Marrakesch

Morgens starten wir recht gemütlich unseren Tag. Spätes Frühstück, ein bisschen die Sonne auf der Dachterrasse genießen, ein wenig mit der Chefin quatschen (was sehr interessant ist, da sie uns viel über das Leben hier erzählt) und erst gegen Mittag gehen wir los. Wir wollen zunächst das Fotografiemuseum besuchen. Auf dem Weg dahin wird uns mehrfach erzählt, Straßen seien geschlossen, oder es gäbe nichts zu sehen. Wir laufen trotzdem weiter und die Straßen sind nie gesperrt und es gibt immer was zu sehen. Daran gewöhnt man sich allerdings schnell.

Das Museum beinhaltet alte Fotos von Marokko bis zu den 50er Jahren und zusätzlich Filme aus den 50er Jahren in Farbe über den Atlas. Echt interessant, und zum Schluss hat man von der Dachterrasse aus einen tollen Blick über die Medina und die verschneiten Berge im Hintergrund.

Blick über die Medina

Unten folgen wir weiter der Straße nach Süden und laufen etwas Abseits der Touristenströme. Ständig muss man aufpassen, da​ss man nicht von einem vorbeirasenden Mofa, Fahrrad oder Eselskarren erfasst wird. Auf die Dauer ist das ganz schön anstrengend. Irgendwann kommen wir zum großen Platz Jemaa el-Fna, auf dem richtig viel los ist. Neben Schlangenbeschwörern, Frauen, die Henna Tattoos machen, den armen Affen, die ihre Tricks zeigen müssen, gibt es zig Fressbuden und jeder will dass man bei ihm isst. Alle haben irgendeinen Spruch drauf  – von don’t panic, it’s organic bis zu see you later, Aligator ist alles dabei. Die Speisekarte haben sie auf jeder Sprache auswendig gelernt und kaum hat man einen erfolgreich abgewimmelt, blockiert der nächste den Weg und erklärt dir, dass sein Stand mit der Nr. 28/31/34 etc. der beste sei. Wir antworten den meisten: maybe later, we already have an appointment with number 32 and 29 und um sich den lokalen Gepflogenheiten anzupassen, hängen wir ein inshallah hinten dran.

Wir laufen zurück Richtung Riad, machen davor aber noch einen Abstecher zu unseren Freunden, die inzwischen angekommen sind und verabreden uns zum Abendessen. Wir gehen ins Kui-Zin, sitzen auf der Dachterrasse und genießen leckeres Essen. Nach gemischten Vorspeisen gibt’s für Robert uns mich Lamm an Orangensauce mit glasierten Zwiebeln. Schmeckt ein bisschen nach Weihnachten und sehr gut.

Am nächsten Morgen treffen wir uns mit unseren Freunden und schlendern gemütlich  los über die Souks, bei den Färbern und den Apotheken vorbei, gehen hier und da Kaffee trinken und laufen über den Jeema el-Fna und gelangen schließlich zum Palais Bahia. Wir besuchen den Palast, der wirklich schön ist und laufen danach weiter in die alte Synagoge und zum jüdischen Friedhof.

Bahia Palast

Raum im Bahia Palast

Traditionelle Tür im Bahia Palast

Jüdischer Friedhof

Blick auf die Souks

Gegen Spätnachmittag gönnen wir uns eine Kleinigkeit zu Essen und zu Trinken im Café Nomad. Anschließend werden noch Korbwaren eingekauft und wir laufen zurück ins Hotel. Abends gehen wir dann nochmal ins Limani zum Essen. Wir trinken leckeren Wein, obwohl wir gelernt haben, dass das Restaurant eigentlich keine Lizenz dafür hat – daher gibt es den Wein aus Saftgläsern, und die Flaschen werden in Karaffen umgefüllt. So merkt es die Polizei sicherlich nichts, wenn mal kontrolliert wird – genau.

