Über die Grenze nach Guinea bis Dalaba

Fünf Wochen sind wir unterwegs. Heute soll es ins andere Guinea gehen. Bevor wir losfahren gibt es im Hotel noch kurze Aufregung. Die Wäsche ist nicht trocken, also genauer gesagt pitschnass. Zudem müffelt sie, es sind lauter Heuschrecken drin und einige Teile haben was vom Bleichmittel abbekommen. Dann stimmt bei der Abrechnung der Zimmerpreis nicht mit dem überein, was uns am Tag vorher kommuniziert wurde. Wir diskutieren ewig rum, er sagt, er kann nichts ändern. Am Schluss zahlen wir etwas weniger fürs Abendessen, weil der Zimmerpreis unverhandelbar ist.

Die Straße wird zunehmend schlechter. Im nächsten Ort, in Pitché, müssen wir bereits die Ausreiseformalitäten erledigen. Uns wird mitgeteilt, dass beide Straßen zu den Grenzübergängen gut seien und wir somit auch über den kürzeren Weg, allerdings auf der dünner eingezeichneten Straße fahren können. Gesagt getan. Die Piste ist tatsächlich besser als die Straße und wir sind in Kürze an der Grenze. Erneut werden unsere Dokumente kontrolliert und wir warten auf die „Fähre“. Also das handbetriebene, schwimmende Teil:

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Fähre zwischen Guinea und Guinea-Bissau

Kaum sind wir drauf gefahren, heißt es schon: Wer zahlt? Kostet 10.000 CFA, lässt sich auch nicht verhandeln. Fünf Mann ziehen den Kahn an einem Seil über den Fluss. Der Motor auf dem Kahn ist nicht mehr in Betrieb. Nach 11km erreichen wir die Grenze auf Guineischer Seite. Die Piste bis dahin ist schon eher schlecht.

Der Zollchef ist wirklich sehr nett, er gibt uns seine Nummer, ruft bei einem Bekannten an wegen dem Hotelzimmer im nächsten Ort, denn er glaubt nicht, dass wir es bei Helligkeit noch bis Boké schaffen. Na das sind ja tolle Aussichten. Die Landschaft ist toll, die Straße schrecklich:

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„Gute“ Straße nach Koumbia

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Dorf nahe der Stadt Koumbia

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Fluß in der Nähe von Koumbia

Wir sind um 14 Uhr an der Grenze und haben es um 17.30 Uhr nach 50km in den Ort Koumbia geschafft. Die Unterkunft dort ist so ekelhaft, dass wir uns entschließen, noch in den nächsten Ort zu fahren, nach Gaoual. So schlimm wird die Hauptstraße hoffentlich nicht sein. Tja, getäuscht. Etwas breiter ist sie schon, aber für 35km brauchen wir trotzdem fast eine Stunde. Wir fahren durch Matschlöcher, die von LKWs so ausgefahren sind, dass wir mit unserem Geländewagen aufsetzen. Im Ort fahren wir ein Hotel an, das einigermaßen akzeptabel ist. 30€ pro Nacht mit Frühstück ist viel, aber OK. Der Chef bemüht sich dafür unheimlich. Zwei mal fährt er los um Toilettenpapier und eine SIM-Karte für uns zu besorgen. Dann lädt er mir noch Guthaben auf die SIM-Karte und der Nachtwächter wäscht unser Auto. Leider gibt’s nichts zu essen (wobei er uns das sicherlich besorgt hä​tte), und Lust nochmal in die Stadt zu fahren haben wir auch nicht, also machen wir uns Pasta mit Tomatensoße. Endlich mal wieder Pasta, herrlich!

Um Mitternacht geht der Generator aus und dann wird es schwül, warm und dunkel im Raum. Naja, war nicht das erste Mal.

