Pjöngjang III

Zurück in Pjöngjang geht es erstmal in einen Souvenirladen wegen diverser Besorgungen. Der Laden liegt gegenüber des Triumphbogens, der sich am Pariser Vorbild orientiert, aber ein paar Meter größer ist als sein Vorbild.

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Triumphbogen in Pjöngjang

Der Fahrer ist in der Zwischenzeit angeblich Tanken gefahren und taucht nicht mehr auf. Also laufen wir ein bißchen rum. Auf den Parkplätzen spielen Leute Volleyball während Autos rangieren. Man kann auch den Fernsehturm von Pjöngjang sehen, aber den kann man seit ein paar Jahren nicht mehr besteigen, vermutlich weil er zu marode ist. Auch von außen sieht er nicht mehr ganz neu aus.

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Fernsehturm von Pjöngjang

Als der Fahrer dann endlich kommt ist es schon zu spät um vor dem Essen noch ins Hotel zu fahren, also geht es direkt zum Restaurant. Unter dem Restaurant ist auch noch ein Geschäft, in dem ich den Eichelschnaps kaufen kann, den ich wollte, welcher aber im Souvenirladen nicht vorhanden war. Das Lokal ist randvoll mit Touristen, wir essen diesmal alle (also die beiden Führer, der Fahrer und ich) zusammen. Es ist ja der letzte Abend.

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O-Bus in Pjöngjang

Nach dem Essen fahren wir ins Hotel. Wir Trinken zusammen (aber ohne den Fahrer) noch ein paar Bier. Außerdem versuchen wir, die Bilder, auf denen die Führer mit drauf sind, von meiner Kamera auf den Laptop von Herrn Kim zu kopieren. Das klappt aber irgendwie nicht: sowohl mein Handy als auch meine Kamera werden über USB nicht vom Laptop erkannt. Und per Bluetooth kann man die Bilder zwar auf sein Handy kopieren, aber dort werden sie nicht gespeichert. Und der letzte Versuch, die SD-Karte im Laptop auszulesen klappt auch nicht, die Karte wird als unformatiert angezeigt. Die Koreaner haben also gut vorgesorgt, dass Dateien nicht so einfach ins Land kopiert werden können. Dass das Android auf dem Handy angepasst ist, ist mir klar. Die WLAN-Funktion bei dem Arirang-Handy ist komplett deaktiviert, obwohl ein Chip verbaut ist, was in den Systeminformationen ersichtlich ist. Aber wie sie das Windows XP auf dem Laptop so kastriert haben ist mir schleierhaft.

Nach den Kopierversuchen gehen wir in einen anderen Raum wo zwei Billardtische stehen und spielen noch ein paar Runden – wir sind alle ungefähr gleich schlecht. Um Mitternacht gehen wir auf unsere Zimmer.

Am nächsten Morgen wurde im Hotel extra das Postamt früher aufgemacht, damit ich noch Briefmarken für meine Postkarten kaufen kann. Der Buchladen im Hotel hat aber leider noch zu, also kann ich aber keine Postkarten kaufen (vorher hatte ich schon ein paar gekauft, aber halt nicht genug). Nach dem Frühstück fahren wir dann los Richtung Flughafen. Wir sind  schon spät dran weil der Zoll angeblich schon eine Stunde vor Abflug schließt. Trotzdem halten wir unterwegs nochmal und versuchen Postkarten zu kaufen – aber ohne Erfolg, die meisten Läden machen anscheinend erst um 10 Uhr auf (auch der Laden im Flughafen).

Am Flughafen gehe ich dann nach der Verabschiedung von meinen Aufpassern durch den Sicherheitscheck, dann zum Checkin. Im Sicherheitsbereich hat dann aber schon ein Souvenirstand auf, der mir meine heiß ersehnten Postkarten verkaufen kann. Ich setze mich danach auf das Gepäckband (Ankunft und Abflug finden hier in der selben, einzigen Halle statt, deswegen kann das auch nicht gleichzeitig stattfinden) und schreibe die Karten. Die Briefmarken halten nur mit viel Mühe. Leider will danach niemand im Sicherheitsbereich die Postkarten annehmen. Einer Polizistin mache ich dann mein Problem klar, und sie schafft es meine Aufpasser nochmal zurück zu holen, die waren anscheinend noch vor dem Flughafen. Ich gebe Herrn Kim meine Karten durch die Sicherheitsschleuse und gehe danach in die andere Richtung zur Passkontrolle.

Von dort geht es auch relativ bald weiter mit dem Bus zum Flugzeug. Auf dem selben Flug sind hauptsächlich Koreaner, erkennbar an ihren Kim-Ansteckern, und wenige Touristen. Viele von den Koreanern sind relativ jung, vermutlich Studenten im Ausland.

Das wars dann aus Nordkorea. Der Flug verläuft ohne Vorkommnisse, wir fliegen in einer Tupolev 204, relativ neu. In Peking stehen wir dann noch über 20 Minuten auf dem Rollfeld herum, bevor wir aussteigen können.

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Chongchon

In Pjöngjang am Flughafen gibt es erstmal Mittagessen. Da es im Flugzeug nur Getränke gab wird hier das Essen anscheinend nachgeholt, denn es wir auf Flugzeugtabletts und -geschirr serviert. Dazu gibt es Plastikbesteck. Ich sitze nochmal zusammen mit der deutschen Botschaftsgruppe.

Vom Flughafen fahren wir weiter mit unserem alten Auto und der Stammbesatzung Richtung Myohyang-Gebirge, ca. zwei Stunden nördlich von Pjöngjang. Dort bekomme ich das Fahrrad und darf eine sehr Steile Strecke bis zum Ende der Straße fahren. Ich werde darauf hingewiesen, hier nicht zu fotografieren, weil sehr viele Soldaten unterwegs sind. Man hört auch öfters Knallgeräusche, vermutlich Schießübungen irgendwo in der Nähe. Am Ende der Straße gibt es eine kurze Pause, dann geht es mit Herrn Jong eine steile Treppe nach oben, ca. 1 km bis zu einem Wasserfall. Dann wieder zurück zum Parkplatz und weiter mit dem Fahrrad. Herr Jong hat sich überreden lassen, wieder mit dem Fahrrad zu fahren, aber man muss eigentlich fast nicht treten weil es eh nur bergab geht. Nach ein paar Kilometern laden wir die Fahrräder wieder ein und Fahren zum Hotel in einer nahen Stadt, ich glaube sie heißt Chongchon. Ab sieben gibt es Wasser, ich dusche also erstmal. Dann geht es zum Abendessen, welches ich allein zu mir nehmen darf (an einem anderen Tisch sitzen aber ein paar Koreaner). Die anderen drei essen im Nebenzimmer. Nach dem Abendessen falle ich sofort hundemüde ins Bett.

Auch beim Frühstück darf ich wieder allein am Tisch sitzen. Danach fahren wir mit dem Auto zu einem buddhistischen Tempel, den wir besichtigen. Dann geht es weiter zur nahegelegenen internationalen Freundschaftsausstellung. Dort sind alle Geschenke ausgestellt, die Kim Il Sung, Kim Jong Il und Kim Jong Un erhalten haben. Ich besuche die Ausstellung zusammen mit einer vierköpfigen Gruppe aus England.

Am Eingang muss man zunächst alles abgeben, fotografieren ist verboten. Man darf nur einen Geldbeutel mitnehmen. Es gibt eine LED-Anzeige, die die Anzahl der Geschänke und die Anzahl der Länder, aus denen diese stammen, zählt. Momentan sind es über 100.000 Geschenke aus 184 Ländern. Außerdem gibt es eine Weltkarte mit einer LED an Stelle jeder Hauptstadt. Brennt die LED bedeutet dies, dass es mindestens ein Geschenk aus dem betreffenden Land gibt. Welche Länder haben noch nichts geschickt? Hauptsächlich ein paar europäische Kleinstaaaten (Andorra, Monaco, Liechtenstein, Vatikan) sowie diverse pazifische Inselstaaten. Die Karte ist jedoch schon etwas älter, manche erst neuerdings eingerichteten Länder wie Kosovo oder Südsudan sind noch gar nicht eingezeichnet.

Und was steht so im Museum herum? Hauptsächlich natürlich Gegenstände wie Vasen, Teller, Bilder, ausgestopfte Tiere, Waffen, aber auch Alltagsgegenstände wie Digitalkameras und Laptops. Aus Russland gibt es drei Autos (nie benutzt). Außerdem gibt es zwei Eisenbahn-Salonwagen (einen aus Russland, einen aus China, beide unbenutzt). Größtes Ausstellungsstück ist eine Ilyuschin 114 (?) aus Russland, die nur einmal für einen Flug nach Moskau benutzt wurde. Wir sehen natürlich lange nicht alles, es heißt, man bräuchte zwei Jahre um alle Geschenke zu sehen. Die kleineren Geschenke sind nach Kontinenten und Ländern in Räume sortiert, wir dürfen uns einen aussuchen und gehen dementsprechend in den Raum für Westeuropa. Deutsche Geschenke stammen hauptsächlich aus der DDR, aber auch aus dem Westen wurden hauptsächlich von Chefs irgendwelcher Import-/Exportfirmen Geschenke geschickt. Interessant auch die Galerie von lebenden Tieren, die verschenkt wurden. Diese befinden sich zum Glück nicht in dem Museum, sondern hauptsächlich im Zoo von Pjöngjang. Äthiopien hat ziemlich viele verschiedene Tiere hier abgeliefert. Ältestes Geschenk ist ein Mantel aus China von 1945, den wir aber nicht gesehen haben.

Ein Highlight sind außerdem drei Wachsfiguren, die jeweils in eigenen Räumen stehen. Sie stellen jeweils Kim Il Sung, dessen Frau und Kim Jong Il dar. Man muss sich jedes mal verbeugen vor den Figuren. Interessant auch die Umgebung, die um die Figuren herum gestaltet ist: eine steht an der Spitze des Paekdu, eine am See am Fuß des Berges, wo ich auch das Großmonument besucht habe. Zum Abschluss der Ausstellung gibt es Tee, man wird durch den Souvenirshop geschoben, und ich trage mich in das Gästebuch ein.

