Wonsan

Wir sind um 7:30 zur Abfahrt verabredet, also gehe ich um 7 Uhr zum Frühstück, nachdem ich (kalt, weil warm nicht verfügbar) geduscht habe. Dort bin ich wieder nicht allein im Speisesaal, zwei andere Tische sind mit Koreanern besetzt. Und während ich frühstücke kommt noch ein Tourist dazu. Es gibt ein reichhaltiges Büffet, besonders lecker sind die Omlettes mit Honig.

Nach dem Frühstück fahren wir los, nicht weit, zum Mansudae Springbrunnenpark. Die Springbrunnen sind leider noch aus, erst ab 10 Uhr sind sie in Betrieb. Dort kaufen wir auch Blumen, die wir kurz darauf auf dem Mansudae-Hügel vor den Statuen von Kim Il-Song und Kim Jong-Il ablegen. Ich bekomme dann noch einige Erklärungen zu den umliegenden Gebäuden, und dann machen wir uns auf den Weg Richtung Wonsan, eine Stadt an der Ostküste Koreas.

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Mansudae-Monument

Wonsan ist ca. 200 km von Pjöngjang entfernt, die Fahrt soll ungefährt 4 Stunden dauern. Die Autobahn ist ein vierspurige Straße, gebaut in den 80er Jahren. Die Spuren sind nicht baulich voneinander getrennt. Außerdem ist die Straße in relativ schlechtem Zustand, d.h. viele Schlaglöcher. Außerdem sind auch Fahrradfahrer und Fußgänger unterwegs. Die Autobahn ist jedoch nicht, wie erwartet, leer, sondern es sind doch einige LKWs und Autos unterwegs, die wir überholen und von denen wir auch überholt werden. Wir fahren so ca. 80-90 km/h, dabei wird man dann schon ordentlich durchgeschüttelt. Auffällig oft sieht man LKWs am Straßenrand, bei denen der Reifen gewechselt wird. Komisch, dass das hier so häufig passiert.

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Beschilderung am Beginn der Autobahn

Unser Auto ist übrigens ein nordkoreanischer Kleinbus mit einem Logo vorne drauf, das aus zwei Tauben besteht. Die Bauart entspricht ungefähr einem Toyota Hiace. Es gibt zwei Sitzreihen, vorne sitzen der Fahrer und Herr Kim, hinten Herr Jong und ich. Und dahinter stehen drei Fahrräder und unser Gepäck.

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Unser Auto

Gegen 11 Uhr machen wir eine kurze Kaffeepause an einem Stausee. Danach geht es weiter, wir verlassen nicht viel später die Autobahn und fahren ein kurzes Stück auf einer Landstraße. Dann halten wir an und laden die Fahrräder aus. Wir fahren zu dritt, es gibt sogar Helme, nachdem wir die Reifen nocheinmal aufgepumpt haben. Nur der Fahrer fährt mit dem Auto hinterher. Es geht zuerst ein Stück nach oben, danach geht es mehrere Kilometer eine steile Paßstraße nach unten. Wir lasen rollen und sind sogar schneller als die LKWs, welche die Straße herunterkriechen. Wir überholen aber nicht, sondern halten stattdessen an um Fotos zu machen. Die Landschaft ist bergig und bewalte, schön anzusehen. Kurz nach der Fotopause biegen wir rechts ab und kommen kurz darauf zu einem Parkplatz. Dort holen wir Eintrittskarten und radeln weiter zum Ulim Wasserfall. Der ist sicher 20m hoch und schon beeindruckend. Daneben ist 2001 in den Felsen geritzt, Herr Kim meint, er sei erst dann entdeckt worden, ich glaube aber eher, dass in diesem Jahr die touristische Erschließung erfolgt ist.

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Ulim-Wasserfall

Nach dem Wasserfall gibt es ein Picknick am Fluß (dort wird mir das Du angeboten, was ich ab dann auch einhalte, aber Kim wechselt immer noch hin und her zwischen Du und Sie), danach laden wir die Fahrräder ein und fahren zurück zur Autobahn, und dann weiter Richtung Wonsan. Dort angekommen geht es direkt zum Strand. Ich werde nocheinmal gefragt, ob ich wirklich baden will. Die Sonne scheint zwar nicht, aber es ist trotzdem ca. 22-23 Grad warm, also ja. Als ich im Wasser bin und rufe, dass es warm ist (was es auch tatsächlich ist) entschließt sich auch Kim zu baden. Danach sitzen wir noch ein bißchen im Sand und hoffen, dass die Sonne hinter den Wolken hervorkommt, was sie aber nicht tut.