Nach dem Frühstück packen wir zusammen. Über Nacht haben wir im Zimmer Wäscheleinen gespannt und die nasse Wäsche vom Vortag aufgehängt. Selbst der getrocknete Teil der Wäsche müffelt immer noch. Vor allem die Handtücher stinken schlimmer als vorher. Wir hoffen, in der nächsten Unterkunft den ganzen Mist nochmal waschen zu können. Bevor wir weiterfahren gehen wir noch Geld wechseln und werden in Kürze zu Millionären: 300€ wechseln macht 3.000.000 GNF. Die größten Scheine  sind 20.000 GNF wert. Das macht ein ordentliches Bündel Geld. Das Geldwechseln dauert etwas, da der Geldwechsler im Dorf erst das Geld irgendwo holen muss. Wir beobachten so lange das bunte Treiben am Markt. Hier wird alles portionsweise eingekauft. Keine Schachtel Zigaretten – nein, einzelne Zigaretten. Keine Dose Zucker, sondern abgepackt in kleine Mini-Säckchen geschätzt à 20 Gramm. Um 10 Uhr haben wir getankt und fahren los Richtung Labé. Die Straße ist gut.

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Gute Straße mit Kühen

Fast zu gut. Ich bin am zweifeln ob das so bleibt. Nun ja, immerhin für 80km. Dann geht die Piste los. Durchschnittsgeschwindigkeit sinkt auf 15km/h. Wir befinden uns wohlgemerkt noch auf einer Nationalstraße, der höchsten Straßenkategorie im Land. Ich frage mich allen ernstes erneut, warum wir uns das antun:

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Schlechte Straße mit Schlamm

Nach 20km steht eine Polizeikontrolle. Die Polizisten sind wirklich sehr nett. Auf unsere Nachfrage meint er, wir bräuchten noch ca. 1,5h nach Labé. Etwas überrascht fragen wir ihn, ob die Straße denn so bleibt, sonst wäre das ja eine sehr optimistische Zeitangabe. Er meint, es seinen noch 10km so, dann wird es wieder besser. Bereits nach 5km ist die Straße wieder geteert und wir kommen voran. Was für eine Erleichterung! Nach insgesamt 4h sind wir in Labé. Mal sehen, was die Leute im Ort zur Straße bis Dalaba sagen. Ich traue dem Frieden noch nicht ganz. Wir gehen einen Kaffee trinken (endlich afrikanische Preise: 2.000GNF = 0,20€ für 2 Kaffee; auf den 20.000er kann dann natürlich erst gewechselt werden, nachdem ein anderer Gast den Schein klein gemacht hat) und fragen nach der Straße. Die herrschende Meinung ist: ca. 2 Stunden. Das klingt doch gut und wir fahren weiter. Überraschenderweise ist die Straße abgesehen von ein paar Schlaglöchern wirklich gut und wir sind bereits um 16 Uhr in Dalaba.

Dort finden wir das vom Reiseführer empfohlene Hotel und die Zimmer sind sauber. Nicht mehr das neueste vom Neuen, aber trotzdem verhältnismäßig ordentlich. Wir sind happy und bleiben. Die Aussicht ist super schön und es hat angenehme 22 Grad. Ein Traum!

Wir laufen ein wenig im Areal umher, geben erneut die Wäsche zum waschen und gehen am Abend gemütlich im Hotel essen, da uns der Küchenchef Rindfleisch in Pfeffersoße mit Pommes und gerösteten Bananen anbietet, was interessant klingt, aber noch besser schmeckt. Dazu gibt es lokales und tatsächlich wohlschmeckendes Guiluxe-Bier. Zum Nachtisch gibt es noch Bananen und dann freuen wir uns aufs Bett. Wir geben noch Bescheid, dass wir gerne am nächsten Tag einen Führer hätten um die Umgebung zu erkunden und legen uns dann hin.

Am nächsten Morgen ist mal wieder früh aufstehen angesagt. Um 8 Uhr ist unser Führer da. Wir besprechen, dass wir zur Pont de Dieu wollen, die Case des Palabres und die Maison de Miriam Makeba sehen wollen. Wir laufen um 8.30Uhr los.

