Zurück durch die Wüste

Der Tag in Nouadhibou beginnt mal wieder mit Routine. Aufstehen, Frühstücken, Packen und los. Da wir uns gestern mit unserem Bier verkalkuliert haben, fehlen uns heute 280 Ouguiya, sprich 7 €, um die Hotelrechnung zu begleichen. An Kartenzahlung ist hier natürlich nicht zu denken. Aber gut, dass das Personal flexibel ist und wir passend 7€ da haben, sodass wir unsere letzten Ouguiya los werden, ohne nochmal extra zur Bank laufen zu müssen.

Dann kommen wir zur Grenze. Die Ausreise aus Mauretanien läuft mal wieder problemlos. Dann passieren wir erneut das Niemandsland und schließlich sind wir an der marokkanischen Grenze. Hier ist wieder das übliche Chaos angesagt. Man meint sogar die Marokkaner seien die Spezialisten des Chaotismus. Robert muss zweimal zu einem Zollbüro, wo es auch schön chaotisch zugeht, inklusive Rumgeschreie und -geschubse zwischen Zöllner und anderen Kunden, um einen Wisch zu bekommen, diesen dann auszufüllen, und dann abstempeln zu lassen. Wir stehen schon kurz vor dem Scanner, da fällt den Grenzbeamten ein, dass vorher doch nochmal wer anders das Auto checken muss. Also muss ich irgendwie meinen weit vorne ergatterten Platz aufgeben, zig Lastwagen hinter mir müssen rumrangieren, damit ich wieder rausfahren kann, um 50 Meter weiter hinten mit den werten Herren vom Zoll unsere Ladung zu inspizieren. Gut, dass ich mich danach gleich wieder weiter vorne einreihen kann. Allerdings muss Robert jetzt nochmal zum Zoll, um einen Stempel zu bekommen. Dieses Mal dauert es. Dann kommt endlich Robert zurück, muss den Wisch erneut vorzeigen und abschreiben lassen, und wir können endlich durch den Scanner. Danach gibt’s den Wisch nochmal ausgefüllt zurück, und damit müssen wir dann nochmal zum Zoll, aber diesmal in ein anderes Büro. Stempel drauf und am Schluss die Kontrolle, ob wir auch alles erledigt haben und endlich haben wir es geschafft.

Es liegen 370 km Wüste vor uns bis Dakhla. Da wenig Verkehr herrscht und die Straße gut ist, stellt das soweit keine Herausforderung dar. Dank ordentlichem Gegenwind verbrauchen wir allerdings über 18l/100km. Sportlich…

In Dakhla angekommen wollen wir zunächst zum 25er und überlegen uns dort zu übernachten. Irgendwie ist es uns dann aber doch zu voll und zu windig, sodass wir weiterfahren. Am West-Point ist es uns definitiv zu windig und das dort gelegene Hotel zu teuer, sodass wir uns über das lokale WiFi doch noch ein anderes Hotel in der Stadt buchen. Abends gehen wir, weil es letztes Mal so gut war, nochmal in die Villa Dakhla und essen ebenfalls wie letztes Mal Permentier de Chameau.

Campingplatz 25 km vor Dakhla

Beim Essen unterhalten wir uns darüber, wie westlich alles hier erscheint. Als wir zuletzt hier waren, kam einem alles exotisch vor, jetzt scheint es schon fast wie daheim. Es fahren verhältnismäßig ordentliche Autos rum, die Straßen sind zum Großteil geteert, die Hotels sind ordentlich, es gibt warmes Wasser, in Restaurants sind die Tische frisch eingedeckt und es sieht irgendwie gepflegt aus, das Angebot an Waren im Supermarkt ist deutlich größer und der Verkehr schon fast so zivilisiert wie bei uns – man hält an roten Ampeln, blinkt, wenn man abbiegt, macht Nachts das Licht an, etc.

Am nächsten Morgen geht es weiter nach Norden. Ich versuche mich strikt an die Geschwindigkeitsbegrenzung zu halten, aber natürlich übersehe ich dann doch einmal das 60er Schild und bin in Vorfreude auf eine Toilette und eine nahende Tankstelle stattdessen mit 69km/h unterwegs. Wir werden angehalten, dumm stellen bringt leider nix – dank LTE wird mir mein Vergehen mittels Google-Translate ins Englische übersetzt. Ich sehe meine Vermutung, dass das Netz nur für die Polizei eingerichtet wurde, durchaus bestärkt. Also mal wieder 150 MAD gegen Quittung abdrücken und weiter geht’s.

Gegen 17:30 Uhr und 530km später erreichen wir dann Laâyoune. Wir checken in ein Hotel ein und gehen abends in der Stadt essen – leider finden wir das gesuchte Lokal nicht, aber trotzdem essen wir nicht schlecht zu Abend.

Nachdem wir ausgeschlafen und gefrühstückt haben, fahren wir über die Küstenstraße nach Tarfaya. Schließlich hatten wir noch nicht genug Meer, Strand, Sand und Wüste. Kurz vor dem Ort liegt im Meer ein Schiffswrack, die alte Fähre zwischen Tarfaya und den Kanaren. Sie liegt seit ca. 10 Jahren dort und rostet munter vor sich hin. Stört anscheinend weiter niemand, und Fährverkehr gibt es seitdem halt auch nicht mehr auf der Strecke.

Wrack der alten Fähre zwischen Tarfaya und den Kanaren

In Tarfaya selbst gibt es einen schönen Strand und im Meer ein Haus, welches man anscheinend bei Ebbe trockenen Fußes erreichen kann. Robert geht ins Wasser und schwimmt zum Haus, da gerade Flut ist. Ich genieße in der Zwischenzeit die Sonne. Danach gehen wir noch Kaffee trinken und Reifen aufpumpen, da der hinten rechts mal wieder nicht so gut aussieht.

Casa del Mar

Weiter an der Straße ist irgendwo ein Loch, das vom Meer ausgehöhlt wurde. Sieht spektakulär aus.

Gouffre d’Akhfeni

Ansonsten bleiben wir auf der Straße und fahren bis hinter Tan-Tan, dort biegen wir dann auf eine Piste ab, da wir heute im Ksar Tafnidilt übernachten wollen. Dort angekommen packen wir aus und kochen danach Pasta. Noch bevor wir uns ein zweites Bier gönnen können, geht der Generator aus und es wird stockfinster, es ist Schlafenszeit.

Ksar Tafnidilt

Die Nacht ist kühl, es war heute vermutlich doch das letzte mal Camping angesagt. 15°C ist dann leider doch zu frisch. Morgens ist unser Zelt demzufolge außen ziemlich feucht, leider scheint auch erst mal weder die Sonne, noch geht Wind. Wäre nicht so schlimm, wenn wir wüssten, wann das Zelt das nächste mal geöffnet wird. Zuerst frühstücken wir, und dann kommt doch noch die Sonne raus, sodass wir noch ein wenig in der Kasbah entspannen, die Fähre buchen und paar Dinge online organisieren, bevor wir zusammenpacken. Gegen Mittag ist das Zelt dann trocken und wir machen uns auf den Weg nach Agadir, über den Anti-Atlas. Die Straße ist schön, und es wird zunehmend grüner. Wir haben die Wüste hinter uns gelassen.

Endlich grün

Auf in den Antiatlas

Auf 1000 Höhenmetern haben wir nur noch 14°C, und der Verkehr nimmt deutlich zu. Wir fühlen uns ein wenig zurück in der Zivilisation angekommen. Gleichzeitig nehmen auch die Radarkontrollen extrem zu, aber wir schaffen es heute, ohne zahlen zu müssen. Auf 350km gab es mindestens 5 Kontrollen und immer wieder hat es Leute erwischt. Es scheint zu funktionieren, das System.

In Agadir angekommen, checken wir in unserem Hotel ein und Robert fährt gleich mit dem Auto in die Waschanlage. Nach dem ganzen Salz und Sand ist das mal wieder notwendig. Abends gehen wir in ein Restaurant und essen Tajine. Es schmeckt mal wieder fantastisch, auch die kleinen Vorspeisen sind köstlich. Danach laufen wir noch ans Ufer, fahren Riesenrad und spazieren noch ein bisschen umher, bevor wir müde ins Bett fallen.

Tajine

Agadir bei Nacht

Riesenrad in Agadir

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Mauretanien 2.0

Nach dem Frühstück gibt’s mal wieder die Neuigkeit, dass die Wäsche natürlich nicht trocken geworden ist. Ausrede: gestern schien keine Sonne und heute Nacht hat es geregnet. Stimmt, aber die Wettervorhersage war dementsprechend und trotzdem wurde mir am Tag vorher versichert, dass sie ganz sicher trocken sein wird. Aber gut, inzwischen sind wir das ja fast gewöhnt.

Dann geht’s zur Grenze. Die Ausreise aus dem Senegal verläuft problemlos, aber die Einreise nach Mauretanien zieht sich mal wieder, da die Verbindung zur Datenbank, in der unsere Fingerabdrücke, Fotos und Daten gespeichert sind, heute sehr instabil ist. Wir werden schon gewarnt, dass wir gegebenenfalls über Rosso fahren sollen, was wir ablehnen, da wir uns nicht sicher sind, ob wir nochmals in den Senegal einreisen können, da uns das Passavant dort nämlich abgenommen wurde.

