Marrakesch

Morgens starten wir recht gemütlich unseren Tag. Spätes Frühstück, ein bisschen die Sonne auf der Dachterrasse genießen, ein wenig mit der Chefin quatschen (was sehr interessant ist, da sie uns viel über das Leben hier erzählt) und erst gegen Mittag gehen wir los. Wir wollen zunächst das Fotografiemuseum besuchen. Auf dem Weg dahin wird uns mehrfach erzählt, Straßen seien geschlossen, oder es gäbe nichts zu sehen. Wir laufen trotzdem weiter und die Straßen sind nie gesperrt und es gibt immer was zu sehen. Daran gewöhnt man sich allerdings schnell.

Das Museum beinhaltet alte Fotos von Marokko bis zu den 50er Jahren und zusätzlich Filme aus den 50er Jahren in Farbe über den Atlas. Echt interessant, und zum Schluss hat man von der Dachterrasse aus einen tollen Blick über die Medina und die verschneiten Berge im Hintergrund.

Blick über die Medina

Unten folgen wir weiter der Straße nach Süden und laufen etwas Abseits der Touristenströme. Ständig muss man aufpassen, da​ss man nicht von einem vorbeirasenden Mofa, Fahrrad oder Eselskarren erfasst wird. Auf die Dauer ist das ganz schön anstrengend. Irgendwann kommen wir zum großen Platz Jemaa el-Fna, auf dem richtig viel los ist. Neben Schlangenbeschwörern, Frauen, die Henna Tattoos machen, den armen Affen, die ihre Tricks zeigen müssen, gibt es zig Fressbuden und jeder will dass man bei ihm isst. Alle haben irgendeinen Spruch drauf  – von don’t panic, it’s organic bis zu see you later, Aligator ist alles dabei. Die Speisekarte haben sie auf jeder Sprache auswendig gelernt und kaum hat man einen erfolgreich abgewimmelt, blockiert der nächste den Weg und erklärt dir, dass sein Stand mit der Nr. 28/31/34 etc. der beste sei. Wir antworten den meisten: maybe later, we already have an appointment with number 32 and 29 und um sich den lokalen Gepflogenheiten anzupassen, hängen wir ein inshallah hinten dran.

Wir laufen zurück Richtung Riad, machen davor aber noch einen Abstecher zu unseren Freunden, die inzwischen angekommen sind und verabreden uns zum Abendessen. Wir gehen ins Kui-Zin, sitzen auf der Dachterrasse und genießen leckeres Essen. Nach gemischten Vorspeisen gibt’s für Robert uns mich Lamm an Orangensauce mit glasierten Zwiebeln. Schmeckt ein bisschen nach Weihnachten und sehr gut.

Am nächsten Morgen treffen wir uns mit unseren Freunden und schlendern gemütlich  los über die Souks, bei den Färbern und den Apotheken vorbei, gehen hier und da Kaffee trinken und laufen über den Jeema el-Fna und gelangen schließlich zum Palais Bahia. Wir besuchen den Palast, der wirklich schön ist und laufen danach weiter in die alte Synagoge und zum jüdischen Friedhof.

Bahia Palast

Raum im Bahia Palast

Traditionelle Tür im Bahia Palast

Jüdischer Friedhof

Blick auf die Souks

Gegen Spätnachmittag gönnen wir uns eine Kleinigkeit zu Essen und zu Trinken im Café Nomad. Anschließend werden noch Korbwaren eingekauft und wir laufen zurück ins Hotel. Abends gehen wir dann nochmal ins Limani zum Essen. Wir trinken leckeren Wein, obwohl wir gelernt haben, dass das Restaurant eigentlich keine Lizenz dafür hat – daher gibt es den Wein aus Saftgläsern, und die Flaschen werden in Karaffen umgefüllt. So merkt es die Polizei sicherlich nichts, wenn mal kontrolliert wird – genau.

Safran-Dattel-Kuchen im Nomad

Enge Gassen in der Medina bei Nacht

Am nächsten Tag laufen wir direkt los Richtung Jardin Majorelle und Museum Yves Saint Laurent. Zuerst gehen wir in die Ausstellung von Leila Alaoui, die über mehrere Jahre hinweg Portraits von Marokkanern gemacht hat und im Alter von 32 Jahren in Ouagadogou (Burikna Faso) bei einem Terroranschlag ums Leben gekommen ist. Tolle Bilder, auch wenn es fast etwas erdrückend ist.

Anschließend besuchen wir das YSL Museum, in welchem die Geschichte von Yves Saint Laurent toll dargestellt ist, sowie zahlreiche seiner Kleider und Designs. Auch ein kurzer Film über sein Leben wird gezeigt. Nebenan befindet sich der Jardin Majorelle, den YSL gemeinsam mit seinem Lebensgefährten Pierre Bergé neu angelegt und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat. Wir machen viele Bilder und verbringen eine schöne Zeit in dem wirklich toll angelegten Garten.

Jardin Majorelle

Jardin Majorelle

Jardin Majorelle

Jardin Majorelle

Zuletzt gibt es noch ein Berber Museum, und als wir alles gesehen haben, suchen wir uns mal wieder ein Plätzchen, um was zu essen und zu trinken. Wir bleiben in der Neustadt und finden eine tolle Brasserie mit wieder mal fantastischem Essen.

Da wir nun relativ weit zurücklaufen müssten und unsere Füße müde sind, entscheiden wir uns ein Taxi zu nehmen und fahren zurück in die Medina.

Abends gehen wir nochmals gemeinsam zum Essen ins Cafe Árabe. Wir teilen uns Tanjias (nicht zu verwechseln mit den omnipräsenten Tajines) und eine Fisch-Pastilla – danach gibt es noch Nachtisch und dazu Wein. Das Árabe hat auch eine Lizenz, sodass wir tatsächlich auch Flaschen und richtige Weingläser auf den Tisch bekommen. Der Abend wird sehr lustig und wir haben zahlreiche spannende Themen zu bequatschen.

Tanjia

Am nächsten Morgen kommen unsere Freunde noch einen Sprung zu uns, wir quatschen noch kurz uns verabschieden uns dann. Robert und ich packen zusammen und brechen gegen Mittag auf Richtung Rabat. Ich fühle mich schon seit 3 Tagen etwas kränkelnd, aber heute macht sich die Erkältung deutlich bemerkbar.

Abends in Rabat checken wir im Hotel ein, ruhen uns noch kurz aus und gehen dann um die Ecke essen. Ich schmecke fast nichts, aber Robert sagt, dass der Couscous mit Rindfleisch und karamelisierten Zwiebeln sowie Rosinen sehr gut schmeckt. Leider fängt nun aber auch Robert’s Nase an zu laufen. Wir legen uns früh schlafen und hoffen, dass es uns morgen besser geht.

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Über den Atlas nach Marrakesch

Wir lassen den Tag in Agadir gemütlich angehen. Erst gegen Mittag checken wir aus und laufen noch zum Museum, das an das große Erdbeben von Agadir 1960 erinnert. Damals wurde die Stadt quasi dem Erdboden gleich gemacht, tausende Menschen starben. Im Museum sind Bilder der Stadt von vor dem Erdbeben zu sehen. Dahinter liegt ein großer Park, der recht schön angelegt ist, und obwohl er um die Uhrzeit noch geschlossen hat, können wir über einen Hinterausgang aus dem Museum einmal durchschlendern.

Jardin d’Olhao

Danach bummeln wir langsam zurück Richtung Uferpromenade, trinken zwischendurch noch einen Kaffee und fahren anschließend weiter nach Taroudannt. Die heutige Etappe sind nur 90 km und die Straße ist wie fast überall in Marokko super. Da unser Reifen über Nacht schon wieder ordentlich Luft verloren hatte, entscheiden wir uns kurz vor Taroudannt, die Reifen zu tauschen. Die beiden nagelneuen Ersatzreifen kommen auf die Hinterachse, der Reifen von hinten links ist ab sofort unser Ersatzreifen. Der Spaß kostet 30 Dirham (sprich keine 3€).

Abends gehen wir in Taroudannt in ein vom Hotelbesitzer empfohlenes Restaurant, das nicht weit entfernt ist. Es ist ein echt schön hergerichteter Ort, mit gutem, günstigem Essen und einem netten Chef, der sich gleich zu uns gesellt. Er erzählt uns über die Stadt, das Restaurant und wir quatschen ein wenig. Das Essen schmeckt auch ganz lecker – für Robert gibt’s Würstl und für mich Couscous.

Am nächsten Tag schaffen wir es mal wieder erst gegen Mittag aufzubrechen, da wir uns beide irgendwie seit ein paar Tagen etwas schlapp fühlen. Zuerst laufen wir Richtung Kasbah, die aber von innen nicht viel hermacht, danach weiter zum Stadttor, das man über eine Treppe auch erklimmen kann. Der Ausblick von oben ist ganz nett:

Blick vom Bab el Kasbah

Blick auf den Atlas vom Bab el Kasbah

Wir laufen weiter zum Hotel Palais Salam, das definitiv einen Besuch wert ist. Ein traumhaft angelegter Garten mit zwei verschiedenen Pools. Könnte allerdings etwas besser gepflegt sein. Dort trinken wir einen Espresso, bevor wir ein Stückchen an den Stadtmauern entlang laufen und danach wieder in die Medina einbiegen. Auf dem Weg dahin gibt’s nochmal einen Einkehrschwung zu Tee und Gebäck, was den bayerischen Auszog’nen sehr ähnelt. Danach schlendern wir gemütlich über den Bazar und erstehen hier und da etwas. Interesse am Verhandeln besteht hier allerdings eher weniger. Irgendwie seltsam diese Stadt – kaum Tourismus und massiv überteuerte Souvenirs.
Nach einer kurzen Ruhepause im Hotel gehen wir abends ins Chez Nada essen – heute gibt es für beide Tajine. Robert bekommt eine mit Taube, ich  eine mit Rindfleisch. Beides schmeckt lecker.

Am nächsten Tag fahren wir nach dem Frühstück los zum Museum von Claudio Bravo. Nach einer guten Viertelstunde sind wir dort und staunen nicht schlecht, als uns pro Kopf 200 Dirham abgeknöpft werden. Wir zögern, aber wir sind nun mal da, also machen wir’s auch. Claudio Bravo ist ein chilenischer Künstler, der sehr, sehr realitätsgetreu und exakt gezeichnet hat. Man kann seine Werke kaum von Fotos unterscheiden. Das Museum hat leider kaum Originale, aber es befindet sich in seinem von ihm selbst entworfenen Palast, in welchem er auch gelebt hat, bis er 2011 an einem Herzinfarkt in seinem Atelier (ebenfalls im Palast) verstorben ist. Seit dreieinhalb Jahren kann man den Palast besuchen, seit einem Jahr wurde es auch zu einem kleinen Hotel mit ca. 10-15 Zimmern umfunktioniert. Da keine Gäste da sind, können wir auch die Zimmer und Suiten besuchen, die ehemals entweder Salons oder Zimmer der Bediensteten waren. Die Preise sind sogar tatsächlich im Rahmen – die große Suite für 300,- € pro Nacht ist teuer, aber für das Gebotene angemessen. Die anderen Zimmer mit 80,- € pro Nacht sind zwar kein Schnäppchen, aber für die Qualität, das Wohnen im Museum mit teuersten Möbeln, zwei Swimmingpools und einer traumhaften Parkanlage völlig OK. Da haben wir auf der Reise schon schlechteres gesehen für ähnliche Preise (man denke z.B. an Dakar). Die Führung dauert ca. 2 Stunden, wir dürfen viel fotografieren und werden tatsächlich durch alle Räumlichkeiten geführt (ja, auch die Küche dürfen wir besuchen).

