Fazit Nordkorea

Tja, wie letztes mal ist die Motivation, noch Blogeinträge nach meiner Rückkehr zu verfassen, irgendwie verschwunden. Zum Glück habe ich eigentlich für alles noch Notizen, deswegen kommt es halt mit Verspätung.

In diesem Beitrag will ich nochmal ein paar Punkte hervorheben, die in den anderen Beiträgen zu kurz kamen, bzw. ein generelles Fazit zum Thema Nordkorea ziehen. Danach folgen dann noch die Artikel über die anschließenden Wochen in China.

Generell kann man sehr deutlich sehen, dass Nordkorea sich rapide entwickelt. Wenn man Reiseberichte liest, die ein paar Jahre alt sind, liest man vieles, was heute einfach nicht mehr zutrifft. Oft liest man, es führen weder in Pjöngjang noch auf der Autobahn andere Autos – das ist überholt: zwar hat der Verkehr noch lange nicht solche Dimensionen wie in Deutschland, oder sogar wie in China, aber man sieht trotzdem Autos. In Pjöngjang gibt es jetzt auch Ampeln (und nicht nur die berühmten Politessen), und wenn man da bei rot stehen bleiben muss, dann sammelt sich da meistens schon eine Hand voll Autos während einer Ampelphase an. Und auch auf der Autobahn wird man regelmäßig überholt, bzw. man überholt LKWs, und Gegenverkehr gibt es auch.

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Morgendlicher Berufsverkehr in Pjöngjang

Auch gibt es viele Dinge, die es vor wenigen Jahre noch nicht gab: Mobiltelefone sind allgegenwärtig, überall sieht man Leute mit Handy am Ohr oder in der Hand. Und zwar nicht nur in der Stadt, sondern auch auf dem Land – bei Fußgängern und Fahrradfahrern. Wiederum nicht in dem Maße wie bei uns, aber eben doch so dass es einem auffällt. Auch neu sind Taxis, laut meinen Reiseführern gibt es die in Pjöngjang seit ungefähr zwei Jahren. Mr. Jong erzählt mir sogar, dass er manchmal das Taxi zur Uni nimmt, wenn er zu Faul ist die U-Bahn zu nehmen.

Taxi in Pjöngjang wartet an einer Ampel

Taxi in Pjöngjang wartet an einer Ampel

Meine beiden Reiseführer erzählen mir, dass sie ihre Fremdsprachen erst an der Universität gelernt haben, in der Schule gab es das nicht. Allerdings soll sich das mittlerweile auch geändert haben, heute lernen die Kinder angeblich Englisch in der Schule.

All das mag jetzt vielleicht banal erscheinen, aber man muss das glaube ich schon in dem Kontext sehen, dass das Land eigentlich sehr isoliert arbeitet und solche modischen Erscheinungen wie Handys, Taxis und Fremdsprachen sonst eher kaum ins Land gelassen werden.

An der Infrastruktur im Land merkt man ganz deutlich, dass es dem Land an Ressourcen fehlt, aber nicht an Arbeitskraft. Die Autobahn ist voll mit Schlaglöchern, aber trotzdem ist der Mittelstreifen (wo vorhanden) schön bepflanzt und die Steine zur Straßenbegrenzung akkurat gestrichen. Offensichtlich fehlt es an Teer oder Beton. Die Eisenbahn fährt meistens nur um die 30km/h (um Energie zu sparen), aber man sieht überall Arbeitskommandos die etwas reparieren.

Das führt gleich zum nächsten Thema, denn es wird ganz offen gesagt, dass es dem Land an Devisen mangelt. Deshalb auch die Sache mit dem Tourismus. Und auch der scheint sich in den letzten Jahren ziemlich gut entwickelt zu haben, an den typischen Sehenswürdigkeiten trifft man überall auf Busladungen chinesischer Touristen. Ansonsten scheint die Entsendung von Arbeitskräften ins Ausland eine gute Devisenquelle zu sein: sowohl auf der Hinfahrt mit dem Zug als auch auf dem Rückflug nach Peking sind die Mitreisenden hauptsächlich Koreaner, die in China arbeiten. Das Bildungssystem scheint noch zu den am besten funktionierenden Institutionen in Nordkorea zu zählen, von daher sind Koreanische Softwareentwickler und andere Arbeiter in China anscheinend gerne gesehen.

Als Tourist wird man schon angeglotzt, ich vermute vor allem wenn man nicht asiatisch aussieht. Man merkt dabei aber deutlich, dass sich viele gar nicht trauen, den Kopf zu verdrehen, die meisten Menschen sind schon schüchtern. Aber trotzdem wurde ich einmal sogar von einer Gruppe junger Koreaner in der Nähe eines Wasserfalls gefragt, ob sie ein Foto mit mir zusammen machen könnten (mit ihrer Digitalkamera), was ich natürlich gerne gemacht habe, im Gegenzug für ein Foto mit meiner Kamera.

