Über die Grenze nach Guinea bis Dalaba

Fünf Wochen sind wir unterwegs. Heute soll es ins andere Guinea gehen. Bevor wir losfahren gibt es im Hotel noch kurze Aufregung. Die Wäsche ist nicht trocken, also genauer gesagt pitschnass. Zudem müffelt sie, es sind lauter Heuschrecken drin und einige Teile haben was vom Bleichmittel abbekommen. Dann stimmt bei der Abrechnung der Zimmerpreis nicht mit dem überein, was uns am Tag vorher kommuniziert wurde. Wir diskutieren ewig rum, er sagt, er kann nichts ändern. Am Schluss zahlen wir etwas weniger fürs Abendessen, weil der Zimmerpreis unverhandelbar ist.

Die Straße wird zunehmend schlechter. Im nächsten Ort, in Pitché, müssen wir bereits die Ausreiseformalitäten erledigen. Uns wird mitgeteilt, dass beide Straßen zu den Grenzübergängen gut seien und wir somit auch über den kürzeren Weg, allerdings auf der dünner eingezeichneten Straße fahren können. Gesagt getan. Die Piste ist tatsächlich besser als die Straße und wir sind in Kürze an der Grenze. Erneut werden unsere Dokumente kontrolliert und wir warten auf die „Fähre“. Also das handbetriebene, schwimmende Teil:

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Fähre zwischen Guinea und Guinea-Bissau

Kaum sind wir drauf gefahren, heißt es schon: Wer zahlt? Kostet 10.000 CFA, lässt sich auch nicht verhandeln. Fünf Mann ziehen den Kahn an einem Seil über den Fluss. Der Motor auf dem Kahn ist nicht mehr in Betrieb. Nach 11km erreichen wir die Grenze auf Guineischer Seite. Die Piste bis dahin ist schon eher schlecht.

Der Zollchef ist wirklich sehr nett, er gibt uns seine Nummer, ruft bei einem Bekannten an wegen dem Hotelzimmer im nächsten Ort, denn er glaubt nicht, dass wir es bei Helligkeit noch bis Boké schaffen. Na das sind ja tolle Aussichten. Die Landschaft ist toll, die Straße schrecklich:

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„Gute“ Straße nach Koumbia

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Dorf nahe der Stadt Koumbia

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Fluß in der Nähe von Koumbia

Wir sind um 14 Uhr an der Grenze und haben es um 17.30 Uhr nach 50km in den Ort Koumbia geschafft. Die Unterkunft dort ist so ekelhaft, dass wir uns entschließen, noch in den nächsten Ort zu fahren, nach Gaoual. So schlimm wird die Hauptstraße hoffentlich nicht sein. Tja, getäuscht. Etwas breiter ist sie schon, aber für 35km brauchen wir trotzdem fast eine Stunde. Wir fahren durch Matschlöcher, die von LKWs so ausgefahren sind, dass wir mit unserem Geländewagen aufsetzen. Im Ort fahren wir ein Hotel an, das einigermaßen akzeptabel ist. 30€ pro Nacht mit Frühstück ist viel, aber OK. Der Chef bemüht sich dafür unheimlich. Zwei mal fährt er los um Toilettenpapier und eine SIM-Karte für uns zu besorgen. Dann lädt er mir noch Guthaben auf die SIM-Karte und der Nachtwächter wäscht unser Auto. Leider gibt’s nichts zu essen (wobei er uns das sicherlich besorgt hä​tte), und Lust nochmal in die Stadt zu fahren haben wir auch nicht, also machen wir uns Pasta mit Tomatensoße. Endlich mal wieder Pasta, herrlich!

Um Mitternacht geht der Generator aus und dann wird es schwül, warm und dunkel im Raum. Naja, war nicht das erste Mal.