Museum Claudio Bravo – Swimmingpool 1

Schlafzimmer von Claudio Bravo

Claudio Bravo’s Atelier

Serie von gezeichneten Päckchen

Zuletzt werden wir über den Park an ein Wasserbecken mit Blick auf den Atlas gebracht und bekommen dort Tee und Gebäck serviert. Anschließend werden wir dann noch schön kitschig mit einer Pferdekutsche wieder zum Eingang chauffiert – als hätten wir die 300 Meter nicht laufen können. Aber gut, die Marokkaner stehen da wohl drauf.
Summa summarum war es ein toller Ausflug und mich persönlich hat Bravo begeistert – obwohl wir keine Originale, sondern nur Kopien gesehen haben.

Swimmingpool 2

Speisesaal

Ausblick vom Speisesaal auf den Atlas

Danach geht es weiter – wir möchten heute noch den Atlas überqueren, und das über die angeblich landschaftlich spektakulärste Strecke und den Pass Tizi’n’Test auf 2.100m. Zuerst fahren wir noch kilometerlang in der Souss-Ebene an Orangen- und Mandarinenplantagen vorbei, bevor es dann recht steil und kurvig bergauf geht.

Straße durch die Souss-Ebene

Zu Beginn ist die Straße noch gut, wird dann aber immer schlechter, mit Schlaglöchern, einer Spurbreite ehemaligem Teer, daneben ausgefahrene Stellen. Nichts desto trotz kommt uns auch hier ein großer Bus entgegen.

Die Landschaft ist wirklich schön, oben am Pass bleiben wir nochmal stehen und blicken auf die Souss-Ebene.

Tizi n’Test Pass

Blick vom Tizi n’Test Pass

Danach geht es kurvig weiter. Nach insgesamt 180km erreichen wir Ourigane. Nur wenige Meter hinter dem Ort befindet sich unser Hotel. Wir sind mal wieder in einem kleinen Paradies gelandet. Abends essen wir gemeinsam mit anderen Gästen zuerst eine leckere Suppe und danach gibt es neben Couscous auch eine Tajine mit Hackfleischbällchen.

Der nächste Tag beginnt mit einem leckeren Frühstück, danach packen wir zusammen, und laufen zu Fuß in die Berge. Der Weg ist zunächst recht einfach, wird später etwas steiler, aber immer noch problemlos machbar – schließlich kommen auch Autos und LKWs hoch. Je höher wir kommen, desto mehr weiße Berge schauen rechts und links hervor. Oben im Ort auf 1.300m angekommen werden wir gleich von den Dorfbewohnern zum Tee eingeladen. Wir nehmen das Angebot gern an, da es uns auch interessiert wie die Lehmhäuser von Innen aussehen. Wir sind überrascht wie ordentlich, sauber und schön sie sind. Der Tee tut gut, und auch das kleine Gebäck sowie die Nüsse dazu. Wir laufen weiter bergauf und genießen noch ein wenig die Aussicht, bevor wir wieder absteigen.

Im Bergdorf Tinzert

Blick ins Tal von Tinzert

Schneebedeckter Atlas

Nach ca. 5 Stunden sind wir wieder zurück am Auto und fahren los nach Marrakesch. Die Straße ist landschaftlich wirklich toll.

In Marrakesch angekommen rufen wir unser Riad an und werden dann auch gleich abgeholt und zu einem Parkplatz begleitet. Da wir komplett umpacken müssen und viel Zeug ausladen holt uns der Besitzer einen Typen mit einer großen Karre ran, der dann all unser Gepäck zum Riad schiebt. Zu Beginn erachten wir das noch als etwas übertrieben, aber nachdem wir dann doch ein gutes Stück durch enge Gassen mit Kopfsteinpflaster laufen müssen, sind wir ganz froh drum, die Koffer da nicht selbst durchrollen zu müssen.

Die Medina ist ein Erlebnis – überall verwinkelte, dunkle, kleine Gassen. Irgendwann öffnet sich ein Tor und wir stehen in einem tollen Riad. Hier kann man sich auf jeden Fall wohlfühlen. Zur Begrüßung gibt’s gleich einen Tee und wir werden mit allerlei Infos rund um Marrakesch ausgestattet. Abends wird für uns im Restaurant Limoni reserviert, wohin wir vom Nachtwächter begleitet werden, und auch nachher wieder abgeholt werden, damit wir ja nicht verloren gehen. Ein top Service, auch wenn wir den Weg vermutlich allein gefunden hätten. Zu Essen gibt es, nach kleinen Vorspeisen, Burger mit Kamelfleisch. Schmeckt fantastisch.

Zurück durch die Wüste

Der Tag in Nouadhibou beginnt mal wieder mit Routine. Aufstehen, Frühstücken, Packen und los. Da wir uns gestern mit unserem Bier verkalkuliert haben, fehlen uns heute 280 Ouguiya, sprich 7 €, um die Hotelrechnung zu begleichen. An Kartenzahlung ist hier natürlich nicht zu denken. Aber gut, dass das Personal flexibel ist und wir passend 7€ da haben, sodass wir unsere letzten Ouguiya los werden, ohne nochmal extra zur Bank laufen zu müssen.

Dann kommen wir zur Grenze. Die Ausreise aus Mauretanien läuft mal wieder problemlos. Dann passieren wir erneut das Niemandsland und schließlich sind wir an der marokkanischen Grenze. Hier ist wieder das übliche Chaos angesagt. Man meint sogar die Marokkaner seien die Spezialisten des Chaotismus. Robert muss zweimal zu einem Zollbüro, wo es auch schön chaotisch zugeht, inklusive Rumgeschreie und -geschubse zwischen Zöllner und anderen Kunden, um einen Wisch zu bekommen, diesen dann auszufüllen, und dann abstempeln zu lassen. Wir stehen schon kurz vor dem Scanner, da fällt den Grenzbeamten ein, dass vorher doch nochmal wer anders das Auto checken muss. Also muss ich irgendwie meinen weit vorne ergatterten Platz aufgeben, zig Lastwagen hinter mir müssen rumrangieren, damit ich wieder rausfahren kann, um 50 Meter weiter hinten mit den werten Herren vom Zoll unsere Ladung zu inspizieren. Gut, dass ich mich danach gleich wieder weiter vorne einreihen kann. Allerdings muss Robert jetzt nochmal zum Zoll, um einen Stempel zu bekommen. Dieses Mal dauert es. Dann kommt endlich Robert zurück, muss den Wisch erneut vorzeigen und abschreiben lassen, und wir können endlich durch den Scanner. Danach gibt’s den Wisch nochmal ausgefüllt zurück, und damit müssen wir dann nochmal zum Zoll, aber diesmal in ein anderes Büro. Stempel drauf und am Schluss die Kontrolle, ob wir auch alles erledigt haben und endlich haben wir es geschafft.

Es liegen 370 km Wüste vor uns bis Dakhla. Da wenig Verkehr herrscht und die Straße gut ist, stellt das soweit keine Herausforderung dar. Dank ordentlichem Gegenwind verbrauchen wir allerdings über 18l/100km. Sportlich…

In Dakhla angekommen wollen wir zunächst zum 25er und überlegen uns dort zu übernachten. Irgendwie ist es uns dann aber doch zu voll und zu windig, sodass wir weiterfahren. Am West-Point ist es uns definitiv zu windig und das dort gelegene Hotel zu teuer, sodass wir uns über das lokale WiFi doch noch ein anderes Hotel in der Stadt buchen. Abends gehen wir, weil es letztes Mal so gut war, nochmal in die Villa Dakhla und essen ebenfalls wie letztes Mal Permentier de Chameau.

Campingplatz 25 km vor Dakhla

Beim Essen unterhalten wir uns darüber, wie westlich alles hier erscheint. Als wir zuletzt hier waren, kam einem alles exotisch vor, jetzt scheint es schon fast wie daheim. Es fahren verhältnismäßig ordentliche Autos rum, die Straßen sind zum Großteil geteert, die Hotels sind ordentlich, es gibt warmes Wasser, in Restaurants sind die Tische frisch eingedeckt und es sieht irgendwie gepflegt aus, das Angebot an Waren im Supermarkt ist deutlich größer und der Verkehr schon fast so zivilisiert wie bei uns – man hält an roten Ampeln, blinkt, wenn man abbiegt, macht Nachts das Licht an, etc.

Am nächsten Morgen geht es weiter nach Norden. Ich versuche mich strikt an die Geschwindigkeitsbegrenzung zu halten, aber natürlich übersehe ich dann doch einmal das 60er Schild und bin in Vorfreude auf eine Toilette und eine nahende Tankstelle stattdessen mit 69km/h unterwegs. Wir werden angehalten, dumm stellen bringt leider nix – dank LTE wird mir mein Vergehen mittels Google-Translate ins Englische übersetzt. Ich sehe meine Vermutung, dass das Netz nur für die Polizei eingerichtet wurde, durchaus bestärkt. Also mal wieder 150 MAD gegen Quittung abdrücken und weiter geht’s.

Gegen 17:30 Uhr und 530km später erreichen wir dann Laâyoune. Wir checken in ein Hotel ein und gehen abends in der Stadt essen – leider finden wir das gesuchte Lokal nicht, aber trotzdem essen wir nicht schlecht zu Abend.

Nachdem wir ausgeschlafen und gefrühstückt haben, fahren wir über die Küstenstraße nach Tarfaya. Schließlich hatten wir noch nicht genug Meer, Strand, Sand und Wüste. Kurz vor dem Ort liegt im Meer ein Schiffswrack, die alte Fähre zwischen Tarfaya und den Kanaren. Sie liegt seit ca. 10 Jahren dort und rostet munter vor sich hin. Stört anscheinend weiter niemand, und Fährverkehr gibt es seitdem halt auch nicht mehr auf der Strecke.

Wrack der alten Fähre zwischen Tarfaya und den Kanaren

In Tarfaya selbst gibt es einen schönen Strand und im Meer ein Haus, welches man anscheinend bei Ebbe trockenen Fußes erreichen kann. Robert geht ins Wasser und schwimmt zum Haus, da gerade Flut ist. Ich genieße in der Zwischenzeit die Sonne. Danach gehen wir noch Kaffee trinken und Reifen aufpumpen, da der hinten rechts mal wieder nicht so gut aussieht.

Casa del Mar

Weiter an der Straße ist irgendwo ein Loch, das vom Meer ausgehöhlt wurde. Sieht spektakulär aus.