Nach einer halben Stunde ist zumindest mein Visum fertig und es dauert nochmal so lange, dann hat auch Robert sein Visum. Danach folgen noch die Stempel, und frecherweise fragt der Chef dann noch nach Geld. Nach kurzer Diskussion ist jedoch eine kostenlose Weiterfahrt möglich. Danach erhalten wir noch das Passavant, und als Strafe fürs nicht-zahlen wird unser Auto noch gründlich durchsucht. Die Koffer werden geöffnet, nach Alkohol und Drogen gefragt und dann ist auch gut. Die Einreise nach Mauretanien haben wir erledigt, los geht’s auf der schlechten Straße / Piste. Heute sehen wir wenig Krokodile, dafür um so mehr Warzenschweine.

Warzenschweine

Leguan

Warzenschwein

Nach 4 Stunden Fahrt, unzähligen Schlaglöchern und 250 km sind wir dann endlich in Nouakschott. Wir checken ins Jeloua ein und gehen Abends mit meiner Freundin was essen.

Am nächsten Morgen machen wir uns nach dem Frühstück auf die Suche nach dem Büro des Nationalparks Banc d’Arguin. Leider ohne Erfolg.

Wir fahren zu den beiden schönen Moscheen, besichtigen können wir sie aber nicht. Danach schlendern wir über den Marché Capital, bevor wir wieder zurück zum Hotel fahren.

Marokkanische Moschee in Nouakchott

Marché Capital

Irgendwie landen wir auf Grund des chaotischen Verkehrs falschherum in einer Einbahnstraße, aber vor uns fahren auch viele in unsere Richtnug. Ampeln sind auch eher zur Zierde da, also fahren wir weiter in die falsche Richtung. Irgendwann schimpft einer auf der Gegenspur und zeigt, dass wir umdrehen sollen. Wir bleiben stehen, und auf einmal fährt uns hinten einer drauf. Bis wir ausgestiegen sind, hat er aber schon halb umgedreht und fährt in die andere Richtung weg. Anscheinend hat er nur unsere Anhängerkupplung erwischt, seine Motorhaube ist aber etwas eingedrückt.

Im Hotel angekommen besuchen wir endlich die Touareg, die einen Stand vor dem Hotel haben und uns schon beim letzten mal ihre Kunstwerke zeigen wollten. Wir werden auch fündig, allerdings ist das verhandeln hier deutlich mühsamer als im Senegal. Wir brauchen 1 Stunde und 3 Tee, bis wir sie da haben, wo wir sie haben wollen. Abends essen wir nochmals mit meiner Freundin gemeinsam im Hotel – heute gibt es fantastisches Kamel mit Gemüse bzw. Reis.

Am nächsten Morgen fahren wir gegen 9.30 Uhr los. Ziel: Parc National de Banc d’Arguin. Nach 150 km biegen wir ab und fahren zunächst auf einer Teerstraße in den Park. Einige Kilometer später biegen wir ab auf die Piste und folgen ziemlich der Route auf unserem Navi. Diese ist allerdings irgendwann zu Ende und wir fahren nach Gefühl und Himmelsrichtung nach Iwik. Die Piste ist streckenweise sehr sandig und anspruchsvoll, sonst aber großteils gut befahrbar.

Piste nach Iwik

In Iwik steuern wir ein Campement an. Die Chefin lädt uns zum Essen ein, es gibt anlässlich des Feiertages ein Festmahl. Wir bekommen Reis, ein Stück Fleisch und eine Zitrone. Ist nicht schlecht.

Danach laufen wir nochmal in den Ort, Robert geht baden, auf dem Rückweg quatschen wir mit ein Mitarbeitern des Nationalparks, die Boule spielen. Es gibt dort sogar WiFi, die GIZ baut gerade neue Gebäude für sie und da freuen sie sich schon drauf. Ein großes Skelett eines Wals ziert den zentralen Platz.

Walskelett

Als wir zurück sind, setze ich mich ein wenig in die Sonne, Robert läuft noch auf einen Hügel Richtung Meer. Wir stellen unser Zelt auf, machen uns Tee und Fertigsuppe. Schon ist es dunkel und wir gehen bald ins Bett. Der Mond scheint wirklich hell, sodass man fast keine Taschenlampe braucht. Robert gelingen noch ein paar tolle Bilder.

Nachts in Iwik

Ich wache bei Morgengrauen auf und wecke gleich Robert, da es toll aussieht. Leider verpassen wir wegen Müdigkeit die Chance, Fotos zu machen. Gegen 7.45 Uhr stehen wir auf. Zusammenpacken, Frühstück und dann los zum Ufer. Unser Segelboot wartet schon auf uns.

Unser Segelboot

Sehr gemütlich geht es dahin, wir bekommen wie üblich drei mal den gesüßten Tee. Irgendwann gegen Mittag herrscht allerdings dann Flaute, sodass wir ankern müssen. Kurz später kommt der Wind aber Gott sei Dank wieder und wir segeln weiter. Laut unserem Kapitän sind wir in 25 Minuten dort, wo es viele Vögel gibt – Inshallah. 50 Minuten später sieht man in der Ferne einige Vogelscharen. Aber wirklich noch sehr weit entfernt. Nach weiteren 20 Minuten sind wir dann noch etwas näher dran, mit der Zoomlinse kann man die Vögel auch sehr gut erkennen.

Viele Vögel

Flamingos

Dann drehen wir um. Inzwischen ist es 14 Uhr. Eigentlich wollten wir spätestens jetzt zurück sein. Aber gut, so ist es halt in Afrika. Wenigstens kommen wir gut voran, da der Wind gut steht. Zudem werden wir auch noch bekocht. Frischen Fisch haben wir leider nicht gefangen, also wird getrockneter Fisch eingelegt und Reis dazu gekocht. Gegessen wird dann aus einer Schale mit den Händen. Robert und ich stellen uns natürlich doof an, da wir das nicht so hinbekommen wie sie. Wieso muss man auch gerade Reis mit Händen essen? Können das nicht zumindest Nudeln sein? Danach erfolgt die übliche Teezeremonie. Erst wird der Tee aufgekocht, dann werden die ersten Gläser befüllt, danach der Zucker in die Kanne und dann zig mal umgießen, damit alles gut vermengt ist und das Schnapsglas zur Hälfte aus Schaum besteht. Zuerst bekommt Robert den Tee, danach wird sein Glas wieder aufgefüllt und ich bekomme es. Das andere Glas geht zuerst an den Kapitän und erst danach trinkt der Matrose.

Um 15:45 Uhr sind wir zurück und stellen fest, dass wir uns endlich einen guten Sonnenbrand geholt haben. Der erste nach 7 Wochen Reise. Wir entscheiden uns, heute nur noch nach Cap Tafarit zu fahren und dort eine weitere Nacht zu Campen. Bis Nouadhibou schaffen wir es bei Helligkeit nämlich nicht mehr. Cap Tafarit ist ein schöner Ort, wir campen direkt am Meer.

Camp in Cap Tafarit

Wir baden und freuen uns über eine Dusche. Danach kochen wir und es gibt lecker Pasta mit Trüffelpesto. Frei nach dem Motto: wer ko, der ko!

Wir wachen erneut bei Morgengrauen auf und dieses Mal gibt’s auch ein Bild davon.

Sonnenaufgang

Ist schon eine tolle Kulisse und dazu das Meeresrauschen. Wir bleiben noch etwas liegen, dann machen wir uns Tee, da der Kaffee inzwischen alle ist, und essen dazu Bananen und ein paar Kekse.

Abfahrt ist um 10.15Uhr. Quer durch die Wüste zur Hauptstraße und dann weiter Richtung Nouadhibou. Spannend mal wieder, wie wenig die Beschreibung der Route aus Sicht der Einheimischen mit unserer Wahrnehmung übereinstimmt. So sieht „bonne route, pas de sable“ aus:

Angeblich gute Straße ohne Sand

Gegen 14.30 Uhr kommen wir in Nouadhibou an und checken ins Hotel ein.

Nachmittags fahren wir dann nochmals zum Schiffsfriedhof, den wir nochmal aus der Nähe betrachten wollen. Wir laufen am Strand entlang und treffen einen Brasilianer. Wir unterhalten uns nett mit ihm, er erzählt uns, dass vor gar nicht all zu langer Zeit hier 300 Schiffe lagen, aber inzwischen sind die Chinesen fleißig am Altmetall sammeln, sodass es nicht mehr so viele sind.

Schiffsfriedhof in Nouadhibou

Der Strand Mal wieder ein einziges Drecksloch, davor die Wracks. Wirkt irgendwie gespenstisch.

Abends gehen wir in ein Restaurant und es gibt leckeren Fisch. Als wir nach Getränken fragen, wird uns zu unserer Überraschung Bier angeboten. Wir lassen uns gleich zwei bringen. Bei der Abrechnung staunen wir nicht schlecht: die zwei Bier haben zusammen fast 15€ gekostet! Naja, das ist wohl die gerechte Strafe, wenn man in einem Land, in dem Alkohol verboten ist, doch meint, Bier trinken zu müssen.

