Abschied von Marokko

Da wir beide nicht fit sind laufen wir gegen Mittag nur kurz zur Kasbah. Am Auto werden Medikamente geholt, danach laufen wir durch den Jardin Andalou in die Burg. Praktischerweise befindet sich gleich beim Eingang ein Café, wo es Pfefferminztee und ein paar süße Teilchen gibt. Wir schlendern danach durch die Kasbah und man fühlt sich fast wie in Griechenland, da alles in blau und weiß gehalten ist. Ist ein nettes Plätzchen.

Kasbah in Rabat

Griechenland in Marokko

Auf der Aussichtsplattform beobachten wir ein paar Surfer und gehen dann durch unsere Straße wieder zurück. Robert legt sich direkt wieder hin, ich schlendere noch ein bisschen über den Bazar und gehe dann auch zurück. Abends geht es Robert leider so schlecht, dass er nicht essen gehen kann. Ich habe aber Hunger, will mich allerdings nicht allein ins Restaurant setzen. Der Hotelchef versucht beim Restaurant von gestern Abend etwas zu bestellen, aber sie behaupten, sie seien voll und hätten keine Kapazität. Daraufhin läuft er mit mir zu einem Sandwich-Stand und ich bekomme ein leckeres Sandwich mit Würstl – ich hätte aber auch neben Hühnchen, Herz, Leber oder Hirn (von welchem Tier weiß ich nicht) haben können.

Am nächsten Morgen geht es uns ein wenig besser, und wir fahren nach dem Frühstück los nach Tanger. Nachdem wir dort unser Zimmer bezogen haben und uns nochmals etwas ausgeruht haben laufen wir noch ein wenig am Strand spazieren. Zunächst sind wir uns nicht sicher, da es recht diesig ist, aber als es etwas aufklart wird uns bewusst: nach knapp 10 Wochen sehen wir auf der anderen Seite des Ufers wieder Europa.
Wir spazieren ins Hotel zurück und gehen abends ins Vintage um die Ecke zum Essen. Robert bekommt eine Harira und danach einen Burger, ich entscheide mich für Emincé de Boeuf mit Pfeffersauce, Gemüse und Püree. Schmeckt fantastisch!

Emincé de Boeuf

Am nächsten Morgen entscheiden wir uns, nochmal eine Werkstatt aufzusuchen, da unser Auto mal wieder irgendeine Flüssigkeit verliert. Da wir den Morgen über mal wieder trödeln, kommen wir erst gegen Mittag zur Werkstatt. Der Chef meint, wir sollen gegen 14.30 Uhr wieder kommen, da sie jetzt erst mal schließen. Klar, es ist ja Freitag. Wir vertreiben uns also die Zeit in der Altstadt. Erster Anlaufpunkt: Hafen. Wir sind uns nämlich nicht sicher, ob wir morgen von Tanger Med, was 40 km entfernt liegt, oder von Tanger Ville abfahren. Weder unser Ticket, noch die Seite von GNV, noch Go​ogle oder sonst was geben klare Aussagen darüber ab. Im Gegenteil – sie widersprechen sich ganz ordentlich. Aber wir haben das Büro schnell gefunden und erfahren auch gleich, dass wir nach Tanger Med müssen.

Hafen in Tanger

Danach laufen wir durch die Medina zur Kasbah, erstehen noch ein paar Dinge und fahren danach erneut zur Werkstatt. Dort kommt unser Auto mal wieder auf die Hebebühne, es leckt aus dem Verteilergetriebe. Er baut die Mittelkonsole aus und zieht von oben ein paar Schrauben fest.

Abends entscheiden wir uns für das Restaurant Mesana wo es guten Fisch geben soll. Solange sind wir ja schließlich nicht mehr am Meer. Wir gönnen uns eine Flasche Medaillon (marokkanischer Rotwein), und als Vorspeise gibt es Tintenfisch mit Kartoffeln und Olivenöl. Als Hauptgericht nimmt Robert Seeteufel, ich ein Thunfischsteak mit Gemüse und hausgemachten Kartoffelchips. Als Nachspeise gönne ich mir eine Apfeltarte und Robert nimmt eine Crème Bruleé. Wir haben einen schönen Abend und einen gebührenden Abschluss in Marokko.

Wir schreiben den 8 Dezember 2018, heute geht unsere Fähre zurück nach Europa. In Tanger Med angekommen läuft die Abfertigung soweit problemlos. Zuerst das Online-Ticket abstempeln lassen, dann die eigentlichen Tickets holen, dann zur Grenzkontrolle, Zoll, Scanner, nochmal Kontrolle und dann einreihen und auf das Boarding warten. An der Rampe wird nochmals kontrolliert. Soweit passt alles, allerdings mögen sie unsere vollen Reservekanister nicht – angeblich aus Sicherheitsgründen. Doof, dass wir vorher erst getankt hatten. Aber gut, dass wir nicht mehr genug Dirham übrig hatten um den Tank ganz voll zu machen. Wir füllen den ersten Kanister um. Nach dem wir ca. 3/4 des Kanisters umgefüllt haben schnallen wir ihn wieder aufs Dach und machen mit dem nächsten Kanister weiter. Es dauert lange und immer wieder schwappt was über. Wir sauen uns komplett ein, aber wir sind erstaunt was da wirklich noch alles reingeht, ca. 10 Liter gehen noch rein. Irgendwann kommt einer der Hafenmitarbeiter mit einem 10-Liter-Kanister, ihm geben wir den Rest aus unseren Vorräten. So verschenken wir ca. 8 gute Liter Sprit, 2 weitere sind mindestens daneben gegangen. Nach der Aktion stinken wir brutal nach Tankstelle, aber jetzt können wir endlich auf die Fähre. Auf dem Schiff bekomme ich einen Geburtsagsmuffin und einen Geburtstagskaffee, anschließend beobachten wir das Ablegemanöver. Gegen 18 Uhr heißt es dann Au revoir, l’Afrique! Nach knapp 10 Wochen verlassen wir Afrika und fahren an der spanischen Küste entlang.

Hafen Tanger Med

Goodbye, Africa!

Abends gehen wir ins Restaurant auf dem Schiff zum Essen. Wir trinken eine Flasche Aglianico und essen Gnocchi mit Ragú bzw. Tagliolini mit Curcuma, Zucchini und Speck. Müde gehen wir danach ins Bett.

Marrakesch

Morgens starten wir recht gemütlich unseren Tag. Spätes Frühstück, ein bisschen die Sonne auf der Dachterrasse genießen, ein wenig mit der Chefin quatschen (was sehr interessant ist, da sie uns viel über das Leben hier erzählt) und erst gegen Mittag gehen wir los. Wir wollen zunächst das Fotografiemuseum besuchen. Auf dem Weg dahin wird uns mehrfach erzählt, Straßen seien geschlossen, oder es gäbe nichts zu sehen. Wir laufen trotzdem weiter und die Straßen sind nie gesperrt und es gibt immer was zu sehen. Daran gewöhnt man sich allerdings schnell.

Das Museum beinhaltet alte Fotos von Marokko bis zu den 50er Jahren und zusätzlich Filme aus den 50er Jahren in Farbe über den Atlas. Echt interessant, und zum Schluss hat man von der Dachterrasse aus einen tollen Blick über die Medina und die verschneiten Berge im Hintergrund.

Blick über die Medina

Unten folgen wir weiter der Straße nach Süden und laufen etwas Abseits der Touristenströme. Ständig muss man aufpassen, da​ss man nicht von einem vorbeirasenden Mofa, Fahrrad oder Eselskarren erfasst wird. Auf die Dauer ist das ganz schön anstrengend. Irgendwann kommen wir zum großen Platz Jemaa el-Fna, auf dem richtig viel los ist. Neben Schlangenbeschwörern, Frauen, die Henna Tattoos machen, den armen Affen, die ihre Tricks zeigen müssen, gibt es zig Fressbuden und jeder will dass man bei ihm isst. Alle haben irgendeinen Spruch drauf  – von don’t panic, it’s organic bis zu see you later, Aligator ist alles dabei. Die Speisekarte haben sie auf jeder Sprache auswendig gelernt und kaum hat man einen erfolgreich abgewimmelt, blockiert der nächste den Weg und erklärt dir, dass sein Stand mit der Nr. 28/31/34 etc. der beste sei. Wir antworten den meisten: maybe later, we already have an appointment with number 32 and 29 und um sich den lokalen Gepflogenheiten anzupassen, hängen wir ein inshallah hinten dran.

Wir laufen zurück Richtung Riad, machen davor aber noch einen Abstecher zu unseren Freunden, die inzwischen angekommen sind und verabreden uns zum Abendessen. Wir gehen ins Kui-Zin, sitzen auf der Dachterrasse und genießen leckeres Essen. Nach gemischten Vorspeisen gibt’s für Robert uns mich Lamm an Orangensauce mit glasierten Zwiebeln. Schmeckt ein bisschen nach Weihnachten und sehr gut.

Am nächsten Morgen treffen wir uns mit unseren Freunden und schlendern gemütlich  los über die Souks, bei den Färbern und den Apotheken vorbei, gehen hier und da Kaffee trinken und laufen über den Jeema el-Fna und gelangen schließlich zum Palais Bahia. Wir besuchen den Palast, der wirklich schön ist und laufen danach weiter in die alte Synagoge und zum jüdischen Friedhof.