Im Ort kaufen wir noch ein paar Bananen ein, danach laufen wir weiter zur Pont de Dieu. Schöne Landschaft, Pinienwälder, Bambuswälder, viele Bäume, Sträucher, und immer mal wieder rauschendes Wasser. Hier ein paar Eindrücke:

Unser Führer, Daymou, spricht kaum englisch, aber wir bekommen es auf französisch gut hin. Den Tag über unterhalten wir uns viel über Schule, Bildung, den Traum von Europa, den Tourismus und den Einbruch dessen aufgrund von Ebola, ein bisschen Politik, Geschichte, etc. Immer wieder erklärt er uns Pflanzen, lasst uns schnuppern, manches wie Zimt und Kaffee verstehen wir, anderes gar nicht.

Die Pont de Dieu ist eine Naturbrücke, durch die über Kaskaden Wasser fließt. Wirklich sehr schön hier:

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Pont de Dieu

Wir laufen weiter durch Dörfer und an einem „Sandbruch“ vorbei. Leider fängt es dann an zu regnen. Gut, dass wir kurz darauf wieder im Ort sind und uns unterstellen können. Im Ort angekommen besuchen wir eine Lederwerkstatt, gehen danach zu einer Dame, die sehr gut deutsch spricht und 23 Jahre in München-Schwabing gelebt hat, sie freut sich sehr über unseren Besuch. Im Anschluss gehen wir auf einen kurzen Sprung in das Büro unseres Führers, anschließend einen Kaffee trinken, während Daymou nebenan einen Teller Reis isst.

Wir setzen unsere Tour fort und laufen zur Maison de Miriam Makeba. Diese hat dort ein paar Jahre gewohnt, nachdem sie aus den USA geflohen war. Das Haus wurde ihr vom damaligen Präsidenten geschenkt. Auf dem Weg stellen wir uns mal wieder bei einem Haus unter, weil es stark gewittert. Zufällig wohnt da der Mann, der auch den Schlüssel zum Miriam-Makeba-Haus hat. Er unterrichtet, während wir darauf warten, dass es zu regnen aufhört, Jungs und Mädchen den Koran. Auf Holztafeln wird mit Tinte geschrieben.
In der Regenpause laufen wir zum Haus bzw. eher zur Ruine. Selten habe ich etwas so heruntergekommenes gesehen. Die Decke (wie hier typisch) ist mit Bastkreisen geschmückt, die Renovierung dessen haben wohl ein paar Spanier mal finanziert. Alles andere ist unfassbar runtergekommen. Das Bücherregal im Wohnzimmer steht noch, die Bücher (alle Englisch) sind aber nur noch zum Teil vorhanden, den Rest haben die Termiten bereits gefressen. Das Bücherregal im Schlafzimmer ist komplett den Termiten verfallen und liegt auf dem Boden. Eine echte Schande. Das Haus an sich ist toll, zumindest kann man sich vorstellen, dass es das mal war. Die Sicht von der Terrasse ist traumhaft, aber es ist fraglich wie lange sie noch so steht, da alles komplett verschimmelt ist. Bei uns wäre so etwas in den Zustand schon längst nicht mehr zugänglich wegen Einsturzgefahr. Leider hat hier aber keiner das Geld, um zu renovieren.

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Maison de Miriam Makeba

Weiter geht es zur Case des Palabres, was deutlich besser in Schuss ist, allerdings gibt es dort ja auch keine Möbel. Alle wichtigen Gespräche bezüglich der Dekolonialisierung fanden hier statt. Historisch also ein wichtiger Ort für das Land.

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Case de Palabres

Ein wenig weiter steht der Gouverneurspalast. Der wurde tatsächlich renoviert und sieht nicht schlecht aus.

Wir laufen zurück zum Büro, denn wir sollen uns noch in das Gästebuch eintragen. Das muss Daymou erst holen und er kommt kurz später zurück. Robert schreibt noch einen netten Text, wir verbinden uns auf Facebook, und nachdem wir den von mir gesuchten Magneten nicht finden, hat er von einem Freund eine magnetische Spule oder so ähnlich bekommen. OK, nicht wirklich was ich gesucht habe, aber es ist vermutlich der originellste Magnet bisher. Anschließend laufen wir zurück ins Hotel, nach über 10 Stunden auf den Füßen.