Gouffre d’Akhfeni

Ansonsten bleiben wir auf der Straße und fahren bis hinter Tan-Tan, dort biegen wir dann auf eine Piste ab, da wir heute im Ksar Tafnidilt übernachten wollen. Dort angekommen packen wir aus und kochen danach Pasta. Noch bevor wir uns ein zweites Bier gönnen können, geht der Generator aus und es wird stockfinster, es ist Schlafenszeit.

Ksar Tafnidilt

Die Nacht ist kühl, es war heute vermutlich doch das letzte mal Camping angesagt. 15°C ist dann leider doch zu frisch. Morgens ist unser Zelt demzufolge außen ziemlich feucht, leider scheint auch erst mal weder die Sonne, noch geht Wind. Wäre nicht so schlimm, wenn wir wüssten, wann das Zelt das nächste mal geöffnet wird. Zuerst frühstücken wir, und dann kommt doch noch die Sonne raus, sodass wir noch ein wenig in der Kasbah entspannen, die Fähre buchen und paar Dinge online organisieren, bevor wir zusammenpacken. Gegen Mittag ist das Zelt dann trocken und wir machen uns auf den Weg nach Agadir, über den Anti-Atlas. Die Straße ist schön, und es wird zunehmend grüner. Wir haben die Wüste hinter uns gelassen.

Endlich grün

Auf in den Antiatlas

Auf 1000 Höhenmetern haben wir nur noch 14°C, und der Verkehr nimmt deutlich zu. Wir fühlen uns ein wenig zurück in der Zivilisation angekommen. Gleichzeitig nehmen auch die Radarkontrollen extrem zu, aber wir schaffen es heute, ohne zahlen zu müssen. Auf 350km gab es mindestens 5 Kontrollen und immer wieder hat es Leute erwischt. Es scheint zu funktionieren, das System.

In Agadir angekommen, checken wir in unserem Hotel ein und Robert fährt gleich mit dem Auto in die Waschanlage. Nach dem ganzen Salz und Sand ist das mal wieder notwendig. Abends gehen wir in ein Restaurant und essen Tajine. Es schmeckt mal wieder fantastisch, auch die kleinen Vorspeisen sind köstlich. Danach laufen wir noch ans Ufer, fahren Riesenrad und spazieren noch ein bisschen umher, bevor wir müde ins Bett fallen.

Tajine

Agadir bei Nacht

Riesenrad in Agadir

Mauretanien 2.0

Nach dem Frühstück gibt’s mal wieder die Neuigkeit, dass die Wäsche natürlich nicht trocken geworden ist. Ausrede: gestern schien keine Sonne und heute Nacht hat es geregnet. Stimmt, aber die Wettervorhersage war dementsprechend und trotzdem wurde mir am Tag vorher versichert, dass sie ganz sicher trocken sein wird. Aber gut, inzwischen sind wir das ja fast gewöhnt.

Dann geht’s zur Grenze. Die Ausreise aus dem Senegal verläuft problemlos, aber die Einreise nach Mauretanien zieht sich mal wieder, da die Verbindung zur Datenbank, in der unsere Fingerabdrücke, Fotos und Daten gespeichert sind, heute sehr instabil ist. Wir werden schon gewarnt, dass wir gegebenenfalls über Rosso fahren sollen, was wir ablehnen, da wir uns nicht sicher sind, ob wir nochmals in den Senegal einreisen können, da uns das Passavant dort nämlich abgenommen wurde.

Nach einer halben Stunde ist zumindest mein Visum fertig und es dauert nochmal so lange, dann hat auch Robert sein Visum. Danach folgen noch die Stempel, und frecherweise fragt der Chef dann noch nach Geld. Nach kurzer Diskussion ist jedoch eine kostenlose Weiterfahrt möglich. Danach erhalten wir noch das Passavant, und als Strafe fürs nicht-zahlen wird unser Auto noch gründlich durchsucht. Die Koffer werden geöffnet, nach Alkohol und Drogen gefragt und dann ist auch gut. Die Einreise nach Mauretanien haben wir erledigt, los geht’s auf der schlechten Straße / Piste. Heute sehen wir wenig Krokodile, dafür um so mehr Warzenschweine.

Warzenschweine

Leguan

Warzenschwein

Nach 4 Stunden Fahrt, unzähligen Schlaglöchern und 250 km sind wir dann endlich in Nouakschott. Wir checken ins Jeloua ein und gehen Abends mit meiner Freundin was essen.

Am nächsten Morgen machen wir uns nach dem Frühstück auf die Suche nach dem Büro des Nationalparks Banc d’Arguin. Leider ohne Erfolg.

Wir fahren zu den beiden schönen Moscheen, besichtigen können wir sie aber nicht. Danach schlendern wir über den Marché Capital, bevor wir wieder zurück zum Hotel fahren.

Marokkanische Moschee in Nouakchott

Marché Capital

Irgendwie landen wir auf Grund des chaotischen Verkehrs falschherum in einer Einbahnstraße, aber vor uns fahren auch viele in unsere Richtnug. Ampeln sind auch eher zur Zierde da, also fahren wir weiter in die falsche Richtung. Irgendwann schimpft einer auf der Gegenspur und zeigt, dass wir umdrehen sollen. Wir bleiben stehen, und auf einmal fährt uns hinten einer drauf. Bis wir ausgestiegen sind, hat er aber schon halb umgedreht und fährt in die andere Richtung weg. Anscheinend hat er nur unsere Anhängerkupplung erwischt, seine Motorhaube ist aber etwas eingedrückt.

Im Hotel angekommen besuchen wir endlich die Touareg, die einen Stand vor dem Hotel haben und uns schon beim letzten mal ihre Kunstwerke zeigen wollten. Wir werden auch fündig, allerdings ist das verhandeln hier deutlich mühsamer als im Senegal. Wir brauchen 1 Stunde und 3 Tee, bis wir sie da haben, wo wir sie haben wollen. Abends essen wir nochmals mit meiner Freundin gemeinsam im Hotel – heute gibt es fantastisches Kamel mit Gemüse bzw. Reis.

Am nächsten Morgen fahren wir gegen 9.30 Uhr los. Ziel: Parc National de Banc d’Arguin. Nach 150 km biegen wir ab und fahren zunächst auf einer Teerstraße in den Park. Einige Kilometer später biegen wir ab auf die Piste und folgen ziemlich der Route auf unserem Navi. Diese ist allerdings irgendwann zu Ende und wir fahren nach Gefühl und Himmelsrichtung nach Iwik. Die Piste ist streckenweise sehr sandig und anspruchsvoll, sonst aber großteils gut befahrbar.

Piste nach Iwik

In Iwik steuern wir ein Campement an. Die Chefin lädt uns zum Essen ein, es gibt anlässlich des Feiertages ein Festmahl. Wir bekommen Reis, ein Stück Fleisch und eine Zitrone. Ist nicht schlecht.

Danach laufen wir nochmal in den Ort, Robert geht baden, auf dem Rückweg quatschen wir mit ein Mitarbeitern des Nationalparks, die Boule spielen. Es gibt dort sogar WiFi, die GIZ baut gerade neue Gebäude für sie und da freuen sie sich schon drauf. Ein großes Skelett eines Wals ziert den zentralen Platz.

Walskelett

Als wir zurück sind, setze ich mich ein wenig in die Sonne, Robert läuft noch auf einen Hügel Richtung Meer. Wir stellen unser Zelt auf, machen uns Tee und Fertigsuppe. Schon ist es dunkel und wir gehen bald ins Bett. Der Mond scheint wirklich hell, sodass man fast keine Taschenlampe braucht. Robert gelingen noch ein paar tolle Bilder.

Nachts in Iwik

Ich wache bei Morgengrauen auf und wecke gleich Robert, da es toll aussieht. Leider verpassen wir wegen Müdigkeit die Chance, Fotos zu machen. Gegen 7.45 Uhr stehen wir auf. Zusammenpacken, Frühstück und dann los zum Ufer. Unser Segelboot wartet schon auf uns.

Unser Segelboot

Sehr gemütlich geht es dahin, wir bekommen wie üblich drei mal den gesüßten Tee. Irgendwann gegen Mittag herrscht allerdings dann Flaute, sodass wir ankern müssen. Kurz später kommt der Wind aber Gott sei Dank wieder und wir segeln weiter. Laut unserem Kapitän sind wir in 25 Minuten dort, wo es viele Vögel gibt – Inshallah. 50 Minuten später sieht man in der Ferne einige Vogelscharen. Aber wirklich noch sehr weit entfernt. Nach weiteren 20 Minuten sind wir dann noch etwas näher dran, mit der Zoomlinse kann man die Vögel auch sehr gut erkennen.

Viele Vögel

Flamingos

Dann drehen wir um. Inzwischen ist es 14 Uhr. Eigentlich wollten wir spätestens jetzt zurück sein. Aber gut, so ist es halt in Afrika. Wenigstens kommen wir gut voran, da der Wind gut steht. Zudem werden wir auch noch bekocht. Frischen Fisch haben wir leider nicht gefangen, also wird getrockneter Fisch eingelegt und Reis dazu gekocht. Gegessen wird dann aus einer Schale mit den Händen. Robert und ich stellen uns natürlich doof an, da wir das nicht so hinbekommen wie sie. Wieso muss man auch gerade Reis mit Händen essen? Können das nicht zumindest Nudeln sein? Danach erfolgt die übliche Teezeremonie. Erst wird der Tee aufgekocht, dann werden die ersten Gläser befüllt, danach der Zucker in die Kanne und dann zig mal umgießen, damit alles gut vermengt ist und das Schnapsglas zur Hälfte aus Schaum besteht. Zuerst bekommt Robert den Tee, danach wird sein Glas wieder aufgefüllt und ich bekomme es. Das andere Glas geht zuerst an den Kapitän und erst danach trinkt der Matrose.

Um 15:45 Uhr sind wir zurück und stellen fest, dass wir uns endlich einen guten Sonnenbrand geholt haben. Der erste nach 7 Wochen Reise. Wir entscheiden uns, heute nur noch nach Cap Tafarit zu fahren und dort eine weitere Nacht zu Campen. Bis Nouadhibou schaffen wir es bei Helligkeit nämlich nicht mehr. Cap Tafarit ist ein schöner Ort, wir campen direkt am Meer.

Camp in Cap Tafarit

Wir baden und freuen uns über eine Dusche. Danach kochen wir und es gibt lecker Pasta mit Trüffelpesto. Frei nach dem Motto: wer ko, der ko!

Wir wachen erneut bei Morgengrauen auf und dieses Mal gibt’s auch ein Bild davon.

Sonnenaufgang

Ist schon eine tolle Kulisse und dazu das Meeresrauschen. Wir bleiben noch etwas liegen, dann machen wir uns Tee, da der Kaffee inzwischen alle ist, und essen dazu Bananen und ein paar Kekse.

Abfahrt ist um 10.15Uhr. Quer durch die Wüste zur Hauptstraße und dann weiter Richtung Nouadhibou. Spannend mal wieder, wie wenig die Beschreibung der Route aus Sicht der Einheimischen mit unserer Wahrnehmung übereinstimmt. So sieht „bonne route, pas de sable“ aus:

Angeblich gute Straße ohne Sand

Gegen 14.30 Uhr kommen wir in Nouadhibou an und checken ins Hotel ein.