Bahia Palast

Raum im Bahia Palast

Traditionelle Tür im Bahia Palast

Jüdischer Friedhof

Blick auf die Souks

Gegen Spätnachmittag gönnen wir uns eine Kleinigkeit zu Essen und zu Trinken im Café Nomad. Anschließend werden noch Korbwaren eingekauft und wir laufen zurück ins Hotel. Abends gehen wir dann nochmal ins Limani zum Essen. Wir trinken leckeren Wein, obwohl wir gelernt haben, dass das Restaurant eigentlich keine Lizenz dafür hat – daher gibt es den Wein aus Saftgläsern, und die Flaschen werden in Karaffen umgefüllt. So merkt es die Polizei sicherlich nichts, wenn mal kontrolliert wird – genau.

Safran-Dattel-Kuchen im Nomad

Enge Gassen in der Medina bei Nacht

Am nächsten Tag laufen wir direkt los Richtung Jardin Majorelle und Museum Yves Saint Laurent. Zuerst gehen wir in die Ausstellung von Leila Alaoui, die über mehrere Jahre hinweg Portraits von Marokkanern gemacht hat und im Alter von 32 Jahren in Ouagadogou (Burikna Faso) bei einem Terroranschlag ums Leben gekommen ist. Tolle Bilder, auch wenn es fast etwas erdrückend ist.

Anschließend besuchen wir das YSL Museum, in welchem die Geschichte von Yves Saint Laurent toll dargestellt ist, sowie zahlreiche seiner Kleider und Designs. Auch ein kurzer Film über sein Leben wird gezeigt. Nebenan befindet sich der Jardin Majorelle, den YSL gemeinsam mit seinem Lebensgefährten Pierre Bergé neu angelegt und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat. Wir machen viele Bilder und verbringen eine schöne Zeit in dem wirklich toll angelegten Garten.

Jardin Majorelle

Jardin Majorelle

Jardin Majorelle

Jardin Majorelle

Zuletzt gibt es noch ein Berber Museum, und als wir alles gesehen haben, suchen wir uns mal wieder ein Plätzchen, um was zu essen und zu trinken. Wir bleiben in der Neustadt und finden eine tolle Brasserie mit wieder mal fantastischem Essen.

Da wir nun relativ weit zurücklaufen müssten und unsere Füße müde sind, entscheiden wir uns ein Taxi zu nehmen und fahren zurück in die Medina.

Abends gehen wir nochmals gemeinsam zum Essen ins Cafe Árabe. Wir teilen uns Tanjias (nicht zu verwechseln mit den omnipräsenten Tajines) und eine Fisch-Pastilla – danach gibt es noch Nachtisch und dazu Wein. Das Árabe hat auch eine Lizenz, sodass wir tatsächlich auch Flaschen und richtige Weingläser auf den Tisch bekommen. Der Abend wird sehr lustig und wir haben zahlreiche spannende Themen zu bequatschen.

Tanjia

Am nächsten Morgen kommen unsere Freunde noch einen Sprung zu uns, wir quatschen noch kurz uns verabschieden uns dann. Robert und ich packen zusammen und brechen gegen Mittag auf Richtung Rabat. Ich fühle mich schon seit 3 Tagen etwas kränkelnd, aber heute macht sich die Erkältung deutlich bemerkbar.

Abends in Rabat checken wir im Hotel ein, ruhen uns noch kurz aus und gehen dann um die Ecke essen. Ich schmecke fast nichts, aber Robert sagt, dass der Couscous mit Rindfleisch und karamelisierten Zwiebeln sowie Rosinen sehr gut schmeckt. Leider fängt nun aber auch Robert’s Nase an zu laufen. Wir legen uns früh schlafen und hoffen, dass es uns morgen besser geht.

Über den Atlas nach Marrakesch

Wir lassen den Tag in Agadir gemütlich angehen. Erst gegen Mittag checken wir aus und laufen noch zum Museum, das an das große Erdbeben von Agadir 1960 erinnert. Damals wurde die Stadt quasi dem Erdboden gleich gemacht, tausende Menschen starben. Im Museum sind Bilder der Stadt von vor dem Erdbeben zu sehen. Dahinter liegt ein großer Park, der recht schön angelegt ist, und obwohl er um die Uhrzeit noch geschlossen hat, können wir über einen Hinterausgang aus dem Museum einmal durchschlendern.

Jardin d’Olhao

Danach bummeln wir langsam zurück Richtung Uferpromenade, trinken zwischendurch noch einen Kaffee und fahren anschließend weiter nach Taroudannt. Die heutige Etappe sind nur 90 km und die Straße ist wie fast überall in Marokko super. Da unser Reifen über Nacht schon wieder ordentlich Luft verloren hatte, entscheiden wir uns kurz vor Taroudannt, die Reifen zu tauschen. Die beiden nagelneuen Ersatzreifen kommen auf die Hinterachse, der Reifen von hinten links ist ab sofort unser Ersatzreifen. Der Spaß kostet 30 Dirham (sprich keine 3€).

Abends gehen wir in Taroudannt in ein vom Hotelbesitzer empfohlenes Restaurant, das nicht weit entfernt ist. Es ist ein echt schön hergerichteter Ort, mit gutem, günstigem Essen und einem netten Chef, der sich gleich zu uns gesellt. Er erzählt uns über die Stadt, das Restaurant und wir quatschen ein wenig. Das Essen schmeckt auch ganz lecker – für Robert gibt’s Würstl und für mich Couscous.

Am nächsten Tag schaffen wir es mal wieder erst gegen Mittag aufzubrechen, da wir uns beide irgendwie seit ein paar Tagen etwas schlapp fühlen. Zuerst laufen wir Richtung Kasbah, die aber von innen nicht viel hermacht, danach weiter zum Stadttor, das man über eine Treppe auch erklimmen kann. Der Ausblick von oben ist ganz nett:

Blick vom Bab el Kasbah

Blick auf den Atlas vom Bab el Kasbah

Wir laufen weiter zum Hotel Palais Salam, das definitiv einen Besuch wert ist. Ein traumhaft angelegter Garten mit zwei verschiedenen Pools. Könnte allerdings etwas besser gepflegt sein. Dort trinken wir einen Espresso, bevor wir ein Stückchen an den Stadtmauern entlang laufen und danach wieder in die Medina einbiegen. Auf dem Weg dahin gibt’s nochmal einen Einkehrschwung zu Tee und Gebäck, was den bayerischen Auszog’nen sehr ähnelt. Danach schlendern wir gemütlich über den Bazar und erstehen hier und da etwas. Interesse am Verhandeln besteht hier allerdings eher weniger. Irgendwie seltsam diese Stadt – kaum Tourismus und massiv überteuerte Souvenirs.
Nach einer kurzen Ruhepause im Hotel gehen wir abends ins Chez Nada essen – heute gibt es für beide Tajine. Robert bekommt eine mit Taube, ich  eine mit Rindfleisch. Beides schmeckt lecker.

Am nächsten Tag fahren wir nach dem Frühstück los zum Museum von Claudio Bravo. Nach einer guten Viertelstunde sind wir dort und staunen nicht schlecht, als uns pro Kopf 200 Dirham abgeknöpft werden. Wir zögern, aber wir sind nun mal da, also machen wir’s auch. Claudio Bravo ist ein chilenischer Künstler, der sehr, sehr realitätsgetreu und exakt gezeichnet hat. Man kann seine Werke kaum von Fotos unterscheiden. Das Museum hat leider kaum Originale, aber es befindet sich in seinem von ihm selbst entworfenen Palast, in welchem er auch gelebt hat, bis er 2011 an einem Herzinfarkt in seinem Atelier (ebenfalls im Palast) verstorben ist. Seit dreieinhalb Jahren kann man den Palast besuchen, seit einem Jahr wurde es auch zu einem kleinen Hotel mit ca. 10-15 Zimmern umfunktioniert. Da keine Gäste da sind, können wir auch die Zimmer und Suiten besuchen, die ehemals entweder Salons oder Zimmer der Bediensteten waren. Die Preise sind sogar tatsächlich im Rahmen – die große Suite für 300,- € pro Nacht ist teuer, aber für das Gebotene angemessen. Die anderen Zimmer mit 80,- € pro Nacht sind zwar kein Schnäppchen, aber für die Qualität, das Wohnen im Museum mit teuersten Möbeln, zwei Swimmingpools und einer traumhaften Parkanlage völlig OK. Da haben wir auf der Reise schon schlechteres gesehen für ähnliche Preise (man denke z.B. an Dakar). Die Führung dauert ca. 2 Stunden, wir dürfen viel fotografieren und werden tatsächlich durch alle Räumlichkeiten geführt (ja, auch die Küche dürfen wir besuchen).

Museum Claudio Bravo – Swimmingpool 1

Schlafzimmer von Claudio Bravo

Claudio Bravo’s Atelier

Serie von gezeichneten Päckchen

Zuletzt werden wir über den Park an ein Wasserbecken mit Blick auf den Atlas gebracht und bekommen dort Tee und Gebäck serviert. Anschließend werden wir dann noch schön kitschig mit einer Pferdekutsche wieder zum Eingang chauffiert – als hätten wir die 300 Meter nicht laufen können. Aber gut, die Marokkaner stehen da wohl drauf.
Summa summarum war es ein toller Ausflug und mich persönlich hat Bravo begeistert – obwohl wir keine Originale, sondern nur Kopien gesehen haben.