Safran-Dattel-Kuchen im Nomad

Enge Gassen in der Medina bei Nacht

Am nächsten Tag laufen wir direkt los Richtung Jardin Majorelle und Museum Yves Saint Laurent. Zuerst gehen wir in die Ausstellung von Leila Alaoui, die über mehrere Jahre hinweg Portraits von Marokkanern gemacht hat und im Alter von 32 Jahren in Ouagadogou (Burikna Faso) bei einem Terroranschlag ums Leben gekommen ist. Tolle Bilder, auch wenn es fast etwas erdrückend ist.

Anschließend besuchen wir das YSL Museum, in welchem die Geschichte von Yves Saint Laurent toll dargestellt ist, sowie zahlreiche seiner Kleider und Designs. Auch ein kurzer Film über sein Leben wird gezeigt. Nebenan befindet sich der Jardin Majorelle, den YSL gemeinsam mit seinem Lebensgefährten Pierre Bergé neu angelegt und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat. Wir machen viele Bilder und verbringen eine schöne Zeit in dem wirklich toll angelegten Garten.

Jardin Majorelle

Jardin Majorelle

Jardin Majorelle

Jardin Majorelle

Zuletzt gibt es noch ein Berber Museum, und als wir alles gesehen haben, suchen wir uns mal wieder ein Plätzchen, um was zu essen und zu trinken. Wir bleiben in der Neustadt und finden eine tolle Brasserie mit wieder mal fantastischem Essen.

Da wir nun relativ weit zurücklaufen müssten und unsere Füße müde sind, entscheiden wir uns ein Taxi zu nehmen und fahren zurück in die Medina.

Abends gehen wir nochmals gemeinsam zum Essen ins Cafe Árabe. Wir teilen uns Tanjias (nicht zu verwechseln mit den omnipräsenten Tajines) und eine Fisch-Pastilla – danach gibt es noch Nachtisch und dazu Wein. Das Árabe hat auch eine Lizenz, sodass wir tatsächlich auch Flaschen und richtige Weingläser auf den Tisch bekommen. Der Abend wird sehr lustig und wir haben zahlreiche spannende Themen zu bequatschen.

Tanjia

Am nächsten Morgen kommen unsere Freunde noch einen Sprung zu uns, wir quatschen noch kurz uns verabschieden uns dann. Robert und ich packen zusammen und brechen gegen Mittag auf Richtung Rabat. Ich fühle mich schon seit 3 Tagen etwas kränkelnd, aber heute macht sich die Erkältung deutlich bemerkbar.

Abends in Rabat checken wir im Hotel ein, ruhen uns noch kurz aus und gehen dann um die Ecke essen. Ich schmecke fast nichts, aber Robert sagt, dass der Couscous mit Rindfleisch und karamelisierten Zwiebeln sowie Rosinen sehr gut schmeckt. Leider fängt nun aber auch Robert’s Nase an zu laufen. Wir legen uns früh schlafen und hoffen, dass es uns morgen besser geht.

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Über den Atlas nach Marrakesch

Wir lassen den Tag in Agadir gemütlich angehen. Erst gegen Mittag checken wir aus und laufen noch zum Museum, das an das große Erdbeben von Agadir 1960 erinnert. Damals wurde die Stadt quasi dem Erdboden gleich gemacht, tausende Menschen starben. Im Museum sind Bilder der Stadt von vor dem Erdbeben zu sehen. Dahinter liegt ein großer Park, der recht schön angelegt ist, und obwohl er um die Uhrzeit noch geschlossen hat, können wir über einen Hinterausgang aus dem Museum einmal durchschlendern.

Jardin d’Olhao

Danach bummeln wir langsam zurück Richtung Uferpromenade, trinken zwischendurch noch einen Kaffee und fahren anschließend weiter nach Taroudannt. Die heutige Etappe sind nur 90 km und die Straße ist wie fast überall in Marokko super. Da unser Reifen über Nacht schon wieder ordentlich Luft verloren hatte, entscheiden wir uns kurz vor Taroudannt, die Reifen zu tauschen. Die beiden nagelneuen Ersatzreifen kommen auf die Hinterachse, der Reifen von hinten links ist ab sofort unser Ersatzreifen. Der Spaß kostet 30 Dirham (sprich keine 3€).