Nachmittags fahren wir dann nochmals zum Schiffsfriedhof, den wir nochmal aus der Nähe betrachten wollen. Wir laufen am Strand entlang und treffen einen Brasilianer. Wir unterhalten uns nett mit ihm, er erzählt uns, dass vor gar nicht all zu langer Zeit hier 300 Schiffe lagen, aber inzwischen sind die Chinesen fleißig am Altmetall sammeln, sodass es nicht mehr so viele sind.

Schiffsfriedhof in Nouadhibou

Der Strand Mal wieder ein einziges Drecksloch, davor die Wracks. Wirkt irgendwie gespenstisch.

Abends gehen wir in ein Restaurant und es gibt leckeren Fisch. Als wir nach Getränken fragen, wird uns zu unserer Überraschung Bier angeboten. Wir lassen uns gleich zwei bringen. Bei der Abrechnung staunen wir nicht schlecht: die zwei Bier haben zusammen fast 15€ gekostet! Naja, das ist wohl die gerechte Strafe, wenn man in einem Land, in dem Alkohol verboten ist, doch meint, Bier trinken zu müssen.

Von Tambakunda über Kaolack und Touba an den Lac Rose

Beim Frühstück morgens im Hotel gibt es nach Wochen endlich mal wieder ein Croissant, und nicht nur Baguette, und dazu einen Saft – oh wie schön!

Wir entscheiden uns die Werkstatt im Ort aufzusuchen, da das ABS trotz Autowäsche und Reifen abspritzen nicht aufhört zu leuchten. Außerdem wäre ein Ölwechsel nach 9000km fällig und Abschmieren macht auch Sinn.

Wir sind vielleicht eine halbe Stunde in der Werkstatt, lassen alles machen, auch das ABS-Problem scheint behoben und wir fahren gleich noch wegen unseren Reifen schauen, da die hinteren beiden konstant Luft verlieren. Nicht viel, aber regelmäßig.
Beide haben kleine Löcher, die sind schnell gefunden und geflickt. Weiter geht’s.

Nach circa 30km leuchtet das ABS erneut und wir drehen um. Nochmal in die Werkstatt. Leider finden sie die Ursache nicht gleich und Robert begibt sich mit dem Chef auf Suche nach einem Diagnosegerät. Leider sind die Läden zu, wir sollen bis Dakar fahren, das wäre soweit kein Problem. Dort könnten die das sicher richten.

In Kongheul biegen wir links ab auf eine Piste, denn angeblich soll es nicht weit vom Ort Megalithen bzw. Steinkreise zu sehen geben. Ähnlich zu Stonehenge wird darüber gerätselt, was sie zu bedeuten haben. Wir finden erst mal nichts. Kein Schild, kein nichts. In einer unserer Apps ist ein POI eingezeichnet, wir latschen quer durch die Felder, fragen Kinder die auf dem Feld arbeiten, nichts. Wir nehmen nochmals eine Abzweigung, die wir schon versucht hatten, fahren dieses Mal aber weiter. Sowohl ein Mann, als auch ein Kind, die wir fragen, deuten uns nun die Straße entlang – anscheinend ist da also doch was. Wir gelangen in den nächsten Ort, der zumindest auch im Reiseführer steht. Dort fragen wir wieder vier Mal, bis wir in der richtigen Richtung unterwegs sind. Viele sprechen leider kein Französisch, erstaunlicher Weise aber 2 Personen Englisch. Irgendwann sind wir zu weit und drehen um. Der nächste deutet uns in eine andere Richtung – also wieder zurück. Dann kommt eine größere Gruppe auf uns zu, und sie deuten uns, wir sollen parken und laufen, sie zeigen uns den Weg. Wieder durchs Gestrüpp und auf einmal liegen die großen Steine vor uns. Die hätten wir bei dem hohen Gras nie selbst gefunden. Das Licht ist gerade sehr schön und wir können ein paar schöne Fotos machen:

Wir fahren durch die Piste zurück wieder auf die Hauptstraße Richtung Kaolack. Es ist noch ein gutes Stück. Langsam wird es dunkel und ehrlicherweise fährt Robert nur auf meine Bitte hin bis Kaolack, da er dort ein schönes Hotel gefunden hat und ich da unbedingt hin will. Im Gegensatz zu den sonstigen Strecken, die wir hin und wieder bei Nacht gefahren sind, ist hier recht viel los. Das macht es wirklich gefährlich. Viele fahren ohne Licht (vor allem hinten), es sind Eselskarren unterwegs, natürlich gänzlich ohne Beleuchtung, massiv überladene LKWs, die oft vergessen, das Fernlicht auszumachen, und stark blenden, und immer mal wieder springen ein paar Fußgänger über die Straße. Immerhin ist die Straße gut, sodass es nicht noch zusätzlich zig Schlaglöcher gibt. Die Warnungen vor Nachtfahrten sind also nicht ganz unbegründet und wir entscheiden uns, das zukünftig noch mehr zu vermeiden, als wir es eh schon tun.

Im Hotel angekommen freuen wir uns über ein sauberes Zimmer, schönes Ambiente, nettes Personal und zuletzt noch fantastisches Essen. Robert isst eine Art Rindfleisch Eintopf mit Gemüsespaghetti, ich Rindfleisch mit Pilzen in Rahmsoße dazu Kartoffeln. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann ich das letzte Mal etwas mit Rahm gegessen habe und freue mich unendlich drüber.

Wir würden gerne noch eine Nacht bleiben, aber am nächsten Tag erfahren wir, dass unser Hotel kein Zimmer für eine weitere Nacht frei hat. Wir telefonieren mit einem weiteren Hotel, was etwas teurer ist, die haben noch etwas frei und wir buchen direkt.

Zuerst entspannen wir noch eine Runde am Pool, packen zusammen und checken aus. Schön in der Mittagshitze laufen wir dann zum Markt. Gut, dass zumindest ein wenig Wind weht, das macht die Temperatur von 34°C deutlich angenehmer. Der Markt ist riesig, nur ab und zu werden wir angesprochen, ob wir was kaufen wollen. Hier kaufen ganz klar die Einheimischen ein. Zurück am Auto freue ich mich auf die Klimaanlage. Wir fahren zur großen Moschee, aber da gerade Gebetszeit ist, laufen wir aber nur einmal drum herum – ist ganz nett, aber nicht super aufregend.

Ausnahmsweise wird in unserem Hotel diese Nacht Vorkasse verlangt. Unsere Hütte ist groß, sauber und nett gemacht, könnte aber noch ein oder zwei weitere Möbelstücke vertragen. Die Anlage ist toll und es ist nichts los. Den Rest des Nachmittags verbringen wir am Pool.

Nachdem wir uns aber die Speisekarte  des Hotelrestaurants angesehen haben, entscheiden wir uns in die Stadt zum Essen zu fahren. Dort essen wir beide Rinderfiletspieße mit Pommes und ein großes Bier zum Teilen dazu für ca. 14€. Definitiv der bessere Deal als im Hotel, wo wir für das Geld nicht mal eine Hauptspeise bekommen hätten.​

Am nächsten Morgen fahren wir los Richtung Touba – das Mekka des Senegal. Dort angekommen, bekommen wir gleich Gesellschaft am Auto und ein Führer bietet sich an. In diesem Fall ist das sinnvoll, da man deutlich mehr erfährt über die heilige Stadt und vor allem so nicht gegen irgendwelche Regeln verstößt. Ich muss mir ein Tuch als Rock umbinden, denn lange Hosen sind bei Frauen dort nicht erwünscht, die Arme sowie die Haare bedecken. Gut dass es nur 32 Grad hat.

Über das komplette Areal der Moschee hinweg muss man die Schuhe ausziehen, auch in den Abschnitten, wo es wegen Renovierungsarbeiten super dreckig ist. Nichts desto trotz ist es ein toller Ort. Es ist eine der wenigen Moscheen, die wir betreten dürfen auf unserer Reise und sie ist wirklich schön, mit vielen tunesischen sowie marokkanischen Dekorelementen:

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Die große Moschee in Touba

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Ehemalige Brunnen

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Moschee von innen

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Marokkanische Dekorelemente

In Touba leben laut unserem Führer, Ali, 2,5 Mio Menschen. Angeblich kann jeder, der sich dort niederlassen möchte, Grund bekommen, ohne ihn kaufen zu müssen. In Touba gibt es keine Hotels, zum großen Fest Magal, an dem in diesem Jahr 4 Millionen Menschen in die Stadt gepilgert sind, schlafen die Menschen bei den Einheimischen zu Gast.

Nach der Besichtigung laufen wir noch zum Friedhof – auch der ist beeindruckend. die Gräber stapeln sich gerade nur so. Uns wird erklärt, dass die Toten hier mumifiziert werden und dann seitlich mit Blick nach Mekka vergraben werden.

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Friedhof in Touba

Anschließend fahren wir fahren weiter Richtung Thiès. Dort angekommen steigen wir bei der Kathedrale aus und laufen dann über den Markt. Danach suchen wir ein Campement auf, welches aber leider nicht so toll aussieht, sodass wir uns entscheiden, doch noch bis zum Lac Rose zu fahren. Angekommen im Le Calao du Lac Rose nehmen wir uns ein Zimmer bzw. mal wieder einen kleinen Bungalow und essen auch dort zu Abend. Da wir jetzt wieder an der Küste sind, gönnen wir uns wieder mal Fisch – den hatten wir schon länger nicht mehr – und er schmeckt fantastisch.

Thiof mit Reis

Über die Grenze nach Guinea bis Dalaba

Fünf Wochen sind wir unterwegs. Heute soll es ins andere Guinea gehen. Bevor wir losfahren gibt es im Hotel noch kurze Aufregung. Die Wäsche ist nicht trocken, also genauer gesagt pitschnass. Zudem müffelt sie, es sind lauter Heuschrecken drin und einige Teile haben was vom Bleichmittel abbekommen. Dann stimmt bei der Abrechnung der Zimmerpreis nicht mit dem überein, was uns am Tag vorher kommuniziert wurde. Wir diskutieren ewig rum, er sagt, er kann nichts ändern. Am Schluss zahlen wir etwas weniger fürs Abendessen, weil der Zimmerpreis unverhandelbar ist.

Die Straße wird zunehmend schlechter. Im nächsten Ort, in Pitché, müssen wir bereits die Ausreiseformalitäten erledigen. Uns wird mitgeteilt, dass beide Straßen zu den Grenzübergängen gut seien und wir somit auch über den kürzeren Weg, allerdings auf der dünner eingezeichneten Straße fahren können. Gesagt getan. Die Piste ist tatsächlich besser als die Straße und wir sind in Kürze an der Grenze. Erneut werden unsere Dokumente kontrolliert und wir warten auf die „Fähre“. Also das handbetriebene, schwimmende Teil:

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Fähre zwischen Guinea und Guinea-Bissau

Kaum sind wir drauf gefahren, heißt es schon: Wer zahlt? Kostet 10.000 CFA, lässt sich auch nicht verhandeln. Fünf Mann ziehen den Kahn an einem Seil über den Fluss. Der Motor auf dem Kahn ist nicht mehr in Betrieb. Nach 11km erreichen wir die Grenze auf Guineischer Seite. Die Piste bis dahin ist schon eher schlecht.