Swimmingpool 2

Speisesaal

Ausblick vom Speisesaal auf den Atlas

Danach geht es weiter – wir möchten heute noch den Atlas überqueren, und das über die angeblich landschaftlich spektakulärste Strecke und den Pass Tizi’n’Test auf 2.100m. Zuerst fahren wir noch kilometerlang in der Souss-Ebene an Orangen- und Mandarinenplantagen vorbei, bevor es dann recht steil und kurvig bergauf geht.

Straße durch die Souss-Ebene

Zu Beginn ist die Straße noch gut, wird dann aber immer schlechter, mit Schlaglöchern, einer Spurbreite ehemaligem Teer, daneben ausgefahrene Stellen. Nichts desto trotz kommt uns auch hier ein großer Bus entgegen.

Die Landschaft ist wirklich schön, oben am Pass bleiben wir nochmal stehen und blicken auf die Souss-Ebene.

Tizi n’Test Pass

Blick vom Tizi n’Test Pass

Danach geht es kurvig weiter. Nach insgesamt 180km erreichen wir Ourigane. Nur wenige Meter hinter dem Ort befindet sich unser Hotel. Wir sind mal wieder in einem kleinen Paradies gelandet. Abends essen wir gemeinsam mit anderen Gästen zuerst eine leckere Suppe und danach gibt es neben Couscous auch eine Tajine mit Hackfleischbällchen.

Der nächste Tag beginnt mit einem leckeren Frühstück, danach packen wir zusammen, und laufen zu Fuß in die Berge. Der Weg ist zunächst recht einfach, wird später etwas steiler, aber immer noch problemlos machbar – schließlich kommen auch Autos und LKWs hoch. Je höher wir kommen, desto mehr weiße Berge schauen rechts und links hervor. Oben im Ort auf 1.300m angekommen werden wir gleich von den Dorfbewohnern zum Tee eingeladen. Wir nehmen das Angebot gern an, da es uns auch interessiert wie die Lehmhäuser von Innen aussehen. Wir sind überrascht wie ordentlich, sauber und schön sie sind. Der Tee tut gut, und auch das kleine Gebäck sowie die Nüsse dazu. Wir laufen weiter bergauf und genießen noch ein wenig die Aussicht, bevor wir wieder absteigen.

Im Bergdorf Tinzert

Blick ins Tal von Tinzert

Schneebedeckter Atlas

Nach ca. 5 Stunden sind wir wieder zurück am Auto und fahren los nach Marrakesch. Die Straße ist landschaftlich wirklich toll.

In Marrakesch angekommen rufen wir unser Riad an und werden dann auch gleich abgeholt und zu einem Parkplatz begleitet. Da wir komplett umpacken müssen und viel Zeug ausladen holt uns der Besitzer einen Typen mit einer großen Karre ran, der dann all unser Gepäck zum Riad schiebt. Zu Beginn erachten wir das noch als etwas übertrieben, aber nachdem wir dann doch ein gutes Stück durch enge Gassen mit Kopfsteinpflaster laufen müssen, sind wir ganz froh drum, die Koffer da nicht selbst durchrollen zu müssen.

Die Medina ist ein Erlebnis – überall verwinkelte, dunkle, kleine Gassen. Irgendwann öffnet sich ein Tor und wir stehen in einem tollen Riad. Hier kann man sich auf jeden Fall wohlfühlen. Zur Begrüßung gibt’s gleich einen Tee und wir werden mit allerlei Infos rund um Marrakesch ausgestattet. Abends wird für uns im Restaurant Limoni reserviert, wohin wir vom Nachtwächter begleitet werden, und auch nachher wieder abgeholt werden, damit wir ja nicht verloren gehen. Ein top Service, auch wenn wir den Weg vermutlich allein gefunden hätten. Zu Essen gibt es, nach kleinen Vorspeisen, Burger mit Kamelfleisch. Schmeckt fantastisch.

Zurück durch die Wüste

Der Tag in Nouadhibou beginnt mal wieder mit Routine. Aufstehen, Frühstücken, Packen und los. Da wir uns gestern mit unserem Bier verkalkuliert haben, fehlen uns heute 280 Ouguiya, sprich 7 €, um die Hotelrechnung zu begleichen. An Kartenzahlung ist hier natürlich nicht zu denken. Aber gut, dass das Personal flexibel ist und wir passend 7€ da haben, sodass wir unsere letzten Ouguiya los werden, ohne nochmal extra zur Bank laufen zu müssen.

Dann kommen wir zur Grenze. Die Ausreise aus Mauretanien läuft mal wieder problemlos. Dann passieren wir erneut das Niemandsland und schließlich sind wir an der marokkanischen Grenze. Hier ist wieder das übliche Chaos angesagt. Man meint sogar die Marokkaner seien die Spezialisten des Chaotismus. Robert muss zweimal zu einem Zollbüro, wo es auch schön chaotisch zugeht, inklusive Rumgeschreie und -geschubse zwischen Zöllner und anderen Kunden, um einen Wisch zu bekommen, diesen dann auszufüllen, und dann abstempeln zu lassen. Wir stehen schon kurz vor dem Scanner, da fällt den Grenzbeamten ein, dass vorher doch nochmal wer anders das Auto checken muss. Also muss ich irgendwie meinen weit vorne ergatterten Platz aufgeben, zig Lastwagen hinter mir müssen rumrangieren, damit ich wieder rausfahren kann, um 50 Meter weiter hinten mit den werten Herren vom Zoll unsere Ladung zu inspizieren. Gut, dass ich mich danach gleich wieder weiter vorne einreihen kann. Allerdings muss Robert jetzt nochmal zum Zoll, um einen Stempel zu bekommen. Dieses Mal dauert es. Dann kommt endlich Robert zurück, muss den Wisch erneut vorzeigen und abschreiben lassen, und wir können endlich durch den Scanner. Danach gibt’s den Wisch nochmal ausgefüllt zurück, und damit müssen wir dann nochmal zum Zoll, aber diesmal in ein anderes Büro. Stempel drauf und am Schluss die Kontrolle, ob wir auch alles erledigt haben und endlich haben wir es geschafft.

Es liegen 370 km Wüste vor uns bis Dakhla. Da wenig Verkehr herrscht und die Straße gut ist, stellt das soweit keine Herausforderung dar. Dank ordentlichem Gegenwind verbrauchen wir allerdings über 18l/100km. Sportlich…

In Dakhla angekommen wollen wir zunächst zum 25er und überlegen uns dort zu übernachten. Irgendwie ist es uns dann aber doch zu voll und zu windig, sodass wir weiterfahren. Am West-Point ist es uns definitiv zu windig und das dort gelegene Hotel zu teuer, sodass wir uns über das lokale WiFi doch noch ein anderes Hotel in der Stadt buchen. Abends gehen wir, weil es letztes Mal so gut war, nochmal in die Villa Dakhla und essen ebenfalls wie letztes Mal Permentier de Chameau.

Campingplatz 25 km vor Dakhla

Beim Essen unterhalten wir uns darüber, wie westlich alles hier erscheint. Als wir zuletzt hier waren, kam einem alles exotisch vor, jetzt scheint es schon fast wie daheim. Es fahren verhältnismäßig ordentliche Autos rum, die Straßen sind zum Großteil geteert, die Hotels sind ordentlich, es gibt warmes Wasser, in Restaurants sind die Tische frisch eingedeckt und es sieht irgendwie gepflegt aus, das Angebot an Waren im Supermarkt ist deutlich größer und der Verkehr schon fast so zivilisiert wie bei uns – man hält an roten Ampeln, blinkt, wenn man abbiegt, macht Nachts das Licht an, etc.

Am nächsten Morgen geht es weiter nach Norden. Ich versuche mich strikt an die Geschwindigkeitsbegrenzung zu halten, aber natürlich übersehe ich dann doch einmal das 60er Schild und bin in Vorfreude auf eine Toilette und eine nahende Tankstelle stattdessen mit 69km/h unterwegs. Wir werden angehalten, dumm stellen bringt leider nix – dank LTE wird mir mein Vergehen mittels Google-Translate ins Englische übersetzt. Ich sehe meine Vermutung, dass das Netz nur für die Polizei eingerichtet wurde, durchaus bestärkt. Also mal wieder 150 MAD gegen Quittung abdrücken und weiter geht’s.

Gegen 17:30 Uhr und 530km später erreichen wir dann Laâyoune. Wir checken in ein Hotel ein und gehen abends in der Stadt essen – leider finden wir das gesuchte Lokal nicht, aber trotzdem essen wir nicht schlecht zu Abend.

Nachdem wir ausgeschlafen und gefrühstückt haben, fahren wir über die Küstenstraße nach Tarfaya. Schließlich hatten wir noch nicht genug Meer, Strand, Sand und Wüste. Kurz vor dem Ort liegt im Meer ein Schiffswrack, die alte Fähre zwischen Tarfaya und den Kanaren. Sie liegt seit ca. 10 Jahren dort und rostet munter vor sich hin. Stört anscheinend weiter niemand, und Fährverkehr gibt es seitdem halt auch nicht mehr auf der Strecke.