Abends gehen wir in Taroudannt in ein vom Hotelbesitzer empfohlenes Restaurant, das nicht weit entfernt ist. Es ist ein echt schön hergerichteter Ort, mit gutem, günstigem Essen und einem netten Chef, der sich gleich zu uns gesellt. Er erzählt uns über die Stadt, das Restaurant und wir quatschen ein wenig. Das Essen schmeckt auch ganz lecker – für Robert gibt’s Würstl und für mich Couscous.

Am nächsten Tag schaffen wir es mal wieder erst gegen Mittag aufzubrechen, da wir uns beide irgendwie seit ein paar Tagen etwas schlapp fühlen. Zuerst laufen wir Richtung Kasbah, die aber von innen nicht viel hermacht, danach weiter zum Stadttor, das man über eine Treppe auch erklimmen kann. Der Ausblick von oben ist ganz nett:

Blick vom Bab el Kasbah

Blick auf den Atlas vom Bab el Kasbah

Wir laufen weiter zum Hotel Palais Salam, das definitiv einen Besuch wert ist. Ein traumhaft angelegter Garten mit zwei verschiedenen Pools. Könnte allerdings etwas besser gepflegt sein. Dort trinken wir einen Espresso, bevor wir ein Stückchen an den Stadtmauern entlang laufen und danach wieder in die Medina einbiegen. Auf dem Weg dahin gibt’s nochmal einen Einkehrschwung zu Tee und Gebäck, was den bayerischen Auszog’nen sehr ähnelt. Danach schlendern wir gemütlich über den Bazar und erstehen hier und da etwas. Interesse am Verhandeln besteht hier allerdings eher weniger. Irgendwie seltsam diese Stadt – kaum Tourismus und massiv überteuerte Souvenirs.
Nach einer kurzen Ruhepause im Hotel gehen wir abends ins Chez Nada essen – heute gibt es für beide Tajine. Robert bekommt eine mit Taube, ich  eine mit Rindfleisch. Beides schmeckt lecker.

Am nächsten Tag fahren wir nach dem Frühstück los zum Museum von Claudio Bravo. Nach einer guten Viertelstunde sind wir dort und staunen nicht schlecht, als uns pro Kopf 200 Dirham abgeknöpft werden. Wir zögern, aber wir sind nun mal da, also machen wir’s auch. Claudio Bravo ist ein chilenischer Künstler, der sehr, sehr realitätsgetreu und exakt gezeichnet hat. Man kann seine Werke kaum von Fotos unterscheiden. Das Museum hat leider kaum Originale, aber es befindet sich in seinem von ihm selbst entworfenen Palast, in welchem er auch gelebt hat, bis er 2011 an einem Herzinfarkt in seinem Atelier (ebenfalls im Palast) verstorben ist. Seit dreieinhalb Jahren kann man den Palast besuchen, seit einem Jahr wurde es auch zu einem kleinen Hotel mit ca. 10-15 Zimmern umfunktioniert. Da keine Gäste da sind, können wir auch die Zimmer und Suiten besuchen, die ehemals entweder Salons oder Zimmer der Bediensteten waren. Die Preise sind sogar tatsächlich im Rahmen – die große Suite für 300,- € pro Nacht ist teuer, aber für das Gebotene angemessen. Die anderen Zimmer mit 80,- € pro Nacht sind zwar kein Schnäppchen, aber für die Qualität, das Wohnen im Museum mit teuersten Möbeln, zwei Swimmingpools und einer traumhaften Parkanlage völlig OK. Da haben wir auf der Reise schon schlechteres gesehen für ähnliche Preise (man denke z.B. an Dakar). Die Führung dauert ca. 2 Stunden, wir dürfen viel fotografieren und werden tatsächlich durch alle Räumlichkeiten geführt (ja, auch die Küche dürfen wir besuchen).

Museum Claudio Bravo – Swimmingpool 1

Schlafzimmer von Claudio Bravo

Claudio Bravo’s Atelier

Serie von gezeichneten Päckchen

Zuletzt werden wir über den Park an ein Wasserbecken mit Blick auf den Atlas gebracht und bekommen dort Tee und Gebäck serviert. Anschließend werden wir dann noch schön kitschig mit einer Pferdekutsche wieder zum Eingang chauffiert – als hätten wir die 300 Meter nicht laufen können. Aber gut, die Marokkaner stehen da wohl drauf.
Summa summarum war es ein toller Ausflug und mich persönlich hat Bravo begeistert – obwohl wir keine Originale, sondern nur Kopien gesehen haben.