Lac Rose bis Saint Louis

Vom Lac Rose fahren wir mal wieder nach Dakar. Ziel sind ein paar Erledigungen für das Auto. Der Verkehr nach Dakar ist nervig. Wir brauchen eine dreiviertel Stunde von einer Autobahnausfahrt über einen Kreisverkehr zur Brücke über die Autobahn, keine 300m. Es wird kreuz und quer gefahren, jeder quetscht sich rein wo er kann, egal ob man damit alles blockiert.

Unser erster Stopp ist die offizielle Mitsubishi-Niederlassung, aber dort ist man nur bedingt hilfreich: erst will man uns gar nicht weiterhelfen, weil man sich nur um Autos kümmere, die auch hier gekauft wurden. Dann sagt man uns, dass man morgen zumindest mal für knapp 50€ den Fehlerspeicher auslesen kann.

Wir probieren unser Glück nochmal bei einer Tankstelle, die hat sogar ein Diagnosegerät und einen passenden Stecker, doch auslesen lässt sich nichts. Sie schicken uns zu einer anderen Tankstelle, dort hätte man ein besseres Diagnosegerät. Das funktioniert dann zwar auch nicht, aber immerhin sind sie sonst recht hilfreich, wir tauschen ein paar Aufhängungen für den Auspuff. Außerdem werden wir an einen Platz weiterverwiesen, wo man unseren Auspuff schweißen kann, was wir dann auch dort erledigen lassen.

Auspuff schweißen

Angesichts der fortgeschrittenen Zeit entschließen wir uns, nochmal im Stadtzentrum zu übernachten und checken daher in dem Hotel ein, in dem wir schon einmal waren. Abends gehen wir auch nochmal im Institute Français essen, und nach langer Zeit bekommen wir mal wieder Schweinefleisch.

Am nächsten Tag fahren wir wieder zum Mitsubishi-Händler, verzichten aber auf die Fehlerspeicherauslesung (das haben wir nämlich mittlerweile mittels eines Tricks selbst hinbekommen, man kann den Fehlercode auch über eine Art Morsecode im Armaturenbrett auslesen), sondern fragen nur nach wegen Teilebestellungen. Alles, woran wir Interesse hätten, wäre innerhalb von 45 Tagen (!) lieferbar, und dazu noch zu Preisen als wären die Teile aus purem Gold: ein paar Bremssättel für 800€ muss man sich schon mal gönnen wollen. Öl für das Verteilergetriebe verkaufen sie erst gar nicht, aber wir bekommen einen Tipp, wo wir das bekommen könnten. Dort fahren wir auch hin (nicht weit, aber dank Verkehr zeitraubend), bekommen das gewünschte Öl und lassen es bei einer naheliegenden Tankstelle auch gleich einfüllen. Länger als der Ölwechsel dauert die Rechnungsstellung danach, da wird minutiös alles mögliche abgefragt, steht dann aber trotzdem falsch auf der Rechnung. Zumindest dieses Thema haben wir mal erledigt.

Verkehr in Dakar. Man beachte die IKCO-Niederlassung, die iranische Autos verkauft

Anschließend stellen wir uns nochmal ein bißchen in den Stau Richtung Autobahn, dann fahren wir wieder zum Lac Rose.

Dort machen wir zuerst eine kleine Bootsfahrt. Der Bootsführer stochert mit einem Stock in den untiefen See und erzählt uns ein paar Sachen dazu. Leider ist es etwas bewölkt, daher ist der See eher orange statt rosa. Trotzdem ist es interessant, aus dem See wird viel Salz gewonnen, und zwar komplett durch manuelle Arbeit. Die Arbeiter holen das Salz mit Körben vom Seegrund. Sie müssen sich dazu mit Sheabutter eincremen, da die Haut das sonst nicht lange aushalten würde.

Salzgewinnung am Lac Rose

Salzgewinnung im Lac Rose

Nach der Rundfahrt fahren wir ins Hotel und quartieren uns diesmal auf dem zugehörigen Campingplatz ein. Zum Abendessen bekommt Fabi Rindfleischspieße und ich Rochen in Panade.

Am nächsten Tag wollen wir den Strand entlang nach Saint Louis fahren, das war früher mal die letzte Etappe der Rally Paris-Dakar. Das geht nur bei Ebbe, die heute um 09:20h vorhergesagt ist. Wir kommen dafür gerade noch rechtzeitig los.

Wir müssen zuerst die Dünen vor dem Strand überqueren, was anspruchsvoll ist, aber klappt. Dann geht es los, auf dem schmalen Streifen zwischen dem trockenen Sand, der zu weich zum fahren ist, und dem Wasser. Dazwischen kann man gut mit 60-80km/h fahren.

Fahrt am Strand entlang

Bei Kayar, einem Ort am Meer, müssen wir den Strand verlassen, da hier gerade die Fischer ihre Boote slippen und der Strand dadurch blockiert ist. Wir fahren durch den Ort. Hinter dem Ort gibt es keinen Weg direkt auf den Strand, nur eine Piste durch einen angrenzenden Pinienwald. Von dort gibt es kein Durchkommen zum Strand, die Bäume stehen zu dicht. Nach ein paar hundert Metern finden wir jedoch eine Stelle, wo wir über ein paar Dünen an den Strand kommen.

Durch einen Fahrfehler bleiben wir aber am Übergang von Dünen zum Strand stecken. Schaufeln ist angesagt, außerdem Sandblech und Hebesack ausladen. Zum Glück kommen recht bald ein paar Jungs, die im Wald Holz gesammelt haben, vorbei und helfen uns beim Schaufeln und Schieben. Es dauert trotzdem über eine Stunde, bis das Auto wieder frei ist.

Gegenverkehr am Strand

Wir fahren weiter am Strand, doch merkt man, dass die Flut im Anrollen ist. Der befahrbare Streifen wird immer schmaler, gelegentlich schwappen die Wellen bis vor das Auto. Weiter rechts wird es schnell zu weich, weiter links zu nass. Wir verlassen daher bei Mboro den Strand und fahren über die Straße im Hinterland weiter.

Wir finden auch eine neu geteerte Straße (auf der noch die Baumaschinen rumstehen), die auch noch in keiner Landkarte eingezeichnet ist. Die Bauarbeiter sagen uns, die neue Straße wäre eine Abkürzung Richtung Saint Louis. Die ersten 13km sind auch geteert und super befahrbar, danach wird es dann leider eine Piste, aber selbst da kommen wir zügig durch.

In Saint Louis angekommen checken wir in ein Hotel ein, dann fahre ich zu einer Tankstelle und lasse das Auto reinigen – das Auto hat einiges an Salzwasser abbekommen. An der Tankstelle steht auf der Preisliste auch „Pulverisation“, da wird irgendein Rostschutz gegen das Salz aufgetragen. Ich lasse also alles machen, incl. Motorwäsche, Pulverisation und Abschmieren.

Da das Hotel unter spanischer Leitung steht gibt es zum Abendessen Paella mit Meeresobst.

Paella

Am folgenden Tag laufen wir nochmal zu Fuß durch Saint Louis und schauen uns Dinge an, die wir das letzte mal noch nicht gesehen haben, z.B. zwei Museen. Außerdem besuchen wir unzählige Geschäfte und kaufen diverse Souvenirs.

Fischerboote in Saint Louis

Zum Abendessen gehen wir ins La Kora. Wir essen Mille Feule mit Blutwurst und einen sehr leckeren Fisch.

Fisch mit Zubehör

Anschließend gehen wir noch ins Institute Français, wo es ein Konzert von Alias Diallo gibt (der nächstes Jahr auch als Präsidentschaftskandidat im Senegal antreten will).

Konzert mit Alias Dallo

Von Tambakunda über Kaolack und Touba an den Lac Rose

Beim Frühstück morgens im Hotel gibt es nach Wochen endlich mal wieder ein Croissant, und nicht nur Baguette, und dazu einen Saft – oh wie schön!

Wir entscheiden uns die Werkstatt im Ort aufzusuchen, da das ABS trotz Autowäsche und Reifen abspritzen nicht aufhört zu leuchten. Außerdem wäre ein Ölwechsel nach 9000km fällig und Abschmieren macht auch Sinn.

Wir sind vielleicht eine halbe Stunde in der Werkstatt, lassen alles machen, auch das ABS-Problem scheint behoben und wir fahren gleich noch wegen unseren Reifen schauen, da die hinteren beiden konstant Luft verlieren. Nicht viel, aber regelmäßig.
Beide haben kleine Löcher, die sind schnell gefunden und geflickt. Weiter geht’s.

Nach circa 30km leuchtet das ABS erneut und wir drehen um. Nochmal in die Werkstatt. Leider finden sie die Ursache nicht gleich und Robert begibt sich mit dem Chef auf Suche nach einem Diagnosegerät. Leider sind die Läden zu, wir sollen bis Dakar fahren, das wäre soweit kein Problem. Dort könnten die das sicher richten.

