Über den Atlas nach Marrakesch

Wir lassen den Tag in Agadir gemütlich angehen. Erst gegen Mittag checken wir aus und laufen noch zum Museum, das an das große Erdbeben von Agadir 1960 erinnert. Damals wurde die Stadt quasi dem Erdboden gleich gemacht, tausende Menschen starben. Im Museum sind Bilder der Stadt von vor dem Erdbeben zu sehen. Dahinter liegt ein großer Park, der recht schön angelegt ist, und obwohl er um die Uhrzeit noch geschlossen hat, können wir über einen Hinterausgang aus dem Museum einmal durchschlendern.

Jardin d’Olhao

Danach bummeln wir langsam zurück Richtung Uferpromenade, trinken zwischendurch noch einen Kaffee und fahren anschließend weiter nach Taroudannt. Die heutige Etappe sind nur 90 km und die Straße ist wie fast überall in Marokko super. Da unser Reifen über Nacht schon wieder ordentlich Luft verloren hatte, entscheiden wir uns kurz vor Taroudannt, die Reifen zu tauschen. Die beiden nagelneuen Ersatzreifen kommen auf die Hinterachse, der Reifen von hinten links ist ab sofort unser Ersatzreifen. Der Spaß kostet 30 Dirham (sprich keine 3€).

Abends gehen wir in Taroudannt in ein vom Hotelbesitzer empfohlenes Restaurant, das nicht weit entfernt ist. Es ist ein echt schön hergerichteter Ort, mit gutem, günstigem Essen und einem netten Chef, der sich gleich zu uns gesellt. Er erzählt uns über die Stadt, das Restaurant und wir quatschen ein wenig. Das Essen schmeckt auch ganz lecker – für Robert gibt’s Würstl und für mich Couscous.

Am nächsten Tag schaffen wir es mal wieder erst gegen Mittag aufzubrechen, da wir uns beide irgendwie seit ein paar Tagen etwas schlapp fühlen. Zuerst laufen wir Richtung Kasbah, die aber von innen nicht viel hermacht, danach weiter zum Stadttor, das man über eine Treppe auch erklimmen kann. Der Ausblick von oben ist ganz nett:

Blick vom Bab el Kasbah

Blick auf den Atlas vom Bab el Kasbah

Wir laufen weiter zum Hotel Palais Salam, das definitiv einen Besuch wert ist. Ein traumhaft angelegter Garten mit zwei verschiedenen Pools. Könnte allerdings etwas besser gepflegt sein. Dort trinken wir einen Espresso, bevor wir ein Stückchen an den Stadtmauern entlang laufen und danach wieder in die Medina einbiegen. Auf dem Weg dahin gibt’s nochmal einen Einkehrschwung zu Tee und Gebäck, was den bayerischen Auszog’nen sehr ähnelt. Danach schlendern wir gemütlich über den Bazar und erstehen hier und da etwas. Interesse am Verhandeln besteht hier allerdings eher weniger. Irgendwie seltsam diese Stadt – kaum Tourismus und massiv überteuerte Souvenirs.
Nach einer kurzen Ruhepause im Hotel gehen wir abends ins Chez Nada essen – heute gibt es für beide Tajine. Robert bekommt eine mit Taube, ich  eine mit Rindfleisch. Beides schmeckt lecker.

Am nächsten Tag fahren wir nach dem Frühstück los zum Museum von Claudio Bravo. Nach einer guten Viertelstunde sind wir dort und staunen nicht schlecht, als uns pro Kopf 200 Dirham abgeknöpft werden. Wir zögern, aber wir sind nun mal da, also machen wir’s auch. Claudio Bravo ist ein chilenischer Künstler, der sehr, sehr realitätsgetreu und exakt gezeichnet hat. Man kann seine Werke kaum von Fotos unterscheiden. Das Museum hat leider kaum Originale, aber es befindet sich in seinem von ihm selbst entworfenen Palast, in welchem er auch gelebt hat, bis er 2011 an einem Herzinfarkt in seinem Atelier (ebenfalls im Palast) verstorben ist. Seit dreieinhalb Jahren kann man den Palast besuchen, seit einem Jahr wurde es auch zu einem kleinen Hotel mit ca. 10-15 Zimmern umfunktioniert. Da keine Gäste da sind, können wir auch die Zimmer und Suiten besuchen, die ehemals entweder Salons oder Zimmer der Bediensteten waren. Die Preise sind sogar tatsächlich im Rahmen – die große Suite für 300,- € pro Nacht ist teuer, aber für das Gebotene angemessen. Die anderen Zimmer mit 80,- € pro Nacht sind zwar kein Schnäppchen, aber für die Qualität, das Wohnen im Museum mit teuersten Möbeln, zwei Swimmingpools und einer traumhaften Parkanlage völlig OK. Da haben wir auf der Reise schon schlechteres gesehen für ähnliche Preise (man denke z.B. an Dakar). Die Führung dauert ca. 2 Stunden, wir dürfen viel fotografieren und werden tatsächlich durch alle Räumlichkeiten geführt (ja, auch die Küche dürfen wir besuchen).