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LKW mit Kohlevergaser

Von der Ausstellung fahren wir nochmal zurück ins Hotel, dort gibt es Mittagessen. Ich sitze wieder allein, aber der Speisesaal ist sonst randvoll mit einer chinesischen Reisegruppe.

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Baustelle auf dem Weg nach Pjöngjang

Nach dem Essen machen wir uns auf den Weg zurück nach Pjöngjang.

Paekdu-Berg

Um kurz vor 6 Uhr früh geht der Wecker, damit ich um Punkt 6 beim Frühstück bin. Wir fahren um halb 7 los und sind wie gewünscht eine Stunde vor Abflug, also um 7 am Flughafen. Der Flug geht dann leider doch erst um 9:10 Uhr, wir hätten also eine Stunde länger schlafen können. Am Flughafen ist viel los, viele Chinesen warten auf den Flug nach Peking. Nachdem deren Flugzeug abgeflogen ist sind wir dran. Es fliegen nur Herr Kim und ich, die anderen beiden bleiben in Pjöngjang. Im selben Flugzeug sind neben mir drei Reisegruppen, eine deutsche, eine russische und eine große gemischte. Die Bordkarten werden einfach in der Halle durch rufen der Namen verteilt. Dann geht es auch schon los mit dem Bus zum Flugzeug. Die Landebahn vor der Abflughalle wird gerade neu gebaut, die Flugzeuge stehen deswegen weit weg bei einer anderen Landebahn, man muss also ein gutes Stück fahren.

Es stellt sich heraus, dass die große gemischte Reisegruppe unter dem Namen Aviation Enthusiasts läuft, lauter Flugzeugfans aus allen möglichen Ländern, 49 an der Zahl. Und deren Hauptziel ist es, Flugzeuge zu fotografieren, wozu sie auf der Busfahrt auch ausgiebig Gelegenheit haben, da wir an einigen vorbeikommen. Auch beim Einsteigen in unser Flugzeug wird alles sorgfältig abgelichtet, die meisten aus der Gruppe haben zwei oder drei, manche vier Kameras dabei, dazu oft noch eine Videokamera. Immer wenn wir an einem Flugzeug vorbeifahren wird laut der Typ ausgerufen, gefolgt von  Freidenschreien und einem Gewitter aus Kamerageklacker. Im Flugzeug sitze ich dann direkt neben einem Kerl aus der Gruppe. Er erzählt mir einige lustige Dinge über die Gruppe. Sie sind für zehn Tage in Nordkorea, an den meisten Tagen wird geflogen. Entweder auf Linienflügen, so wie heute, oder auf sogenannten Joy Flights, bei denen das Flugzeug nur startet, ein paar Runden dreht und wieder landet. Und einmal werden sie mit dem Helikopter ins Hotel gebracht. So können sie fast alle zivilen Maschinen der Nordkoreaner einmal fliegen. Während dem Flug laufen alle wild umher um alle Winkel des Flugzeugs abzulichten. Mein Platz ist besonders beliebt, von hier aus kann man die Propeller am besten sehen. Die Sitze vor uns werden umgeklappt und alle klettern drauf herum für das beste Bild.

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Hauptsache Flugzeuge fotografieren

Mir wird (mit leichtem Stolz) erzählt, dass auf einem der letzten Flüge einmal der Pilot wütend aus dem Cockpit gerannt kam, weil das Flugzeug nicht mehr gerade in der Luft zu halten war weil alle nach vorne kamen um zu fotografieren. Außerdem gibt es anscheinend Ärger, weil vorher während der Busfahrt auch das auf dem Rollfeld stehende Flugzeug von Kim Jong Un abgelichtet wurde, was anscheinend verboten ist. Naja, vielleicht ein bißchen naiv von den Koreanern zu denken, man könnte eine Busladung Flugzeugfanatiker an dieser Maschine vorbeichauffieren ohne dass es fotografiert wird.

Wir landen in Samjyon, einem sehr kleinen Flughafen, von dem man bereits den Paekdu sieht. Alle rennen nachdem Aussteigen auf dem Flugplatz umher, die Flugzeugfans dürfen auch das Cockipt besichtigen. Unsere Fahrräder haben wir auch dabei, sie werden einfach neben dem Flugzeug abgestellt. Kurz nach uns landet ein anderes Flugzeug, was lautstark ausgerufen wird, damit die Flugzeuggruppe das auch sicher mitbekommt. Dann rennen alle sofort los auf die Landebahn um Fotos von der ankommenden Antonov zu machen. Es gibt gedränge, manche rennen so weit auf die Bahn dass sie vom Personal zurückgepfiffen werden müssen.

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Unser Flugzeug, eine Ilyuschin 62

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Warten auf die Antonov 24

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Radeln auf dem Rollfeld

Wir fahren kurz darauf mit einem Bus weiter, der auch einen eigenen Fahrer hat. Der Bus ist größer als derjenige, den wir in Pjöngjang hatten, allerdings nicht für den Fahrradtransport vorbereitet. Deswegen stehen die Fahrräder einfach hinten im Gang. Die Fahrt führt erst durch dichten Mischwald, viele Laubbäume haben schon herbstliche Farben. Es erinnert ein bißchen an Indian Summer in den USA. Je näher wir an den Paekdu kommen und je höher wir henauf fahren desto dünner wird die Vegetation, oben gibt es nur Vulkangestein.

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Berg Paekdu vom Flughafen aus

Am Ende der Straße fährt eine Standseilbahn an den Rand des Kraters. Mir werden 10 Euro für die Seilbahn abgeknüpft, dann fahren wir hoch. Wir haben leider nicht  viel Zeit, weil die letzte Seilbahn um 14 Uhr fahren soll, weil es danach keinen Strom mehr gibt. Wir können also entweder zum Kratersee herabsteigen oder zum Gipfel hoch. Ich entscheide mich für letzteres, es geht nochmal ein paar hundert Meter bergauf.

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Kratersee von der Bergspitze aus gesehen

Der Paekdu ist ein seit Millionen von Jahren stillgelegter Vulkan und mit 2750m der höchste Berg (Gesamt-)Koreas. Er markiert gleichzeitig die Grenze zu China. Auf der anderen Seite des Kratersees gibt es auch Gebäude, die angeblich den Chinesen gehören. Auf dem Gipfel treffen wir die deutsche Reisegruppe aus dem Flugzeug wieder, sie gehören zur deutschen Botschaft in Pjöngjang. Wir steigen zum allerhöchsten Punkt Koreas auf, der durch eine kleine Stele markiert ist. Danach müssen wir schnell runter, weil die letzte Bahn wartet.

An der Talstation fahren wir nochmal ein Stück mit dem Auto Bergab, und dann holen wir die Fahrrädder raus und fahren damit, der Bus folgt. Wir kommen weiter unten wieder in den Wald, der auch hier schon schön bunt ist. Die Landschaft ist echt sehr schön. Irgendwo im Wald machen wir dann Picknick an einem kleinen Aussichtspunkt, wo auch gerade die deutsche Gruppe Pause macht. Von dort kann man über eine kleine Schlucht, durch welche der Grenzfluß fließt, nach China rübersehen.

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Blick nach China

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Der mir folgende Bus

Dann geht es weiter zum Paekdu Secret Camp, dem Geburtsort von Kim Jong Il. Es gibt dort ein paar renovierte (oder evtl. komplett neugebaute) Hütten, die Geburtshütte von Kim Jong Il und das Büro seines Vaters. Außerdem gibt es eine Quelle, aus der man trinken kann, die angeblich von Kim Jong Ils Mutter und Kim Il Sungs Mutter entdeckt wurde. Sie hat angeblich Wunderkräfte, also probiere ich. Das Camp ist deswegen secret, weil sich hier die Familie während der japanischen Besatzungszeit als Partisanenführer versteckt hielt und den Widerstand organisierte.

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Die heilige Familie am Secret Camp

Vom Camp aus geht es weiter mit dem Fahrrad. Die Straße ist hügelig, Herr Kim stellt sein Fahrrad bei einer Steigung in den Bus und fährt mit. Kurz bevor wir den Wasserfall erreichen steigt er wieder aus und fährt weiter, damit er vor den Reiseführern der anderen Gruppen auch angeben kann. Am Wasserfall kommt nach uns tatsächlich auch die Flugzeuggruppe an. Sie kommen direkt vom Berg, das Camp haben sie nicht besucht da sie mittags sehr lange am Flughafen mit Fotografieren beschäftigt waren. Mit dabei ist auch der Manager von KITC, der koreanischen staatlichen Reiseagentur. Er begrüßt mich und erzählt mir, dass ich der erste Deutsche sei, der mit dem Fahrrad durch Nordkorea fährt. Vor mir gab es auf dem Fahrrad auch bisher nur eine Reisegruppe, aus England. Da es schon dunkel wird fahren wir mit dem Bus weiter, aber nicht mehr weit, bis zu unserem Hotel. Dort sind auch alle Gruppen untergebracht, die sich zur Zeit in der Gegend aufhalten.

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Dorf

Als wir im Hotel ankommen ist es dort erstmal dunkel, Wasser gibt es auch nicht. Ich bringe kurz mein Gepäck ins Zimmer und gehe dann Abendessen. In einem großen Saal stehen viele Tische für die ganzen Gruppen. Ein Tisch ist für mich allein reserviert – die Reiseführer essen zusamnen in einem separaten Raum. Nachdem ich aufgegessen habe setze ich mir zur Flugzeuggruppe. Während dem Essen kommt dann auch irgendwann der Strom, und es wird angekündigt dass es jetzt auch warmes Wasser auf den Zimmern gibt, aber nur bis neun.

Nach dem Essen gehen wir noch zur Bar im ersten Stock und trinken zusammen irgendwelchen Schnaps, da das Bier alle ist.