In Kongheul biegen wir links ab auf eine Piste, denn angeblich soll es nicht weit vom Ort Megalithen bzw. Steinkreise zu sehen geben. Ähnlich zu Stonehenge wird darüber gerätselt, was sie zu bedeuten haben. Wir finden erst mal nichts. Kein Schild, kein nichts. In einer unserer Apps ist ein POI eingezeichnet, wir latschen quer durch die Felder, fragen Kinder die auf dem Feld arbeiten, nichts. Wir nehmen nochmals eine Abzweigung, die wir schon versucht hatten, fahren dieses Mal aber weiter. Sowohl ein Mann, als auch ein Kind, die wir fragen, deuten uns nun die Straße entlang – anscheinend ist da also doch was. Wir gelangen in den nächsten Ort, der zumindest auch im Reiseführer steht. Dort fragen wir wieder vier Mal, bis wir in der richtigen Richtung unterwegs sind. Viele sprechen leider kein Französisch, erstaunlicher Weise aber 2 Personen Englisch. Irgendwann sind wir zu weit und drehen um. Der nächste deutet uns in eine andere Richtung – also wieder zurück. Dann kommt eine größere Gruppe auf uns zu, und sie deuten uns, wir sollen parken und laufen, sie zeigen uns den Weg. Wieder durchs Gestrüpp und auf einmal liegen die großen Steine vor uns. Die hätten wir bei dem hohen Gras nie selbst gefunden. Das Licht ist gerade sehr schön und wir können ein paar schöne Fotos machen:

Wir fahren durch die Piste zurück wieder auf die Hauptstraße Richtung Kaolack. Es ist noch ein gutes Stück. Langsam wird es dunkel und ehrlicherweise fährt Robert nur auf meine Bitte hin bis Kaolack, da er dort ein schönes Hotel gefunden hat und ich da unbedingt hin will. Im Gegensatz zu den sonstigen Strecken, die wir hin und wieder bei Nacht gefahren sind, ist hier recht viel los. Das macht es wirklich gefährlich. Viele fahren ohne Licht (vor allem hinten), es sind Eselskarren unterwegs, natürlich gänzlich ohne Beleuchtung, massiv überladene LKWs, die oft vergessen, das Fernlicht auszumachen, und stark blenden, und immer mal wieder springen ein paar Fußgänger über die Straße. Immerhin ist die Straße gut, sodass es nicht noch zusätzlich zig Schlaglöcher gibt. Die Warnungen vor Nachtfahrten sind also nicht ganz unbegründet und wir entscheiden uns, das zukünftig noch mehr zu vermeiden, als wir es eh schon tun.

Im Hotel angekommen freuen wir uns über ein sauberes Zimmer, schönes Ambiente, nettes Personal und zuletzt noch fantastisches Essen. Robert isst eine Art Rindfleisch Eintopf mit Gemüsespaghetti, ich Rindfleisch mit Pilzen in Rahmsoße dazu Kartoffeln. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann ich das letzte Mal etwas mit Rahm gegessen habe und freue mich unendlich drüber.

Wir würden gerne noch eine Nacht bleiben, aber am nächsten Tag erfahren wir, dass unser Hotel kein Zimmer für eine weitere Nacht frei hat. Wir telefonieren mit einem weiteren Hotel, was etwas teurer ist, die haben noch etwas frei und wir buchen direkt.

Zuerst entspannen wir noch eine Runde am Pool, packen zusammen und checken aus. Schön in der Mittagshitze laufen wir dann zum Markt. Gut, dass zumindest ein wenig Wind weht, das macht die Temperatur von 34°C deutlich angenehmer. Der Markt ist riesig, nur ab und zu werden wir angesprochen, ob wir was kaufen wollen. Hier kaufen ganz klar die Einheimischen ein. Zurück am Auto freue ich mich auf die Klimaanlage. Wir fahren zur großen Moschee, aber da gerade Gebetszeit ist, laufen wir aber nur einmal drum herum – ist ganz nett, aber nicht super aufregend.

Ausnahmsweise wird in unserem Hotel diese Nacht Vorkasse verlangt. Unsere Hütte ist groß, sauber und nett gemacht, könnte aber noch ein oder zwei weitere Möbelstücke vertragen. Die Anlage ist toll und es ist nichts los. Den Rest des Nachmittags verbringen wir am Pool.

Nachdem wir uns aber die Speisekarte  des Hotelrestaurants angesehen haben, entscheiden wir uns in die Stadt zum Essen zu fahren. Dort essen wir beide Rinderfiletspieße mit Pommes und ein großes Bier zum Teilen dazu für ca. 14€. Definitiv der bessere Deal als im Hotel, wo wir für das Geld nicht mal eine Hauptspeise bekommen hätten.​

Am nächsten Morgen fahren wir los Richtung Touba – das Mekka des Senegal. Dort angekommen, bekommen wir gleich Gesellschaft am Auto und ein Führer bietet sich an. In diesem Fall ist das sinnvoll, da man deutlich mehr erfährt über die heilige Stadt und vor allem so nicht gegen irgendwelche Regeln verstößt. Ich muss mir ein Tuch als Rock umbinden, denn lange Hosen sind bei Frauen dort nicht erwünscht, die Arme sowie die Haare bedecken. Gut dass es nur 32 Grad hat.

Über das komplette Areal der Moschee hinweg muss man die Schuhe ausziehen, auch in den Abschnitten, wo es wegen Renovierungsarbeiten super dreckig ist. Nichts desto trotz ist es ein toller Ort. Es ist eine der wenigen Moscheen, die wir betreten dürfen auf unserer Reise und sie ist wirklich schön, mit vielen tunesischen sowie marokkanischen Dekorelementen:

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Die große Moschee in Touba

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Ehemalige Brunnen

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Moschee von innen

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Marokkanische Dekorelemente

In Touba leben laut unserem Führer, Ali, 2,5 Mio Menschen. Angeblich kann jeder, der sich dort niederlassen möchte, Grund bekommen, ohne ihn kaufen zu müssen. In Touba gibt es keine Hotels, zum großen Fest Magal, an dem in diesem Jahr 4 Millionen Menschen in die Stadt gepilgert sind, schlafen die Menschen bei den Einheimischen zu Gast.

Nach der Besichtigung laufen wir noch zum Friedhof – auch der ist beeindruckend. die Gräber stapeln sich gerade nur so. Uns wird erklärt, dass die Toten hier mumifiziert werden und dann seitlich mit Blick nach Mekka vergraben werden.

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Friedhof in Touba

Anschließend fahren wir fahren weiter Richtung Thiès. Dort angekommen steigen wir bei der Kathedrale aus und laufen dann über den Markt. Danach suchen wir ein Campement auf, welches aber leider nicht so toll aussieht, sodass wir uns entscheiden, doch noch bis zum Lac Rose zu fahren. Angekommen im Le Calao du Lac Rose nehmen wir uns ein Zimmer bzw. mal wieder einen kleinen Bungalow und essen auch dort zu Abend. Da wir jetzt wieder an der Küste sind, gönnen wir uns wieder mal Fisch – den hatten wir schon länger nicht mehr – und er schmeckt fantastisch.

Thiof mit Reis

Zurück nach Norden

Dalaba wird der südlichste Punkt unserer Reise bleiben, ab hier fahren wir wieder Richtung Norden. Auf dem Rückweg machen wir noch kurz hinter Dalaba einen Abstecher zum Garten von Auguste Chevoir, einem Franzosen, der versucht hat, in einem botanischen Garten fremde Pflanzen zu kultivieren. Von dem Garten ist aber nur noch ein wilder Wald übrig, durch den wir etwas spazieren, nachdem wir das Auto vor einem Matschloch abgestellt haben. Wegen eines umgefallenen Baumes wären wir eh nicht weiter gekommen.

Garten von Auguste Chevoir

Der nächste Stopp ist beim Wasserfall von Kinkon. Hier muss man Eintritt zahlen, da das Gelände zum Elektrizitätswerk gehört, das aus der Wasserkraft des Flusses Strom gewinnt. Der Wasserfall ist toll, man kann ihn von verschiedenen Aussichtspunkten aus bewundern. In der Nähe gibt es auch noch den dazugehörigen Stausee mit Staudamm, zu dem wir auch noch hinlaufen.

Wasserfall bei Kinkon

Wasserfall bei Kinkon

Wir fahren zurück an die Hauptstraße nach Pita und gehen dort einmal über den Markt. Das ist hier wirklich eine sehr angenehme Erfahrung, da wir nicht angesprochen oder genervt werden um etwas zu kaufen, aber wenn wir dann jemanden etwas fragen sind alle sehr freundlich. Wir finden auch was wir suchen. Anschließend essen wir noch Fleischspieße am Straßenrand und trinken Kaffee. Kaffee wird hier aus Espressotassen (oft ohne Henkel und bis zum Rand befüllt) getrunken, kommt meist aus bunten Thermoskannen, aber schmeckt tatsächlich sehr gut. Gekocht wird er auf offenem Feuer in Bialetti-Kannen.

Weiter geht es nach Norden bis nach Labé, wo wir angesichts der anbrechenden Dunkelheit übernachten. In der Unterkunft sind auch zwei Jungs aus Holland, die mit ihrem Peugeot Boxer noch weiter nach Ghana wollen, mit ihnen unterhalten wir uns am Abend.