Museum Claudio Bravo – Swimmingpool 1

Schlafzimmer von Claudio Bravo

Claudio Bravo’s Atelier

Serie von gezeichneten Päckchen

Zuletzt werden wir über den Park an ein Wasserbecken mit Blick auf den Atlas gebracht und bekommen dort Tee und Gebäck serviert. Anschließend werden wir dann noch schön kitschig mit einer Pferdekutsche wieder zum Eingang chauffiert – als hätten wir die 300 Meter nicht laufen können. Aber gut, die Marokkaner stehen da wohl drauf.
Summa summarum war es ein toller Ausflug und mich persönlich hat Bravo begeistert – obwohl wir keine Originale, sondern nur Kopien gesehen haben.

Swimmingpool 2

Speisesaal

Ausblick vom Speisesaal auf den Atlas

Danach geht es weiter – wir möchten heute noch den Atlas überqueren, und das über die angeblich landschaftlich spektakulärste Strecke und den Pass Tizi’n’Test auf 2.100m. Zuerst fahren wir noch kilometerlang in der Souss-Ebene an Orangen- und Mandarinenplantagen vorbei, bevor es dann recht steil und kurvig bergauf geht.

Straße durch die Souss-Ebene

Zu Beginn ist die Straße noch gut, wird dann aber immer schlechter, mit Schlaglöchern, einer Spurbreite ehemaligem Teer, daneben ausgefahrene Stellen. Nichts desto trotz kommt uns auch hier ein großer Bus entgegen.

Die Landschaft ist wirklich schön, oben am Pass bleiben wir nochmal stehen und blicken auf die Souss-Ebene.

Tizi n’Test Pass

Blick vom Tizi n’Test Pass

Danach geht es kurvig weiter. Nach insgesamt 180km erreichen wir Ourigane. Nur wenige Meter hinter dem Ort befindet sich unser Hotel. Wir sind mal wieder in einem kleinen Paradies gelandet. Abends essen wir gemeinsam mit anderen Gästen zuerst eine leckere Suppe und danach gibt es neben Couscous auch eine Tajine mit Hackfleischbällchen.

Der nächste Tag beginnt mit einem leckeren Frühstück, danach packen wir zusammen, und laufen zu Fuß in die Berge. Der Weg ist zunächst recht einfach, wird später etwas steiler, aber immer noch problemlos machbar – schließlich kommen auch Autos und LKWs hoch. Je höher wir kommen, desto mehr weiße Berge schauen rechts und links hervor. Oben im Ort auf 1.300m angekommen werden wir gleich von den Dorfbewohnern zum Tee eingeladen. Wir nehmen das Angebot gern an, da es uns auch interessiert wie die Lehmhäuser von Innen aussehen. Wir sind überrascht wie ordentlich, sauber und schön sie sind. Der Tee tut gut, und auch das kleine Gebäck sowie die Nüsse dazu. Wir laufen weiter bergauf und genießen noch ein wenig die Aussicht, bevor wir wieder absteigen.

Im Bergdorf Tinzert

Blick ins Tal von Tinzert

Schneebedeckter Atlas

Nach ca. 5 Stunden sind wir wieder zurück am Auto und fahren los nach Marrakesch. Die Straße ist landschaftlich wirklich toll.

In Marrakesch angekommen rufen wir unser Riad an und werden dann auch gleich abgeholt und zu einem Parkplatz begleitet. Da wir komplett umpacken müssen und viel Zeug ausladen holt uns der Besitzer einen Typen mit einer großen Karre ran, der dann all unser Gepäck zum Riad schiebt. Zu Beginn erachten wir das noch als etwas übertrieben, aber nachdem wir dann doch ein gutes Stück durch enge Gassen mit Kopfsteinpflaster laufen müssen, sind wir ganz froh drum, die Koffer da nicht selbst durchrollen zu müssen.

Die Medina ist ein Erlebnis – überall verwinkelte, dunkle, kleine Gassen. Irgendwann öffnet sich ein Tor und wir stehen in einem tollen Riad. Hier kann man sich auf jeden Fall wohlfühlen. Zur Begrüßung gibt’s gleich einen Tee und wir werden mit allerlei Infos rund um Marrakesch ausgestattet. Abends wird für uns im Restaurant Limoni reserviert, wohin wir vom Nachtwächter begleitet werden, und auch nachher wieder abgeholt werden, damit wir ja nicht verloren gehen. Ein top Service, auch wenn wir den Weg vermutlich allein gefunden hätten. Zu Essen gibt es, nach kleinen Vorspeisen, Burger mit Kamelfleisch. Schmeckt fantastisch.

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