Da es immer noch bzw. schon wieder regnet, essen wir erneut im Hotel. Heute gibt es einmal Rind und einmal Huhn. Schmeckt nicht schlecht. Müde fallen wir danach ins Bett.

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Nationalpark Cantanhez

Wir verzichten auf das Frühstück im Hotel und fahren direkt ins Café Imperio. Davor holen wir uns noch eine SIM-Karte um im Cantanhez Park anzurufen. Zunächst erfolglos, wir erreichen niemanden. Wir machen noch einen kurzen Abstecher in die Kirche und an den Hafen, dann fahren wir los.

Auf dem Weg versuchen wir nochmals zu telefonieren. Zwecks Netz und mangelnden Französischkenntnissen auf beiden Seiten verstehen wir nur, dass es Guides gibt, ob sie englisch sprechen ist unbekannt, und Zimmer gibt es anscheinend. OK, also fahren wir hin. Auf dem Weg fahren wir dann noch an schönen Wasserfällen vorbei und halten kurz an.

Wasserfälle von Campáta

Kurz hinter Quebo biegen wir links auf die Piste ab. 60km sollen es noch sein, mal sehen wie das so läuft.

Zu Beginn ist die Piste OK und wird dann langsam etwas anspruchsvoller. Nach ca. 1/4 der Strecke graben wir uns gut in ein Matschloch ein und glauben schon, dass wir nicht mehr rauskommen. Erster Gedanke: gut, dass wir in einem Dorf sind, da helfen sicher viele mit beim schieben. Aber mit Gefühl und Geduld schafft es der Pajero allein wieder aufs Festland. Wir sind mal wieder erstaunt.

Zwischenzeitlich wird die Straße dann wieder deutlich besser, es wurden einige „Brücken“ gebaut bzw. Befinden sich im Bau. Wir glauben schon, dass wir es so recht zügig schaffen können, aber irren uns gewaltig. Denn nach ein paar Kilometern wird es erst richtig schlecht: stellenweise ist es komplett zugewachsen, tiefe Schlaglöcher und matschige Pfützen machen ein schnelles Vorankommen unmöglich, aber wir schaffen es. Das ist jetzt Dschungel pur. Uiuiuiui.

Piste durch den Dschungel

Im Camp angekommen lernen wir zwei Spanier kennen, die auch noch nicht lange da sein können. Wir unterhalten uns nett. Wir treffen auf eine weitere Spanierin, die hier lebt und Affenforschung betreibt. Kaum zu glauben dass man freiwillig langfristig hier wohnen will. Es hat eine Luftfeuchtigkeit von 80% und das ist auch bei nur 27°C unerträglich. Wir nehmen ein Zimmer, wo wir uns mit ihr das Bad teilen. Ist immerhin besser in Schuss als die anderen runden Hütten.

Abendessen gibt’s im Restaurant: Hühnchen in Zwiebelsoße mit Wedges und Reis. Schmeckt lecker, wäre aber besser wenn keine Viecher rumfliegen würden.

Abendessen im Dschungel

Von 19 bis 23 Uhr läuft der Generator. Danach ist nicht mal mehr das Lüftchen vom Ventilator zu spüren. Es wird eine schwitzige Nacht.