In meinem Zimmer gibt es dann auch Wasser, und auch Strom, was ich insbesondere deswegen zu spüren bekomme, weil der Wasserhahn unter Strom steht. Mit trockenen Händen ist es erträglich, aber wenn man sich die Hände gewaschen hat und dann den Wasserhahn ausmachen möchte ist es schon unangenehm.

Um 8 Uhr gibt es Frühstück, dann darf ich weiterradeln (Fahrer und Kim sitzen hinter mir im Bus). Nach ein paar Kilometern werde ich in den Bus eingeladen, und wir fahren noch wenige Meter weiter zu einem Monument. Dort steht eine große Statue von Kim Il Sung, vor der ich auch wieder Blumen ablegen soll. Da es aber keine frischen gibt, bekomme ich Plastikblumen. Großzügigerweise muss ich aber nichts dafür bezahlen. Hinter dem Monument liegt ein kleiner See, schaut alles sehr schön aus. Außerdem marschieren irgendwelche Jugendgruppen über den Platz und singen, ich bekomme sogar ein Foto mit einer der Gruppen.

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Kim Il Sung mit Berg Paekdu im Hintergrund

Vom Monument fahren wir weiter zum Flughafen. Dort wird das Gepäck mit einem Handpiepser kontrolliert, weil das Röntgengerät zu klein ist. Dann wird es auf einer riesigen Wage gewogen (12kg). Ich stelle mich auch auf die Wage und wiege mit Klamotten 70kg.

Die Aviation Gruppe kommt kurz nach uns. Nachdem sie alle ihr Gepäck abgegeben haben gibt es ein kurzes Wettlaufen zum Flugzeug, da es diesmal freie Platzwahl gibt und alle am Fenster sitzen wollen.

Kaesong

Das Frühstück in Sariwon ist auch relativ einfach. Der Speisesaal ist zwar nicht leer, aber auch nicht komplett gefüllt. Trotzdem frühstücke ich allein, und die anderen an einem separaten Tisch hinter einer Trennwand. Dann fahren wir mit dem Auto nach Kaesong, zur Demilitarisierten Zone (DMZ) an der Grenze zu Südkorea.

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Reisebusse an der DMZ

Dort müssen wir zunächst kurz warten, während mehrere Reisebusse mit Chinesen und ein Kleinbus mit Russen ankommt. Dann dürfen wir in die DMZ. Dort fährt man erstmal durch einen Engen weg, an dessen Rand lauter Hindernisse in Form von Betonklötzen parat liegen, die bei Bedarf auf die Straße geschoben werden können, um diese bei Bedarf zu blockieren. Es gibt auch 2 Gräben, die mit Stahlplatten bedeckt sind, die sich bei Bedarf auch entfernen lassen um den Weg unpassierbar zu machen. Außerdem gibt es mehrere Falltore. Zunächst besichtigen wir ein paar Baracken, wo während des Krieges der Waffenstillstand verhandelt wurde. Das ganze geht relativ hektisch vonstatten, weil nach uns nämlich noch mehr Reisebusse mit Chinesen angekommen sind, die draußen schon warten. Dann geht es weiter zu der Stelle, an der sich die Nord- und Südkoreaner gegenüber stehen. Dazwischen stehen 7 Baracken, von denen 3 blau sind. Diese sind von den Amerikanern gebaut worden und werden auch von diesen verwaltet. Eine davon besichtigen wir. Dort wurde nach dem Krieg verhandelt, und auch hier wird von den anwesenden Soldaten gedrängelt, weil die nächste Gruppe kommt. Danach gibt es noch kurz vom Dach des Gebäudes hinter den Baracken einen Blick nach Südkorea. Dort ist kein Mensch zu sehen, dafür jede Menge Kameras. Aber angeblich sieht man auf der anderen Seite auch oft Touristen, die von Südkorea aus kommen. Außerdem darf man an der DMZ die Soldaten fotografieren, wovon auch reger Gebrauch gemacht wird.

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Blick nach Südkorea. Die Grenze verläuft zwischen den blauen Baracken

Nach dem Besuch der DMZ geht es mit dem Auto zurück nach Kaesong, und noch etwas weiter fahren wir von der Autobahn ab. Dort werden die Fahrräder abgeladen und Herr Kim und ich Fahren (Herr Jong war eh schon nicht so schnell mit dem Fahrrad und ist dann auch noch hingefallen, von daher nimmt er dankenswerterweise meine Kamera an sich um uns während der Fahrt zu fotografieren – ich tausche vorher sicherheitshalber noch die SD-Karte, nicht dass da noch aus Versehen Bilder gelöscht werden).

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Die Fahrräder in unserem Bus

Es geht erstmal ein schönes Stück bergauf, da hänge ich Herrn Kim ziemlich schnell ab, der auch schnell aufgibt und schiebt. Hinter dem Pass warten wir (die anderen sind mittlerweile mit dem Auto vorgefahren) auf ihn. Der Fahrer und Herr Jong sammeln Kastanien unter einem Baum, die man dort (roh) essen kann. Dann fahren wir noch ein paar Kilometer durch die Landschaft. Einerseits sehr schön, auch das Wetter, aber andererseits sieht man dort auch die extreme Armut auf dem Land: die Leute tragen Reisigbündel auf dem Rücken. Ab und zu fahren Ochsenkarren, die schon fast auseinanderfallen, sehr quietschen und die Räder alles andere als rund sind. Nach ein paar Kilometern kommen wir zu einem Wasserfall, an dem wir Picknick machen. Auch einige Koreaner sind dort und machen dort Picknick und tanzen (es ist ja Sonntag).

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Ich beim Radeln

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Ochsenkarren

Von dem Wasserfall sollten wir eigentlich zu einem nahe gelegenen Tempel fahren, allerdings ist die Straße gesperrt weil dort irgendeine politische Veranstaltung stattfindet. Stattdessen fahren wir mit dem Auto zurück nach Kaesong um den Tempel von der anderen Seite aus anzufahren. Die Straße von Kaesong zum Tempel ist nicht asphaltiert, sondern eine Staubstraße. Trotzdem ist diese gut in Schuss, mit akkuraten angeordneten Steinen am Rand. Auch hier wieder viele Fußgänger die Holz durch die Gegend schleppen.

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Buddhistischer Tempel

Der Tempel ist zwar fast 1000 Jahre alt, wurde aber vor 500 Jahren durch die Japaner (die wie die Amerikaner immer als Imperialisten bezeichnet werden) zerstört und erst 2005 wieder aufgebaut. Jetzt wohnen dort 6 buddhistische Mönche. Ich vermute mal, der Tempel wurde auch aus Devisengründen da hingestellt, damit man auch Pilger melken kann.

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Mais und Eicheln werden für die Schnapsproduktion auf der Straße getrocknet

Vom Tempel fahren wir wieder nach Kaesong, und dort ins Museum. Dort darf Herr Jong mal üben, Herr Kim beschreibt auf koreanisch die Exponate und Herr Jong muss auf Englisch übersetzen. Dort kaufe ich noch etwas Ginseng-Extrakt und ein paar Postkarten und Briefmarken, dann geht es mit dem Auto zurück nach Pjöngjang, wo wir in ein Grill-Restaurant gehen und Ente essen. Danach geht es ins Hotel vom ersten Tag. Ich bekomme dasselbe Zimmer wie das letzte mal. Die Betten sind zwar gemacht, aber nicht neu bezogen. Naja, zum Glück habe ich ja nicht so viel Schmutz gemacht.

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Bär hält Verkehrsschild

Pjöngjang II

Ich wache auf, weil ich bei offenem Fenster schlafe und es ziemlich stark regnet draußen. Zum Frühstück bin ich beim Essen zum ersten mal allein. Es gibt auch gar nichts besonderes, nur ein Omlette, etwas Toastbrot und Marmelade, dazu Kaffee (auch eher dünne Nescafe – Plörre). Auf jeden Fall nichts, was man in einem fünf Sterne-Hotel erwarten würde. Nach dem Frühstück treffe ich die anderen, die offenbar im Auto übernachtet haben. Wir schauen uns noch kurz hinter dem Hotel um, wo das Skigebiet zu finden ist. Der eine Lift wird gerade angeschmissen. Es handelt sich um Sessellifte, zwar nicht die neuesten Modelle, aber auch nicht antiquiert. Außerdem liegen in einer Ecke noch Teile rum für einen weiteren Lift, der noch aufgebaut werden soll. Und Schneekanonen stehen auch zu Genüge herum. Die meisten Gäste des Skigebiets und des Hotels sind anscheinend Chinesen, für welche die ganze Anlage letztes Jahr errichtet wurde. Das Ziel sind offensichtlich Devisen (zu welchen meine Führer auch ganz unumwunden sagen, dass Nordkorea diese dringend benötigt).

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Skilift hinter dem Hotel

Wir fahren dann weiter Richtung Pjöngjang. Kurz vor Pjöngjang fahren wir ab von der Autobahn und sehen uns ein Mausoleum eines alten koreanischen Königs an. Daneben ist ein buddhistischer Tempel, den wir uns auf meinen Wunsch hin auch ansehen. Drin ist ein Mönch, der den Tempel aufschließt. Dann geht es weiter nach Pjöngjang.

Dort geht es erstmal zum Essen in ein Restaurant. Kurz davor fotografiere ich eine Baustelle, an der gerade ein Wohnhaus errichtet wird. Ich werde umgehend dazu aufgefordert, das Bild zu löschen, weil Baustellen fotografieren verboten ist (neben Soldaten und Militäreinrichtungen, was mir aber schon ganz zu Anfang gesagt wurde, im Gegensatz zu den Baustellen). Ganz überrumpelt lösche ich das Bild auch brav, was mich danach etwas ärgert.

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Skyline von Pjöngjang

Nach dem Essen laufen wir zu Fuß über die Brücke zum Juche Turm. Dort werden mir erstmal 10 € Eintrittsgeld abgeknöpft, weil im Reisepreis nicht inbegriffen (und es steht tatsächlich nicht auf dem Programm). Aber von oben hat man dafür eine wirklich schöne Aussicht auf ganz Pjöngjang. Danach gibt für mich ein Eis neben dem Turm (zum Trost dann kostenfrei). Dann fahren wir mit dem Auto, welches in der Zwischenzeit nachgekommen ist, wieder auf die andere Flußseite und gehen in einem Park spazieren.

