Paekdu-Berg

Um kurz vor 6 Uhr früh geht der Wecker, damit ich um Punkt 6 beim Frühstück bin. Wir fahren um halb 7 los und sind wie gewünscht eine Stunde vor Abflug, also um 7 am Flughafen. Der Flug geht dann leider doch erst um 9:10 Uhr, wir hätten also eine Stunde länger schlafen können. Am Flughafen ist viel los, viele Chinesen warten auf den Flug nach Peking. Nachdem deren Flugzeug abgeflogen ist sind wir dran. Es fliegen nur Herr Kim und ich, die anderen beiden bleiben in Pjöngjang. Im selben Flugzeug sind neben mir drei Reisegruppen, eine deutsche, eine russische und eine große gemischte. Die Bordkarten werden einfach in der Halle durch rufen der Namen verteilt. Dann geht es auch schon los mit dem Bus zum Flugzeug. Die Landebahn vor der Abflughalle wird gerade neu gebaut, die Flugzeuge stehen deswegen weit weg bei einer anderen Landebahn, man muss also ein gutes Stück fahren.

Es stellt sich heraus, dass die große gemischte Reisegruppe unter dem Namen Aviation Enthusiasts läuft, lauter Flugzeugfans aus allen möglichen Ländern, 49 an der Zahl. Und deren Hauptziel ist es, Flugzeuge zu fotografieren, wozu sie auf der Busfahrt auch ausgiebig Gelegenheit haben, da wir an einigen vorbeikommen. Auch beim Einsteigen in unser Flugzeug wird alles sorgfältig abgelichtet, die meisten aus der Gruppe haben zwei oder drei, manche vier Kameras dabei, dazu oft noch eine Videokamera. Immer wenn wir an einem Flugzeug vorbeifahren wird laut der Typ ausgerufen, gefolgt von  Freidenschreien und einem Gewitter aus Kamerageklacker. Im Flugzeug sitze ich dann direkt neben einem Kerl aus der Gruppe. Er erzählt mir einige lustige Dinge über die Gruppe. Sie sind für zehn Tage in Nordkorea, an den meisten Tagen wird geflogen. Entweder auf Linienflügen, so wie heute, oder auf sogenannten Joy Flights, bei denen das Flugzeug nur startet, ein paar Runden dreht und wieder landet. Und einmal werden sie mit dem Helikopter ins Hotel gebracht. So können sie fast alle zivilen Maschinen der Nordkoreaner einmal fliegen. Während dem Flug laufen alle wild umher um alle Winkel des Flugzeugs abzulichten. Mein Platz ist besonders beliebt, von hier aus kann man die Propeller am besten sehen. Die Sitze vor uns werden umgeklappt und alle klettern drauf herum für das beste Bild.

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Hauptsache Flugzeuge fotografieren

Mir wird (mit leichtem Stolz) erzählt, dass auf einem der letzten Flüge einmal der Pilot wütend aus dem Cockpit gerannt kam, weil das Flugzeug nicht mehr gerade in der Luft zu halten war weil alle nach vorne kamen um zu fotografieren. Außerdem gibt es anscheinend Ärger, weil vorher während der Busfahrt auch das auf dem Rollfeld stehende Flugzeug von Kim Jong Un abgelichtet wurde, was anscheinend verboten ist. Naja, vielleicht ein bißchen naiv von den Koreanern zu denken, man könnte eine Busladung Flugzeugfanatiker an dieser Maschine vorbeichauffieren ohne dass es fotografiert wird.

Wir landen in Samjyon, einem sehr kleinen Flughafen, von dem man bereits den Paekdu sieht. Alle rennen nachdem Aussteigen auf dem Flugplatz umher, die Flugzeugfans dürfen auch das Cockipt besichtigen. Unsere Fahrräder haben wir auch dabei, sie werden einfach neben dem Flugzeug abgestellt. Kurz nach uns landet ein anderes Flugzeug, was lautstark ausgerufen wird, damit die Flugzeuggruppe das auch sicher mitbekommt. Dann rennen alle sofort los auf die Landebahn um Fotos von der ankommenden Antonov zu machen. Es gibt gedränge, manche rennen so weit auf die Bahn dass sie vom Personal zurückgepfiffen werden müssen.

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Unser Flugzeug, eine Ilyuschin 62

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Warten auf die Antonov 24

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Radeln auf dem Rollfeld

Wir fahren kurz darauf mit einem Bus weiter, der auch einen eigenen Fahrer hat. Der Bus ist größer als derjenige, den wir in Pjöngjang hatten, allerdings nicht für den Fahrradtransport vorbereitet. Deswegen stehen die Fahrräder einfach hinten im Gang. Die Fahrt führt erst durch dichten Mischwald, viele Laubbäume haben schon herbstliche Farben. Es erinnert ein bißchen an Indian Summer in den USA. Je näher wir an den Paekdu kommen und je höher wir henauf fahren desto dünner wird die Vegetation, oben gibt es nur Vulkangestein.

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Berg Paekdu vom Flughafen aus

Am Ende der Straße fährt eine Standseilbahn an den Rand des Kraters. Mir werden 10 Euro für die Seilbahn abgeknüpft, dann fahren wir hoch. Wir haben leider nicht  viel Zeit, weil die letzte Seilbahn um 14 Uhr fahren soll, weil es danach keinen Strom mehr gibt. Wir können also entweder zum Kratersee herabsteigen oder zum Gipfel hoch. Ich entscheide mich für letzteres, es geht nochmal ein paar hundert Meter bergauf.