Wrack der alten Fähre zwischen Tarfaya und den Kanaren

In Tarfaya selbst gibt es einen schönen Strand und im Meer ein Haus, welches man anscheinend bei Ebbe trockenen Fußes erreichen kann. Robert geht ins Wasser und schwimmt zum Haus, da gerade Flut ist. Ich genieße in der Zwischenzeit die Sonne. Danach gehen wir noch Kaffee trinken und Reifen aufpumpen, da der hinten rechts mal wieder nicht so gut aussieht.

Casa del Mar

Weiter an der Straße ist irgendwo ein Loch, das vom Meer ausgehöhlt wurde. Sieht spektakulär aus.

Gouffre d’Akhfeni

Ansonsten bleiben wir auf der Straße und fahren bis hinter Tan-Tan, dort biegen wir dann auf eine Piste ab, da wir heute im Ksar Tafnidilt übernachten wollen. Dort angekommen packen wir aus und kochen danach Pasta. Noch bevor wir uns ein zweites Bier gönnen können, geht der Generator aus und es wird stockfinster, es ist Schlafenszeit.

Ksar Tafnidilt

Die Nacht ist kühl, es war heute vermutlich doch das letzte mal Camping angesagt. 15°C ist dann leider doch zu frisch. Morgens ist unser Zelt demzufolge außen ziemlich feucht, leider scheint auch erst mal weder die Sonne, noch geht Wind. Wäre nicht so schlimm, wenn wir wüssten, wann das Zelt das nächste mal geöffnet wird. Zuerst frühstücken wir, und dann kommt doch noch die Sonne raus, sodass wir noch ein wenig in der Kasbah entspannen, die Fähre buchen und paar Dinge online organisieren, bevor wir zusammenpacken. Gegen Mittag ist das Zelt dann trocken und wir machen uns auf den Weg nach Agadir, über den Anti-Atlas. Die Straße ist schön, und es wird zunehmend grüner. Wir haben die Wüste hinter uns gelassen.

Endlich grün

Auf in den Antiatlas

Auf 1000 Höhenmetern haben wir nur noch 14°C, und der Verkehr nimmt deutlich zu. Wir fühlen uns ein wenig zurück in der Zivilisation angekommen. Gleichzeitig nehmen auch die Radarkontrollen extrem zu, aber wir schaffen es heute, ohne zahlen zu müssen. Auf 350km gab es mindestens 5 Kontrollen und immer wieder hat es Leute erwischt. Es scheint zu funktionieren, das System.

In Agadir angekommen, checken wir in unserem Hotel ein und Robert fährt gleich mit dem Auto in die Waschanlage. Nach dem ganzen Salz und Sand ist das mal wieder notwendig. Abends gehen wir in ein Restaurant und essen Tajine. Es schmeckt mal wieder fantastisch, auch die kleinen Vorspeisen sind köstlich. Danach laufen wir noch ans Ufer, fahren Riesenrad und spazieren noch ein bisschen umher, bevor wir müde ins Bett fallen.

Tajine

Agadir bei Nacht

Riesenrad in Agadir

Mauretanien

Der Tag beginnt mit Routine: Frühstücken, packen, auschecken, los. Es ist 10 Uhr. Ab Richtung Mauretanien.

Wir fahren am berühmten 25er vobei: der Langzeit-Überwinterungs-Campingplatz für Europäer schlechthin. Es sind viele Fahrzeuge da, aber wir kennen schlimmere Bilder aus dem Netz. Mal sehen wie es auf der Rückfahrt dort aussieht…

Dann nehmen wir die Abzweigung Richtung Süden. Am Kreisverkehr steht ein Polizist und wir sollen anhalten. Schnell stellt sich heraus: ich bin mal wieder zu schnell gefahren. 70 statt erlaubten 60 km/h. Irgendwo auf dem Weg wurden wir fotografiert und dann wurde das Bild per WhatsApp dem Kollegen am Kreisverkehr geschickt – jetzt ist mir auch klar, warum es mitten in der Wüste überall Netz gibt… Naja 150 Dirham: viel aber nicht der Weltuntergang. Robert will handeln, ich fahren. Der Polizist schreibt alles ab, wir erhalten immerhin eine Quittung mit dem Betrag, und weiter geht’s.

Es ist das gleiche Bild wie vor 2 Tagen: Wüste links, Meer rechts. Die Straße ist nicht mehr ganz so gut aber immer noch problemlos zu fahren. Es herrscht noch weniger Verkehr als zuvor, mit dem Unterschied, dass sich das Verhältnis Kamele zu Achtung Kamel Schildern umgedreht hat. Zunächst sehen wir rechts noch Dakhla auf der anderen Seite der Lagune und kurz drauf passieren wir das Schild: tropic de concer – nördlicher Wendekreis. Wir wenden aber nicht, sondern fahren weiter.

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Tropic de Concer – nördlicher Wendekreis

Gegen 14h Ortszeit sind wir an der Grenze. In Marokko brauchen wir ca. 45 min für die Ausreise: erst Passkontrolle, dann durch den Scanner, danach Zoll, dazwischen zig mal im Kreis fahren weil irgendwo irgendwas fehlt. Und immer wieder irgendwelche Grenzhelfer, die uns ihre Dienste anbieten. Wir lehnen dankend ab, trotzdem helfen sie uns und sind wirklich nett. Auch die Grenzpolizisten sind sehr nett. Ein Junger kommt irgendwann mich zu und meint, dass er eine Freundin in Deutschland hat, mit der er italienisch studiert hat. Daraufhin quatschen wir ca. 5 Minuten auf italienisch bis Robert mit irgendeinem fehlenden Wisch zurück zum Auto kommt…

So, Ausreise erledigt. Es folgen 3km Niemandsland, bzw. ein Gebiet, das von den Polisario kontrolliert wird. So stellt man sich die Apokalypse vor: keine Straßen mehr nur Buckel aus Sand, altem Asphalt und Steinen, rechts und links zig ausgeschlachtete Autos, und rundherum angeblich Minen. Irgendwie ein seltsames Gefühl. Wir überholen ein paar Autos, die langsam in Schlangenlinien Richtung Mauretanien fahren, unser Pajero ist ja Gelände gewohnt.

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Autowracks zwischen den Grenzen

In Mauretanien angekommen bieten wieder Grenzhelfer ihre Dienste an. Wir schaffen das aber allein. Die Passkontrolle geht schnell, dann Richtung Visastelle. Dort befinden sich zig wartende Holländer und ein paar Marokkaner. Wir sind etwas verwirrt und es wird uns konstant gesagt, wir sollen doch gleich zum Zoll. Dann hätten wir das schon hinter uns. Nach kurzem Zögern geht Robert dort hin und kommt nicht all zu lange später zurück mit dem Wisch und einem Stempel im Pass. Das Auto ist also schon in Mauretanien. Wir nicht…

Wir unterhalten uns mit dem Holländern. Sie sind eine große Gruppe und fahren eine Rallye von Antwerpen bis Banjul. Als wir ankommen sind noch ca. 60 vor uns, 30 haben die Prozedur hinter sich. Fun fact: die stehen schon 2 bis 3 Stunden länger da… Nun ja uns bleibt nichts anderes übrig als zu warten… Hin und wieder die ein oder andere Diskussion, Pässe gehen vor und zurück. Der Chef kaut auf seinem Holz herum und scannt hin und wieder ein paar Pässe ein. Der andere nimmt Fingerabdrücke, (rechte Hand, linke Hand, dann beide Daumen) und danach ein Foto. Die Pässe wandern danach zum Boss, der sie scannt, dann wieder zum anderen zurück. Der druckt dann das Visum mit einem Drucker, mit einem zweiten Drucker dann das Foto. Dann wird erst eingeklebt. Das dauert natürlich. Immerhin unterhalten wir uns nett mit den Holländern und erfragen gleich, wann sie nach Senegal einreisen und wo, damit nicht nochmal das gleiche passiert. Es stellt sich raus: Sonntag ist für uns die Grenze am Damm von Diama Richtung Senegalein No-Go 😉

Um kurz vor 21h Ortszeit haben wir endlich unsere Pässe zurück und können, nachdem der Pass gestempelt wurde, einreisen. 8h an der Grenze, welcome to Afrika.

Wir fahren hinter der letzten Holländergruppe hinterher, die fahren mit Begleitschutz. Ein paar Mauretanier versuchen regelmäßig, diesen zu überhole, aber werden ordnungsgemäß ausgebremst, trotz Warnblinker, Polizei-Kennzeichen und dem Polizisten, der ständig mit der Hand aus dem Fenster dem Drängler „langsam“ zeigt.

Noch bei Nacht fällt uns auf: die Autos, die hier rumfahren sind nochmal ein gutes Stück heruntergekommener als die in Marokko. Vermutlich werden die alten Autos aus Marokko hierher verkauft (oder verschenkt?), sobald sie in Marokko ihren zweiten wirtschaftlichen Totalschaden hinter sich haben und alle noch funktionierenden Teile wie Scheinwerfer und Scheiben demontiert wurden.