Der Wecker klingelt um 4.30Uhr. Es ist stockfinster und richtig schön schwül heiß. Da der Schlaf eh nicht so tief ist, fällt das aufstehen nicht ganz so schwer.
Abfahrt ist um 5 Uhr. Wir packen den teils spanisch, teils französisch-sprechenden Guide ein und die Spanier fahren uns hinterher. Wir fahren ca. eine dreiviertel Stunde durchs dunkle Gebüsch, dann parken wir und es geht zu Fuß weiter. Ein weiterer Guide mit Machete ist irgendwo aus dem Gebüsch getreten und begleitet uns. Gut, dass mein Handy recht viel Akku hat und als Taschenlampe dienen kann, wir uns NoBite draufgeschmiert haben und unsere Wanderstiefel dabei haben. Wir laufen durchs Gestrüpp, waten durch Sümpfe und irgendwann sagt einer Guides: jetzt Handylichter aus. Wir laufen weiter und irgendwann bleiben wir stehen. Der Guide flüstert uns zu, dass oben auf der einen Palme, deren Krone flach ist, ein Schimpanse schläft. Noch sehen wir nichts, da es erst langsam beginnt zu dämmen. Die Vögel fangen an zu zwitschern und die gesamte Geräuschkulisse des Urwalds nimmt zu. Als es hell genug ist, kann Robert mit der großen Kamera den Schimpansen ausmachen und ihn gelingen ein paar Bilder, wie dieser in seinem Nest sitzt. Dann klettert dieser langsam runter. Leider schaut er dabei weg, als wäre er scheu. Weil es so sumpfig ist können wir leider auch nicht näher hinlaufen.

Naja sobald es ganz hell ist, laufen wir zurück zum Auto. Ehrlich gesagt sind wir etwas enttäuscht. Zumindest sehen wir auf dem Rückweg noch ein paar Meerkatzen in den Bäumen rumspringen. Zurück im Camp gibt es Frühstück, danach laufen wir mit unserem Guide noch durch das Dorf. Das ist ziemlich beeindruckend, wir sehen viele Kinder, die Moschee, die Schule, das Krankenhaus, die Disko. Strom gibt’s wenn dann über Generatoren, Wasser aus Brunnen. Hier ein paar Eindrücke:

Drei kleine Jungs, die uns durchs Dorf begleiten

Moschee in Jemberem

Ein Restaurant in Jemberem

Frauen am Brunnen in Jemberem

Schule in Jemberem

Jemberem – Eines der Dörfer im Nationalpark Cantanhez

Danach setzen wir uns ins Auto und fahren los Richtung der beiden Orte, wo es theoretisch Grenzübergänge nach Guinea geben soll. Auf dem Weg schauen wir noch in einem Ort vorbei wo ein Babyschimpanse lebt, das haben uns die Spanier erzählt. Julio ist sein Name und er sitzt ohne Scheu auf einem Dach und spielt vor sich hin. Der ist fast interessanter als die Aktion heute früh.

Julio – Der Baby Schimpanse

Wir fahren weiter. Leider wird uns an beiden Orten für den Grenzübergang von der Piste abgeraten. Beim ersten heißt es, es sei noch zu viel Wasser auf der Piste und wir kämen da trotz unserem Auto nicht durch. Beim zweiten Übergang heißt es, die Fähre würde momentan nicht fahren, man kann nur mit dem Motorrad fahren, was auf eine Pirogge passt. Gut, dann heißt es wohl doch den Umweg über Pitche nehmen. Wir fahren also weiter bis Gabu. Dort nehmen wir uns ein (überteuertes) Hotel mit Klima und Pool.

Wir gehen baden, geben Wäsche zum waschen und danach essen. Wir suchen erst ein Restaurant in der Stadt, vieles ist aber geschlossen oder sagt mir nicht zu, sodass wir doch im Hotel essen. Draußen am Pool ist es schön. Der Chef bemüht sich sehr. Wir essen beide Rindfleisch mit Reis, Pommes und Salat. Bei mir ist noch ein Ei drüber. Schmeckt gut. Dazu portugiesisches Bier. Robert will danach unbedingt noch das lokale Bier trinken gehen, direkt neben dem Hotel ist eine Bar. Leider schaffen wir es nicht auszutrinken, da der Geschmack wirklich scheußlich ist. Zum Unverständnis der lokalen Bevölkerung, lassen wir die halb vollen Gläser stehen. Tun wir nicht gerne, aber wir können das bei bestem Willen nicht trinken.