Der Zollchef ist wirklich sehr nett, er gibt uns seine Nummer, ruft bei einem Bekannten an wegen dem Hotelzimmer im nächsten Ort, denn er glaubt nicht, dass wir es bei Helligkeit noch bis Boké schaffen. Na das sind ja tolle Aussichten. Die Landschaft ist toll, die Straße schrecklich:

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„Gute“ Straße nach Koumbia

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Dorf nahe der Stadt Koumbia

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Fluß in der Nähe von Koumbia

Wir sind um 14 Uhr an der Grenze und haben es um 17.30 Uhr nach 50km in den Ort Koumbia geschafft. Die Unterkunft dort ist so ekelhaft, dass wir uns entschließen, noch in den nächsten Ort zu fahren, nach Gaoual. So schlimm wird die Hauptstraße hoffentlich nicht sein. Tja, getäuscht. Etwas breiter ist sie schon, aber für 35km brauchen wir trotzdem fast eine Stunde. Wir fahren durch Matschlöcher, die von LKWs so ausgefahren sind, dass wir mit unserem Geländewagen aufsetzen. Im Ort fahren wir ein Hotel an, das einigermaßen akzeptabel ist. 30€ pro Nacht mit Frühstück ist viel, aber OK. Der Chef bemüht sich dafür unheimlich. Zwei mal fährt er los um Toilettenpapier und eine SIM-Karte für uns zu besorgen. Dann lädt er mir noch Guthaben auf die SIM-Karte und der Nachtwächter wäscht unser Auto. Leider gibt’s nichts zu essen (wobei er uns das sicherlich besorgt hä​tte), und Lust nochmal in die Stadt zu fahren haben wir auch nicht, also machen wir uns Pasta mit Tomatensoße. Endlich mal wieder Pasta, herrlich!

Um Mitternacht geht der Generator aus und dann wird es schwül, warm und dunkel im Raum. Naja, war nicht das erste Mal.

Nach dem Frühstück packen wir zusammen. Über Nacht haben wir im Zimmer Wäscheleinen gespannt und die nasse Wäsche vom Vortag aufgehängt. Selbst der getrocknete Teil der Wäsche müffelt immer noch. Vor allem die Handtücher stinken schlimmer als vorher. Wir hoffen, in der nächsten Unterkunft den ganzen Mist nochmal waschen zu können. Bevor wir weiterfahren gehen wir noch Geld wechseln und werden in Kürze zu Millionären: 300€ wechseln macht 3.000.000 GNF. Die größten Scheine  sind 20.000 GNF wert. Das macht ein ordentliches Bündel Geld. Das Geldwechseln dauert etwas, da der Geldwechsler im Dorf erst das Geld irgendwo holen muss. Wir beobachten so lange das bunte Treiben am Markt. Hier wird alles portionsweise eingekauft. Keine Schachtel Zigaretten – nein, einzelne Zigaretten. Keine Dose Zucker, sondern abgepackt in kleine Mini-Säckchen geschätzt à 20 Gramm. Um 10 Uhr haben wir getankt und fahren los Richtung Labé. Die Straße ist gut.

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Gute Straße mit Kühen

Fast zu gut. Ich bin am zweifeln ob das so bleibt. Nun ja, immerhin für 80km. Dann geht die Piste los. Durchschnittsgeschwindigkeit sinkt auf 15km/h. Wir befinden uns wohlgemerkt noch auf einer Nationalstraße, der höchsten Straßenkategorie im Land. Ich frage mich allen ernstes erneut, warum wir uns das antun:

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Schlechte Straße mit Schlamm

Nach 20km steht eine Polizeikontrolle. Die Polizisten sind wirklich sehr nett. Auf unsere Nachfrage meint er, wir bräuchten noch ca. 1,5h nach Labé. Etwas überrascht fragen wir ihn, ob die Straße denn so bleibt, sonst wäre das ja eine sehr optimistische Zeitangabe. Er meint, es seinen noch 10km so, dann wird es wieder besser. Bereits nach 5km ist die Straße wieder geteert und wir kommen voran. Was für eine Erleichterung! Nach insgesamt 4h sind wir in Labé. Mal sehen, was die Leute im Ort zur Straße bis Dalaba sagen. Ich traue dem Frieden noch nicht ganz. Wir gehen einen Kaffee trinken (endlich afrikanische Preise: 2.000GNF = 0,20€ für 2 Kaffee; auf den 20.000er kann dann natürlich erst gewechselt werden, nachdem ein anderer Gast den Schein klein gemacht hat) und fragen nach der Straße. Die herrschende Meinung ist: ca. 2 Stunden. Das klingt doch gut und wir fahren weiter. Überraschenderweise ist die Straße abgesehen von ein paar Schlaglöchern wirklich gut und wir sind bereits um 16 Uhr in Dalaba.

Dort finden wir das vom Reiseführer empfohlene Hotel und die Zimmer sind sauber. Nicht mehr das neueste vom Neuen, aber trotzdem verhältnismäßig ordentlich. Wir sind happy und bleiben. Die Aussicht ist super schön und es hat angenehme 22 Grad. Ein Traum!

Wir laufen ein wenig im Areal umher, geben erneut die Wäsche zum waschen und gehen am Abend gemütlich im Hotel essen, da uns der Küchenchef Rindfleisch in Pfeffersoße mit Pommes und gerösteten Bananen anbietet, was interessant klingt, aber noch besser schmeckt. Dazu gibt es lokales und tatsächlich wohlschmeckendes Guiluxe-Bier. Zum Nachtisch gibt es noch Bananen und dann freuen wir uns aufs Bett. Wir geben noch Bescheid, dass wir gerne am nächsten Tag einen Führer hätten um die Umgebung zu erkunden und legen uns dann hin.

Am nächsten Morgen ist mal wieder früh aufstehen angesagt. Um 8 Uhr ist unser Führer da. Wir besprechen, dass wir zur Pont de Dieu wollen, die Case des Palabres und die Maison de Miriam Makeba sehen wollen. Wir laufen um 8.30Uhr los.

Im Ort kaufen wir noch ein paar Bananen ein, danach laufen wir weiter zur Pont de Dieu. Schöne Landschaft, Pinienwälder, Bambuswälder, viele Bäume, Sträucher, und immer mal wieder rauschendes Wasser. Hier ein paar Eindrücke:

Unser Führer, Daymou, spricht kaum englisch, aber wir bekommen es auf französisch gut hin. Den Tag über unterhalten wir uns viel über Schule, Bildung, den Traum von Europa, den Tourismus und den Einbruch dessen aufgrund von Ebola, ein bisschen Politik, Geschichte, etc. Immer wieder erklärt er uns Pflanzen, lasst uns schnuppern, manches wie Zimt und Kaffee verstehen wir, anderes gar nicht.

Die Pont de Dieu ist eine Naturbrücke, durch die über Kaskaden Wasser fließt. Wirklich sehr schön hier:

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Pont de Dieu

Wir laufen weiter durch Dörfer und an einem „Sandbruch“ vorbei. Leider fängt es dann an zu regnen. Gut, dass wir kurz darauf wieder im Ort sind und uns unterstellen können. Im Ort angekommen besuchen wir eine Lederwerkstatt, gehen danach zu einer Dame, die sehr gut deutsch spricht und 23 Jahre in München-Schwabing gelebt hat, sie freut sich sehr über unseren Besuch. Im Anschluss gehen wir auf einen kurzen Sprung in das Büro unseres Führers, anschließend einen Kaffee trinken, während Daymou nebenan einen Teller Reis isst.

Wir setzen unsere Tour fort und laufen zur Maison de Miriam Makeba. Diese hat dort ein paar Jahre gewohnt, nachdem sie aus den USA geflohen war. Das Haus wurde ihr vom damaligen Präsidenten geschenkt. Auf dem Weg stellen wir uns mal wieder bei einem Haus unter, weil es stark gewittert. Zufällig wohnt da der Mann, der auch den Schlüssel zum Miriam-Makeba-Haus hat. Er unterrichtet, während wir darauf warten, dass es zu regnen aufhört, Jungs und Mädchen den Koran. Auf Holztafeln wird mit Tinte geschrieben.
In der Regenpause laufen wir zum Haus bzw. eher zur Ruine. Selten habe ich etwas so heruntergekommenes gesehen. Die Decke (wie hier typisch) ist mit Bastkreisen geschmückt, die Renovierung dessen haben wohl ein paar Spanier mal finanziert. Alles andere ist unfassbar runtergekommen. Das Bücherregal im Wohnzimmer steht noch, die Bücher (alle Englisch) sind aber nur noch zum Teil vorhanden, den Rest haben die Termiten bereits gefressen. Das Bücherregal im Schlafzimmer ist komplett den Termiten verfallen und liegt auf dem Boden. Eine echte Schande. Das Haus an sich ist toll, zumindest kann man sich vorstellen, dass es das mal war. Die Sicht von der Terrasse ist traumhaft, aber es ist fraglich wie lange sie noch so steht, da alles komplett verschimmelt ist. Bei uns wäre so etwas in den Zustand schon längst nicht mehr zugänglich wegen Einsturzgefahr. Leider hat hier aber keiner das Geld, um zu renovieren.

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Maison de Miriam Makeba

Weiter geht es zur Case des Palabres, was deutlich besser in Schuss ist, allerdings gibt es dort ja auch keine Möbel. Alle wichtigen Gespräche bezüglich der Dekolonialisierung fanden hier statt. Historisch also ein wichtiger Ort für das Land.

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Case de Palabres

Ein wenig weiter steht der Gouverneurspalast. Der wurde tatsächlich renoviert und sieht nicht schlecht aus.

Wir laufen zurück zum Büro, denn wir sollen uns noch in das Gästebuch eintragen. Das muss Daymou erst holen und er kommt kurz später zurück. Robert schreibt noch einen netten Text, wir verbinden uns auf Facebook, und nachdem wir den von mir gesuchten Magneten nicht finden, hat er von einem Freund eine magnetische Spule oder so ähnlich bekommen. OK, nicht wirklich was ich gesucht habe, aber es ist vermutlich der originellste Magnet bisher. Anschließend laufen wir zurück ins Hotel, nach über 10 Stunden auf den Füßen.

Da es immer noch bzw. schon wieder regnet, essen wir erneut im Hotel. Heute gibt es einmal Rind und einmal Huhn. Schmeckt nicht schlecht. Müde fallen wir danach ins Bett.

Nationalpark Cantanhez

Wir verzichten auf das Frühstück im Hotel und fahren direkt ins Café Imperio. Davor holen wir uns noch eine SIM-Karte um im Cantanhez Park anzurufen. Zunächst erfolglos, wir erreichen niemanden. Wir machen noch einen kurzen Abstecher in die Kirche und an den Hafen, dann fahren wir los.

Auf dem Weg versuchen wir nochmals zu telefonieren. Zwecks Netz und mangelnden Französischkenntnissen auf beiden Seiten verstehen wir nur, dass es Guides gibt, ob sie englisch sprechen ist unbekannt, und Zimmer gibt es anscheinend. OK, also fahren wir hin. Auf dem Weg fahren wir dann noch an schönen Wasserfällen vorbei und halten kurz an.