Wir finden das von einer Freundin empfohlene Hotel. Schnell frisch gemacht und endlich essen. Wir finden das Restaurant Monaco. Als wir es betreten, schauen uns 4 Chinesen inklusive dem oberkörperfreien Koch mit großen Augen an und schütteln den Kopf. Französisch: Fehlanzeige. Essen: ebenfalls. Wir laufen weiter und finden ein weiteres Lokal, in welchem sogar noch was los ist! Schaut irgendwie nach einem Expat-Restaurant aus und die Karte ist dreisprachig: französisch, englisch, spanisch. Wir essen frittierten Fisch mit Reis Pommes und Gemüse. Ist soweit ganz gut.

Müde fallen wir am Abend ins Bett.

Am nächsten Morgen fahren wir erst mal Richtung Süden zum Ende der Halbinsel, das Cap Blanche. Auf dem Weg dorthin, links hinter dem Hafen, der Schiffsfriedhof. Ähnlich zu den zahlreichen ausgeschlachteten Autos am Wegesrand liegen hier hunderte Schiffe. Es sieht so aus, als gingen sie dort hin um zu sterben. Ein trauriger Anblick. Wir fahren weiter. Pisten, die teilweise über die Grenze laufen, führen zu einem Visitors‘ Center, welches auch auf der anderen Seite der Grenze liegt. Dort wird uns erklärt, dass es weltweit nur noch 500 Mönchsrobben gibt, davon seien 150 in der Nähe, leider aber dauerhaft nur zwei davon genau hier. Die lassen sich für uns leider nicht blicken, aber dafür liegt die Bucht schön, draußen sind einige Fischerboote unterwegs.

Cap Blanche

Danach geht es weiter Richtung Nouakschott. Die Landschaft dahin wird fast noch eintöniger. Es ist einfach nur flach und sandig, rechts und links gelegentlich Hütten, ein paar Nomaden und Kamele. Es wird Zeit, dass wir durch sind. Ich kann keine Wüste mehr sehen.

Auf dem Weg werden wir ca. 12 Fiches los. Geht eigentlich. Einer will unseren Erste-Hilfe-Koffer, Feuerlöscher und Warndreieck sehen. Letzteres finden wir grade nicht, aber er lässt uns trotzdem fahren – und das sogar ohne Schmiergeld!

Als wir endlich in Nuakschott angekommen sind, ist es schon fast dunkel. Zufällig ist eine alte Freundin, mit der ich in Italien studiert habe, momentan beruflich dort. Sie hat für uns im Hotel, in dem sie auch wohnt, ein Zimmer reserviert. Das Maison de Hôtes Jeloua ist mal wieder eine schöne Oase mitten im eher trostlos wirkenden Viertel. Wir essen gemeinsam im sehr guten, hoteleigenen Restaurant zu Abend und verbringen einen sehr schönen Abend. Meine Freundin erzählt uns viel über Land und Leute und macht uns überraschender Weise durchaus Lust auf mehr.

Am nächsten Tag lassen wir es gemütlich angehen und fahren gegen Nachmittag Richtung Port de Pêche. Am Stand türmen sich wieder mal hunderte Fischerboote. Alle individuell bemalt – echt schön. Einige Fischer kommen gerade zurück, andere machen sich auf den Weg aufs Meer. Ein großer Traktor mit Winde ist im Einsatz um ein großes Boot aus der dritten Reihe ans Ufer zu ziehen. Wir blieben stehen und schauen gespannt zu. Es quatscht uns ein älterer Herr an und erklärt uns, dass das sein Traktor sei, seine Kinder ihn nun führen und das Ding aus Deutschland sei, aus dem 2. Weltkrieg und über hundert Jahre alt. Ich sage ihm, dass der 2. Weltkrieg aber so lang nicht her ist, daraufhin sagt er: stimmt, ist aus dem 1. Weltkrieg – ah ja. Sicherlich alt das Ding, aber so alt?

Slippen am Strand von Nuakschott

Wir fahren noch ein wenig durch die Stadt, essen nochmal mit meiner Freundin zu Abend, bevor sie zum Flughafen muss und gehen dann auch schlafen. Morgen steht eine weitere Grenze bevor, mal sehen was die so mit sich bringt, Geschichten gibt’s dazu auf jeden Fall genug im Netz.

Durch die Wüste

Heute geht es weiter Richtung Süden, wir sind nun 2 Wochen unterwegs. Wir packen zusammen, zahlen, die reizende Hotelbesitzerin wünscht uns alles Gute, erklärt uns noch welche Straßen wir fahren sollen und sagt, wir sollen wiederkommen. Vielleicht schauen wir sogar auf dem Rückweg nochmal vorbei.

Dann fahren wir Richtung Süden am Strand entlang. Zuerst zu einer alten Festung, die aber so alt nicht sein kann, da man an verschiedenen Stellen noch Reste von Wellblech erkennen kann. Trotzdem eine Ruine.

Festung Bou Jerif

Kurz danach der Campingplatz / Hotel Fort Bou Jerif. Top gepflegt, schön gelegen und sehr freundliches Personal. Wir trinken Tee und Kaffee und lassen es uns gut gehen. Wirklich eine schöne Oase im wahrsten Sinne des Wortes. Dann zurück auf die Hauptstraße und noch vor Tan Tan wieder auf die Piste Richtung Ksar Tafnidilt. Wieder eine Burgrunine und daneben ein traumhaftes Hotel / Campingplatz einfach so im Nichts.

Ksar Tafnidilt

Geführt von einem französischen Pärchen. Es scheint als wäre dort absolute Nebensaison, da rein gar nichts los ist und außer uns kein Mensch zu sehen ist, dann erzählt mir der Besitzer, dass heute Abend noch 92 Gäste kommen, die alle zwischen 18h und 19h einfallen und alles belegt ist, sodass wir, selbst wenn wir wollten, nicht dort bleiben können. Unglaublich, das hätte man gar nicht erwartet, so abseits der Hauptstraße.

Nach lecker Tee und Kaffee mit süßen Teilchen dann wieder weiter auf die Piste Richtung Kap Draa. Wir sind nun so lange am Draa-Fluss (aktuell eher ein Rinnsal) im Draa-Tal entlang gefahren sind, da wollen wir auch die Mündung sehen. Pisten sind immer mal mit Abweichungen zu befahren, aber irgendwie finden wir dann doch wieder die geteerte Straße ans Kap. Dort geparkt kommen 5 Jungs ganz aufgeregt zu uns und wollen irgendwas von uns. Kurze Zeit später helfen wir ihnen, den platten selbstgeflickten Reifen wieder aufzupumpen. Das dauert etwas länger, aber am Schluss bedanken sie sich alle und fahren zurück. Ob die Reifen wirklich bis in den nächsten Ort hält ist fraglich, geflickt wurde das Loch mit einem Stück Plastikmüll und einem Schlüssel, aber gut. Der Platz ist nett, aber nicht ideal fürs Camping, wir fahren also weiter.

Mündung des Draa am Kap Draa

Irgendwann kommen wir von der Piste ab, da diese wegen einer Militäreinrichtung abgesperrt ist, und landen an einer Anhöhe in der Nähe der Küste, wo zwei weitere Autos stehen und zwei Franzosen mit Paraglidern vor sich hin laufen und üben. Wir steigen aus und sagen mal Hallo . Sie erzählen uns, dass sie beim Militär gefragt haben, ob sie hier schlafen können, und wenn wir auch hier blieben wäre das sicher kein Problem.

Also bleiben wir und packen zügig aus, damit wir vor Dunkelheit gekocht, gegessen und abgespült haben. Bei Dunkelheit gestaltet sich das nämlich wesentlich komplizierter. Gesagt getan. Es gibt nochmal lecker gebratene Nudeln. Während wir anschließend Tee trinken geht die Sonne unter.

Sonnenuntergang an der Küste kurz vor Tan-Tan Plage

Schöne Kulisse und durchgehend die Meeresbrandung. Wir liegen schon oben im Bett, da kommt doch noch das Militär vorbei und will Namen und Kennzeichen aufgeschrieben haben. Dann schlafen wir ein.

Um 2 Uhr wache ich auf, da auf einmal ein ordentlicher Wind geht. Die Dachplane peitscht an das Zelt und es wackelt ordentlich hin und her. Ich frage mich ob die Reling hält, ob die Stäbe die Dachplane halten, ob das Auto nicht umkippt und so weiter. Dann fängt es auch noch zu regnen an. Ich liege zwei Stunden wach. Danach schlafe ich immer wieder ein bisschen, bevor ich wieder aufwache. Ich wundere mich, dass es immer noch nicht hell wird. Ab 7.30 Uhr wird es endlich draußen heller. Gegen 8.15 Uhr beschließen wir, zusammenzupacken und zu fahren, bevor der Regen wieder anfängt und alles noch mal nass wird. Der Wind nervt, und das natürlich nicht nur im Zelt sondern auch beim Zusammenpacken. Anstrengend.

Wir fahren erst mal nach Tan-Tan Plage und frühstücken dort in einem Café. Dann nochmal Reifen aufpumpen und los. Immer nach Süden.

Die Straße ist sehr gut. Wirklich, top Zustand. Italienische Autobahnen sind teilweise deutlich schlechter, nur dass man dort dafür bezahlen muss. Die Landschaft ist dafür eintönig. Wüste. Einfach Wüste. Viele Achtung Kamel Schilder, kaum Kamele. Viel Wind, immer wieder Dünen, Sand, der im Wind auf der Straße spielt, Felsen und rechts der Atlantik. Stundenlang.

