Zurück durch die Wüste

Der Tag in Nouadhibou beginnt mal wieder mit Routine. Aufstehen, Frühstücken, Packen und los. Da wir uns gestern mit unserem Bier verkalkuliert haben, fehlen uns heute 280 Ouguiya, sprich 7 €, um die Hotelrechnung zu begleichen. An Kartenzahlung ist hier natürlich nicht zu denken. Aber gut, dass das Personal flexibel ist und wir passend 7€ da haben, sodass wir unsere letzten Ouguiya los werden, ohne nochmal extra zur Bank laufen zu müssen.

Dann kommen wir zur Grenze. Die Ausreise aus Mauretanien läuft mal wieder problemlos. Dann passieren wir erneut das Niemandsland und schließlich sind wir an der marokkanischen Grenze. Hier ist wieder das übliche Chaos angesagt. Man meint sogar die Marokkaner seien die Spezialisten des Chaotismus. Robert muss zweimal zu einem Zollbüro, wo es auch schön chaotisch zugeht, inklusive Rumgeschreie und -geschubse zwischen Zöllner und anderen Kunden, um einen Wisch zu bekommen, diesen dann auszufüllen, und dann abstempeln zu lassen. Wir stehen schon kurz vor dem Scanner, da fällt den Grenzbeamten ein, dass vorher doch nochmal wer anders das Auto checken muss. Also muss ich irgendwie meinen weit vorne ergatterten Platz aufgeben, zig Lastwagen hinter mir müssen rumrangieren, damit ich wieder rausfahren kann, um 50 Meter weiter hinten mit den werten Herren vom Zoll unsere Ladung zu inspizieren. Gut, dass ich mich danach gleich wieder weiter vorne einreihen kann. Allerdings muss Robert jetzt nochmal zum Zoll, um einen Stempel zu bekommen. Dieses Mal dauert es. Dann kommt endlich Robert zurück, muss den Wisch erneut vorzeigen und abschreiben lassen, und wir können endlich durch den Scanner. Danach gibt’s den Wisch nochmal ausgefüllt zurück, und damit müssen wir dann nochmal zum Zoll, aber diesmal in ein anderes Büro. Stempel drauf und am Schluss die Kontrolle, ob wir auch alles erledigt haben und endlich haben wir es geschafft.

Es liegen 370 km Wüste vor uns bis Dakhla. Da wenig Verkehr herrscht und die Straße gut ist, stellt das soweit keine Herausforderung dar. Dank ordentlichem Gegenwind verbrauchen wir allerdings über 18l/100km. Sportlich…

In Dakhla angekommen wollen wir zunächst zum 25er und überlegen uns dort zu übernachten. Irgendwie ist es uns dann aber doch zu voll und zu windig, sodass wir weiterfahren. Am West-Point ist es uns definitiv zu windig und das dort gelegene Hotel zu teuer, sodass wir uns über das lokale WiFi doch noch ein anderes Hotel in der Stadt buchen. Abends gehen wir, weil es letztes Mal so gut war, nochmal in die Villa Dakhla und essen ebenfalls wie letztes Mal Permentier de Chameau.

Campingplatz 25 km vor Dakhla

Beim Essen unterhalten wir uns darüber, wie westlich alles hier erscheint. Als wir zuletzt hier waren, kam einem alles exotisch vor, jetzt scheint es schon fast wie daheim. Es fahren verhältnismäßig ordentliche Autos rum, die Straßen sind zum Großteil geteert, die Hotels sind ordentlich, es gibt warmes Wasser, in Restaurants sind die Tische frisch eingedeckt und es sieht irgendwie gepflegt aus, das Angebot an Waren im Supermarkt ist deutlich größer und der Verkehr schon fast so zivilisiert wie bei uns – man hält an roten Ampeln, blinkt, wenn man abbiegt, macht Nachts das Licht an, etc.

Am nächsten Morgen geht es weiter nach Norden. Ich versuche mich strikt an die Geschwindigkeitsbegrenzung zu halten, aber natürlich übersehe ich dann doch einmal das 60er Schild und bin in Vorfreude auf eine Toilette und eine nahende Tankstelle stattdessen mit 69km/h unterwegs. Wir werden angehalten, dumm stellen bringt leider nix – dank LTE wird mir mein Vergehen mittels Google-Translate ins Englische übersetzt. Ich sehe meine Vermutung, dass das Netz nur für die Polizei eingerichtet wurde, durchaus bestärkt. Also mal wieder 150 MAD gegen Quittung abdrücken und weiter geht’s.