Wasserfälle von Campáta

Kurz hinter Quebo biegen wir links auf die Piste ab. 60km sollen es noch sein, mal sehen wie das so läuft.

Zu Beginn ist die Piste OK und wird dann langsam etwas anspruchsvoller. Nach ca. 1/4 der Strecke graben wir uns gut in ein Matschloch ein und glauben schon, dass wir nicht mehr rauskommen. Erster Gedanke: gut, dass wir in einem Dorf sind, da helfen sicher viele mit beim schieben. Aber mit Gefühl und Geduld schafft es der Pajero allein wieder aufs Festland. Wir sind mal wieder erstaunt.

Zwischenzeitlich wird die Straße dann wieder deutlich besser, es wurden einige „Brücken“ gebaut bzw. Befinden sich im Bau. Wir glauben schon, dass wir es so recht zügig schaffen können, aber irren uns gewaltig. Denn nach ein paar Kilometern wird es erst richtig schlecht: stellenweise ist es komplett zugewachsen, tiefe Schlaglöcher und matschige Pfützen machen ein schnelles Vorankommen unmöglich, aber wir schaffen es. Das ist jetzt Dschungel pur. Uiuiuiui.

Piste durch den Dschungel

Im Camp angekommen lernen wir zwei Spanier kennen, die auch noch nicht lange da sein können. Wir unterhalten uns nett. Wir treffen auf eine weitere Spanierin, die hier lebt und Affenforschung betreibt. Kaum zu glauben dass man freiwillig langfristig hier wohnen will. Es hat eine Luftfeuchtigkeit von 80% und das ist auch bei nur 27°C unerträglich. Wir nehmen ein Zimmer, wo wir uns mit ihr das Bad teilen. Ist immerhin besser in Schuss als die anderen runden Hütten.

Abendessen gibt’s im Restaurant: Hühnchen in Zwiebelsoße mit Wedges und Reis. Schmeckt lecker, wäre aber besser wenn keine Viecher rumfliegen würden.

Abendessen im Dschungel

Von 19 bis 23 Uhr läuft der Generator. Danach ist nicht mal mehr das Lüftchen vom Ventilator zu spüren. Es wird eine schwitzige Nacht.

Der Wecker klingelt um 4.30Uhr. Es ist stockfinster und richtig schön schwül heiß. Da der Schlaf eh nicht so tief ist, fällt das aufstehen nicht ganz so schwer.
Abfahrt ist um 5 Uhr. Wir packen den teils spanisch, teils französisch-sprechenden Guide ein und die Spanier fahren uns hinterher. Wir fahren ca. eine dreiviertel Stunde durchs dunkle Gebüsch, dann parken wir und es geht zu Fuß weiter. Ein weiterer Guide mit Machete ist irgendwo aus dem Gebüsch getreten und begleitet uns. Gut, dass mein Handy recht viel Akku hat und als Taschenlampe dienen kann, wir uns NoBite draufgeschmiert haben und unsere Wanderstiefel dabei haben. Wir laufen durchs Gestrüpp, waten durch Sümpfe und irgendwann sagt einer Guides: jetzt Handylichter aus. Wir laufen weiter und irgendwann bleiben wir stehen. Der Guide flüstert uns zu, dass oben auf der einen Palme, deren Krone flach ist, ein Schimpanse schläft. Noch sehen wir nichts, da es erst langsam beginnt zu dämmen. Die Vögel fangen an zu zwitschern und die gesamte Geräuschkulisse des Urwalds nimmt zu. Als es hell genug ist, kann Robert mit der großen Kamera den Schimpansen ausmachen und ihn gelingen ein paar Bilder, wie dieser in seinem Nest sitzt. Dann klettert dieser langsam runter. Leider schaut er dabei weg, als wäre er scheu. Weil es so sumpfig ist können wir leider auch nicht näher hinlaufen.

Naja sobald es ganz hell ist, laufen wir zurück zum Auto. Ehrlich gesagt sind wir etwas enttäuscht. Zumindest sehen wir auf dem Rückweg noch ein paar Meerkatzen in den Bäumen rumspringen. Zurück im Camp gibt es Frühstück, danach laufen wir mit unserem Guide noch durch das Dorf. Das ist ziemlich beeindruckend, wir sehen viele Kinder, die Moschee, die Schule, das Krankenhaus, die Disko. Strom gibt’s wenn dann über Generatoren, Wasser aus Brunnen. Hier ein paar Eindrücke:

Drei kleine Jungs, die uns durchs Dorf begleiten

Moschee in Jemberem

Ein Restaurant in Jemberem

Frauen am Brunnen in Jemberem

Schule in Jemberem

Jemberem – Eines der Dörfer im Nationalpark Cantanhez

Danach setzen wir uns ins Auto und fahren los Richtung der beiden Orte, wo es theoretisch Grenzübergänge nach Guinea geben soll. Auf dem Weg schauen wir noch in einem Ort vorbei wo ein Babyschimpanse lebt, das haben uns die Spanier erzählt. Julio ist sein Name und er sitzt ohne Scheu auf einem Dach und spielt vor sich hin. Der ist fast interessanter als die Aktion heute früh.

Julio – Der Baby Schimpanse

Wir fahren weiter. Leider wird uns an beiden Orten für den Grenzübergang von der Piste abgeraten. Beim ersten heißt es, es sei noch zu viel Wasser auf der Piste und wir kämen da trotz unserem Auto nicht durch. Beim zweiten Übergang heißt es, die Fähre würde momentan nicht fahren, man kann nur mit dem Motorrad fahren, was auf eine Pirogge passt. Gut, dann heißt es wohl doch den Umweg über Pitche nehmen. Wir fahren also weiter bis Gabu. Dort nehmen wir uns ein (überteuertes) Hotel mit Klima und Pool.

Wir gehen baden, geben Wäsche zum waschen und danach essen. Wir suchen erst ein Restaurant in der Stadt, vieles ist aber geschlossen oder sagt mir nicht zu, sodass wir doch im Hotel essen. Draußen am Pool ist es schön. Der Chef bemüht sich sehr. Wir essen beide Rindfleisch mit Reis, Pommes und Salat. Bei mir ist noch ein Ei drüber. Schmeckt gut. Dazu portugiesisches Bier. Robert will danach unbedingt noch das lokale Bier trinken gehen, direkt neben dem Hotel ist eine Bar. Leider schaffen wir es nicht auszutrinken, da der Geschmack wirklich scheußlich ist. Zum Unverständnis der lokalen Bevölkerung, lassen wir die halb vollen Gläser stehen. Tun wir nicht gerne, aber wir können das bei bestem Willen nicht trinken.

Von Cap Skirring nach Bissau

Genau einen Monat sind wir unterwegs. Nach dem Frühstück spazieren wir am Strand entlang. Wir sind uns einig: definitiv einer der schönsten Strände an dem wir je waren.

Cap Skirring

Wir sehen eine Ansammlung von Geiern am Strand. Als Robert näher hingeht um ein Foto zu machen, bemerkt er eine Schildkröte, die auf dem Rücken liegt, und von den Geiern verspeist wird.

Geier essen Schildkröte

Wir laufen zurück und gehen nochmal baden. Das Meer ist super sauber, angenehm warm und verhältnismäßig ruhig. Traumhaft.

Danach packen wir zusammen und fahren los zurück nach Ziguinchor. Von dort fahren wir weiter zur Grenze. Die Ausreise aus dem Senegal verläuft problemlos, die Einreise Guinea-Bissau auch, allerdings ist der bürokratische Aufwand der hier betrieben wird durchaus nennenswert. Um einzureisen werden unsere persönlichen Daten zweimal aus den Pässen in große Bücher geschrieben, die persönlichen Daten unseres Pajeros gleich dreimal (wohlgemerkt natürlich immer an verschiedenen Orten) und zusätzlich nochmal der Pass kontrolliert. Dennoch müssen wir im nächsten Ort zum Zoll, um einen Passavant ausgestellt zu bekommen. Da wird dann unser Auto nochmal in ein großes Buch eingetragen. Es klappt alles wunderbar, aber diese Abschreiberei ist echt mühsam. Afrika halt…

Wir passieren zwei weitere Kontrollstellen, wo jedes mal das Passavant gestempelt wird. Der eine will 1000 CFA fürs Stempeln. Ich schicke Robert nochmal hin. Er klärt das, danach fahren wir weiter, ohne gezahlt zu haben.

Die Straße ist zwar immer noch geteert, aber die letzten Regenzeiten haben ihre Spuren hinterlassen. Immer wieder Schlaglöcher. Dafür tolle Landschaft. So stellt man sich Dschungel vor.

Gegen 18h sind wir dann in Bissau. Das Hotel ist sehr versteckt und es steht auch kein Name und nichts dran. Schwierig zu finden, da Booking und Google es auch noch an unterschiedlichen Stellen vermerkt haben, die aber beide inkorrekt sind, aber wir fragen nach dem Weg und irgendwann stehen wir davor.

Kommunikation ist in diesem Land nicht leicht. Alle sprechen portugiesisch, bzw. kreol, und nur teilweise, und wenn dann eher schlecht, französisch. Wenig englisch. Zwei Portugiesinnen, die wir später treffen werden, gestehen uns, auch lange nicht alles zu verstehen, was hier auf kreol geredet wird.

Am Abend gehen wir in ein Restaurant, das nicht all zu weit weg ist und an welchem wir schon vorher vorbeigefahren sind. Ich bestelle einen Burger, Robert gemischtes Gegrilltes. Beides Dinge, die wir zumindest annäherungsweise auf der Karte entziffern können. Die Qualität eher unterdurchschnittlich, zumindest mein Burger ist eher mau bis nix. Dafür müssen wir aber trotzdem ordentlich löhnen, zusammen ca. 15€. Wir laufen zurück ins Hotel und gehen schlafen.

Nachdem wir am nächsten Morgen im Hotel entdeckt haben, wo es Frühstück gibt, was nicht gerade berauschend ist, laufen wir los in die Stadt. Wir schlendern Richtung Zentrum, was nicht weit entfernt ist. Zuerst stellen wir fest, dass der „Park“ um die Ecke tatsächlich ein Park ist. Bei Dunkelheit sah das nach einem verkommenen Platz aus. Danach kommen wir an einer Kirche vorbei und laufen weiter Richtung Präsidentenpalast.

Präsidentenpalast in Bissau

Dort gehen wir in das im Reiseführer angepriesene Café des Hotel Impérial. Wir gönnen uns süße Pastéis de Nata und einen Kaffee. Danach laufen wir über die Nebenstraße wieder zurück, da das ethnologische Museum geschlossen hat. Auf dem Weg werden wir hin und wieder von Geldwechslern angesprochen. Sie bieten einen überdurchschnittlichen Kurs an (in Bissau ist die Währung, wie auch im Senegal, der CFA-Franc, der eigentlich fix an den Euro gekoppelt ist). Komisch, vielleicht hat das was mit den Drogengeschäften zu tun, für die Bissau so berühmt-berüchtigt ist?