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Blick vom Juche - Turm

Von dort fahren wir mit dem Auto zu einer Bierhalle. Angeblich hat jedes Wohnviertel eine solche Bierhalle, die täglich von 17 bis 19 Uhr geöffnet ist. Drin gibt es, wie der Name schon ankündigt, Bier, und zwar sieben verschiedene Sorten: Gerstenbier, Reisbier, dann 3 verschiedene Mischungen aus Gersten- und Reisbier sowie zwei dunkle Biere, eines mit Schokoladen- und eines mit Kaffeegeschmack. Ich bestelle ein Gerstenbier und wir warten an einem Stehtisch auf das Bier. Es gibt nur Stehtische, angeblich damit die Leute nicht zu lange bleiben und zu viel trinken. Aber die Bierhalle füllt sich während unserer Anwesenheit trotzdem sehr gut, als wir gehen stehen an jedem Tisch viele Leute. Nach dem Gerstenbier probiere ich noch ein Reisbier und dann ein schwarzes Kaffee-Bier. Alle trinkbar, am besten ist das Gerstenbier. Als Snack dazu gibt es getrockneten Tintenfisch.

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Bierhalle in Pjöngjang

Nach den 3 Bier geht es weiter mit dem Auto nach Sariwon, einer Stadt südlich von Pjöngjang, auf dem Weg nach Kaesong. Dort ist es schon dunkel als wir ankommen und es gibt Essen im Hotel. Das Hotel ist relativ einfach, und andauernd fällt der Strom aus. Dann dauert es ein paar Sekunden bis der Generator angeht, und dann geht das Licht wieder an, aber nur halb so hell. Irgendwann wird das Licht dann wieder heller und der Generator geht aus (was man am fehlenden Geräusch merkt). Auf dem Zimmer ist der Wasserdruck sehr niedrig, wenn der Strom weg ist kommt gar nichts aus der Leitung. Dafür steht ein großes Fass mit Wasser im Bad, aus dem man sich bedienen kann um sich zu waschen.

Wonsan

Wir sind um 7:30 zur Abfahrt verabredet, also gehe ich um 7 Uhr zum Frühstück, nachdem ich (kalt, weil warm nicht verfügbar) geduscht habe. Dort bin ich wieder nicht allein im Speisesaal, zwei andere Tische sind mit Koreanern besetzt. Und während ich frühstücke kommt noch ein Tourist dazu. Es gibt ein reichhaltiges Büffet, besonders lecker sind die Omlettes mit Honig.

Nach dem Frühstück fahren wir los, nicht weit, zum Mansudae Springbrunnenpark. Die Springbrunnen sind leider noch aus, erst ab 10 Uhr sind sie in Betrieb. Dort kaufen wir auch Blumen, die wir kurz darauf auf dem Mansudae-Hügel vor den Statuen von Kim Il-Song und Kim Jong-Il ablegen. Ich bekomme dann noch einige Erklärungen zu den umliegenden Gebäuden, und dann machen wir uns auf den Weg Richtung Wonsan, eine Stadt an der Ostküste Koreas.

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Mansudae-Monument

Wonsan ist ca. 200 km von Pjöngjang entfernt, die Fahrt soll ungefährt 4 Stunden dauern. Die Autobahn ist ein vierspurige Straße, gebaut in den 80er Jahren. Die Spuren sind nicht baulich voneinander getrennt. Außerdem ist die Straße in relativ schlechtem Zustand, d.h. viele Schlaglöcher. Außerdem sind auch Fahrradfahrer und Fußgänger unterwegs. Die Autobahn ist jedoch nicht, wie erwartet, leer, sondern es sind doch einige LKWs und Autos unterwegs, die wir überholen und von denen wir auch überholt werden. Wir fahren so ca. 80-90 km/h, dabei wird man dann schon ordentlich durchgeschüttelt. Auffällig oft sieht man LKWs am Straßenrand, bei denen der Reifen gewechselt wird. Komisch, dass das hier so häufig passiert.

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Beschilderung am Beginn der Autobahn

Unser Auto ist übrigens ein nordkoreanischer Kleinbus mit einem Logo vorne drauf, das aus zwei Tauben besteht. Die Bauart entspricht ungefähr einem Toyota Hiace. Es gibt zwei Sitzreihen, vorne sitzen der Fahrer und Herr Kim, hinten Herr Jong und ich. Und dahinter stehen drei Fahrräder und unser Gepäck.

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Unser Auto

Gegen 11 Uhr machen wir eine kurze Kaffeepause an einem Stausee. Danach geht es weiter, wir verlassen nicht viel später die Autobahn und fahren ein kurzes Stück auf einer Landstraße. Dann halten wir an und laden die Fahrräder aus. Wir fahren zu dritt, es gibt sogar Helme, nachdem wir die Reifen nocheinmal aufgepumpt haben. Nur der Fahrer fährt mit dem Auto hinterher. Es geht zuerst ein Stück nach oben, danach geht es mehrere Kilometer eine steile Paßstraße nach unten. Wir lasen rollen und sind sogar schneller als die LKWs, welche die Straße herunterkriechen. Wir überholen aber nicht, sondern halten stattdessen an um Fotos zu machen. Die Landschaft ist bergig und bewalte, schön anzusehen. Kurz nach der Fotopause biegen wir rechts ab und kommen kurz darauf zu einem Parkplatz. Dort holen wir Eintrittskarten und radeln weiter zum Ulim Wasserfall. Der ist sicher 20m hoch und schon beeindruckend. Daneben ist 2001 in den Felsen geritzt, Herr Kim meint, er sei erst dann entdeckt worden, ich glaube aber eher, dass in diesem Jahr die touristische Erschließung erfolgt ist.

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Ulim-Wasserfall

Nach dem Wasserfall gibt es ein Picknick am Fluß (dort wird mir das Du angeboten, was ich ab dann auch einhalte, aber Kim wechselt immer noch hin und her zwischen Du und Sie), danach laden wir die Fahrräder ein und fahren zurück zur Autobahn, und dann weiter Richtung Wonsan. Dort angekommen geht es direkt zum Strand. Ich werde nocheinmal gefragt, ob ich wirklich baden will. Die Sonne scheint zwar nicht, aber es ist trotzdem ca. 22-23 Grad warm, also ja. Als ich im Wasser bin und rufe, dass es warm ist (was es auch tatsächlich ist) entschließt sich auch Kim zu baden. Danach sitzen wir noch ein bißchen im Sand und hoffen, dass die Sonne hinter den Wolken hervorkommt, was sie aber nicht tut.

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Strand in Wonsan

Es gibt auch Duschen, die wir auch benutzen bevor wir uns umziehen. Dann laufen wir den Strand entlang Richtung Stadt, der Fahrer mit dem Auto hinterher. Ich darf mir das Hotel in Wonsan anschauen (in dem wir aber nicht übernachten), und als ich den Wunsch äußere, Fisch aus dem Meer zu essen, wird diesem auch unerwartet entsprochen. Wir gehen hinter das Hotel auf einen schmalen Weg zwischen Ufer und Rückwand, und dort ist eine Art Freiluftrestaurant aufgebaut, mit kleinen Schemeln (keine 20cm hoch), von denen auch die meisten mit Koreanern besetzt sind. Vor dem Standt stehen Plastikeimer, in denen frische Muscheln schwimmen. Wir setzen uns, und wir bekommen einen Stahleimer mit Holzkohle, an dessen Seite ein elektrisches Heißluftgebläse (welches wiederum an eine Batterie angeschlossen ist) angebracht wird. Drüber ein Rost, und darauf kommen für jeden eine Muschel. Dazu gibt es rohen Fisch, direkt aus dem Meer. Und zum Trinken gibt es Eichelschnaps. Ich werde auch aufgefordert, genug Alkohol zu trinken, dass sei nötig, damit ich den Fisch vertrage. Wir trinken zu dritt zwei Flaschen davon (der Fahrer darf nur einen kleinen Schluck haben). Danach essen wir die Muscheln, die echt gut sind. Es gibt angeblich noch eine andere Sorte Muscheln, die aber ausverkauft sind. Doch kurz darauf kommt jemand mit einem Trog, in dem neue Muscheln sind, und wir bekommen welche davon auf unseren Grill.

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Muscheln auf dem Grill

Die ganze Situation hätte ich so nie erwartet in Nordkorea. Ich hätte nie gedacht, dass ich direkt am Meer offensichtlich frischen Fisch zwischen lauter Koreanern bekomme. Die Reiseführer müssen das extra zahlen, es kostet zusammen knapp 10 Euro. Und es ist offensichtlich kein geplanter Programmpunkt, da wir direkt im Anschluss in ein Restaurant ein paar hundert Meter weiter gehen, in dem schon für uns (und auch für eine andere, größere Reisegruppe) gedeckt ist, wo wir dann nochmals Essen bekommen. Auch Fisch, aber halt nicht in so authentischer Atmosphäre. Und auch ohne Schnaps, nur mit Bier. Wie gesagt, ich bin nochmals überrascht von diesem Land und dieser Reise, zwei Tage hintereinander Dinge erlebt, die ich hier nie erwartet hätte.