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Kratersee von der Bergspitze aus gesehen

Der Paekdu ist ein seit Millionen von Jahren stillgelegter Vulkan und mit 2750m der höchste Berg (Gesamt-)Koreas. Er markiert gleichzeitig die Grenze zu China. Auf der anderen Seite des Kratersees gibt es auch Gebäude, die angeblich den Chinesen gehören. Auf dem Gipfel treffen wir die deutsche Reisegruppe aus dem Flugzeug wieder, sie gehören zur deutschen Botschaft in Pjöngjang. Wir steigen zum allerhöchsten Punkt Koreas auf, der durch eine kleine Stele markiert ist. Danach müssen wir schnell runter, weil die letzte Bahn wartet.

An der Talstation fahren wir nochmal ein Stück mit dem Auto Bergab, und dann holen wir die Fahrrädder raus und fahren damit, der Bus folgt. Wir kommen weiter unten wieder in den Wald, der auch hier schon schön bunt ist. Die Landschaft ist echt sehr schön. Irgendwo im Wald machen wir dann Picknick an einem kleinen Aussichtspunkt, wo auch gerade die deutsche Gruppe Pause macht. Von dort kann man über eine kleine Schlucht, durch welche der Grenzfluß fließt, nach China rübersehen.

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Blick nach China

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Der mir folgende Bus

Dann geht es weiter zum Paekdu Secret Camp, dem Geburtsort von Kim Jong Il. Es gibt dort ein paar renovierte (oder evtl. komplett neugebaute) Hütten, die Geburtshütte von Kim Jong Il und das Büro seines Vaters. Außerdem gibt es eine Quelle, aus der man trinken kann, die angeblich von Kim Jong Ils Mutter und Kim Il Sungs Mutter entdeckt wurde. Sie hat angeblich Wunderkräfte, also probiere ich. Das Camp ist deswegen secret, weil sich hier die Familie während der japanischen Besatzungszeit als Partisanenführer versteckt hielt und den Widerstand organisierte.

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Die heilige Familie am Secret Camp

Vom Camp aus geht es weiter mit dem Fahrrad. Die Straße ist hügelig, Herr Kim stellt sein Fahrrad bei einer Steigung in den Bus und fährt mit. Kurz bevor wir den Wasserfall erreichen steigt er wieder aus und fährt weiter, damit er vor den Reiseführern der anderen Gruppen auch angeben kann. Am Wasserfall kommt nach uns tatsächlich auch die Flugzeuggruppe an. Sie kommen direkt vom Berg, das Camp haben sie nicht besucht da sie mittags sehr lange am Flughafen mit Fotografieren beschäftigt waren. Mit dabei ist auch der Manager von KITC, der koreanischen staatlichen Reiseagentur. Er begrüßt mich und erzählt mir, dass ich der erste Deutsche sei, der mit dem Fahrrad durch Nordkorea fährt. Vor mir gab es auf dem Fahrrad auch bisher nur eine Reisegruppe, aus England. Da es schon dunkel wird fahren wir mit dem Bus weiter, aber nicht mehr weit, bis zu unserem Hotel. Dort sind auch alle Gruppen untergebracht, die sich zur Zeit in der Gegend aufhalten.

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Dorf

Als wir im Hotel ankommen ist es dort erstmal dunkel, Wasser gibt es auch nicht. Ich bringe kurz mein Gepäck ins Zimmer und gehe dann Abendessen. In einem großen Saal stehen viele Tische für die ganzen Gruppen. Ein Tisch ist für mich allein reserviert – die Reiseführer essen zusamnen in einem separaten Raum. Nachdem ich aufgegessen habe setze ich mir zur Flugzeuggruppe. Während dem Essen kommt dann auch irgendwann der Strom, und es wird angekündigt dass es jetzt auch warmes Wasser auf den Zimmern gibt, aber nur bis neun.

Nach dem Essen gehen wir noch zur Bar im ersten Stock und trinken zusammen irgendwelchen Schnaps, da das Bier alle ist.

In meinem Zimmer gibt es dann auch Wasser, und auch Strom, was ich insbesondere deswegen zu spüren bekomme, weil der Wasserhahn unter Strom steht. Mit trockenen Händen ist es erträglich, aber wenn man sich die Hände gewaschen hat und dann den Wasserhahn ausmachen möchte ist es schon unangenehm.

Um 8 Uhr gibt es Frühstück, dann darf ich weiterradeln (Fahrer und Kim sitzen hinter mir im Bus). Nach ein paar Kilometern werde ich in den Bus eingeladen, und wir fahren noch wenige Meter weiter zu einem Monument. Dort steht eine große Statue von Kim Il Sung, vor der ich auch wieder Blumen ablegen soll. Da es aber keine frischen gibt, bekomme ich Plastikblumen. Großzügigerweise muss ich aber nichts dafür bezahlen. Hinter dem Monument liegt ein kleiner See, schaut alles sehr schön aus. Außerdem marschieren irgendwelche Jugendgruppen über den Platz und singen, ich bekomme sogar ein Foto mit einer der Gruppen.

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Kim Il Sung mit Berg Paekdu im Hintergrund

Vom Monument fahren wir weiter zum Flughafen. Dort wird das Gepäck mit einem Handpiepser kontrolliert, weil das Röntgengerät zu klein ist. Dann wird es auf einer riesigen Wage gewogen (12kg). Ich stelle mich auch auf die Wage und wiege mit Klamotten 70kg.

Die Aviation Gruppe kommt kurz nach uns. Nachdem sie alle ihr Gepäck abgegeben haben gibt es ein kurzes Wettlaufen zum Flugzeug, da es diesmal freie Platzwahl gibt und alle am Fenster sitzen wollen.

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