Piste zum Wasserfall

Am nächsten Tag fahren wir weiter Richtung Norden, aber kurz vor Popodara biegen wir nochmal auf eine Piste ab, um zum Wasserfall von Sala zu fahren. Die Piste zieht sich etwas, aber die Anfahrt lohnt sich, denn der Wasserfall ist noch größer als der vom Vortag. Zudem liegt er mitten im Urwald und es sind keine anderen Menschen um uns herum. Wir schauen uns den Wasserfall von einer Klippe aus an – ein wunderbarer Ort. Danach laufen wir zu einer anderen Stelle, wo man im Fluss baden kann, kurz bevor er rauschend in die Tiefe stürzt.  Neben der Badestelle ist ein verlassenes Camp, vermutlich konnte man hier mal übernachten, aber jetzt ist alles geschlossen und kein Mensch weit und breit. Schade, eigentlich ein super schöner Platz.

Wasserfall von Sala

Badestelle in der Nähe des Wasserfalls

Zurück an der Hauptstraße geht es weiter nach Norden, wieder durch den 25km langen schlechten Straßenabschnitt. Wir entschließen uns trotz Dunkelheit noch bis nach Koundara zu fahren. Dort fahren wir ein Hotel an. Die Zimmer sollen zwar nur 10€ kosten, sind dafür aber richtig schön versifft. Wir entschließen uns im Dachzelt zu schlafen und mieten uns ein Zimmer nur, um Toilette und Dusche zu benutzen. Für die Nichtbenutzung des Betts bekommen wir dann sogar noch einen Rabatt von 2€.

Gut beladener Gegenverkehr

Abendessen bekommen wir in einem Restaurant neben dem Hotel, das aus einer kleinen Blechhütte direkt an der Straße besteht. Wir essen Rindfleisch mit Spaghetti bzw. Reis. Das Bier wird extra für uns mit dem Motorrad herbeigeschafft. Das Essen ist lecker, aber leider voll mit Knochensplittern.

Abendessen: Fleisch mit Reis

Am nächsten Morgen schlafen wir recht lange, obwohl ich eigentlich befürchtet hatte, dass wir wegen der naheliegenden, lauten Straße keine Ruhe hätten. Dann unterhalten wir uns noch mit zwei Deutschen, die auch auf dem Hof des Hotels in ihrem Auto übernachtet haben. Letztlich kommen wir erst gegen 11 Uhr los und fahren weiter zur Grenze.

Vor der Ausreise muss unser Passavant an vier verschiedenen Zollstationen gestempelt werden. Dazu kommen Gendarmerie-Checkpoints, die unsere Pässe abschreiben. Zwischendurch versuchen wir, unser letztes Geld in Wasser und Kaffee zu investieren, was daran scheitert, dass wir den Kaffee nicht bezahlen können, weil das andere Gäste für uns erledigt haben. Wir sind nochmal positiv überrascht, wie freundlich die Guineaner sind. Ganz am Schluss bekommen wir dann noch unsere Ausreisestempel.

Der senegalesische Grenzposten befindet 13km hinter der Grenze. Als wir dort ankommen ist gerade Mittagspause. Angeblich geht es ab 15 Uhr weiter, wir haben also ca. 1,5h zu warten. Wir beschließen, die Zeit zu nutzen und einen Kanister Diesel vom Dach in den Tank umzufüllen. Dabei bricht ein Schlüssel in einem Schloss ab, das den Kanister auf dem Dach sichert. Unsere Versuche, das Schloss mit diversem Werkzeug zu öffnen scheitern, aber schnell ist ein Kerl aus einer Fahrradwerkstatt mit einer Säge zu Hand und öffnet das Schloss in Sekunden. Durch die ganze Aktion verpassen wir, dass die Grenzer ihren Posten wieder eingenommen haben und landen am Ende der Schlange.

Nach dem Einreisestempel müssen wir zu einem Checkpoint, an dem unsere Impfpässe auf Gelbfieberimpfungen kontrolliert werden. Danach kommt erst der Zoll wegen den Fahrzeugpapieren.

Feuer am Straßenrand

Am Straßenrand sieht man oft Buschfeuer, zum Teil reichen sie bis an die Straße heran. Wir fragen uns, ob die Feuer künstlich gelegt wurden. Wir fahren bis Tambacounda und gehen dort in ein Hotel. Temperaturmäßig ist es hier zwar wieder sehr heiß, da es aber relativ trocken ist merkt man die Temperaturen gar nicht mal so.

Über die Grenze nach Guinea bis Dalaba

Fünf Wochen sind wir unterwegs. Heute soll es ins andere Guinea gehen. Bevor wir losfahren gibt es im Hotel noch kurze Aufregung. Die Wäsche ist nicht trocken, also genauer gesagt pitschnass. Zudem müffelt sie, es sind lauter Heuschrecken drin und einige Teile haben was vom Bleichmittel abbekommen. Dann stimmt bei der Abrechnung der Zimmerpreis nicht mit dem überein, was uns am Tag vorher kommuniziert wurde. Wir diskutieren ewig rum, er sagt, er kann nichts ändern. Am Schluss zahlen wir etwas weniger fürs Abendessen, weil der Zimmerpreis unverhandelbar ist.

Die Straße wird zunehmend schlechter. Im nächsten Ort, in Pitché, müssen wir bereits die Ausreiseformalitäten erledigen. Uns wird mitgeteilt, dass beide Straßen zu den Grenzübergängen gut seien und wir somit auch über den kürzeren Weg, allerdings auf der dünner eingezeichneten Straße fahren können. Gesagt getan. Die Piste ist tatsächlich besser als die Straße und wir sind in Kürze an der Grenze. Erneut werden unsere Dokumente kontrolliert und wir warten auf die „Fähre“. Also das handbetriebene, schwimmende Teil:

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Fähre zwischen Guinea und Guinea-Bissau

Kaum sind wir drauf gefahren, heißt es schon: Wer zahlt? Kostet 10.000 CFA, lässt sich auch nicht verhandeln. Fünf Mann ziehen den Kahn an einem Seil über den Fluss. Der Motor auf dem Kahn ist nicht mehr in Betrieb. Nach 11km erreichen wir die Grenze auf Guineischer Seite. Die Piste bis dahin ist schon eher schlecht.

Der Zollchef ist wirklich sehr nett, er gibt uns seine Nummer, ruft bei einem Bekannten an wegen dem Hotelzimmer im nächsten Ort, denn er glaubt nicht, dass wir es bei Helligkeit noch bis Boké schaffen. Na das sind ja tolle Aussichten. Die Landschaft ist toll, die Straße schrecklich:

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„Gute“ Straße nach Koumbia

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Dorf nahe der Stadt Koumbia

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Fluß in der Nähe von Koumbia

Wir sind um 14 Uhr an der Grenze und haben es um 17.30 Uhr nach 50km in den Ort Koumbia geschafft. Die Unterkunft dort ist so ekelhaft, dass wir uns entschließen, noch in den nächsten Ort zu fahren, nach Gaoual. So schlimm wird die Hauptstraße hoffentlich nicht sein. Tja, getäuscht. Etwas breiter ist sie schon, aber für 35km brauchen wir trotzdem fast eine Stunde. Wir fahren durch Matschlöcher, die von LKWs so ausgefahren sind, dass wir mit unserem Geländewagen aufsetzen. Im Ort fahren wir ein Hotel an, das einigermaßen akzeptabel ist. 30€ pro Nacht mit Frühstück ist viel, aber OK. Der Chef bemüht sich dafür unheimlich. Zwei mal fährt er los um Toilettenpapier und eine SIM-Karte für uns zu besorgen. Dann lädt er mir noch Guthaben auf die SIM-Karte und der Nachtwächter wäscht unser Auto. Leider gibt’s nichts zu essen (wobei er uns das sicherlich besorgt hä​tte), und Lust nochmal in die Stadt zu fahren haben wir auch nicht, also machen wir uns Pasta mit Tomatensoße. Endlich mal wieder Pasta, herrlich!

Um Mitternacht geht der Generator aus und dann wird es schwül, warm und dunkel im Raum. Naja, war nicht das erste Mal.

Nach dem Frühstück packen wir zusammen. Über Nacht haben wir im Zimmer Wäscheleinen gespannt und die nasse Wäsche vom Vortag aufgehängt. Selbst der getrocknete Teil der Wäsche müffelt immer noch. Vor allem die Handtücher stinken schlimmer als vorher. Wir hoffen, in der nächsten Unterkunft den ganzen Mist nochmal waschen zu können. Bevor wir weiterfahren gehen wir noch Geld wechseln und werden in Kürze zu Millionären: 300€ wechseln macht 3.000.000 GNF. Die größten Scheine  sind 20.000 GNF wert. Das macht ein ordentliches Bündel Geld. Das Geldwechseln dauert etwas, da der Geldwechsler im Dorf erst das Geld irgendwo holen muss. Wir beobachten so lange das bunte Treiben am Markt. Hier wird alles portionsweise eingekauft. Keine Schachtel Zigaretten – nein, einzelne Zigaretten. Keine Dose Zucker, sondern abgepackt in kleine Mini-Säckchen geschätzt à 20 Gramm. Um 10 Uhr haben wir getankt und fahren los Richtung Labé. Die Straße ist gut.