Gegen Ende des Essens werden die anderen drei schon etwas ungemütlich, wir müssen noch ein Stück fahren zum Hotel. Es ist draußen schon dunkel, und wir fahren ca. 1 Stunde, zurück Richtung Pjöngjang in die Berge. Dort  wartet das Masikryong-Hotel auf uns, angeblich ein fünf Sterne Hotel bei einem Skigebiet in den Bergen. Das Hotel macht tatsächlich einiges her, insbesondere weil es noch nichtmal ein Jahr alt ist (angeblich im Dezember 2013 eröffnet). Es gibt angeblich auch Internet, allerdings kostet das 30 Eurocent pro Minute, und irgendwie ist der Raum dazu abgeschlossen und der zuständige Mitarbeiter nicht auffindbar. Vom Skigebiet sieht man wegen der Dunkelheit jedoch nichts. Mein Zimmer ist schön, es riecht schön angenehm und neu nach der Holzvertäfelung. Es ist auch sehr sauber, wenn man Details betrachtet würde ich das Hotel aber eher als Viersternehotel nach unseren Standards betrachten – die Minibar ist leer und manche Details passen einfach nicht, in der Dusche fliegen Schrauben wenn man an den Seifenhalter stößt. Aber ich will das Zimmer gar nicht schlecht machen, es ist sauber und schön, nur der fünfte Stern ist halt leicht übertrieben. Nun ja, ich wünsche den anderen gute Nacht und schreibe im Zimmer noch diesen und den vorherigen Text. Nebenbei schaue ich ein bißchen fern, wo Kim Jong-Un gerade dabei gezeigt wird, wie er Fabriken besucht und Anweisungen gibt. Es gibt anscheinend 3 Nordkoreanische Fernsehsender, einer mit Nachrichten (wo Kim Jong-Un zu sehen war), einer mit Musikvideos und einer mit Filmen. Die ersten beiden senden ab 10 Uhr nur noch ein Testbild, auf dem Dritten läuft noch ein Film. Ansonsten gibt es noch ein paar internationale Sender wie Al Jazeera, Russia Today oder Deutsche Welle – aber nichts amerikanisches.

Pjöngjang I

Am Bahnsteig in Peking laufe ich erstmal am Zug nach vorne, um die Lokomotive zu fotografieren. Nachdem das erledigt ist laufe ich nach hinten entlang auf der Suche nach Waggon 12, in welchem mein Abteil für die nächste Nacht liegen soll. Wagen 12 ist aber eindeutig ein chinesischer Großraumwagen mit Sitzplätzen, kein Schlafwagen. Der Schaffner schickt mich auch weiter nach hinten. Ganz am Ende des Zuges hängen dann noch zwei nordkoreanische Wagen, von außen durch andere Farbgebung und die Logos von dem Rest des Zuges zu unterscheiden. Der hintere, also der letzte des Zuges, hat tatsächlich auch die Nummer 12 und der Schaffner lässt mich nach genauer Betrachtung meines Fahrscheins in den Wagen. Vorher werde ich noch nach meinem Herkunftsland gefragt (obwohl dies auch auf dem Fahrschein angegeben ist), ich antworte Germany, worauf mir mit Deutschland geantwortet wird.

Von innen hat der Wagen dasselbe Layout wie die russischen und die chinesischen Schlafwagen, ist aber von deutlich neuerer Bauart als all jene, die ich vorher gesehen und befahren habe. Es gibt wie sonst auch an jedem Wagenende eine Toilette, aber zusätzlich gegenüber der Toilette jeweils mehrere Waschbecken im Gang. Die Abteile haben alle eine eigene Steckdose und sind klimatisiert – dementsprechend sind die Fenster auch nicht zu öffnen. Die Betten sind schon bezogen, auf den zweiten Blick auch bereits benutzt, aber trotzdem macht der Wagen einiges her. Als ich gegen 17:10 einsteige bin ich fast allein im Waggon. Die Toilette am einen Wagenende ist nicht benutzbar, da sie bis unter das Dach mit Kisten vollgeräumt ist. Die andere enthält ein Plumsklo (also keinen Sitz).

Kurz vor Abfahrt sehe ich dann auf dem Bahnsteig jede Menge Koreaner mit Unmegen an Gepäck. Die Koreaner sind insbesondere an ihrer Kleidung zu erkennen: entweder sie haben einen Anstecker auf ihrer linken Brust, welche ein Konterfei Kim Il-Sungs und eine koreanische Fahne enthält, oder sie tragen die typischen olivgrünen und ockerfarbenen Anzüge, für die Kim Jong-Il bekannt geworden ist. Ihr Gepäck besteht jeweils aus mehreren Koffern und Kisten, und fast jeder hat außerdem eine Kiste mit einem Flachbildfernseher dabei – manche nur 19″ groß, andere mit über einem Meter Diagonale.

Zuerst setzen sich zwei Kerle zu mir ins Abteil, die einen sehr runtergekommenen Eindruck machen. Kurz nachdem sie sich gesetzt haben kommt der Schaffner und will die Tickets einsammeln, und als er sie sieht, werden sie in strengem Ton weggeschickt.

Kurz darauf kommt ein anderer Mann in mein Abteil und verstaut seine Koffer. Er spricht ein wenig Englisch, der Schaffner akzeptiert auch seinen Fahrschein, so unterhalten wir uns ein wenig. Er ist ein in Peking arbeitender Programmierer und fährt für 2 Wochen nach Nordkorea, um seine dort lebende Familie zu besuchen. Er fragt, ob ich zu Abend essen möchte, und als ich ihm erkläre, im Speisewagen essen zu wollen, lädt er mich ein, mit ihm und einem Kollegen zu essen, der in einem anderen Wagen sitzt. Wir machen uns also auf, um in den nächsten Wagen zu gehen. Dort fällt mir auf, dass ungefähr die Hälfte der Abteile nicht mit Passagieren besetzt ist, sondern bis unter die Decke mit Gepäck vollgestopft  sind. Im nächsten Abteil angekommen essen wir zu dritt. Der Kollege meines Abteilpartners spricht auch ein bißchen englisch und ist ebenfalls Programmierer. Mir wird Bier eingeschenkt, ich bekomme koreanischen Schnaps, und es gibt jede Menge verschiedene koreanische Speisen (das Essen hätte locker auch für vier Personen gereicht). Die beiden sind echt sehr nett und freundlich, und es ist sehr interessant sich mit ihnen zu unterhalten. Das ganze ist außerdem sehr überraschend für mich – ich hätte nicht gedacht, dass ich mich mit irgendwelchen Nordkoreanern ungezwungen und offen unterhalten würden könnte auf dieser Reise – und dazu werde ich noch zum Essen eingeladen!

Nach dem Essen gehen wir zurück in unser Abteil um zu schlafen, die beiden anderen Betten sind mittlerweile durch weitere Passagiere besetzt. Ich schlafe schnell ein, obwohl es noch nicht einmal zehn Uhr ist. Mitten in der Nacht wird es irgendwann laut, die beiden Schläfer auf den oberen Betten werden geweckt und anscheinend durch neue Passagiere ausgetauscht.

Ich wache relativ früh auf, weil sich die anderen im Abteil miteinander auf koreanisch unterhalten. Es ist zwar schon hell, aber als ich auf die Uhr schaue stelle ich fest, dass es erst 6:30 Uhr früh ist. Ich gehe kurz auf die Toilette und wasche mir das Gesicht, danach werde ich zum Frühstück eingeladen, von den zwei mir bisher unbekannten Abteilkollegen. Einer von beiden spricht auch ein paar Worte Englisch, der andere nicht. Der Englischsprechende ist Geschäftsmann, er ist Nordkoreaner, wohnt aber auch in China und fährt regelmäßig zwischen beiden Ländern hin und her. Kurz nach dem Frühstück kommen wir auch schon in Dondang an, der Grenzstadt auf der chinesischen Seite. Zuerst werden unsere Pässe von den chinsischen Grenzbeamten eingesammelt, etwa eine halbe Stunde später werden sie abgestempelt zurückgegeben. Eine Zollkontrolle findet nicht statt, nichtmal Zollerklärungen müssen ausgefüllt werden. Danach fährt der Zug mehrfach hin und her, es wird rangiert. Die chinesischen Waggons werden abgekoppelt. Nach ein bißchen Standzeit, die ich nutze, um den Eintrag über die Mongolei, den ich im Zug am Abend zuvor erneut geschrieben habe, über ein offenes WLAN hochzuladen, fährt der Zug gegen 10 Uhr über den Grenzfluss.

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Dondang von der Brücke über die Grenze aus betrachtet

Der Grenzfluss wird durch eine Stahlbrücke überspannt. Neben dem Gleis ist eine enge, einspurige Straße, auf der sich LKWs in Richtung Nordkorea stauen. Hinter der Brücke ist direkt ein Bahnhof, wo wir ersteinmal stehen bleiben. Der Bahnhof ist gerade eine Baustelle, es stehen schon Säulen für eine neue Bahnhofshalle, doch das Dach ist bisher nur ein Stahlgitter. Auch die Fußgängerunterführung ist noch nicht fertig, es gibt bisher nur Löcher neben denen Fließen für die Treppen gelagert sind. Dafür stehen Leitern zwischen dem Bahnsteig und den Gleisen, über die heruntersteigen kann um die Gleise zu überqueren.

Dann geht die nordkoreanische Grenzkontrolle los. Zuerst werden die Pässe eingesammelt. Dann kommt ein Zöllner, der die Zollerklärungen, die wir zuvor ausfüllen mußten, einsammelt. Danach müssen alle aus dem Abteil, und einzeln werden wir wieder hereingebeten um mit dem Zöllner das Gepäck anzuschauen. Ich darf als erster. Ich muß meinen Rucksack aufmachen. Der Zöllner wühlt ein bißchen, ist aber sehr freundlich und zurückhaltend. Als er mein Tolstoi-Buch findet freut er sich. Zu meiner Kamera und zu meinem Handy fragt er, ob diese GPS können. Als ich diese Frage bei meinem Handy mit Ja beantworte scheint ihm dies trotzdem egal zu sein. Danach sind die anderen dran. In den anderen  Abteilen stehen auch Zöllner, z.T. können die das Abteil ja gar nicht betreten, weil diese mit Gepäck gefüllt sind. Dort stehen sie davor mit einem Messer und schneiden Kisten auf um zu sehen was drin ist. Insgesamt sind alle Beamten sehr freundlich, die Koreaner scherzen sogar mit ihnen herum, es wird gelacht. Mit russischen Grenzbeamten wäre das sicher nicht so locker.