Wüstenstraße

Um 12.55 Uhr passieren wir die „Grenze“ zur Westsahara. Merken wir aber nur weil sie auf dem GPS eingezeichnet ist, sonst befindet sich dort nichts, kein Schild, kein ehemaliger Grenzposten.

Kurz später sind wir dann in El Aaiun oder Laâyoun. Keine kleine Stadt. Mitten in der Wüste, einfach so. Dort kurz Kaffee trinken und süße Teilchen essen in der Bäckerei, dann weiter. In Boujdour werden wir zum ersten Mal nach einem Fiche gefragt. Da es erst 16.30 Uhr ist und bis Dakhla rein gar nichts mehr kommt, entscheiden wir uns, weiterzufahren. Nochmal 4½ Stunden Wüste und sonst nichts. Gegen 21h und nach insgesamt ca. 800km sind wir in Dakhla. Ein zweiter Fiche wird fällig, dann fahren wir direkt ins Hotel. Wir haben den ganzen Tag quasi nichts gegessen und einen riesigen Hunger. Der Nachtwächter schickt uns zum Essen ins Villa Dakhla, ein schicker Laden, weniger für die Einheimischen gemacht. Nicht ganz was wir uns vorgestellt hatten, aber wir essen sehr gut. Robert bekommt Parmentier mit Kamelfleisch, ich einen Burger. Beides sehr lecker.

Am nächsten Tag ist ausschlafen und dann frühstücken mit Blick auf die Lagune angesagt. Danach fährt die Besitzerin mit uns in die Werkstatt, damit wir endlich das Thema Wastegate bzw. das ständig pfeifende Überdruckventil in den Griff bekommen.

Der Mechaniker hat zufällig einen alten Pajero Sport vor der Tür stehen, der gerade ausgeschlachtet wird, zudem steht exakt unseren Motor ausgebaut in der Werkstatt auf einem Wagen herum – Volltreffer. Die Kommunikation ist schwierig, aber es klappt. Zur Not zeigen sie uns an ihrem Motor, welches Teil gemeint ist… Dazu werden wir mit Tee bewirtet, als sie merken, dass es eine längere Angelegenheit wird.

Abwarten und Tee trinken

Es vergehen vier Stunden, aber am Schluss läuft der Motor wieder ohne seltsame Zischgeräusche und zieht gefühlt auch besser in höheren Drehzahlen.

Die Testfahrt verläuft gut und wir fahren bis ans Ende der Lagune. Dort liegen tausende Fischerboote auf dem Strand. In den kleinen Pfützen daneben lauter Vogelscharen – wir sehen sogar ein paar Flamingos.

Flamingos vor Fischerbooten in der Lagune vor Dakhla

Beim Rausfahren werden wir noch darauf hingewiesen, dass es verboten ist, da unterwegs zu sein, wir machen uns aber eh schon wieder auf den Rückweg. Der Pajero hat die Testfahrt gut überstanden. Jetzt wollen wir den Reifen hinten rechts checken lassen, weil der ja immer Luft verliert. Beim Reifenmechaniker (hier nicht der gleiche wie der erste Mechaniker, der nichts mit Reifen am Hut hat) bekommen wir gleich die Diagnose, dass ein kleines Loch drin ist. Aber zwei Radschrauben brechen bei der Demontage des Reifens. Naja, hilft nix. Man sagt uns, wir sollen zu einer Werkstatt fahren, um die Schrauben ersetzen zu lassen, aber auf Roberts Frage hin, ob man nicht einen Mechaniker holen kann wird ein Mechaniker geholt, der die Bremsscheiben abmontiert und die Schraubenreste herausnimmt. Einer der Reifenmechaniker fährt damit irgendwohin und kommt 20 Minuten mit zwei neuen Schrauben zurück. Der Mechaniker ist mittlerweile wieder verschwunden, aber irgendwie schrauben dann zwei weitere zufällig anwesende Typen dran rum, bis die Bremse wieder dran ist. Wir verstehen es nicht ganz, aber das waren LKW-Fahrer, die sind im Stress sind, weil sie weiter müssen nach Senegal / Mali. Er redet aber auch von uns, und davon, dass er nach Spanien und Frankreich muss… Keine leichte Kommunikation. Sein Dialekt war mehr oder weniger unverständlich…

Letztlich haben wir gegen 17 Uhr endlich wieder einen geflickten Reifen und alle Schrauben drauf und können tanken fahren, und dann ins Hotel… Erst mal kurz ausruhen.

Abends gehen wir nochmal in das gleiche Lokal wie gestern essen. Heute esse ich das Parmentier mit Kamelfleisch und Robert eine Fischtagine.

Matschgruben, Sanddünen, Strand

Aus Tinghir fahren wir über eine Nebenstraße heraus – am Straßenrand sehe ich eine kleine Furt und dahinter eingestürzte Lehmhäuser. Wir fahren hin und laufen durch die Lehmhäuser, alles verlaseesn. Fabi dreht um und holt das Auto, ich laufe noch ein bißchen weiter. Wir fahren durch eine Matschgrube, aber nach ein paar hundert Metern müssen wir umdrehen. Auf dem Rückweg bleiben wir in der Matschgrube hängen. Es schaut schlecht aus, aber der Pajero lässt uns nicht im Stich, alle Sperren rein, ein bißchen rangieren und wir sind wieder auf Fahrt.

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Ruinen bei Tinghir

Die Fahrt führt uns über Alnif und Tazzerine nach Zagora, dann weiter Richtung Mhamid. Unterwegs halten wir noch bei den Dünen von Tinfou an, dort war ich vor 12 Jahren auch schon. Leider kommt gerade ein Sandsturm auf, von daher ist die Aussicht nicht besonders, und auch sonst sind keine anderen Touristen da, denen man beim Kamelreiten zusehen kann. Das hält den lokalen Kamelvermieter aber nicht davon ab, uns zwei Kamele zum Auto zu bringen und nachzufragen, ob wir reiten wollen, was wir angesichts des Sandsturmes dankend ablehnen.

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Blick von der Düne von Tinfou

In Mhamid checken wir in die Kasbah eines Belgiers ein. Der Holländer, auf dessen Campingplatz wir das letzte mal waren, ist laut Internet nicht mehr vor Ort. Die Kasbah ist aber auch gut, der Pool ist etwas sandig wegen des Sandsturms, aber baden kann man trotzdem. Zum Abendessen gibt es Truthahnspieße und Pommes, dazu Bier. Abends betrachten wir noch den Sternenhimmel, der unglaublich klar scheint.

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Sandiger Pool in Mhamid

Der belgische Kasbahbesitzer gibt uns noch ein paar Tipps für unsere Route – es hat in den vergangenen Tagen stark geregnet, daher gibt es einige Matschstellen in der Wüste, die es zu vermeiden gilt. Wir fahren durch den Ortskern von Mhamid, die Kasbah, wo wir übernachtet hatten, lag vor dem Ort. Der Ort erscheint mir wesentlich belebter als das letzte mal. Ein Mopedfahrer versucht uns noch zu überreden, bei seiner Agentur ein Begleitfahrzeug zu mieten, alleine sei das ja viel zu gefährlich. Ich stelle mir vor, dass der Mopedfahrer einer der „Kasbah“-schreiend hinter uns her rennenden Jungs von vor 12 Jahren ist.

Die Piste hinter dem Ort ist sandig, die Matschpfützen finden sich wie angekündigt, aber nichts wo wir nicht durchkämen. Wir verfahren uns einmal, aber finden dann zurück auf die Piste. Bei der Oase Sacrée biegen wir ab zum Erg Chigaga, den großen Sanddünen. Auf der Karte sind am Erg ziemlich viele Camps eingezeichnet, ich vermute zuerst, dass das halt mal temporäre Zeltbehausungen waren, die jedes Jahr woanders stehen. Vor Ort stellt sich aber heraus, das da tatsächlich viele Camps zwischen den Dünen stehen. Auch sind wir dort mitnichten alleine, in der Ferne erkennt man diverse Geländewägen, die auch von oder zu den Dünen untewegs sind.

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Wo der Defender hängen blieb kommt man mit dem Pajero noch weiter

Wir müssen wieder zurück zur Oase Sacrée fahren, da die Piste in die andere Richtung überschwemmt ist, und da wollen wir nicht drin steckenbleiben.

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Die steinige Piste lädt nicht unbedingt zum Rasen ein

Ab der Oase fahren wir weiter Richtung Westen, die Piste wird steinig und schwerer zu befahren. Aber ab diesem Zeitpunkt herrscht kaum noch Verkehr, auch in der Entfernung sieht man keine anderen Fahrzeuge. Auf den folgenden 150km kommen uns insgesamt 5 Fahrzeuge und 3 Mopeds entgegen. Abends um 6 sind wir dann endlich in Foum Zguid, wo wir uns über den Hotelpool und die leckere Tajine mit Lammfleisch freuen.

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Tajine mit Lammfleisch und Kartoffeln

Der nächste Tag beginnt mit Routine: Frühstück, Zimmer räumen, Reifen aufpumpen, Tanken. Fabi fährt und wird alsbald der Raserei überführt: 67 statt 60km/h. Fabis Weigerung, französisch zu sprechen stellt sich als Zielführend hinaus, das Thema ist nach ca. 1 Minute kostenfrei geklärt und wir können weiterfahren.