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Gute Straße mit Kühen

Fast zu gut. Ich bin am zweifeln ob das so bleibt. Nun ja, immerhin für 80km. Dann geht die Piste los. Durchschnittsgeschwindigkeit sinkt auf 15km/h. Wir befinden uns wohlgemerkt noch auf einer Nationalstraße, der höchsten Straßenkategorie im Land. Ich frage mich allen ernstes erneut, warum wir uns das antun:

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Schlechte Straße mit Schlamm

Nach 20km steht eine Polizeikontrolle. Die Polizisten sind wirklich sehr nett. Auf unsere Nachfrage meint er, wir bräuchten noch ca. 1,5h nach Labé. Etwas überrascht fragen wir ihn, ob die Straße denn so bleibt, sonst wäre das ja eine sehr optimistische Zeitangabe. Er meint, es seinen noch 10km so, dann wird es wieder besser. Bereits nach 5km ist die Straße wieder geteert und wir kommen voran. Was für eine Erleichterung! Nach insgesamt 4h sind wir in Labé. Mal sehen, was die Leute im Ort zur Straße bis Dalaba sagen. Ich traue dem Frieden noch nicht ganz. Wir gehen einen Kaffee trinken (endlich afrikanische Preise: 2.000GNF = 0,20€ für 2 Kaffee; auf den 20.000er kann dann natürlich erst gewechselt werden, nachdem ein anderer Gast den Schein klein gemacht hat) und fragen nach der Straße. Die herrschende Meinung ist: ca. 2 Stunden. Das klingt doch gut und wir fahren weiter. Überraschenderweise ist die Straße abgesehen von ein paar Schlaglöchern wirklich gut und wir sind bereits um 16 Uhr in Dalaba.

Dort finden wir das vom Reiseführer empfohlene Hotel und die Zimmer sind sauber. Nicht mehr das neueste vom Neuen, aber trotzdem verhältnismäßig ordentlich. Wir sind happy und bleiben. Die Aussicht ist super schön und es hat angenehme 22 Grad. Ein Traum!

Wir laufen ein wenig im Areal umher, geben erneut die Wäsche zum waschen und gehen am Abend gemütlich im Hotel essen, da uns der Küchenchef Rindfleisch in Pfeffersoße mit Pommes und gerösteten Bananen anbietet, was interessant klingt, aber noch besser schmeckt. Dazu gibt es lokales und tatsächlich wohlschmeckendes Guiluxe-Bier. Zum Nachtisch gibt es noch Bananen und dann freuen wir uns aufs Bett. Wir geben noch Bescheid, dass wir gerne am nächsten Tag einen Führer hätten um die Umgebung zu erkunden und legen uns dann hin.

Am nächsten Morgen ist mal wieder früh aufstehen angesagt. Um 8 Uhr ist unser Führer da. Wir besprechen, dass wir zur Pont de Dieu wollen, die Case des Palabres und die Maison de Miriam Makeba sehen wollen. Wir laufen um 8.30Uhr los.

Im Ort kaufen wir noch ein paar Bananen ein, danach laufen wir weiter zur Pont de Dieu. Schöne Landschaft, Pinienwälder, Bambuswälder, viele Bäume, Sträucher, und immer mal wieder rauschendes Wasser. Hier ein paar Eindrücke:

Unser Führer, Daymou, spricht kaum englisch, aber wir bekommen es auf französisch gut hin. Den Tag über unterhalten wir uns viel über Schule, Bildung, den Traum von Europa, den Tourismus und den Einbruch dessen aufgrund von Ebola, ein bisschen Politik, Geschichte, etc. Immer wieder erklärt er uns Pflanzen, lasst uns schnuppern, manches wie Zimt und Kaffee verstehen wir, anderes gar nicht.

Die Pont de Dieu ist eine Naturbrücke, durch die über Kaskaden Wasser fließt. Wirklich sehr schön hier:

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Pont de Dieu

Wir laufen weiter durch Dörfer und an einem „Sandbruch“ vorbei. Leider fängt es dann an zu regnen. Gut, dass wir kurz darauf wieder im Ort sind und uns unterstellen können. Im Ort angekommen besuchen wir eine Lederwerkstatt, gehen danach zu einer Dame, die sehr gut deutsch spricht und 23 Jahre in München-Schwabing gelebt hat, sie freut sich sehr über unseren Besuch. Im Anschluss gehen wir auf einen kurzen Sprung in das Büro unseres Führers, anschließend einen Kaffee trinken, während Daymou nebenan einen Teller Reis isst.

Wir setzen unsere Tour fort und laufen zur Maison de Miriam Makeba. Diese hat dort ein paar Jahre gewohnt, nachdem sie aus den USA geflohen war. Das Haus wurde ihr vom damaligen Präsidenten geschenkt. Auf dem Weg stellen wir uns mal wieder bei einem Haus unter, weil es stark gewittert. Zufällig wohnt da der Mann, der auch den Schlüssel zum Miriam-Makeba-Haus hat. Er unterrichtet, während wir darauf warten, dass es zu regnen aufhört, Jungs und Mädchen den Koran. Auf Holztafeln wird mit Tinte geschrieben.
In der Regenpause laufen wir zum Haus bzw. eher zur Ruine. Selten habe ich etwas so heruntergekommenes gesehen. Die Decke (wie hier typisch) ist mit Bastkreisen geschmückt, die Renovierung dessen haben wohl ein paar Spanier mal finanziert. Alles andere ist unfassbar runtergekommen. Das Bücherregal im Wohnzimmer steht noch, die Bücher (alle Englisch) sind aber nur noch zum Teil vorhanden, den Rest haben die Termiten bereits gefressen. Das Bücherregal im Schlafzimmer ist komplett den Termiten verfallen und liegt auf dem Boden. Eine echte Schande. Das Haus an sich ist toll, zumindest kann man sich vorstellen, dass es das mal war. Die Sicht von der Terrasse ist traumhaft, aber es ist fraglich wie lange sie noch so steht, da alles komplett verschimmelt ist. Bei uns wäre so etwas in den Zustand schon längst nicht mehr zugänglich wegen Einsturzgefahr. Leider hat hier aber keiner das Geld, um zu renovieren.

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Maison de Miriam Makeba

Weiter geht es zur Case des Palabres, was deutlich besser in Schuss ist, allerdings gibt es dort ja auch keine Möbel. Alle wichtigen Gespräche bezüglich der Dekolonialisierung fanden hier statt. Historisch also ein wichtiger Ort für das Land.

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Case de Palabres

Ein wenig weiter steht der Gouverneurspalast. Der wurde tatsächlich renoviert und sieht nicht schlecht aus.

Wir laufen zurück zum Büro, denn wir sollen uns noch in das Gästebuch eintragen. Das muss Daymou erst holen und er kommt kurz später zurück. Robert schreibt noch einen netten Text, wir verbinden uns auf Facebook, und nachdem wir den von mir gesuchten Magneten nicht finden, hat er von einem Freund eine magnetische Spule oder so ähnlich bekommen. OK, nicht wirklich was ich gesucht habe, aber es ist vermutlich der originellste Magnet bisher. Anschließend laufen wir zurück ins Hotel, nach über 10 Stunden auf den Füßen.

Da es immer noch bzw. schon wieder regnet, essen wir erneut im Hotel. Heute gibt es einmal Rind und einmal Huhn. Schmeckt nicht schlecht. Müde fallen wir danach ins Bett.

Nationalpark Cantanhez

Wir verzichten auf das Frühstück im Hotel und fahren direkt ins Café Imperio. Davor holen wir uns noch eine SIM-Karte um im Cantanhez Park anzurufen. Zunächst erfolglos, wir erreichen niemanden. Wir machen noch einen kurzen Abstecher in die Kirche und an den Hafen, dann fahren wir los.

Auf dem Weg versuchen wir nochmals zu telefonieren. Zwecks Netz und mangelnden Französischkenntnissen auf beiden Seiten verstehen wir nur, dass es Guides gibt, ob sie englisch sprechen ist unbekannt, und Zimmer gibt es anscheinend. OK, also fahren wir hin. Auf dem Weg fahren wir dann noch an schönen Wasserfällen vorbei und halten kurz an.

Wasserfälle von Campáta

Kurz hinter Quebo biegen wir links auf die Piste ab. 60km sollen es noch sein, mal sehen wie das so läuft.

Zu Beginn ist die Piste OK und wird dann langsam etwas anspruchsvoller. Nach ca. 1/4 der Strecke graben wir uns gut in ein Matschloch ein und glauben schon, dass wir nicht mehr rauskommen. Erster Gedanke: gut, dass wir in einem Dorf sind, da helfen sicher viele mit beim schieben. Aber mit Gefühl und Geduld schafft es der Pajero allein wieder aufs Festland. Wir sind mal wieder erstaunt.

Zwischenzeitlich wird die Straße dann wieder deutlich besser, es wurden einige „Brücken“ gebaut bzw. Befinden sich im Bau. Wir glauben schon, dass wir es so recht zügig schaffen können, aber irren uns gewaltig. Denn nach ein paar Kilometern wird es erst richtig schlecht: stellenweise ist es komplett zugewachsen, tiefe Schlaglöcher und matschige Pfützen machen ein schnelles Vorankommen unmöglich, aber wir schaffen es. Das ist jetzt Dschungel pur. Uiuiuiui.