Wir laufen weiter zur Burg, die von Militärs bewacht wird, und fragen „auf blöd“ ob man rein darf. Also mit Händen und Füßen. Der Soldat deutet uns, wir mögen warten. Wir glauben eigentlich nicht, dass wir die Burg besichtigen können, aber kurz später werden wir dann doch gebeten einzutreten. Ein Soldat und eine Soldatin, die allerdings keine Uniform trägt, da Feiertag ist, laufen mit uns rein. Uns wird der General vorgestellt, nachdem man uns Besucherausweise ausgehändigt hat. Ein netter, etwas älterer Herr. Wir stellen fest, dass die einzige Sprache, auf der wir uns zusammen verständigen können, spanisch ist. Nun ja irgendwie geht es. Es folgt eine einstündige Führung durch die Festung, mit reichlich Geschichtsinfos zur großen Revolution von 1963-1974. Wir besuchen einige Gräber von wichtigen comandantes, sowie das Grab von Amilcar Cabral, einem der wichtigsten Unabhängigkeitskämpfer und dem Nationalhelden schlechthin.

Grabstätte von Amilcar Cabral

Während wir an den Gräbern stehen, kommen 2 Portugiesinnen dazu. Anne und Raquel übersetzen teilweise für uns. Danach werden uns stolz die Konferenzräume gezeigt, wir verstehen zunächst nicht ganz wieso. Aber später sehen wir, dass sie das alles erst im letzten Jahr wieder aufgebaut haben. 2017 war alles noch eingestürzt:

Aufnahmen der Festung von 2017

Zum Vergleich ein aktuelles Bild der Festung

Es folgen drei weitere Räume, in denen die Waffen der Freiheitskämpfer ausgestellt sind. Spannend zu sehen, wer hier alles Waffen und Zubehör geliefert hat: vorrangig die Sowjets, aber auch die Chinesen, Tschechen und Italiener tauchen dort wieder auf. Zu guter letzt ist der alte Käfer von Amilcar Cabral ausgestellt, und wir dürfen uns sogar rein setzen und Fotos machen:

Der alte Käfer von Amilcar Cabral

Danach dürfen wir noch die Büros anschauen, vorrangig weil es dort eine Klimaanlage gibt und wir uns dort noch ins Gästebuch eintragen und einen Obulus da lassen sollen. Zum Schluss stellt sich heraus, dass der General drei Jahre in Lviv gelebt hat und fließend russisch spricht. Robert ist begeistert und ab dann verstehen wir anderen gar nichts mehr.

Am Ausgang gibt’s noch eine Fotosession, dann gehen wir mit den beiden Mädels noch Mittagessen. Wir entscheiden uns danach, noch gemeinsam mit ihnen in ihr Hotel zu gehen, da sie meinen, dass wir dort an der Rezeption nähere Infos zum Nationalpark Cantanhez sowie den Straßenbedingungen auf den verschiedenen Wegen nach Conakry bekämen. Sie sollten recht behalten: der Park ist angeblich offen, man vermutet, dass es englischsprachige Guides gibt und bei der Straße ist der Rezeptionist erst unsicher, aber als er hört, dass wir einen Pajero haben, meint er, dass das passen sollte.

Wir treffen uns abends nochmal mit den Portugiesinnen und gehen gemeinsam Abendessen. Es ist noch eine Freundin der beiden dazugekommen, die in Bissau lebt und das Leben dort sehr schätzt. Ich kann es mir nicht vorstellen, aber das hat womöglich auch was mit der Sprache zu tun.

Gambia

Heute heißt es schon wieder früh aufstehen. Zum Frühstück gibt es Omelett mit baked beans. Was die Briten nicht alles hinterlassen haben…

Abfahrt ist um 8.00Uhr mit der Piroge in die Bao Bolong Wetlands. Zuerst fahren wir an der Erdnussfabrik und Ladestelle vorbei, dann queren wir den Fluss, bevor wir in den Bao Bolong einbiegen, einen Zufluss des Gambia. Obwohl wir über 100km von der Küste entfernt sind, gibt es hier immer noch Gezeiten und daher auch viele Salzwasserfische. Der Besitzer des Camps meint sogar, dass er im Januar schon mit Delfinen im Gambia geschwommen ist. In dieser Gegend haben sich Mangrovenwälder gebildet, die gerade bei Ebbe toll aussehen:

Mangrovenwälder

Der Park ist ein Paradies für Vögel und somit auch für Ornithologen. Die Fahrt dauert knapp 3 Stunden und wir sehen viele tolle Vögel: diverse Störche, Pelikane, Kormorane, den Hammerkopf, einen Fischadler, viele Reiher und viele mehr, die wir nicht benennen können. Zudem gibt es ganz viele Krebse am Ufer. Wirklich ein schöner Trip. Hier ein paar Bilder:

Gelber Vogel

Schöner Vogel

Hammerkopf

Reiher

Tauchender Vogel mit erbeutetem Fisch

Pelikan beim Abflug

Krebse

Kormorane

Auf der Rückfahrt wird es dann schon ordentlich heiß. Wir entscheiden uns, am Abend noch die Safari zu machen und erst am nächsten Tag weiter nach Banjul zu fahren.

Den Nachmittag verbringen wir am Pool. Um 16h fahren wir dann mit Omar, einem Nationalparkranger, in den Kiang West National Park. Der Weg in den Park und im Park ist eher spektakulär, da wir offensichtlich die ersten Touristen sind, die seit der Regenzeit hier her kommen. Das Gestrüpp, über das wir fahren ist z. T. Höher als unser Auto.

Dann heißt es aussteigen. Um uns rum lauter Fliegen und Bremsen. Ich frage unseren Guide ob das auch wirklich ernst gemeint ist, er sagt, dass es OK ist, wenn wir Anti-Mücken-Spray drauf haben, dann tun sie uns nichts. Er soll recht behalten und ich werde zunehmender Fan von no bite. Zu Fuß geht es durchs Gestrüpp weiter. Gleich zu Beginn hören wir schon die Paviane bellen, und kurz drauf sehen wir sie auch. In freier Wildbahn. Schon cool. Sie halten sich im Gestrüpp auf, aber nicht zu weit weg. Sie beobachten uns aus der Ferne, sie sind offensichtlich genauso neugierig wie wir.

Pavian beobachtet uns

Kleiner Pavian

Und noch ein großer Pavian

Wir laufen runter zum Wasserloch. Aktuell ist es ein See, aber Omar sagt uns, dass in wenigen Wochen das Wasser zurück geht und sich erst später die Tiere dort sammeln. Momentan finden die Tiere noch an vielen anderen Stellen genug Wasser, deshalb hält es momentan kein Tier für nötig, hier vorbei zu schauen.

Das Wasserloch, das aktuell ein See ist

Im Park gibt es Hyänen, Antilopen, Warzenschweine, Affen, Schlangen und natürlich viele Vögel. Abgesehen von ein paar Vögeln und Affen, viel Gestrüpp und den See sehen wir leider nichts, obwohl wir sowohl an eine zweite Stelle des Sees fahren, als auch versuchen, auf die andere Seite des Sees zu gelangen. Letzteres scheitert daran, dass sie Straße kaum noch auffindbar ist und zudem umgestürzte Bäume den Weg versperren. Also drehen wir um.

Am Abend gibt es nochmal Essen im Restaurant. Danach folgt noch eine live Darbietung afrikanischer Tänze. Immer wieder holen sie mich zum tanzen und sagen dann: nice try. Anscheinend liegt mir die Art von Tanz nicht ganz so.

Das Frühstück am nächsten Morgen besteht aus baked beans und Pasta mit Sardellen. Danach machen wir noch einen kleinen Spaziergang am Ufer entlang. Wir quatschen nochmal mit Omar, packen zusammen, zahlen und fahren weiter Richtung Banjul. Auf dem Weg dorthin passieren wir ca. 12 Kontrollstellen. Bei den meisten werden wir allerdings durchgewunken. Alle sind sehr freundlich und keiner fragt nach einem Präsent oder ähnlich.

Gleichzeitig ist eine große Horde von Kleinbussen unterwegs. Alle massiv überladen, geschmückt mit grünen Zweigen, fast alle Passagiere tragen grün.

Überladene (Party-)Busse

Zwischendurch fährt immer mal wieder ein Pick-up, der Boxen geladen hat, die den ganzen Konvoi beschallen. Alle Dörfer am Rande haben auch grüne Flaggen gehisst und die Bewohner wirken den Vorbeifahrenden zu. Wir wissen nicht, was es zu bedeuten hat. Eine Polizistin erklärt auf unsere Nachfrage hin, es sei eine Rallye.

Angekommen in Serekunda suchen wir uns erst mal ein Café. Im Reiseführer steht, dort gäbe es guten Kaffee und WLAN. Damit wollen wir uns ein Hotel suchen. Leider funktioniert das WLAN eher schlecht. Trotzdem finden wir was nettes, wollen aber vorher nochmal bei dem Campingplatz vorbeischauen, der von einem Deutschen geleitet wird, der auch beim Autoverkauf behilflich sein soll. Er ist super nett, erzählt uns viel, sagt aber auch, dass wir den Preis, den wir uns vorstellen wahrscheinlich vergessen können. Vielleicht bekämen wir ein Viertel davon. OK, das ist eine klare Ansage, dann verkaufen wir eben nicht – zumindest nicht in Gambia.

Wir fahren weiter in das Hotel und beziehen dort unser Zimmer. Wir werden bereits gewarnt, dass hier heute ein Shooting stattfindet, denken uns aber nicht viel dabei. Nach kurzem Ausruhen gehen wir an den Strand und danach noch in den Pool. Anscheinend wird das Shooting eine größere Angelegenheit, da sich wirklich viele Menschen im Außenbereich aufhalten. Als wir in unser Zimmer gehen wird in der Lobby bereits gedreht. Es scheint so eine Art Gangster-Rap-Video zu werden, die Musik dröhnt von überall. Einige Kerle schauen auch echt aus wie der prototypische Gangsterrapper in Musikvideos, voll behangen mit Goldketten. Die Besitzerin (eine Britin) erklärt uns, dass es sich um einen Britisch-Jamaikanischen Star handelt, die dezent 4 Stunden nach offiziellem Drehbeginn auftaucht.

Wir essen zu Abend und schauen dem Spektakel zu. Die Röcke der Mädels gehen kaum kürzer, alles Nigerianerinnen, wie uns die Besitzerin erzählt – die Gambianerinnen seien zu prüde für so etwas.

Gegen 22.30 Uhr gehen wir ins Bett, die Musik geht noch ein bisschen weiter, aber um Mitternacht ist Schluss.

Es ist Montag, wir sind nun schon 4 Wochen unterwegs. Wir entscheiden uns, eine weitere Nacht hier zu bleiben. Nach dem Frühstück wollen wir zuerst zur Botschaft von Guinea und dort ein Passavant beantragen, was die Einreise mit unserem Auto erheblich vereinfachen soll. Zuerst finden wir die Botschaft ewig nicht, aber dann stehen wir auf einmal davor. Gleichzeitig klopft einer an die Scheibe und will was von uns. Robert bleibt stehen. Der Typ meint, ob wir ihn denn nicht wiedererkennen würden. Er wäre doch der vom Hotel. Wir seien so nette Weiße, alle würden über uns sprechen, weil wir so nett wären. Ob wir ihm nicht den Gefallen tun könnten und ihn mitnehmen? Wir müssen erst mal in die Botschaft, sagen wir ihm. Dort ist das alles kein Problem, der Sekretär kopiert unsere Unterlagen, kassiert die Gebühren, und wir sollen am Nachmittag wieder vorbeikommen und alles abholen. Zwischenzeitlich haben wir festgestellt, dass wir den Typ beide nicht kennen und wir ihn auf keinen Fall irgendwo hin mitnehmen. Wir wimmeln ihn erfolgreich ab und fahren weiter nach Banjul.