Swimmingpool 2

Speisesaal

Ausblick vom Speisesaal auf den Atlas

Danach geht es weiter – wir möchten heute noch den Atlas überqueren, und das über die angeblich landschaftlich spektakulärste Strecke und den Pass Tizi’n’Test auf 2.100m. Zuerst fahren wir noch kilometerlang in der Souss-Ebene an Orangen- und Mandarinenplantagen vorbei, bevor es dann recht steil und kurvig bergauf geht.

Straße durch die Souss-Ebene

Zu Beginn ist die Straße noch gut, wird dann aber immer schlechter, mit Schlaglöchern, einer Spurbreite ehemaligem Teer, daneben ausgefahrene Stellen. Nichts desto trotz kommt uns auch hier ein großer Bus entgegen.

Die Landschaft ist wirklich schön, oben am Pass bleiben wir nochmal stehen und blicken auf die Souss-Ebene.

Tizi n’Test Pass

Blick vom Tizi n’Test Pass

Danach geht es kurvig weiter. Nach insgesamt 180km erreichen wir Ourigane. Nur wenige Meter hinter dem Ort befindet sich unser Hotel. Wir sind mal wieder in einem kleinen Paradies gelandet. Abends essen wir gemeinsam mit anderen Gästen zuerst eine leckere Suppe und danach gibt es neben Couscous auch eine Tajine mit Hackfleischbällchen.

Der nächste Tag beginnt mit einem leckeren Frühstück, danach packen wir zusammen, und laufen zu Fuß in die Berge. Der Weg ist zunächst recht einfach, wird später etwas steiler, aber immer noch problemlos machbar – schließlich kommen auch Autos und LKWs hoch. Je höher wir kommen, desto mehr weiße Berge schauen rechts und links hervor. Oben im Ort auf 1.300m angekommen werden wir gleich von den Dorfbewohnern zum Tee eingeladen. Wir nehmen das Angebot gern an, da es uns auch interessiert wie die Lehmhäuser von Innen aussehen. Wir sind überrascht wie ordentlich, sauber und schön sie sind. Der Tee tut gut, und auch das kleine Gebäck sowie die Nüsse dazu. Wir laufen weiter bergauf und genießen noch ein wenig die Aussicht, bevor wir wieder absteigen.

Im Bergdorf Tinzert

Blick ins Tal von Tinzert

Schneebedeckter Atlas

Nach ca. 5 Stunden sind wir wieder zurück am Auto und fahren los nach Marrakesch. Die Straße ist landschaftlich wirklich toll.

In Marrakesch angekommen rufen wir unser Riad an und werden dann auch gleich abgeholt und zu einem Parkplatz begleitet. Da wir komplett umpacken müssen und viel Zeug ausladen holt uns der Besitzer einen Typen mit einer großen Karre ran, der dann all unser Gepäck zum Riad schiebt. Zu Beginn erachten wir das noch als etwas übertrieben, aber nachdem wir dann doch ein gutes Stück durch enge Gassen mit Kopfsteinpflaster laufen müssen, sind wir ganz froh drum, die Koffer da nicht selbst durchrollen zu müssen.

Die Medina ist ein Erlebnis – überall verwinkelte, dunkle, kleine Gassen. Irgendwann öffnet sich ein Tor und wir stehen in einem tollen Riad. Hier kann man sich auf jeden Fall wohlfühlen. Zur Begrüßung gibt’s gleich einen Tee und wir werden mit allerlei Infos rund um Marrakesch ausgestattet. Abends wird für uns im Restaurant Limoni reserviert, wohin wir vom Nachtwächter begleitet werden, und auch nachher wieder abgeholt werden, damit wir ja nicht verloren gehen. Ein top Service, auch wenn wir den Weg vermutlich allein gefunden hätten. Zu Essen gibt es, nach kleinen Vorspeisen, Burger mit Kamelfleisch. Schmeckt fantastisch.