Von Cap Skirring nach Bissau

Genau einen Monat sind wir unterwegs. Nach dem Frühstück spazieren wir am Strand entlang. Wir sind uns einig: definitiv einer der schönsten Strände an dem wir je waren.

Cap Skirring

Wir sehen eine Ansammlung von Geiern am Strand. Als Robert näher hingeht um ein Foto zu machen, bemerkt er eine Schildkröte, die auf dem Rücken liegt, und von den Geiern verspeist wird.

Geier essen Schildkröte

Wir laufen zurück und gehen nochmal baden. Das Meer ist super sauber, angenehm warm und verhältnismäßig ruhig. Traumhaft.

Danach packen wir zusammen und fahren los zurück nach Ziguinchor. Von dort fahren wir weiter zur Grenze. Die Ausreise aus dem Senegal verläuft problemlos, die Einreise Guinea-Bissau auch, allerdings ist der bürokratische Aufwand der hier betrieben wird durchaus nennenswert. Um einzureisen werden unsere persönlichen Daten zweimal aus den Pässen in große Bücher geschrieben, die persönlichen Daten unseres Pajeros gleich dreimal (wohlgemerkt natürlich immer an verschiedenen Orten) und zusätzlich nochmal der Pass kontrolliert. Dennoch müssen wir im nächsten Ort zum Zoll, um einen Passavant ausgestellt zu bekommen. Da wird dann unser Auto nochmal in ein großes Buch eingetragen. Es klappt alles wunderbar, aber diese Abschreiberei ist echt mühsam. Afrika halt…

Wir passieren zwei weitere Kontrollstellen, wo jedes mal das Passavant gestempelt wird. Der eine will 1000 CFA fürs Stempeln. Ich schicke Robert nochmal hin. Er klärt das, danach fahren wir weiter, ohne gezahlt zu haben.

Die Straße ist zwar immer noch geteert, aber die letzten Regenzeiten haben ihre Spuren hinterlassen. Immer wieder Schlaglöcher. Dafür tolle Landschaft. So stellt man sich Dschungel vor.

Gegen 18h sind wir dann in Bissau. Das Hotel ist sehr versteckt und es steht auch kein Name und nichts dran. Schwierig zu finden, da Booking und Google es auch noch an unterschiedlichen Stellen vermerkt haben, die aber beide inkorrekt sind, aber wir fragen nach dem Weg und irgendwann stehen wir davor.

Kommunikation ist in diesem Land nicht leicht. Alle sprechen portugiesisch, bzw. kreol, und nur teilweise, und wenn dann eher schlecht, französisch. Wenig englisch. Zwei Portugiesinnen, die wir später treffen werden, gestehen uns, auch lange nicht alles zu verstehen, was hier auf kreol geredet wird.

Am Abend gehen wir in ein Restaurant, das nicht all zu weit weg ist und an welchem wir schon vorher vorbeigefahren sind. Ich bestelle einen Burger, Robert gemischtes Gegrilltes. Beides Dinge, die wir zumindest annäherungsweise auf der Karte entziffern können. Die Qualität eher unterdurchschnittlich, zumindest mein Burger ist eher mau bis nix. Dafür müssen wir aber trotzdem ordentlich löhnen, zusammen ca. 15€. Wir laufen zurück ins Hotel und gehen schlafen.

Nachdem wir am nächsten Morgen im Hotel entdeckt haben, wo es Frühstück gibt, was nicht gerade berauschend ist, laufen wir los in die Stadt. Wir schlendern Richtung Zentrum, was nicht weit entfernt ist. Zuerst stellen wir fest, dass der „Park“ um die Ecke tatsächlich ein Park ist. Bei Dunkelheit sah das nach einem verkommenen Platz aus. Danach kommen wir an einer Kirche vorbei und laufen weiter Richtung Präsidentenpalast.