Zunächst fahren wir zur großen Moschee, die wir besuchen und sogar fotografieren dürfen. Wir sind ganz erstaunt. Danach fahren wir zum Fährterminal, wo schon viele LKW warten – gut das wir da nicht über den Fluss müssen. Dann zum großen Markt. Auto abgestellt und schon wieder kommt einer, der unser Auto kaufen will. Das ist vermutlich der 8. oder so. Aber keiner will unseren Preis zahlen. Wir tauschen mal Nummern aus, vielleicht entscheiden wir uns ja noch anders.

Am Markt angekommen werden wir von einem Bumpster zugequatscht, der einfach nicht weggehen will. Es kommt ein anderer der uns fragt, ob wir ihn kennen würden, und ihn dann wegschickt, und einen Ausweis zeigt und meint er arbeite hier um Touristen von Bumpstern fern zu halten, damit sie einen besseren Eindruck haben und wiederkommen. Wir laufen mit ihm zum Markt und sagen ihm dann, dass wir alleine gehen möchten. Er lässt uns allein und keine 2 Meter später ist der andere Typ wieder da und labert uns zu. Wir sagen ihm, wir wollen ohne ihn gehen und da kommt schon wieder der andere und schickt ihn weg. Vermutlich ist es das kleinere Übel einfach mit ihm zu laufen. Er zeigt uns den Markt, und wir erstehen ein paar Kleinigkeiten. Als wir wieder aus dem Markt rausgehen geben wir ihm ein Trinkgeld.

Wir fahren zum Museum und laufen durch. Die Geschichte von Gambia ist ganz nett dargestellt, natürlich eher mit einfachen Mitteln, aber gut gemacht. Interessant sind vor allem die historischen Fotos. Danach gehen wir noch auf den Arch 22. Von oben hat man einen schönen Blick über die Stadt.

Museum in Banjul

Blick über Banjul vom Arch 22

Auf dem Rückweg ins Hotel halten wir noch bei der Botschaft von Guinea und holen unser Passavant ab.

Danach gehen wir baden, zuerst im Meer, dann im Pool, wobei am Meer uns gleich schon wieder der Barbesitzer nahelegt, wir mögen doch zu ihm kommen (auf dem Hin- und Rückweg). Langsam nervt es. Wir haben glaube ich in den letzten 10 Tagen 100 Menschen erzählt wer wir sind, wo wir herkommen und alle sagen wie schön und wie toll, aber eigentlich wollen sie einem nur irgendwas andrehen. Und sei es, dass man sie mitnimmt und sie einem die Sehenswürdigkeiten zeigen. Robert sieht es noch entspannt, mir geht’s langsam ziemlich auf den Senkel.

Abends essen wir nochmal im Hotel, Robert Burger und ich Rinder-Domoda – eine Art gambisches Gulasch. Selbst der Security vom Hotel quatscht uns dann noch voll wie toll doch Deutschland ist und gerade Bayern München, das ist sein Team. Ich kann es nicht mehr hören.

Réserve de Bandia und Einreise Gambia

Wir haben genug von Dakar, heute geht es weiter. Wie immer Richtung Süden.
Wir fahren zuerst zum Nationalpark Réserve de Bandia. Gegen Mittag sind wir dort. Der Ticketverkäufer sagt uns, wir könnten mit unserem eigenen Auto reinfahren, aber  bräuchten einen Führer. Für uns zwei plus Auto macht das dann knapp 60€. Nicht gerade wenig, aber damit hatten wir schon gerechnet. Allerdings sind wir zur falschen Zeit da, denn am besten wäre es morgens um 8 Uhr oder nachmittags ab 16 Uhr, weil dann mehr Tiere zu sehen sind. Wir entscheiden uns ein Hotel zu buchen, denn Nachmittag über zu entspannen und am nächsten Morgen früh besagte Tour zu machen.

Wir fahren zum Babao Camp und werden von einer sehr netten Französin begrüßt. Nette Zimmer, leider keine Klimaanlage, dafür ein Pool. Wir verbringen den Nachmittag dort, gehen abends in das zugehörige Restaurant. Das Essen soweit gut, nachdem ich mal wieder Lust auf Pasta habe, und seit Wochen auf jeder Karte Spaghetti Bolognese steht, wage ich den Versuch. Schmeckt so lálá, aber man erkennt was es sein soll. Vermutlich werde ich den Versuch in nächster Zeit nicht nochmal starten. Die Nacht wird schwül heiß.

Wir lernen: vorerst keine Unterkunft mehr ohne Klima. Mein Kissen ist am nächsten Morgen pitschnass, mein frisch gewaschener Schlafanzug durchgeschwitzt und meine Haare waren glaube ich seit dem Schwimmen gestern Mittag (!!!) nicht mehr trocken. Ich freue mich auf die Klimaanlage im Auto.

Wir stehen früh auf, duschen, machen uns fertig und fahren zum Reservat Bandia. Dort bekommen wir eine Führerin, die sogar deutsch spricht.

Zuerst kommen wir zu den Hyänen, die eingezäunt sind, weil das Reservat mit 2000ha zu klein ist und sonst alle anderen Tiere schnell als Mittagessen für die Hyänen enden würden.

Auf unserer Tour sehen wir sehr viel: Giraffen, Zebras, viele tolle Vögel, Büffel, Antilopen, Meerkatzen und andere Affen, einen Waran und zuletzt nach langem Suchen und Pirsch zu Fuß (angeblich illegal, aber in diesem Fall auf Anweisung unserer Führerin) noch zwei Einhörner. Super interessant und wirklich cool. Man kann also entspannt in 3 Wochen Fahrzeit von München auf Safari gehen. Hier ein paar Bilder:

Hyäne

Meerkatze

Waran

Riesenschildkröte

Blauer Glanzstar

Babyzebra mit Mutter

Toko

Antilopen

Nashorn

Giraffen

Am Ende der Tour kann man noch ganz viele Krokodile in einem Tümpel bestaunen. Wirklich ein schönes Reservat, und außer den Zebras sind alle Tiere dort auch heimisch.

Danach gehen wir kurz einkaufen und fahren dann zurück in unsere Unterkunft, um noch die gewaschene Wäsche und unsere Koffer einzuladen, bevor wir Richtung Gambia weiterfahren. Mal sehen wie wir durchkommen. Die gute Frau vom Hotel meint, dass wir mindestens 5 Stunden brauchen würden, wegen der Touba-Magal dieses Wochenende. Letztlich brauchen wir 3 Stunden 30 Minuten (was auch der Information des Navis nahe kommt), dann sind wir an der Grenze.

Die Ausreise aus dem Senegal läuft einfach, nervig sind die ganzen Kinder. Alle wollen was haben, und man muss aufpassen dass sie nichts aus dem Auto nehmen. Die Einreise nach Gambia ist auch recht entspannt. Ein Polizist kommt direkt zu uns ans Auto und quatscht uns an – super freundlich. Außerdem: endlich Französischpause! Hier wird englisch gesprochen! Wir sollen es uns gemütlich machen, aber lang wird es nicht dauern. Es war gerade Gebetszeit, irgendeiner mit dem Stempel ist deswegen noch unterwegs. Als er zurück ist geht es recht zügig. Zuletzt wird noch gefragt: so normally this is for free, but if you feel like it, maybe you could give us something? Wie zucken mit den Schultern und sagen sorry, but no und es wird uns freundlich geantwortet: ok no worries, good bye. Beim Zoll geht es auch schnell, dann wird eine Gebühr verlangt. Da auch alle anderen zahlen und es nicht viel ist, zahlen wir auch. Dann will ein anderer Zollbeamte auch noch das Auto von innen sehen und irgendwas haben, er verlangt 10€. Wir sagen dass wir die Kofferraumdurchsuchung dem Schmiergeld vorziehen würden. Daraufhin wendet er sich ab. Wir warten kurz, dann fragen wir ihn, was jetzt los sei, er meint dann, wir können fahren.

Es ist ca. 18Uhr. Bis dato der schnellste Grenzübergang in Afrika. Wir fahren weiter nach Farafenni, holen Geld am Automaten und fahren dann zur Fähre. Mal sehen wie gut das klappt. Vorne angekommen heißt es: hello my friend, you do not have ticket yet, that’s a shame… You did not see the ticket office? Well, maybe we can help you. Wir ahnen schon, dass es nicht mit rechten Dingen zugeht und sagen: no thanks, we will find the ticket office. Wieder 4km zurück und dann haben wir nach mehrfachem Fragen das Büro gefunden, um die Tickets gekauft und fahren wieder vor zur Fähre. Nach etwas Chaos schaffen wir es und sind gleich beim ersten Schwung auf der Fähre dabei! Es hieß im Vorfeld, man müsse oft sehr lange warten, bis man endlich auf eine Fähre kommt. Wie perfekt ist das denn?

Auf der Fähre darf man leider kaum Fotos machen, allgemein sind die Gambier keine Freunde von Fotos. Über den Fluss wird gerade eine Brücke gebaut, lange kann das nicht mehr dauern:

Brücke im Bau über den Gambiafluss

Das wäre dann die erste Brücke in dem Land, das ca. 300km lang, durchschnittlich 35km breit ist und der Länge nach vollständig von einem Fluss getrennt ist. Sobald die Brücke fertig ist, was noch dieses Jahr passieren soll, wird die Verbindung wohl deutlich besser sein und der Trans-Gambian-Highway seinen Namen auch verdienen. Spätestens dann werden wohl die Grenzübergänge jeweils in und vom Senegal wieder das Nadelöhr.

Wir entscheiden uns, noch bei fast Dunkelheit bis zum Tendaba Camp zu fahren. Das sind ca. 30 Kilometer. Auf dem Weg dahin ein paar Polizeistopps. Nur einer fragt nach: so what do you have for me? Ich versuche den Dialog ungefähr wiederzugeben: wir antworten: you would like to see passport, driver licence or what do you mean?nono, not that. you should have brought something for me… but what do you want?what is in that bag?a lot of clothes, we are travelling for 3 months, we need a lot of clothes. – hm OK, so you come all the way to Africa and have nothing for me? – No. – Well then, thanks and bye. Alles verhältnismäßig harmlos. Wir sind gespannt was noch kommt.

Die Straßen sind erstaunlich gut – mal wieder. Im Camp angekommen werden uns 3 Zimmer gezeigt, wir entscheiden uns für eins mit Klimaanlage, essen leckeren Butterfisch mit Reis zu Abend (die andere Alternative wäre Hühnchen gewesen).
Die Leute sind sehr freundlich, aufmerksam und zuvorkommend. Wirklich angenehm.