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Strand in Wonsan

Es gibt auch Duschen, die wir auch benutzen bevor wir uns umziehen. Dann laufen wir den Strand entlang Richtung Stadt, der Fahrer mit dem Auto hinterher. Ich darf mir das Hotel in Wonsan anschauen (in dem wir aber nicht übernachten), und als ich den Wunsch äußere, Fisch aus dem Meer zu essen, wird diesem auch unerwartet entsprochen. Wir gehen hinter das Hotel auf einen schmalen Weg zwischen Ufer und Rückwand, und dort ist eine Art Freiluftrestaurant aufgebaut, mit kleinen Schemeln (keine 20cm hoch), von denen auch die meisten mit Koreanern besetzt sind. Vor dem Standt stehen Plastikeimer, in denen frische Muscheln schwimmen. Wir setzen uns, und wir bekommen einen Stahleimer mit Holzkohle, an dessen Seite ein elektrisches Heißluftgebläse (welches wiederum an eine Batterie angeschlossen ist) angebracht wird. Drüber ein Rost, und darauf kommen für jeden eine Muschel. Dazu gibt es rohen Fisch, direkt aus dem Meer. Und zum Trinken gibt es Eichelschnaps. Ich werde auch aufgefordert, genug Alkohol zu trinken, dass sei nötig, damit ich den Fisch vertrage. Wir trinken zu dritt zwei Flaschen davon (der Fahrer darf nur einen kleinen Schluck haben). Danach essen wir die Muscheln, die echt gut sind. Es gibt angeblich noch eine andere Sorte Muscheln, die aber ausverkauft sind. Doch kurz darauf kommt jemand mit einem Trog, in dem neue Muscheln sind, und wir bekommen welche davon auf unseren Grill.

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Muscheln auf dem Grill

Die ganze Situation hätte ich so nie erwartet in Nordkorea. Ich hätte nie gedacht, dass ich direkt am Meer offensichtlich frischen Fisch zwischen lauter Koreanern bekomme. Die Reiseführer müssen das extra zahlen, es kostet zusammen knapp 10 Euro. Und es ist offensichtlich kein geplanter Programmpunkt, da wir direkt im Anschluss in ein Restaurant ein paar hundert Meter weiter gehen, in dem schon für uns (und auch für eine andere, größere Reisegruppe) gedeckt ist, wo wir dann nochmals Essen bekommen. Auch Fisch, aber halt nicht in so authentischer Atmosphäre. Und auch ohne Schnaps, nur mit Bier. Wie gesagt, ich bin nochmals überrascht von diesem Land und dieser Reise, zwei Tage hintereinander Dinge erlebt, die ich hier nie erwartet hätte.

Gegen Ende des Essens werden die anderen drei schon etwas ungemütlich, wir müssen noch ein Stück fahren zum Hotel. Es ist draußen schon dunkel, und wir fahren ca. 1 Stunde, zurück Richtung Pjöngjang in die Berge. Dort  wartet das Masikryong-Hotel auf uns, angeblich ein fünf Sterne Hotel bei einem Skigebiet in den Bergen. Das Hotel macht tatsächlich einiges her, insbesondere weil es noch nichtmal ein Jahr alt ist (angeblich im Dezember 2013 eröffnet). Es gibt angeblich auch Internet, allerdings kostet das 30 Eurocent pro Minute, und irgendwie ist der Raum dazu abgeschlossen und der zuständige Mitarbeiter nicht auffindbar. Vom Skigebiet sieht man wegen der Dunkelheit jedoch nichts. Mein Zimmer ist schön, es riecht schön angenehm und neu nach der Holzvertäfelung. Es ist auch sehr sauber, wenn man Details betrachtet würde ich das Hotel aber eher als Viersternehotel nach unseren Standards betrachten – die Minibar ist leer und manche Details passen einfach nicht, in der Dusche fliegen Schrauben wenn man an den Seifenhalter stößt. Aber ich will das Zimmer gar nicht schlecht machen, es ist sauber und schön, nur der fünfte Stern ist halt leicht übertrieben. Nun ja, ich wünsche den anderen gute Nacht und schreibe im Zimmer noch diesen und den vorherigen Text. Nebenbei schaue ich ein bißchen fern, wo Kim Jong-Un gerade dabei gezeigt wird, wie er Fabriken besucht und Anweisungen gibt. Es gibt anscheinend 3 Nordkoreanische Fernsehsender, einer mit Nachrichten (wo Kim Jong-Un zu sehen war), einer mit Musikvideos und einer mit Filmen. Die ersten beiden senden ab 10 Uhr nur noch ein Testbild, auf dem Dritten läuft noch ein Film. Ansonsten gibt es noch ein paar internationale Sender wie Al Jazeera, Russia Today oder Deutsche Welle – aber nichts amerikanisches.

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