Was mich auch erstaunt hat ist das Unwissen der Koreaner über ihren Anführer Kim Jong-Un. Weder das im Westen geschätzte Alter von ungefähr 31 Jahren, noch dass er anscheinend in der Schweiz auf das Internat ging, war meinen Reiseführern bekannt. Interessant fand ich auch das Thema Atombombe und -energie (wobei ich hier nicht weiß, ob mir das nur so erzählt wurde, um mir zu schmeicheln): Nordkorea hat nach Aussage meiner Reiseleitung eine Atombombe (um gegen die amerikanischen Imperialisten gewappnet zu sein) und strebt natürlich auch Atomenergie an – aber eigentlich nur, weil man die Energie braucht, eigentlich sei man ja kritisch gegenüber Atomenergie wegen deren Gefahren, aber man habe halt momentan keine große Wahl, und das Volk wünscht Strom.

Auch interessiert hat mich natürlich, wie die Einstellung der Koreaner gegenüber Deutschland ist. Hier wurde ausschließlich positiv geantwortet, einerseits schätzt man die deutschen wegen ihrer Disziplin und Wirtschaftskraft und weil sie auf diplomatischen Wege auch versuchen, Beziehungen zu Nordkorea aufrecht zu erhalten. Andererseits ist Deutschland in gewisser Weise Vorbild, weil es ja auch mal ein in kapitalistisch und kommunistisch geteiltes Land war und die Wiedervereinigung geschafft hat.

Zum Thema Wiedervereinigung wurde mir auch einiges erklärt: Nordkorea strebt natürlich eine Wiedervereinigung mit Südkorea an. Die soll so aussehen, dass Gesamtkorea ein föderatives System erhält, in dem der Norden kommunistisch und der Süden kapitalistisch bleibt, nach einem Plan, der von Kim Il-Sung entworfen wurde. Einzige Bedingung für die Wiedervereinigung soll der Abzug der Amerikaner aus Südkorea sein. Das ist natürlich beides verkürzt und vereinfacht dargestellt, und ich kann mir nur sehr schwer vorstellen wie ein solches föderatives System funktionieren soll – aber gut, immerhin haben sie einen Plan. Und solange die Bedingung mit den Amerikanern bestehen bleibt glaube ich eh nicht, dass es so schnell geht mit der Wiedervereinigung, andererseits muss man nur in die Geschichtsbücher schauen und sieht, dass es in Deutschland auch mehr oder weniger von heute auf morgen geschah, ohne dass jemand auch nur wenige Monate vorher damit rechnete. Auf die Frage, wann sich Korea denn wiedervereinige haben sich die meisten nicht auf einen Termin festlegen wollen, aber ich habe Antworten gehört wie „in 5 bis 10 Jahren“, oder „noch zur Amtszeiten von Kim Jong-Un“.

Zum Schluß noch zwei kleine Themen: in Korea wird überall geraucht, viele Männer und auch manche Frauen haben oft eine Zigarette zwischen den Fingern, und auch Kim Jong-Un hat ja eigentlich auf jedem Foto eine Zigarette in der Hand (sogar im Schlafzimmer eines Waisenhauses). Und laut meinen Reiseführern wird der Tabak sogar in Korea angebaut, was ich erst gar nicht glauben konnte, irgendwie kommt mir das Klima dort nicht so vor als wüchse dort Tabak. Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich aber, dass der Tabak tatsächlich dort angebaut wird, denn wenn er gegen teure Devisen importiert werden müsste würde man sicherlich nicht so viele Raucher sehen. Interessant ist daran noch, dass Kim Jong-Uns Vater Kim Jong-Il Raucher als die Narren des 21. Jahrhunderts sah, neben den umusikalischen und denjenigen, die nicht mit Computern umgehen können.

Zuletzt noch etwas zu Autos: der Minibus mit dem wir umher fuhren sah ja ein bißchen so aus wie ein Toyota Hiace, aber eher wie eine chinesische Kopie davon. Auf die Frage, ob unser Auto ein chinesischer Import wäre, wurde mir wiedersprochen, es sei in Nordkorea hergestellt. Und tatsächlich, im Markenzeichen befinden sich koreanische Zeichen. Recherchen daheim ergaben dann, dass es sich dabei um ein Samcheonri der Firma Pyeonghwa Motors handelt. Dies ist jedoch ein Lizenzbau des chinesischen Jinbei Haise – und der ist dann wiederum eine Kopie des Toyota Hiace. Also lag ich ja eigentlich gar nicht so schlecht mit meiner Einschätzung.

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Unser nordkoreanischer  Samcheonri von Pyeonghwa

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Ein chinesischer Jinbei Haise