Piste durch den Dschungel

Im Camp angekommen lernen wir zwei Spanier kennen, die auch noch nicht lange da sein können. Wir unterhalten uns nett. Wir treffen auf eine weitere Spanierin, die hier lebt und Affenforschung betreibt. Kaum zu glauben dass man freiwillig langfristig hier wohnen will. Es hat eine Luftfeuchtigkeit von 80% und das ist auch bei nur 27°C unerträglich. Wir nehmen ein Zimmer, wo wir uns mit ihr das Bad teilen. Ist immerhin besser in Schuss als die anderen runden Hütten.

Abendessen gibt’s im Restaurant: Hühnchen in Zwiebelsoße mit Wedges und Reis. Schmeckt lecker, wäre aber besser wenn keine Viecher rumfliegen würden.

Abendessen im Dschungel

Von 19 bis 23 Uhr läuft der Generator. Danach ist nicht mal mehr das Lüftchen vom Ventilator zu spüren. Es wird eine schwitzige Nacht.

Der Wecker klingelt um 4.30Uhr. Es ist stockfinster und richtig schön schwül heiß. Da der Schlaf eh nicht so tief ist, fällt das aufstehen nicht ganz so schwer.
Abfahrt ist um 5 Uhr. Wir packen den teils spanisch, teils französisch-sprechenden Guide ein und die Spanier fahren uns hinterher. Wir fahren ca. eine dreiviertel Stunde durchs dunkle Gebüsch, dann parken wir und es geht zu Fuß weiter. Ein weiterer Guide mit Machete ist irgendwo aus dem Gebüsch getreten und begleitet uns. Gut, dass mein Handy recht viel Akku hat und als Taschenlampe dienen kann, wir uns NoBite draufgeschmiert haben und unsere Wanderstiefel dabei haben. Wir laufen durchs Gestrüpp, waten durch Sümpfe und irgendwann sagt einer Guides: jetzt Handylichter aus. Wir laufen weiter und irgendwann bleiben wir stehen. Der Guide flüstert uns zu, dass oben auf der einen Palme, deren Krone flach ist, ein Schimpanse schläft. Noch sehen wir nichts, da es erst langsam beginnt zu dämmen. Die Vögel fangen an zu zwitschern und die gesamte Geräuschkulisse des Urwalds nimmt zu. Als es hell genug ist, kann Robert mit der großen Kamera den Schimpansen ausmachen und ihn gelingen ein paar Bilder, wie dieser in seinem Nest sitzt. Dann klettert dieser langsam runter. Leider schaut er dabei weg, als wäre er scheu. Weil es so sumpfig ist können wir leider auch nicht näher hinlaufen.

Naja sobald es ganz hell ist, laufen wir zurück zum Auto. Ehrlich gesagt sind wir etwas enttäuscht. Zumindest sehen wir auf dem Rückweg noch ein paar Meerkatzen in den Bäumen rumspringen. Zurück im Camp gibt es Frühstück, danach laufen wir mit unserem Guide noch durch das Dorf. Das ist ziemlich beeindruckend, wir sehen viele Kinder, die Moschee, die Schule, das Krankenhaus, die Disko. Strom gibt’s wenn dann über Generatoren, Wasser aus Brunnen. Hier ein paar Eindrücke:

Drei kleine Jungs, die uns durchs Dorf begleiten

Moschee in Jemberem

Ein Restaurant in Jemberem

Frauen am Brunnen in Jemberem

Schule in Jemberem

Jemberem – Eines der Dörfer im Nationalpark Cantanhez

Danach setzen wir uns ins Auto und fahren los Richtung der beiden Orte, wo es theoretisch Grenzübergänge nach Guinea geben soll. Auf dem Weg schauen wir noch in einem Ort vorbei wo ein Babyschimpanse lebt, das haben uns die Spanier erzählt. Julio ist sein Name und er sitzt ohne Scheu auf einem Dach und spielt vor sich hin. Der ist fast interessanter als die Aktion heute früh.

Julio – Der Baby Schimpanse

Wir fahren weiter. Leider wird uns an beiden Orten für den Grenzübergang von der Piste abgeraten. Beim ersten heißt es, es sei noch zu viel Wasser auf der Piste und wir kämen da trotz unserem Auto nicht durch. Beim zweiten Übergang heißt es, die Fähre würde momentan nicht fahren, man kann nur mit dem Motorrad fahren, was auf eine Pirogge passt. Gut, dann heißt es wohl doch den Umweg über Pitche nehmen. Wir fahren also weiter bis Gabu. Dort nehmen wir uns ein (überteuertes) Hotel mit Klima und Pool.

Wir gehen baden, geben Wäsche zum waschen und danach essen. Wir suchen erst ein Restaurant in der Stadt, vieles ist aber geschlossen oder sagt mir nicht zu, sodass wir doch im Hotel essen. Draußen am Pool ist es schön. Der Chef bemüht sich sehr. Wir essen beide Rindfleisch mit Reis, Pommes und Salat. Bei mir ist noch ein Ei drüber. Schmeckt gut. Dazu portugiesisches Bier. Robert will danach unbedingt noch das lokale Bier trinken gehen, direkt neben dem Hotel ist eine Bar. Leider schaffen wir es nicht auszutrinken, da der Geschmack wirklich scheußlich ist. Zum Unverständnis der lokalen Bevölkerung, lassen wir die halb vollen Gläser stehen. Tun wir nicht gerne, aber wir können das bei bestem Willen nicht trinken.

Von Cap Skirring nach Bissau

Genau einen Monat sind wir unterwegs. Nach dem Frühstück spazieren wir am Strand entlang. Wir sind uns einig: definitiv einer der schönsten Strände an dem wir je waren.

Cap Skirring

Wir sehen eine Ansammlung von Geiern am Strand. Als Robert näher hingeht um ein Foto zu machen, bemerkt er eine Schildkröte, die auf dem Rücken liegt, und von den Geiern verspeist wird.

Geier essen Schildkröte

Wir laufen zurück und gehen nochmal baden. Das Meer ist super sauber, angenehm warm und verhältnismäßig ruhig. Traumhaft.

Danach packen wir zusammen und fahren los zurück nach Ziguinchor. Von dort fahren wir weiter zur Grenze. Die Ausreise aus dem Senegal verläuft problemlos, die Einreise Guinea-Bissau auch, allerdings ist der bürokratische Aufwand der hier betrieben wird durchaus nennenswert. Um einzureisen werden unsere persönlichen Daten zweimal aus den Pässen in große Bücher geschrieben, die persönlichen Daten unseres Pajeros gleich dreimal (wohlgemerkt natürlich immer an verschiedenen Orten) und zusätzlich nochmal der Pass kontrolliert. Dennoch müssen wir im nächsten Ort zum Zoll, um einen Passavant ausgestellt zu bekommen. Da wird dann unser Auto nochmal in ein großes Buch eingetragen. Es klappt alles wunderbar, aber diese Abschreiberei ist echt mühsam. Afrika halt…

Wir passieren zwei weitere Kontrollstellen, wo jedes mal das Passavant gestempelt wird. Der eine will 1000 CFA fürs Stempeln. Ich schicke Robert nochmal hin. Er klärt das, danach fahren wir weiter, ohne gezahlt zu haben.

Die Straße ist zwar immer noch geteert, aber die letzten Regenzeiten haben ihre Spuren hinterlassen. Immer wieder Schlaglöcher. Dafür tolle Landschaft. So stellt man sich Dschungel vor.

Gegen 18h sind wir dann in Bissau. Das Hotel ist sehr versteckt und es steht auch kein Name und nichts dran. Schwierig zu finden, da Booking und Google es auch noch an unterschiedlichen Stellen vermerkt haben, die aber beide inkorrekt sind, aber wir fragen nach dem Weg und irgendwann stehen wir davor.

Kommunikation ist in diesem Land nicht leicht. Alle sprechen portugiesisch, bzw. kreol, und nur teilweise, und wenn dann eher schlecht, französisch. Wenig englisch. Zwei Portugiesinnen, die wir später treffen werden, gestehen uns, auch lange nicht alles zu verstehen, was hier auf kreol geredet wird.

Am Abend gehen wir in ein Restaurant, das nicht all zu weit weg ist und an welchem wir schon vorher vorbeigefahren sind. Ich bestelle einen Burger, Robert gemischtes Gegrilltes. Beides Dinge, die wir zumindest annäherungsweise auf der Karte entziffern können. Die Qualität eher unterdurchschnittlich, zumindest mein Burger ist eher mau bis nix. Dafür müssen wir aber trotzdem ordentlich löhnen, zusammen ca. 15€. Wir laufen zurück ins Hotel und gehen schlafen.

Nachdem wir am nächsten Morgen im Hotel entdeckt haben, wo es Frühstück gibt, was nicht gerade berauschend ist, laufen wir los in die Stadt. Wir schlendern Richtung Zentrum, was nicht weit entfernt ist. Zuerst stellen wir fest, dass der „Park“ um die Ecke tatsächlich ein Park ist. Bei Dunkelheit sah das nach einem verkommenen Platz aus. Danach kommen wir an einer Kirche vorbei und laufen weiter Richtung Präsidentenpalast.