Nach dem Zoll kommt noch ein Soldat mit einem Metalldetektor (so wie am Flughafen, ein Handdetektor) und jeder wird damit kontrolliert. Das wars auch schon mit den Kontrollen, es gibt die Pässe zurück. Dann rumpelt es ein paar mal, es werden wieder einige Waggons an den Zug (der ja zwischenzeitlich nur aus zwei Wagen bestand) angehängt. Und dann ist erstmal Warten angesagt. Ich schaue mal auf den Bahnsteig raus und möchte ein bißchen am Zug entlanglaufen, aber schon als ich mich 5m vom Zug entferne werde ich von herumstehenden Soldaten zurückgepfiffen. Ein paar Minuten später werde ich vom Schaffner mit den Worten Hey Deutschland und einer zeigenden Geste angewiesen, wieder einzusteigen. Kurz darauf fährt der Zug auch los, es ist viertel nach eins (bei der Überfahrt über die Grenze haben wir eine Stunde verloren, weil Nordkorea eine Zeitzone weiter in der Zukunft liegt).

Im Abteil werde ich abermals zum Essen eingeladen. Außerdem zeigen wir uns gegenseitig unsere Pässe. Zwei der Abteilpartner haben einen roten Diplomatenpass und Stempel von Indien, Pakistan, Lybien etc. drin. Die beiden anderen (ja, wir sind irgendwie zu fünft im Abteil, und nachts wurde irgendwie durchgetauscht – eine Liege ist außerdem nur halb so breit weil da auch ein riesen Fernseher drauf steht) haben hauptsächlich chinesische und nordkoreanische Visa in ihren nordkoreanischen Pässen – ja, sie brauchen Aus- und Einreisevisa für ihr eigenes Land.

Nach dem Essen legen sich die anderen Schlafen, und ich schaue aus dem Fenster und fotografiere.

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Landschaft aus dem Zug fotografiert

Als erstes fällt mir auf, dass zwar, wie ich von anderen Reiseberichten gelesen habe, viele Fahrrädder auf den Straßen unterwegs sind. Dass jedoch keine Autos unterwegs sind kann ich keineswegs bestätigen. Viele LKW und auch einige Geländewagen fahren in beide Richtungen auf der Straße, welche die meiste Strecke in der Nähe der Gleise verläuft. Die meisten PKW und LKW sind relativ neue chinesische Fabrikate, aber jedoch gelegentlich auch ältere russische oder japanische Modelle. Wir fahren durch scheinbar endlose grüne Reis- und Maisfelder, die offensichtlich demnächst reif zur Ernte sind. Die Flüsse führen zwar alle Wasser, doch ist deutlich sichtbar, dass diese zu anderen Jahreszeiten deutlich mehr Wasser führen. Manche sind momentan nur ein dünner Rinnsal, aber Wasser ist trotzdem überall drin.

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Nordkoreanisches Dorf

Die Wagen sind zwar klimatisiert, und das auf Kühlschranktemperatur. Jedoch wird hier der Wagen jeweils eine halbe Stunde runtergekühlt bis alle frieren, und danach wird die Klimaanlage ausgeschaltet bis es fast zu warm wird. Draußen ist wahnsinnig schönes Wetter – blauer Himmel, Sonnenschein. Das gibt ein fast romantisches Bild wie wir da durch die Landschaft fahren, mit den grünen Feldern und den Menschen die gemütlich mit den Fahrrädern entlang fahren und gelegentlich von LKWs und Geländewagen überholt werden. Das will so überhaupt nicht in das Bild des immerbewölkten, grauen Landes passen, in dem es keine Autos gibt und alle soldatische Disziplin an den Tag legen müssen. Und dazu sind alle Koreaner, die ich im Zug kennengelernt habe, offen, überaus nett, versuchen sich mit mir zu unterhalten und laden mich zum Essen ein. Alles sehr unerwartet.

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Die Lokomotive in einer Kurve

Die Strecke hat ein paar wenige Tunnels, in denen der Zug immer stockdunkel wird – man  sieht dann wirklich nichtmal die Hand wenn man vor seinem eigenen Gesicht winkt. Und der Zug fährt auch nicht besonders schnell, meistens zwischen 40 und 50 km/h, manchmal kurz 60, manchmal aber auch nur 30. Die Fenster lassen sich zwar nicht öffnen, sind aber zumindest einigermaßen sauber, so dass man ein bißchen fotografieren kann. Auf den Bahnsteigen, die wir durchfahren, warten immer viele Menschen. 

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Angestellte Eisenbahnwaggons

Gegen 18 Uhr wird es draußen sichtbar urbaner, wir nähern uns Pjöngjang. Und um 18:45 sind wir dann da – ich meine fahrplanmäßig, doch ich werde später aufgeklärt, dass wir eine Stunde zu spät sind, die Stunde Unterschied ist offensichtlich wegen der Zeitverschiebung. Am Bahnhof in Pjöngjang herrscht ein großer Menschenauflauf, viele Leute sind auf dem Bahnsteig um Leute aus dem Zug zu empfangen. Ich lauf ein bißchen umher, bis ich meine Reiseleiter finde, Herr Kim, der gut deutsch spricht, und Herr Jong, der nur Englisch (und Chinesisch) spricht. Ich will noch zum vorderen Ende des Zuges, um die Lokomotive zu fotografieren, jedoch ist diese schon abgekuppelt und weggefahren. Vor dem Bahnhof wartet unser Auto, ein Kleinbus, mit einem Fahrer, der sich nicht mit Namen vorstellt. Hinten im Auto stehen drei Fahrräder.

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Ankunft in Pjöngjang

Wir fahren direkt zum Restaurant, eigentlich war noch ein kurzer Spaziergang durch die Stadt vorgesehen, aber der entfällt wegen der Verspätung. Im Restaurant gibt es Hot Pot, so ähnlich wie Fondue. Auch hier wieder anders als erwartet, es sind tatsächlich auch andere Gäste im Restaurant (in anderen Reiseberichten liest man immer davon, dass man mehr oder weniger allein sei in Restaurants). Wir haben aber ein separates Nebenzimmer für uns und unterhalten uns dort über das Reiseprogramm usw.

Nach dem Essen fahren wir ins Hotel, das im Stadtzentrum liegt. Dort gehe ich dann relativ zeitig ins Bett, der Tag war ja lang.

Peking I

Nach der Ankunft am 8. September mache ich mich mit Tabea aus dem Nachbarabteil auf die Suche nach einer Bank,  um an chinesische Yuan zu kommen.  Auf dem Bahnhofsplatz finden wir eine Post,  die auch einen Bankomaten besitzt, der sagt jedoch er wäre „out of paper“, Geld hat er auch nicht mehr. Wir werden zu einer Bank of China ein paar hundert Meter weiter verwiesen,  wo es dann Geld gibt. Wir gehen noch gemeinsam in ein eine Touristeninformation und holen uns U-Bahn-Pläne,  dann trennen wir uns und ich versuche mein Hotel zu finden,  welches nur 10 Laufminuten vom Bahnhof sein soll. An der Stelle,  an der ich es auf meinem Handy markiert habe ist jedoch nur eine Polizeistation zu finden. Zum Glück gibt es dort ein offenes WLAN über das ich nochmal nach dem Hotel suchen kann,  und tatsächlich ist es noch ein Stück näher am Bahnhof.  Also den Weg zurück,  und schon stehe ich vor dem Zhong An Hotel. Mein Zimmer ist zwar klein,  die Dusche und Toilette sind nur hinter einem Vorhang im Zimmer,  aber alles ist sauber. Ich dusche erstmal und lege mich nochmal für eine Stunde hin.

Zum Abendessen fahre ich mit der U-Bahn zum Tianmen Platz und suche dort ein Reiseführer empfohlenes Restaurant, wo es Pekingente geben soll.  Ich finde an der angegebenen Stelle aber nur eine Baustelle.  Also laufe ich noch eine ganze Weile durch die Gegend bis ich endlich meine Pekingente bekomme. Danach laufe ich nochmal zum Tianmen Platz,  doch der ist abgesperrt.  Trotzdem kann man drum herum ein paar schön beleuchtete Gebäude sehen.  Dann fahre ich mit der U-Bahn zurück ins Hotel und schlafe.

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Peking bei Nacht

Was auffällt in Peking,  ist dass zwar viele Motorroller unterwegs sind, aber ausschließlich mit elektrischem Antrieb. Das ist natürlich einerseits der Luftqualität zuträglich,  die jetzt im September sowieso die beste im ganzen Jahr sein soll.  Andererseits sind die Dinger dadurch absolut ruhig,  man hört sie nur,  wenn sie hupen. Komisch eigentlich,  dass da nicht häufiger was passiert,  weil die Roller auch oft auf dem Gehweg unterwegs sind,  wo die meisten Fußgänger eher mit ihrem Smartphone beschäftigt sind als auf Roller zu achten.

Nach dem Frühstück am nächsten Tag wird mir von einem Agenten des Reisebüros die Fahrkahrte nach Pjöngjang ins Hotel gebracht. Danach fahre ich mit der U-Bahn zum Bei Hai Park und besuche den weißen Tempel auf der Insel. Danach gehe ich weiter zum nahegelegenenen Jingshan-Park und besteige den dortigen Hügel mit Pagode drauf. Von dort hat man einen schönen Blick über die Stadt.

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Blick auf die verbotene Stadt

Nach der Besichtigung der Parks gehe ich nochmal zurück ins Hotel, Dusche und fahre dann mit der U-Bahn zu Thomas und Suhui, bei ihnen kann ich etwas Gepäck deponieren. Wir essen dann gemeinsam bei ihnen zu Abend. Gegen 11 fahre ich heim, da ist die letzte U-Bahn aber schon gefahren, also nehme ich das Taxi. Das kostet 21 Yuan, also keine 3€.

