h. es ist besonders viel los. Das erkennt man auch, daß der Boden voll ist mit Verpackungsmaterial, hautpsächlich Kartons. Und davon liegt so viel herum, daß die Reste mit Baggern in rieseige Container geschaufelt werden müssen.

Auf dem Markt kaufen wir dann noch rohen, jemenitischen Kaffee, der etwas schwer zu bekommen ist, da nicht mehr alle Geschäfte offen haben.

Am nächsten Tag frühstücken wir auf dem Dach des Hotels, von wo aus man eine spektakuläre Aussicht über die Altstadt hat. Das tolle an Sana´a ist, daß die Altstadt nahezu vollständig erhalten ist und dazu noch fast durchgehend renoviert ist. Das ist sehr schön anzusehen, insbesondere weil der jemenitische Baustil ja nicht gerade zu verachten ist. Die Häuser sind alle mehrere Stockwerke hoch, die meisten haben schätzungsweise so zwischen vier und acht. Das alles gibt ein Gesamtbild, in welchem man sich wirklich wie in einer Stadt vor mehreren hundert Jahren fühlen kann, da wirklich alles authentisch und in sehr gutem Zustand ist.

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Nach dem Frühstück treffen wir uns mit einem jementitischen Kerl, den wir am Abend zuvor am Bab-el-Jemen kennengelernt haben. Er führt uns nach Hadda, wo eine Art Stadtpark liegt, direkt neben der großen Moschee. Der Hadda-Park ist richtig überfüllt, hauptsächlich Familien die jetzt hier den ersten der Eid-Feiertage verbringen. Die Männer sitzen unter den Bäumen und kauen Chat, die Frauen sitzen unter ihren Schleiern beisammen und unterhalten sich. Und die Kinder rennen überall herum und spielen. Dabei fällt auf, daß die Kinder alle extrem für diese Tage herausgeputzt wurden, die Jungs tragen alle Anzüge oder traditionelle Gewänder, und die Mädchen, die noch jung genug sind um keinen Schleier tragen zu müssen, haben Festtagskleider an.

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Im Park treffen wir auch einige deutschsprechende Jemeniten, einen Schüler der bald nach Deutschland zum studieren ziehen will, und einen Deutschlehrer, der schon mehrfach mit Stipendienprogrammen in Deutschland war.

Nach dem Parkbesuch trennen wir uns von unserem Begleiter und begeben uns ins Dawood Hotel um dort zu Abend zu essen. Das Essen ist dort aber leider den etwas überhöhten Preisen unangemessen, es schmeckt nur durchschnittlich. Nach dem Essen laufen wir noch ein bißchen durch die Stadt und besuchen noch den ein oder anderen Saftladen.

Am nächsten Tag laufen wir nach dem Frühstück nochmal über den Markt, der aber im Vergleich zum ersten Abend immernoch wie tot erscheint, die meisten Läden haben geschlossen. Später fahren wir mit einem Sammeltaxi nochmal nach Hadda, aber schauen uns diesmal zuerst die große Moschee an. Diese ist erst ein paar Jahre alt, der Präsident hat sie sich sozusagen zu seinen Ehren bauen lassen. Dafür hat er einiges springen lassen, obwohl sein Land ja zu einem der ärmsten der Welt gehört, wofür er sicherlich auch eine Menge Kritik einstecken mußte. Die Moschee ist auf jeden Fall schon von Außen sehr groß und imposant. Am Eingang versucht uns der Wächter zuerst zum Islam zu bekehren, bevor er uns einläßt. Er scheint das ganze wirklich ernst zu betreiben, es liegt ihm wirklich am Herzen daß alle Besucher Moslmes sind oder dies mal werden. Vom Hof bzw. Garten der um die Moschee liegt kommt man ins Innere, nachdem man seine Schuhe am Eingang abgegeben hat. Im Inneren der Moschee ist wie üblich alles mit Teppich ausgelegt. Und hier wird einem die Größe auch nochmal wirklich bewußt, hier gibt es einfach eine mit Teppich verlegte Fläche zum Beten, die es locker mit einem Fußballfeld aufnehmen kann. Und die Fläche wurde nicht nur dazu gebaut, sie wird auch so genutzt: überall verteilt sind kleine Grüppchen am Beten, an den Säulen lehnen Leute die aus den Koranen rezitieren, welche am Rand des Gebetsaals in Regalen vorrätig liegen.

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Nach dem Besuch der Moschee gehen wir wieder hinüber in den Hadda-Park und treffen dort auch wieder Ramsi, den Deutschlehrer den wir tags zuvor hier bereits getroffen haben, und einige seiner Freunde. Der Park ist wie schon auch gestern ziemlich voll mit Feiertagsbesuchern. Wir setzen uns ein bißchen zu Ramsi und seinen Freunden und unterhalten uns mit ihnen. Kurz vor Sonnenuntergang gehen wir Richtung Ausgang, und die Jungs verschwinden erstmal in einer kleinen Moschee in der Nähe. Wir gehen solange in einen Supermarkt in der Nähe und besorgen uns Wasser.

Der Supermarkt ist interessant, der erste richtige im Jemen den ich von Innen sehe. Hier gibt es anscheinend alles, was es auch bei uns in einem normalen Supermarkt gibt, abgesehen vielleicht von Alkoholika. Selbst die Plastik-Skulpturen, die die Touristenläden in der Altstadt anbieten, gibt es hier im Regal zum Fixpreis im Angebot.

Vor dem Supermarkt warten wir auf die anderen, die kurz danach auftauchen. Sie erklären uns, sie wären extra in eine kleinere Moschee in der Nähe gegangen, und nicht in die große, die wir vorher besucht haben, weil es dort das Maghrib- und das Ischa-Gebet hintereinander, ohne große Wartezeit gibt. Das erstere Gebet findet normalerweise nach Sonnenuntergang und vor Ende der Dämmerung, das zweitere nach Ende der Dämmerung statt, man kann diese also zeitlich durchaus aufeinander abstimmen.

Vom Supermarkt aus gehen wir die Hauptstraße Richtung Innenstadt, an der einige Restaurants und Cafés liegen, und wo gerade auch sehr viel Betrieb herrscht. Nachdem wir ein Restaurant gefunden haben, wo genügend Platz für vier von uns ist, setzen wir uns hin und essen. Danach treffen wir ein paar von den anderen nochmal in einem Straßencafé, wo wir Tee und Kaffee trinken.

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