Präsidentenpalast in Bissau

Dort gehen wir in das im Reiseführer angepriesene Café des Hotel Impérial. Wir gönnen uns süße Pastéis de Nata und einen Kaffee. Danach laufen wir über die Nebenstraße wieder zurück, da das ethnologische Museum geschlossen hat. Auf dem Weg werden wir hin und wieder von Geldwechslern angesprochen. Sie bieten einen überdurchschnittlichen Kurs an (in Bissau ist die Währung, wie auch im Senegal, der CFA-Franc, der eigentlich fix an den Euro gekoppelt ist). Komisch, vielleicht hat das was mit den Drogengeschäften zu tun, für die Bissau so berühmt-berüchtigt ist?

Wir laufen weiter zur Burg, die von Militärs bewacht wird, und fragen „auf blöd“ ob man rein darf. Also mit Händen und Füßen. Der Soldat deutet uns, wir mögen warten. Wir glauben eigentlich nicht, dass wir die Burg besichtigen können, aber kurz später werden wir dann doch gebeten einzutreten. Ein Soldat und eine Soldatin, die allerdings keine Uniform trägt, da Feiertag ist, laufen mit uns rein. Uns wird der General vorgestellt, nachdem man uns Besucherausweise ausgehändigt hat. Ein netter, etwas älterer Herr. Wir stellen fest, dass die einzige Sprache, auf der wir uns zusammen verständigen können, spanisch ist. Nun ja irgendwie geht es. Es folgt eine einstündige Führung durch die Festung, mit reichlich Geschichtsinfos zur großen Revolution von 1963-1974. Wir besuchen einige Gräber von wichtigen comandantes, sowie das Grab von Amilcar Cabral, einem der wichtigsten Unabhängigkeitskämpfer und dem Nationalhelden schlechthin.

Grabstätte von Amilcar Cabral

Während wir an den Gräbern stehen, kommen 2 Portugiesinnen dazu. Anne und Raquel übersetzen teilweise für uns. Danach werden uns stolz die Konferenzräume gezeigt, wir verstehen zunächst nicht ganz wieso. Aber später sehen wir, dass sie das alles erst im letzten Jahr wieder aufgebaut haben. 2017 war alles noch eingestürzt:

Aufnahmen der Festung von 2017

Zum Vergleich ein aktuelles Bild der Festung

Es folgen drei weitere Räume, in denen die Waffen der Freiheitskämpfer ausgestellt sind. Spannend zu sehen, wer hier alles Waffen und Zubehör geliefert hat: vorrangig die Sowjets, aber auch die Chinesen, Tschechen und Italiener tauchen dort wieder auf. Zu guter letzt ist der alte Käfer von Amilcar Cabral ausgestellt, und wir dürfen uns sogar rein setzen und Fotos machen:

Der alte Käfer von Amilcar Cabral

Danach dürfen wir noch die Büros anschauen, vorrangig weil es dort eine Klimaanlage gibt und wir uns dort noch ins Gästebuch eintragen und einen Obulus da lassen sollen. Zum Schluss stellt sich heraus, dass der General drei Jahre in Lviv gelebt hat und fließend russisch spricht. Robert ist begeistert und ab dann verstehen wir anderen gar nichts mehr.

Am Ausgang gibt’s noch eine Fotosession, dann gehen wir mit den beiden Mädels noch Mittagessen. Wir entscheiden uns danach, noch gemeinsam mit ihnen in ihr Hotel zu gehen, da sie meinen, dass wir dort an der Rezeption nähere Infos zum Nationalpark Cantanhez sowie den Straßenbedingungen auf den verschiedenen Wegen nach Conakry bekämen. Sie sollten recht behalten: der Park ist angeblich offen, man vermutet, dass es englischsprachige Guides gibt und bei der Straße ist der Rezeptionist erst unsicher, aber als er hört, dass wir einen Pajero haben, meint er, dass das passen sollte.

Wir treffen uns abends nochmal mit den Portugiesinnen und gehen gemeinsam Abendessen. Es ist noch eine Freundin der beiden dazugekommen, die in Bissau lebt und das Leben dort sehr schätzt. Ich kann es mir nicht vorstellen, aber das hat womöglich auch was mit der Sprache zu tun.

Casamance

Wir checken aus unserem Hotel aus und wollen wieder zurück in den Senegal, genauer gesagt in die Casamance. Gambia ist nicht so groß, das wichtigste haben wir gesehen.

An der Grenze läuft die Ausreise aus Gambia zügig und problemlos. Auf senegalesischer Seite jedoch will man das Auto nicht einreisen lassen, weil unsere Genehmigung abgelaufen sei. Man könne auch keine neue ausstellen. Man bietet uns an, das Auto an der Grenze zu parken und mit dem Taxi weiterzufahren. Das lehnen wir ab.

Wir fahren also zurück nach Gambia und reisen wieder ein, zumindest das klappt problemlos. Dann fahren wir die ganze Strecke, die wir gekommen sind, wieder Richtung Osten, bis nach Soma. Dort wieder raus aus Gambia. Beim Zoll auf senegalesischer Seite ist dann von Problemen gar keine Rede mehr, wir bekommen zügig einen neuen Wisch für das Auto ausgestellt, diesmal sogar mit einer Quittung über die Gebühren, also alles ganz korrekt. Wir fragen uns, warum im Senegal jede Grenze ihre eigenen Zollvorschriften zu haben scheint.

Wir schaffen es trotz des Umweges noch bei Tageslicht nach Ziguinchor. Dort checken wir ins Hotel ein und essen auch dort zu Abend.

Reste kolonialer Architektur in Ziguinchor

Treiben am Fluss in Ziguinchor

Am nächsten Tag gehen wir zu Fuß zum Konsulat von Guinea-Bissau und holen uns dort ein Visum – das kostet hier deutlich weniger als bei uns zu Hause, und geht auch in 5 Minuten ganz fix. Wir spazieren noch weiter durch die Stadt, runter zum Fluss, zur Post und wieder zurück zum Hotel. Dort geht Fabi nochmal ins Zimmer, ich fahre mit dem Auto kurz vor zum Kreisverkehr, denn dort gibt es zwei Tankstellen mit Autowäsche, welche das Auto mal wieder verdient hat.

Während ich warte, dass das Auto gewaschen wird, kommt ein Zollbeamter, erkennbar an seiner Uniform, zu mir. Er möchte die Fahrzeugdokumente sehen. Ich habe die gar nicht dabei, die sind in Fabis Handtasche im Hotel. Er meint, ich müsse sofort zum Hotel fahren, um sie zu holen, was ich aber ablehne, da das Auto noch gewaschen wird. Aber das Hotel ist nur 3 Minuten zu Fuß entfernt, wir könnten ja hinlaufen – darauf lässt er sich erst ein, als ein zufällig herumstehender Passant auf ihn einredet. Im Hotel bekommt er die Papiere, die er will. Ein kurzer Blick reicht ihm, er mag unseren Passavant nicht. Wir müssten sofort mit ihm mitkommen zur Zollstation.

Die Zollstation ist nicht weit, keine 3 Minuten Fahrt. Dort will der Zöllner als erstes den Autoschlüssel haben, den ich ihm aber nicht gebe. Das Zollbüro ist noch abgesperrt, der Wärter sperrt auf. Wir sollen im Vorraum warten. Etwas später kommt auch ein Typ mit Bubu und Hut rein und geht ins Büro, das scheint der Chef zu sein. Irgendwann werden wir dann rein gerufen. Der Chef spricht sogar ein paar Worte deutsch, sein Vater sei Deutschlehrer, und er war auch selber schon mal in Deutschland. Er muss aber nochmal mit seinem Chef reden, den er noch nicht erreicht hat. Wir sollen warten. Ich frage, ob wir auch im Hotel warten können, was er nach kurzem Zögern erlaubt. Wir tauschen Handynummern aus, er wird uns anrufen wenn er seinen Chef erreicht hat.

Wir sind noch auf dem Weg zum Hotel (zu Fuß, das Auto mussten wir stehenlassen), da bekommen wir einen Anruf mit der Ansage „OK, problem finish„. Wir laufen zurück. Das Büro ist gerade geschlossen, also setzen wir uns nochmal ins Vorzimmer. Ein paar Minuten später werden wir ins Büro gebeten, dann erklärt uns der Zöllner, er sei erst seit einem Jahr auf der Position und wisse noch nicht genau wie das laufe, auf jeden Fall hätten wir kein Problem mehr und könnten gehen. Er gibt uns noch seine Karte, wir sollen ihn anrufen, wenn wir nochmal Probleme in seinem Zollbezirk haben.

Wir gehen zurück ins Hotel, freundlicherweise dürfen wir uns noch eine Stunde länger im Zimmer aufhalten und nutzen die Zeit, um nochmal in den Pool zu springen.

Tankstelle in Ziguinchor

Anschließend fahren nach Cap Skirring. Dort gehen wir in eine recht einfach Unterkunft direkt oberhalb vom Strand. Wir gehen noch im Meer baden, trinken noch Bier und Orangensaft am Strand und essen dann Fisch und Crevetten bei unserer Unterkunft. Abends laufe ich nochmal alleine am Strand entlang, irgendwo in der Ferne hört man Trommelgeräusche, sonst ist der Strand wie verlassen.

Blick aus unserem Zimmer in Cap Skirring