Wir fahren bis nach Sidi Ifni und checken dort in ein Hotel mit einem tollen Meeresblick ein. Wir gehen auch noch kurz vor Sonnenuntergang im Meer baden.

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Blick aus unserem Hotelzimmer in Sidi Ifni

Wir essen in einem leckeren Restaurant um die Ecke sehr gut zu Abend: gegrillter Oktopus, Zucchinisuppe und dann Pastillas, die lokale Spezialität, das sind Blätterteigtaschen mit Fleisch oder Fisch. Leider schaffen wir unsere Portionen nicht annäherungsweise. Den ganzen Tag im Auto zu sitzen ist nicht besonders förderlich für den Hunger.

Am nächsten Tag entscheiden wir beim Frühstück, noch ein Tag zu bleiben. So können wir mal Wäsche waschen lassen und uns von der ganzen Fahrerei erholen. Ich bringe auch das Auto ins Auto-Hammam, der ganze Wüstensand und -matsch kann wieder runter. Danach kann man endlich das Kennzeichen vorne wieder erkennen.

Wir fahren später noch zum Strand bei Legzira, wenige Kilometer nördlich. Dort gibt es eine Naturbrücke über den Strand. Früher gab es zwei, aber die andere ist irgendwann über Nacht eingestürzt.

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Naturbrücke bei Legzira

Abends gehen wir nochmal ins selbe Restaurant. Fabi bekommt eine Meeresfrüchtetajine, und ich eine gemischte Fischplatte.

Abends spielt sich unterhalb unseres Hotelfensters noch eine Hochzeit ab, die wir von dort beobachten. Die Musik spielt bis 5 Uhr morgens, was uns aber nicht von unserem wohlverdienten Schlaf abhält.

Im Hinterland von Erfoud

Unser erstes Camping-Frühstück besteht aus Kaffee, Keksen aus Italien und schwarzem Tee, den ich 2014 in Russland gekauft habe.

Danach fahren wir weiter nach Erfoud, wo wir den lokalen Scheich kontaktieren, um uns die Voth-Bauwerke anzusehen. Wir verabreden uns konspirativ an einer Tankstelle ein paar Kilometer hinter Erfoud, trinken einen Kaffee, und ein paar Handytelefonate später steht der Plan: eine Tankstelle weiter räumen wir unser Gepäck ein bißchen um, um Platz auf der Rückbank zu schaffen, und nehmen unseren Führer mit. Der spricht zwar nur Arabisch, aber mit dem Finger kann er uns den Weg zeigen, und so leitet er uns zu einer Abzweigung, wo eine Piste ins Hinterland geht. Zuerst müssen wir einen Fluß überqueren, der sogar gut Wasser führt, dann geht es ein paar Kilometer durch die Wüste.

Als erstes erreichen wir die Goldene Spirale. Dort kommt uns gleich der Wächter entgegen, und erklärt uns, dass die Bauwerke seit 2016 wegen Beschädigungen gesperrt sind, man kann sie nur von außen betrachten und nicht betreten. Wir laufen einmal um die Spirale, dann fahren wir weiter.

Nächster Stop ist die Stadt des Orion: auch hier gibt es einen Wächter, und wir dürfen nichtmal näher als ca. 100m ran. Schade, aber trotzdem ein beeindruckendes Bauwerk mitten in der Wüste.

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Stadt des Orion

Als letztes kommen wir zur Himmelstreppe. Der Wächter dort erzählt uns, dass ein Spanier mit einem Motorrad die Treppe herauf gefahren sei. Außerdem hält er uns einen Zettel mit einer Erklärung hin, die auch im Internet so zu finden ist.

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Himmelstreppe

Nach der Besichtigung fahren wir wieder zurück zur Hauptstraße und bringen unseren Führer zurück zu seinem Ausgangsort. Währenddessen regnet es ordentlich, zum Glück haben wir die Besichtigungen alle noch bei Sonnenschein machen können.

Wir fahren weiter bis nach Tinghir und fahren dort ein paar Kilometer in die Todgha-Schlucht rein. Das schaut alles noch so aus wie bei meinem letzten Besuch wie vor 12 Jahren. In Tinghir bleiben wir dann auch über Nacht.

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Todgha-Schlucht

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Blick über die Oase bei Tinghir

Von Fés über Meknès in das Atlasgebirge

Nach dem Frühstück nehmen wir uns auf Empfehlung des Chefs ein Taxi zum Place R’cif. Von dort aus starten wir unsere Stadttour. Zuerst verlieren wir in den engen Gassen ein wenig die Orientierung und wissen eigentlich gar nicht so genau wo wir hin wollen. Wir entscheiden uns für das Gerberviertel Chouara. Dort wird tatsächlich noch nach alter Tradition gearbeitet. Wir werden gleich angesprochen, ob wir vom Dach die Gerberei sehen möchten und stimmen zu. Zuerst bekommen wir Minze in die Hand gedrückt, gegen den Geruch. Oben angekommen wird uns erklärt, wie alles funktioniert und es riecht wirklich ziemlich stark. Naja, es wird nun mal eine Beize aus Taubenkot verwendet – die muss ja stinken… Danach werden wir natürlich obligatorisch durch den Laden gelotst. Wir entscheiden uns beide für einen Gürtel und ich mich zusätzlich für einen Geldbeutel. Das ist aber noch nicht genug, denn wir müssen uns unbedingt noch die Lederjacken ansehen, sonst lässt uns unser Verkäufer nicht gehen…Ich finde natürlich direkt eine tolle Jacke wie ich sie schon länger wollte (bilde ich mir zumindest ein) und Robert kann ich von einem Sakko auf eine Jacke umschwenken. So, dann die Frage nach dem Preis, wir handeln ordentlich und zahlen am Schluss nur die Hälfte. Wir werden danach noch zum Teppichladen und zum Schalladen gezerrt, können uns aber schnell losreißen. Genug Shopping für heute…

Weiter lassen wir uns durch die Gassen treiben und sind zwischen Kleidern, Gewürzen, Kaktusfeigenwägen, Elektronikshops, Juwelieren, Schreinern, Henna-Tattoo-Ständen und vielem mehr unterwegs. Danach gehen wir noch zum Nejjarine Brunnen und ins danebenliegende Holzmuseum. Letzteres nur weil uns der Reiseführer ein schönes Café auf dem Dach verspricht, was er auch hält. Es gibt zwar nur Pfefferminztee, aber gut. Langsam machen wir uns dann auf den Rückweg über die Talaa Kebira Richtung Bab Boujeloud. Immer wieder müssen wir bepackten Eseln und Maultieren ausweichen und kommen nur langsam voran. Mein kaputter Fuß hat aber nichts gegen langsames Laufen… Hier und da bleiben wir kurz stehen, am Tor angekommen entscheiden wir uns noch für einen Drink und eine Kleinigkeit zu essen auf einer Dachterrasse mit Blick über die Medina:

Blick über die Medina, Fés

Abendessen gibt’s im Restaurant Marrakesch, ca. 10 min zu Fuß von unserem Hotel. Robert isst Couscous Royale mit Würstl, Rind, Hühnchen und Gemüse, ich bestelle die empfohlene Pastilla, eine lokale Spezialität: Blätterteig gefüllt mit Hühnchen, Mandeln und Gemüse, darüber eine Schicht Puderzucker und Zimt. Klingt komisch, ist aber sehr lecker.

Am nächsten Tag packen wir in der Früh unsere Sachen, bevor es Richtung Meknès geht. Wir buchen nochmal ein schönes Riad mit Pool im Zentrum für eine Nacht und sobald wir eingecheckt und unsere Suite sowie die Dachterrasse ausgecheckt haben, machen wir uns zu Fuß auf in die Medina. Durch enge Gassen und den Souk in die Medrese Bou Inania, die ausnahmsweise zu besichtigen ist. Der Innenhof ist wirklich wunderschön mit Holzschnitzereien gemacht:

Medrese Bou Inania, Meknès

Weiter in Richtung Place Lahdim, dort Sandwiches gegessen mit Blick auf das angeblich schönste Tor Marokkos: das Bab Mansour. Davor wird ein Touribus nach dem nächsten ausgespuckt. Langsam freuen wir uns auf die Wüste mit weniger Menschen, wobei Meknès schon deutlich entspannter ist als Fés. Danach schlendern wir über den Lebensmittelmarkt und laufen dann Richtung das Mausoleum von Moulay Ismaïl. Das hat leider zu, und wir laufen weiter in Richtung Agdal, irgendwie scheint uns das aber dann zu weit und wir biegen links ab. Wir landen in einem schönen, ruhigen Viertel mit engen Gassen, wo nur ab und zu ein Roller vorbei düst. Keine unserer online Karten zeigt auch nur annäherungsweise Straßen oder Gassen an, aber sobald wir in eine Sackgasse kommen, werden wir von den Bewohnern mit den Worten c’est fermée darauf hingewiesen und wieder in eine andere Richtung geschickt. Passiert nicht nur einmal…

Zurück im Hotel ruhen wir uns aus und gehen in den Pool bevor wir auf der Dachterrasse unseres Hotels lecker zu Abend essen. Robert hat eine Tajine mit Rindfleisch, getrockneten Pflaumen und Aprikosen. Meine Tagine ist mit Rindfleisch, Zitrone und Kartoffeln gemacht.