Am 10.9. fahre ich nach dem Frühstück mit der U-Bahn zum Tianmen Platz und schaue mir dort das Museum im Turm an. Danach spaziere ich über den Platz und werde mehrfach von Chinesen angesprochen. Die verwickeln mich immer in ein Gespräch und wollen dann unbedingt einen Tee oder ein Bier trinken gehen. Mit einem gehe ich mal mit, und tatsächlich führt er mich in ein Café in einer Seitenstraße, wo es im Hinterzimmer ziemlich überteuerte Getränke gibt. Auf dem Tisch steht ein großes Schild mit allen möglichen Kreditkartensymbolen. Typische Touristenfänger also, ich gehe wieder raus aus dem Laden. Mein Begleiter folgt mir, und wir trinken gegenüber einen Tee zu humaneren Preisen. Als er merkt dass bei mir auf diese Tour nichts zu holen ist verabschiedet er sich aber trotzdem freundlich nach dem Tee. Ich laufe dann weiter zum Eisenbahnmuseum, welches direkt am Tianmen Platz in einem alten Bahnhofsgebäude untergebracht ist. Das Museum ist zwar ganz nett, aber nicht ganz das was ich erhofft hätte. Die angepriesenen Sandmodelle sind keine Eisenbahnanlagen, sondern nur dreidimensional gestaltete Landkarten.

Dann wird es auch schon Zeit, ich fahre zum Hotel, hole mein Gepäck, schreibe nochmal die letzten Nachrichten über das Hotel-WLAN (dabei bricht die Internetverbindung ab und mein schöner Mongolei-Beitrag verschwindet im Nirwana) und breche zum Bahhof auf. Ich soll eine Stunde vor Abfahrt des Zuges dort sein und bin dementsprechend um halb fünf dort.

Der Pekinger Bahnhof ist ähnlich organisiert wie ein Flughafen: erst muss man sein Ticket vorzeigen, dann geht es zum Security-Check. Dann sucht man auf einer Tafel raus, von welchem Gleis der Zug fährt und begibt sich in den entsprechenden Wartesaal (mein Zug fährt von Gleis 7). Dort wartet man dann, bis das Tor zum Bahnsteig geöffnet wird, was ca. eine halbe Stunde vor Abfahrt geschieht. Ich muss also noch 20 Minuten warten und esse solange Chips. Dann darf ich auf den Bahnsteig, wo der Zug auch schon darauf wartet, pünktlich um 17:27 Richtung Pjöngjang über Dandong abzufahren.

Mongolei

Die Grenzkontrollen sind eher locker, ich muss nur kurz meine Tasche öffnen, ansonsten gibt es nur ein paar Stempel in den Pass. Außerdem wird an der Grenze noch der russische Speisewagen mit einem mongolischen ersetzt.

Der Zug kommt sehr früh in Ulan Bator an, ich schlafe noch und Andrei steigt aus. Wir sind also nur noch zu zweit im Abteil ich wach werde. Sonst sind im Waggon ziemlich viele ausgestiegen, und neue Touristen sind jetzt in den anderen Anteilen. Mein chinesischer Mitfahrer versucht mit meiner Hilfe die russischen Zahlen aussprechen zu lernen und wir versuchen mit Wörterbüchern uns etwas zu unterhalten, was aber eher schwierig wird.

In Russland hat sich die Fahrt ja ein bißchen wie eine Klassenfahrt angefühlt: es wird versucht Alkohol zu trinken ohne dass die Schaffner es mitbekommen, auch sonst passen die Schaffner auf dass alle rechtzeitig aussteigen und dass alle ihre Bettwäsche bekommen. In dem chinesischen Wagen ist es aber genau umgekehrt: der Wagen stinkt nach Rauch, weil die chinesischen Schaffner in ihrem Abteil bei offener Tür rauchen und mit Schaffnern aus anderen Waggons Karten spielen. Und die in Ulan Bator zugestiegenen Passagiere haben nur noch gebrauchte Bettwäsche bekommen (in Irkutsk gab es zum Glück noch frische).

In Choyr hält der Zug nachmittags für ca. 20 Minuten an und ich laufe ein bißchen über den Bahnhof. An einer Bude will ich mit etwas zu Essen kaufen, und die Verkäufer wollen sogar Euro annehmen. Als ich aber meine Münzen auspacke werden sie schnell ablehnend, die wollen sie anscheinend nicht. Naja, dann gibt es halt nichts zu Essen für mich.

Mittags gehe ich dann in den mongolischen Speisewagen und bestelle mir ein Gericht bestehend aus Rind, Gemüse und Reis. Das Essen ist locker das beste bisher in einem Speisewagen. Zusammen mit einem (zugegebenermaßen etwas wässrigem) mongolischen Bier zahle ich 13€ (wäre wahrscheinlich günstiger gewesen wenn ich mit mongolischem Geld gezahlt hätte). Im Speisewagen unterhalte ich mich mit anderen Touristen, die, wie es sich später herausstellt, auch in meinem Waggon direkt im nächsten Abteil hausen. Es handelt sich um ein schottisch/englisches Ehepaar und eine alleinreisende junge Deutsche.

Nach dem Essen schauen wir in unserem Wagen gemeinsam aus dem Fenster, während der Zug durch die mongolische Wüste zuckelt (laut GPS fährt er so zwischen 60 und 80 km/h). In dem Ausläufer der Wüste Gobi sieht man hin und wieder eine Jurte, und ziemlich viele Herden von Pferden, Rindern und Kamelen.

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Kamele in der Mongolei

Die Strecke ist relativ kurvig, obwohl wir wie gesagt durch die Wüste (bzw. vielleicht eher Steppe) fahren, so hat man immer wieder einen schönen Blick auf den Rest des Zuges (wir sind ja im letzten Waggon). Relativ oft gibt es auf der eingleisigen, nicht elektrifizierten Strecke jedoch Ausweichstellen, an denen uns fast immer ein langer Güterzug entgegen kommt.

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Zug fährt durch die Mongolei

Als es schon dunkel wird kommen wir an der chinesischen Grenze an. Die Grenzkontrollen sind noch lockerer als das letzte mal. Weil mein chinesischer Mitfahrer sich weigert, eine Zollerklärung auszufüllen und dementsprechend etwas Chaos produziert wird auch vergessen, meine ausgefüllte Erklärung mitzunehmen. Aber meine Stempel im Pass bekomme ich alle. Nach den Kontrollen steigt der Chinese aus und ich habe das Abteil für mich allein. Der Zug fährt dann ein Stück zurück zu der Umspuranlage, da China wieder dieselbe Spurweite hat wie Europa

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Umspuren in Erinhot

Danach fährt der Zug wieder in den Bahnhof von Erinhot zurück und hat dort noch fast zwei Stunden Aufenthalt. Weil ich noch nichts zu Abend gegessen habe hole ich mir im Supermarkt im Bahnhof Chips, Süßigkeiten und Bier. Letzteres ist noch wässriger als das mongolische und dazu noch so kalt, dass Eis darin herumschwimmt. Noch während wir halten verteilen die Schaffner Gutscheine für gratis essen im Speisewagen (der mongolische wurde mittlerweile auch durch einen chinesischen ersetzt) am nächsten Tag, und zwar gleich zwei Stück: einen für ein Frühstück zwischen 6:30 und 7:30, und einen für ein Mittagessen zwischen 9:30 und 10:30.

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Ich, kurz vor Peking aus dem Fenster des fahrenden Zuges schauend

Der Zug fährt erst nach 1 Uhr nachts ab, und ich schlafe erst kurz darauf ein, so dass ich das Frühstück natürlich verpasse. Aber zum Mittagessen schaffe ich es, zusammen mit den Leuten aus dem nächsten Abteil. Es gibt Schweinefleisch und Reis, dazu kaufe ich ein Bier für einen Euro. Die Landschaft vor dem Fenster ist übrigens sehr reizvoll geworden, bewaldete Berge mit Seen dazwischen. Leider habe ich die Kamera nicht im Speisewagen dabei. Als wir zurück in unserem Waggon sind sind draußen schon die Vororte von Peking zu sehen. Wir kommen auf die Minute genau um 11:40 am Hauptbahnhof von Peking an. Die Schaffner fangen schon vorher an aufzuräumen und sauber zu machen, sogar die Vorhänge werden abmontiert und zur Wäsche gegeben.

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Angekommen in Peking

Irkutsk

Der Bus aus Listwjanka ist ziemlich voll,  einige stehen sogar. Ich sitze ganz hinten, und irgendwie verpasse ich rechtzeitig auszusteigen, so dass ich bis zur Endstation am Busbahnhof fahre. Das macht zwar nichts, aber ist halt ein längerer Weg bis zum Hotel. Dort komme ich dann so um 13 Uhr an und bringe erstmal mein Gepäck aufs Zimmer. In Irkutsk ist an sich sehr schönes Wetter, aber mit 16 Grad ist es nicht besonders warm.

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Herr Lenin weist mir freundicherweise den Weg zum Hotel

Dann starte ich einen Stadtrundgang. Zuerst zum ewigen Feuer am Flußufer. Dort sind mehrere Hochzeitsgesellschaften mit ihren Fotografen unterwegs, die sich vor allerlei Motiven ablichten lassen. Außerdem wimmeln ein paar Reisegruppen mit Asiaten umher. In Irkutsk gibt es viele alte ein- oder zweistöckige Holzhäuser, anfangs gab es in Sibirien noch keine Backsteinbrennereien. Von denen sind einige gut erhalten, andere sacken ab oder sind vollkommen heruntergekommen. Mit den ganzen Holzhäusern erinnert Irkutsk meiner Meinung nach bisschen an eine Stadt im Wilden Westen.

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Holzhaus in Irkutsk

Von dort gehe ich weiter ostwärts, vorbei an ein paar Kirchen, bis zur Moschee der Tataren. Was mir unterwegs auffällt, ist dass es in Irkutsk an jedem größeren Platz Lautsprecher an den Laternenmasten gibt, aus welchen ein Radioprogramm läuft, einschließlich Werbung. Außerdem gibt es relativ viele Straßenhunde, welche mir zuvor in Russland noch nirgends aufgefallen sind. Und sonst noch auffallend: viele Autos ohne Frontstoßstange. Vielleicht passieren hier sehr viele Unfälle (wonach der Verkehr aber eigentlich nicht aussieht)?