Nach dem Frühstück packen wir zusammen. Über Nacht haben wir im Zimmer Wäscheleinen gespannt und die nasse Wäsche vom Vortag aufgehängt. Selbst der getrocknete Teil der Wäsche müffelt immer noch. Vor allem die Handtücher stinken schlimmer als vorher. Wir hoffen, in der nächsten Unterkunft den ganzen Mist nochmal waschen zu können. Bevor wir weiterfahren gehen wir noch Geld wechseln und werden in Kürze zu Millionären: 300€ wechseln macht 3.000.000 GNF. Die größten Scheine  sind 20.000 GNF wert. Das macht ein ordentliches Bündel Geld. Das Geldwechseln dauert etwas, da der Geldwechsler im Dorf erst das Geld irgendwo holen muss. Wir beobachten so lange das bunte Treiben am Markt. Hier wird alles portionsweise eingekauft. Keine Schachtel Zigaretten – nein, einzelne Zigaretten. Keine Dose Zucker, sondern abgepackt in kleine Mini-Säckchen geschätzt à 20 Gramm. Um 10 Uhr haben wir getankt und fahren los Richtung Labé. Die Straße ist gut.

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Gute Straße mit Kühen

Fast zu gut. Ich bin am zweifeln ob das so bleibt. Nun ja, immerhin für 80km. Dann geht die Piste los. Durchschnittsgeschwindigkeit sinkt auf 15km/h. Wir befinden uns wohlgemerkt noch auf einer Nationalstraße, der höchsten Straßenkategorie im Land. Ich frage mich allen ernstes erneut, warum wir uns das antun:

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Schlechte Straße mit Schlamm

Nach 20km steht eine Polizeikontrolle. Die Polizisten sind wirklich sehr nett. Auf unsere Nachfrage meint er, wir bräuchten noch ca. 1,5h nach Labé. Etwas überrascht fragen wir ihn, ob die Straße denn so bleibt, sonst wäre das ja eine sehr optimistische Zeitangabe. Er meint, es seinen noch 10km so, dann wird es wieder besser. Bereits nach 5km ist die Straße wieder geteert und wir kommen voran. Was für eine Erleichterung! Nach insgesamt 4h sind wir in Labé. Mal sehen, was die Leute im Ort zur Straße bis Dalaba sagen. Ich traue dem Frieden noch nicht ganz. Wir gehen einen Kaffee trinken (endlich afrikanische Preise: 2.000GNF = 0,20€ für 2 Kaffee; auf den 20.000er kann dann natürlich erst gewechselt werden, nachdem ein anderer Gast den Schein klein gemacht hat) und fragen nach der Straße. Die herrschende Meinung ist: ca. 2 Stunden. Das klingt doch gut und wir fahren weiter. Überraschenderweise ist die Straße abgesehen von ein paar Schlaglöchern wirklich gut und wir sind bereits um 16 Uhr in Dalaba.

Dort finden wir das vom Reiseführer empfohlene Hotel und die Zimmer sind sauber. Nicht mehr das neueste vom Neuen, aber trotzdem verhältnismäßig ordentlich. Wir sind happy und bleiben. Die Aussicht ist super schön und es hat angenehme 22 Grad. Ein Traum!

Wir laufen ein wenig im Areal umher, geben erneut die Wäsche zum waschen und gehen am Abend gemütlich im Hotel essen, da uns der Küchenchef Rindfleisch in Pfeffersoße mit Pommes und gerösteten Bananen anbietet, was interessant klingt, aber noch besser schmeckt. Dazu gibt es lokales und tatsächlich wohlschmeckendes Guiluxe-Bier. Zum Nachtisch gibt es noch Bananen und dann freuen wir uns aufs Bett. Wir geben noch Bescheid, dass wir gerne am nächsten Tag einen Führer hätten um die Umgebung zu erkunden und legen uns dann hin.

Am nächsten Morgen ist mal wieder früh aufstehen angesagt. Um 8 Uhr ist unser Führer da. Wir besprechen, dass wir zur Pont de Dieu wollen, die Case des Palabres und die Maison de Miriam Makeba sehen wollen. Wir laufen um 8.30Uhr los.