Am nächsten Tag fahren wir morgens nach dem Frühstück los Richtung Süden. In Midelt suchen wir uns ein nettes Restaurant fürs Mittagessen. Dort bewirtet uns ein netter Herr vorzüglich, Robert isst einen Spieß mit Rindfleisch, ich einen mit Turkey. Der gute Mann zeichnet uns aus dem Kopf eine Karte über alle möglichen Orte mit Entfernungen im Umkreis von ca. 300km. Wo wir hinfahren sollen oder eher nicht. Sehr cool. Wir sollen als Gegenleistung doch eine gute Review schreiben.

Kurz später passieren wir den Tizi n’Talrhemt-Pass und die Landschaft wird zunehmend interessanter. Hinter Errachidia suchen wir die blaue Quelle, als wir sie gefunden haben werden wir von einem Campingplatzbesitzer zunehmend zugequatscht, dass wir doch da bleiben sollen. Wir fahren weiter finden einen tollen Aussichtspunkt über die Tafilalet-Oase und müssen für ein Foto anhalten:

Blick über die Tafilalet Oase

Kurz darauf finden wir den Campingplatz wieder, an dem Robert damals vor 12 Jahren bereits gecampt hat. Wir entscheiden und hier zu bleiben.

Meine erste Camping Erfahrung. Mitten in einer Oase in der Wüste in Marokko. Das Dachzelt ist recht schnell aufgebaut. Die Duschen sind soweit gut, dann geht’s ums Kochen. Das ist erst mal bisschen schwierig, da wir nicht gut gepackt haben. 4 Kisten müssen aus dem Auto bis wir alle benötigten Utensilien irgendwie alles zusammen haben. Es gibt gebratene Nudeln aus der Tüte. Schmeckt passabel und geht schnell. Dazu gibt’s Wasser und danach einen Tee. Unsere neuen Campingmöbel sind super: bequem, stabil, schnell aufgebaut und mega platzsparend. Wir gehen recht früh ins Bett und diskutieren erst noch ob wir wirklich beide Bettbezüge brauchen…

Im Laufe der Nacht sind beide Bettbezüge, plus beide Decken im Einsatz sowie 3 von 4 „Fenstern“ zu, da die Mückennetze dann komischerweise doch nicht so kälteabweisend waren. Zudem bellen fast konstant Hunde und bei jeder kleinsten Bewegung wackelt das Zelt ordentlich hin und her. Man merkt ich muss mit Camping erst noch warm werden. Mal sehen wie es das nächste Mal läuft. Die Bettdecken haben wir jetzt zumindest mal bezogen.

Überfahrt und Ankunft in Nador, weiter nach Al Hoceima und Fés

Nachdem wir auf dem Schiff kein Frühstück verpassen, schlafen wir erstmal gemütlich aus und gönnen uns gegen mittags Kaffee und Pain au Chocolat. Danach schlendern wir gemütlich über die Decks, es ist angenehm warm und wir sehen sogar Delfine im Wasser. Im Laufe des Tages holen wir uns auch die Einreisestempel, es gibt Grenzbeamte an Board, und dann sieht man auch schon die Küste Spaniens wieder. Ibiza auf der anderen Seite verschwindet langsam.

Wir verbringen den Nachmittag abwechselnd mit Internet (spanisches Netz und Roaming – wohooo!), Reiseführer und einfach nur aufs Meer schauen. Gegen Abend sind wir wieder nahe der spanischen Küste und sehen die Hochhäuser am Strand. Idylle sieht vom Meer aus schon anders aus. Wie es dort vor Ort wohl ist wollen wir uns gar nicht vorstellen. Dann Abendessen wieder im Restaurant, das heute immerhin besucht ist. Gnocchi sind lecker, Pizza leider eher mäßig. Dafür gibt’s Aglianico – eine faire Entschädigung.

Im nebenliegenden Selbstbedienungsbereich unterhält später ein Sänger das Publikum mit arabischen Klängen auf voller Lautstärke. Langsam geht’s dann ins Bett. Wir wundern uns, dass wir laut GPS gar nicht mehr weit von Nador entfernt sind und fragen uns was die Fähre wohl bis mittags am nächsten Tag macht, denn angeblich braucht sie ja 40h…

Am nächsten Tag wache ich um 5 Uhr auf – wohl weil mich vorhergehende Frage umtreibt und schaue aus dem Fenster: und siehe da, ich habe wieder spanisches Netz, wir sind vor Melilla. Um 5.30 Uhr (4.30 Uhr Ortszeit) dann des Rätsels Lösung: es ertönt die Durchsage, dass wir in Nador angekommen seien und gebeten werden die Zimmer zu räumen. Ernst nehmen tun wir das nicht, erst als das erste Autodeck zum unboarding aufgerufen wird, springt Robert in die Dusche und ich fange an zu packen. Wir sind noch nicht ganz fertig, schon wird unser Deck aufgerufen. So packen wir fertig und machen uns beim dritten Aufruf auf den Weg. Kaum sind wir 5 Minuten im Auto, geht es auch schon los und wir fahren raus.

Es ist 6 Uhr. Grenzkontrollen haben wir ja schon hinter uns, es gibt nur eine kurze Zollkontrolle mit Blick in den Kofferraum, in ca. 15 Minuten haben wir alles hinter uns gebracht (wow!). Zuerst mal Geld abheben und dann nach Nador Stadt evtl finden wir ja schon ein Café, das auf hat, langsam dämmert es. Das mit dem Café wird schwierig – die ganze Stadt schläft noch.

Um 7.20 dann endlich ein Café! Mit Parkplatz vor der Tür! Perfekt. Leckeres Croissant und 2 Espressi und die Welt schaut ganz anders auf.

Wir machen uns auf den Weg nach Al Hoceima. Wunderschöne Landschaft mit Blick aufs Meer. In Al Hoceima erst mal Tee trinken, Wasser kaufen, SIM Karte besorgen und Werkstatt aufsuchen. Irgendwie quietscht was, und es wurde zunehmend lauter. Von einer Werkstatt zur anderen geschickt, dann aber einen gefunden, der das Problem erkennt. Kurz den Wagenheber geholt, und schon ist der Reifen ab. Die Bremsbeläge sind durch. Der Laden im die Ecke hat sie nicht, also fährt Robert mit ihm in seinem Renault R4 mit Pistolenschaltung (hab ich von Robert gelernt) los und kommt kurz drauf wieder. 3 Läden abgeklappert und dann hatten sie die richtigen Beläge. Es stellt sich heraus, dass der eine Belag besonders abschleift, weil der Bremssattel hinüber ist. Das sollen wir aber besser in Casablanca versuchen. Momentan können wir problemlos weiterfahren…
Für Teile 25€ und Arbeit 10€ gezahlt, es kann weitergehen.

Robert hat Hunger, so finden wir auf Umwegen das Espace Miramar. Dort gibt es bei schönem Ausblick Paella und zuckersüßen Tee und hinterher noch Kaffee.

Ausblick vom Espace Miramar

Dann weiter Richtung Nationalpark gen Westen – die Geländegängkeit unseres Pajeros testen. Echt ganz schöne Landschaft hier.

Wir entscheiden uns in der Gegend ein Hotel zu suchen und landen am Schluss im Mercure, was traumhaft liegt, aber ein großer Kasten ist. Fun fact, dass booking.com deutlich günstiger ist als der Preis an der Rezeption. Wir buchen also an der Rezeption stehend über booking, und auch der Versuch dem Rezeptionisten zu erklären, dass das doch Quatsch ist, scheitert mangels Entscheidungskompetenz seinerseits. Wir beziehen unser Zimmer, gehen schwimmen und essen am Abend im Restaurant des Hotels. Müde fallen wir danach ins Bett und schlafen bei Wellenrauschen ein.

Am nächsten Tag stehen wir gemütlich auf und frühstücken erst mal im Hotel. Dann schwimmen im Mittelmeer – womöglich das letzte Mal auf dieser Reise. Danach noch kurz in den Pool, duschen, packen, auschecken und los Richtung Fés durch das Rif-Gebirge.

Kurvige Straße in mittelmäßigen Zustand, aber wunderschöne Landschaft.

Das Rif-Gebirge

Sobald es etwas weniger kurvig ist, fahre ich auch mal ein Stück und es geht trotz des Fußes sehr gut!

In Fès hat Robert ein schönes Riad in der Neustadt gebucht: Dar Ziryab mit Pool und perfekt deutschsprechendem Besitzer, der aber noch nie in Deutschland war. Dort essen wir auch zu Abend und es gibt original marokkanische Küche: zuerst eine Suppe, zu der Datteln sowie anderes Süßzeug gereicht werden, dann 7 verschiedene Vorspeisen, wobei diese getrennt voneinander, sowie die Karotten zuletzt gegessen werden sollten. Am besten schmeckt uns der weichgekochte Kürbis mit Mandeln, aber alles weitere ist ebenso gut. Danach entscheiden wir uns für Tagine mit Rindfleisch. Robert nimmt die Version mit doppelt gekochten Quitten und ich die mit Artischocken und Erbsen. Beides ein Gedicht.