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Moschee in Irkutsk

Von der Moschee laufe ich Richtung Süden, zum Fluß. Unterwegs trinke ich noch einen Kaffe mit Tee und Gebäck. Am Flußufer laufe ich über einen Damm auf eine Insel im Fluß. Dort gibt es einen kleinen Vergnügungspark. Weiter hinten auf der Insel gibt es eine auch auf der Landkarte vermerkte Eisenbahn. Auf einem Schild am zugehörigen Bahnhof steht etwas von einer Spielzeugeisenbahn der Russischen Staatseisenbahn. Die Gleise haben aber ungefährt Meterspur, und es stehen auch einige Waggons auf dem Gelände. Für eine Spielzeugeisenbahn scheint mir das alles ein bißchen überdimensioniert, aber gut.

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Ist das eine Spielzeugeisenbahn?

Zurück auf dem Festland komme ich noch an einer Statue von Juri Gagarin vorbei, das war der erste Kerl im All. Von dort gehe ich nochmal kurz ins Hotel um die Jacke zu holen, seit die Sonne weg ist hat auch die Temperatur spürbar abgenommen. Weil es eh schon um 8 herum ist gehe ich auch gleich essen, ins Restaurant des Hotel Rus. Dort gibt es Pelmini und danach einen Hackbraten mit Zwiebeln und Ei drauf; zu trinken Разливное пиво . Zum Abschluss (ist ja mein letzter Abend in Russland) will ich noch etwas Vodka trinken. Ich suche mir einen von der Karte aus und bestellt – und bekomme eine Karaffe mit 0,1 Litern. So viel wollte ich eigentlich nicht, aber stehen lassen kann ich den natürlich auch nicht…

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Juri Gagarin

Am nächsten morgen stehe ich um viertel nach sieben auf, und dusche erstmal. Leider zuerst nur eiskalt, erst nachdem ich die Haare schon eingeseift habe wird das Wasser nach und nach wärmer. Die Dusche ist auch irgendwie eine sehr komische zusammengezimmerte Konstruktion, wahrscheinlich einfach nachträglich in einer Nische eingebaut. Auf jeden Fall steht das Wasser danach in diversen Senken, die im Bad verbaut sind.

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Tram in Irkutsk

Mit der Tram fahre ich zum Bahnhof, kaufe mir dort an einem Kiosk noch eine Art Hot-Dog und ein süßes Stück und gehe dann zum Zug. Der fährt gerade ein, als ich den Bahnsteig betrete. Was als erstes auffällt sind die Waggons. Die sind nämlich chinesisch, aber von deutscher Bauart wie das Typschild anzeigt. Von innen unterscheiden sie sich aber nur in Details von den typischen russischen Nachtzugwagen. Einerseits durch andere Beschriftung (chinesisch natürlich), andererseits durch fehlende Kleinigkeiten – kein Toilettenpapier auf dem Klo (dafür Seife, das gab es in den russischen Wagen nie), kein Snackverkauf beim Schaffner, keine zusätzlichen Matratzen in den Abteilen und keine Handtücher bei der vom Schaffner ausgehändigten Wäsche. Dafür gibt es aber Ventilatoren in den Abteilen.

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Einfahrender Zug nach Peking

Im Zug sind eigentlich nur Ausländer anzutreffen, ich glaube mein Waggon ist fast nur von Holländern besetzt (ältere Paare, die sich zu zweit vier Fahrkarten gekauft haben um das Abteil für sich zu haben), abgesehen von den chinesischen Schaffnern. In meinem Abteil schläft ein einzelner Mann als ich es betrete, ich lege aber erstmal nur mein Gepäck ab und gehe nochmal nach draußen. Am Zug läuft gerade ein Mann mit orangener Warnweste und einem Hammer mit sehr langem Griff entlang und klopft an jedem Fahrgestell an mehrere Stellen. Ich vermute mal er erkennt dann am Klang ob noch alles dran ist am Waggon. Zudem fällt mir auf, dass die Schornsteine, die an jedem Waggon vorhanden sind, heute alle rauchen. Es wird anscheinend schon geheizt. Jeder Waggon wird hier einzeln beheizt, und zwar mit einem Kohleofen (den der Schaffner regelmäßig befüllen muss).

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Kohleofen im Waggon

Als ich nach Abfahrt des Zuges wieder ins Abteil komme steht mein Mitbewohner gerade auf und stellt sich als Andrei aus Omsk vor. Ich unterhalte mich länger mit ihm, er spricht ein paar Brocken deutsche, die er vor 30 Jahren in der Schule gelernt hat und ist Pastor einer baptistischen Kirche auf dem Weg in die Mongolei, zu missionarischen Zwecken. Er zeigt mir auf seinem Tablett Bilder von seiner Familie und seinem Urlaub. Um die Mittagszeit legt er sich nochmal schlafen und ich gehe in den Speisewagen um zu essen. Dort werde ich erstmal von der Bedienung umgesetzt, weil die Plätze reserviert sind. Als nächstes werde ich gefragt, ob ich frühstücken will (nach Moskauer Zeit wäre es jetzt ca. 8 Uhr früh), aber ich bestelle mir einen Fisch mit Kartoffeln. Die Speisekarte ist hier sogar auf Englisch übersetzt und die Bedienung redet auch englisch. Kurz nachdem ich bestellt habe wird noch ein deutsches Ehepaar mit zu mir an den Tisch gesetzt, weil alle anderen Plätze reserviert sind. Die beiden sind schon seit Moskau in diesem Zug, d.h. noch nicht ausgestiegen, und sind Inhaber vierer Fahrkarten weil die erste Klasse ausgebucht war. Sie erzählen mir, dass sie in Brest nicht nach Weißrussland reingelassen wurden, da sie versäumt hatten, ein Transitvisum zu beantragen. Auf jeden Fall mussten sie dann mit dem nächsten Zug zurück nach Polen fahren und konnten dann von Warschau aus mit dem Flugzeug nach Moskau fliegen, um dort den jetzigen Zug gerade noch zu erwischen. Und sie bestätigen meinen Eindruck dass im Zug eigentlich nur Touristen abhängen. Dass bei mir im Abteil ein Russe sitzt überrascht sie.

Während wir essen füllen sich auch die anderen Tische. Dort wurde vorher schon alles eingedeckt. Es ist eine größere schwedische Reisegruppe, die während dem Essen sogar noch von einer Führerin bequatscht wird.

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Zug am Bailalsee

Die Strecke führt mittlerweile am Baikalsee entlang und man hat einen tollen Ausblick. Man kann im Gegensatz zu den russischen Zügen auch die Fenster relativ weit aufmachen, so dass man gut fotografieren kann. Leider zieht dann aber direkt der Kohlegeruch vom Kamin durchs Fenster herein. Was mir schon die ganze Zeit unterwegs aufgefallen ist, ist die hohe Frequenz an Zügen die einem entgegen kommen, eigentlich alle paar Minuten. Das meiste sind Güterzüge, und alle davon sind extrem lang. In Irkutsk konnte man vom Flußufer ganz gut die vorbeifahrenden Güterzüge auf der anderen Seite sehen, ich schätze dass die durchaus einen Kilometer oder länger sind. Und fast alle sind eine bunte Mischung aus Tankwagen, Schüttgutwagen und Containern.

Andrei ist in Slyudyanka, einem Ort direkt am Baikalsee wo der Zug kurz hält, ganz enttäuscht dass vom Bahnsteig keiner den Omul-Fisch verkauft. Ich habe mich auch schon gewundert dass ich bis auf in Brest noch nirgends jemanden gesehen habe, der Essen und sonstiges Zeug auf dem Bahnsteig verkauft, davon reden doch sonst alle die mit der Transsib gefahren sind. Dafür steht eigentlich an jedem größeren Bahnhof eine große, alte Dampflokomotive als Ausstellungsstück herum.

In Ulan Ude kaufe ich mir dann an einem Bahnhofskiosk Teebeutel, Zucker und ein paar Süßigkeiten nachdem die chinesischen Schaffner ja nichts dergleichen zum Verkauf anbieten (eine Tasse haben sie mir aber freundlicherweise gegeben, und einen Samowar gibt es sowieso). Außerdem steigt dann noch eine dritte Person zu uns ins Abteil ein, ein Chinese, der weder russisch noch englisch spricht, aber uns klarmacht, dass er nach Erlian will, die erste Stadt in China hinter der Grenze. Die Landschaft verändert sich jetzt auch, zuerst verschwinden die ganzen Birken und nur noch grüne Steppe ist zu sehen, dann wir die langsam gelblich. Die Eisenbahnstrecke ist jetzt auch eingleisig und nicht mehr elektrifiziert.

Mitten auf der Strecke bremst der Zug plötzlich scharf ab, so dass sogar die Flaschen auf dem Tisch umfallen. Kurz zuvor habe ich noch Kühe direkt neben der Strecke gesehen und mich gefragt, ob die nicht auch ab und zu auf das Gleis gehen. Und tatsächlich, kurz nachdem der Zug zum Stehen gekommen ist ruft einer von weiter hinten im Waggon, dass eine tote Kuh neben dem Gleis liegt. Eine andere Kuh steht daneben und schaut sehr verwundert. Wir sind im vorvorletzten Waggon, hinter uns kommt nur der russische Speisewagen und ein anderer russischer Wagen (wahrscheinlich für das Personal des Speisewagens), und da der Zug gerade in einer Kurve steht kann man von uns aus den ganzen Zug überblicken. Und da steigt plötzlich ein Mann mit orangener Weste aus der Lokomotive aus, läuft den kompletten Zug entlang und schaut prüfend unter die Fahrgestelle. Wahrscheinlich sucht er nach Resten der Kuh. Nachdem er den ganzen Zug abgelaufen ist läuft er wieder nach vorne und kurz darauf geht es auch schon weiter.

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Tote Kuh neben dem Gleis. Eine andere Kuh schaut was los ist

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Mann in orangener Weste prüft ob die Kuh den Zug kaputt gemacht hat

Kurz vor der Grenze habe ich Dostojewski fertig gelesen, jetzt ist Tolstoi dran.