Im Ort kaufen wir noch ein paar Bananen ein, danach laufen wir weiter zur Pont de Dieu. Schöne Landschaft, Pinienwälder, Bambuswälder, viele Bäume, Sträucher, und immer mal wieder rauschendes Wasser. Hier ein paar Eindrücke:

Unser Führer, Daymou, spricht kaum englisch, aber wir bekommen es auf französisch gut hin. Den Tag über unterhalten wir uns viel über Schule, Bildung, den Traum von Europa, den Tourismus und den Einbruch dessen aufgrund von Ebola, ein bisschen Politik, Geschichte, etc. Immer wieder erklärt er uns Pflanzen, lasst uns schnuppern, manches wie Zimt und Kaffee verstehen wir, anderes gar nicht.

Die Pont de Dieu ist eine Naturbrücke, durch die über Kaskaden Wasser fließt. Wirklich sehr schön hier:

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Pont de Dieu

Wir laufen weiter durch Dörfer und an einem „Sandbruch“ vorbei. Leider fängt es dann an zu regnen. Gut, dass wir kurz darauf wieder im Ort sind und uns unterstellen können. Im Ort angekommen besuchen wir eine Lederwerkstatt, gehen danach zu einer Dame, die sehr gut deutsch spricht und 23 Jahre in München-Schwabing gelebt hat, sie freut sich sehr über unseren Besuch. Im Anschluss gehen wir auf einen kurzen Sprung in das Büro unseres Führers, anschließend einen Kaffee trinken, während Daymou nebenan einen Teller Reis isst.

Wir setzen unsere Tour fort und laufen zur Maison de Miriam Makeba. Diese hat dort ein paar Jahre gewohnt, nachdem sie aus den USA geflohen war. Das Haus wurde ihr vom damaligen Präsidenten geschenkt. Auf dem Weg stellen wir uns mal wieder bei einem Haus unter, weil es stark gewittert. Zufällig wohnt da der Mann, der auch den Schlüssel zum Miriam-Makeba-Haus hat. Er unterrichtet, während wir darauf warten, dass es zu regnen aufhört, Jungs und Mädchen den Koran. Auf Holztafeln wird mit Tinte geschrieben.
In der Regenpause laufen wir zum Haus bzw. eher zur Ruine. Selten habe ich etwas so heruntergekommenes gesehen. Die Decke (wie hier typisch) ist mit Bastkreisen geschmückt, die Renovierung dessen haben wohl ein paar Spanier mal finanziert. Alles andere ist unfassbar runtergekommen. Das Bücherregal im Wohnzimmer steht noch, die Bücher (alle Englisch) sind aber nur noch zum Teil vorhanden, den Rest haben die Termiten bereits gefressen. Das Bücherregal im Schlafzimmer ist komplett den Termiten verfallen und liegt auf dem Boden. Eine echte Schande. Das Haus an sich ist toll, zumindest kann man sich vorstellen, dass es das mal war. Die Sicht von der Terrasse ist traumhaft, aber es ist fraglich wie lange sie noch so steht, da alles komplett verschimmelt ist. Bei uns wäre so etwas in den Zustand schon längst nicht mehr zugänglich wegen Einsturzgefahr. Leider hat hier aber keiner das Geld, um zu renovieren.

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Maison de Miriam Makeba

Weiter geht es zur Case des Palabres, was deutlich besser in Schuss ist, allerdings gibt es dort ja auch keine Möbel. Alle wichtigen Gespräche bezüglich der Dekolonialisierung fanden hier statt. Historisch also ein wichtiger Ort für das Land.

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Case de Palabres

Ein wenig weiter steht der Gouverneurspalast. Der wurde tatsächlich renoviert und sieht nicht schlecht aus.

Wir laufen zurück zum Büro, denn wir sollen uns noch in das Gästebuch eintragen. Das muss Daymou erst holen und er kommt kurz später zurück. Robert schreibt noch einen netten Text, wir verbinden uns auf Facebook, und nachdem wir den von mir gesuchten Magneten nicht finden, hat er von einem Freund eine magnetische Spule oder so ähnlich bekommen. OK, nicht wirklich was ich gesucht habe, aber es ist vermutlich der originellste Magnet bisher. Anschließend laufen wir zurück ins Hotel, nach über 10 Stunden auf den Füßen.

Da es immer noch bzw. schon wieder regnet, essen wir erneut im Hotel. Heute gibt es einmal Rind und einmal Huhn. Schmeckt nicht schlecht. Müde fallen wir danach ins Bett.

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