Präsidentenpalast in Bissau

Dort gehen wir in das im Reiseführer angepriesene Café des Hotel Impérial. Wir gönnen uns süße Pastéis de Nata und einen Kaffee. Danach laufen wir über die Nebenstraße wieder zurück, da das ethnologische Museum geschlossen hat. Auf dem Weg werden wir hin und wieder von Geldwechslern angesprochen. Sie bieten einen überdurchschnittlichen Kurs an (in Bissau ist die Währung, wie auch im Senegal, der CFA-Franc, der eigentlich fix an den Euro gekoppelt ist). Komisch, vielleicht hat das was mit den Drogengeschäften zu tun, für die Bissau so berühmt-berüchtigt ist?

Wir laufen weiter zur Burg, die von Militärs bewacht wird, und fragen „auf blöd“ ob man rein darf. Also mit Händen und Füßen. Der Soldat deutet uns, wir mögen warten. Wir glauben eigentlich nicht, dass wir die Burg besichtigen können, aber kurz später werden wir dann doch gebeten einzutreten. Ein Soldat und eine Soldatin, die allerdings keine Uniform trägt, da Feiertag ist, laufen mit uns rein. Uns wird der General vorgestellt, nachdem man uns Besucherausweise ausgehändigt hat. Ein netter, etwas älterer Herr. Wir stellen fest, dass die einzige Sprache, auf der wir uns zusammen verständigen können, spanisch ist. Nun ja irgendwie geht es. Es folgt eine einstündige Führung durch die Festung, mit reichlich Geschichtsinfos zur großen Revolution von 1963-1974. Wir besuchen einige Gräber von wichtigen comandantes, sowie das Grab von Amilcar Cabral, einem der wichtigsten Unabhängigkeitskämpfer und dem Nationalhelden schlechthin.

Grabstätte von Amilcar Cabral

Während wir an den Gräbern stehen, kommen 2 Portugiesinnen dazu. Anne und Raquel übersetzen teilweise für uns. Danach werden uns stolz die Konferenzräume gezeigt, wir verstehen zunächst nicht ganz wieso. Aber später sehen wir, dass sie das alles erst im letzten Jahr wieder aufgebaut haben. 2017 war alles noch eingestürzt:

Aufnahmen der Festung von 2017

Zum Vergleich ein aktuelles Bild der Festung

Es folgen drei weitere Räume, in denen die Waffen der Freiheitskämpfer ausgestellt sind. Spannend zu sehen, wer hier alles Waffen und Zubehör geliefert hat: vorrangig die Sowjets, aber auch die Chinesen, Tschechen und Italiener tauchen dort wieder auf. Zu guter letzt ist der alte Käfer von Amilcar Cabral ausgestellt, und wir dürfen uns sogar rein setzen und Fotos machen:

Der alte Käfer von Amilcar Cabral

Danach dürfen wir noch die Büros anschauen, vorrangig weil es dort eine Klimaanlage gibt und wir uns dort noch ins Gästebuch eintragen und einen Obulus da lassen sollen. Zum Schluss stellt sich heraus, dass der General drei Jahre in Lviv gelebt hat und fließend russisch spricht. Robert ist begeistert und ab dann verstehen wir anderen gar nichts mehr.

Am Ausgang gibt’s noch eine Fotosession, dann gehen wir mit den beiden Mädels noch Mittagessen. Wir entscheiden uns danach, noch gemeinsam mit ihnen in ihr Hotel zu gehen, da sie meinen, dass wir dort an der Rezeption nähere Infos zum Nationalpark Cantanhez sowie den Straßenbedingungen auf den verschiedenen Wegen nach Conakry bekämen. Sie sollten recht behalten: der Park ist angeblich offen, man vermutet, dass es englischsprachige Guides gibt und bei der Straße ist der Rezeptionist erst unsicher, aber als er hört, dass wir einen Pajero haben, meint er, dass das passen sollte.

Wir treffen uns abends nochmal mit den Portugiesinnen und gehen gemeinsam Abendessen. Es ist noch eine Freundin der beiden dazugekommen, die in Bissau lebt und das Leben dort sehr schätzt. Ich kann es mir nicht vorstellen, aber das hat womöglich auch was mit der Sprache zu tun.