Gegen 17:30 Uhr und 530km später erreichen wir dann Laâyoune. Wir checken in ein Hotel ein und gehen abends in der Stadt essen – leider finden wir das gesuchte Lokal nicht, aber trotzdem essen wir nicht schlecht zu Abend.

Nachdem wir ausgeschlafen und gefrühstückt haben, fahren wir über die Küstenstraße nach Tarfaya. Schließlich hatten wir noch nicht genug Meer, Strand, Sand und Wüste. Kurz vor dem Ort liegt im Meer ein Schiffswrack, die alte Fähre zwischen Tarfaya und den Kanaren. Sie liegt seit ca. 10 Jahren dort und rostet munter vor sich hin. Stört anscheinend weiter niemand, und Fährverkehr gibt es seitdem halt auch nicht mehr auf der Strecke.

Wrack der alten Fähre zwischen Tarfaya und den Kanaren

In Tarfaya selbst gibt es einen schönen Strand und im Meer ein Haus, welches man anscheinend bei Ebbe trockenen Fußes erreichen kann. Robert geht ins Wasser und schwimmt zum Haus, da gerade Flut ist. Ich genieße in der Zwischenzeit die Sonne. Danach gehen wir noch Kaffee trinken und Reifen aufpumpen, da der hinten rechts mal wieder nicht so gut aussieht.

Casa del Mar

Weiter an der Straße ist irgendwo ein Loch, das vom Meer ausgehöhlt wurde. Sieht spektakulär aus.

Gouffre d’Akhfeni

Ansonsten bleiben wir auf der Straße und fahren bis hinter Tan-Tan, dort biegen wir dann auf eine Piste ab, da wir heute im Ksar Tafnidilt übernachten wollen. Dort angekommen packen wir aus und kochen danach Pasta. Noch bevor wir uns ein zweites Bier gönnen können, geht der Generator aus und es wird stockfinster, es ist Schlafenszeit.

Ksar Tafnidilt

Die Nacht ist kühl, es war heute vermutlich doch das letzte mal Camping angesagt. 15°C ist dann leider doch zu frisch. Morgens ist unser Zelt demzufolge außen ziemlich feucht, leider scheint auch erst mal weder die Sonne, noch geht Wind. Wäre nicht so schlimm, wenn wir wüssten, wann das Zelt das nächste mal geöffnet wird. Zuerst frühstücken wir, und dann kommt doch noch die Sonne raus, sodass wir noch ein wenig in der Kasbah entspannen, die Fähre buchen und paar Dinge online organisieren, bevor wir zusammenpacken. Gegen Mittag ist das Zelt dann trocken und wir machen uns auf den Weg nach Agadir, über den Anti-Atlas. Die Straße ist schön, und es wird zunehmend grüner. Wir haben die Wüste hinter uns gelassen.

Endlich grün

Auf in den Antiatlas

Auf 1000 Höhenmetern haben wir nur noch 14°C, und der Verkehr nimmt deutlich zu. Wir fühlen uns ein wenig zurück in der Zivilisation angekommen. Gleichzeitig nehmen auch die Radarkontrollen extrem zu, aber wir schaffen es heute, ohne zahlen zu müssen. Auf 350km gab es mindestens 5 Kontrollen und immer wieder hat es Leute erwischt. Es scheint zu funktionieren, das System.

In Agadir angekommen, checken wir in unserem Hotel ein und Robert fährt gleich mit dem Auto in die Waschanlage. Nach dem ganzen Salz und Sand ist das mal wieder notwendig. Abends gehen wir in ein Restaurant und essen Tajine. Es schmeckt mal wieder fantastisch, auch die kleinen Vorspeisen sind köstlich. Danach laufen wir noch ans Ufer, fahren Riesenrad und spazieren noch ein bisschen umher, bevor wir müde ins Bett fallen.

Tajine

Agadir bei Nacht

Riesenrad in Agadir

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Mauretanien 2.0

Nach dem Frühstück gibt’s mal wieder die Neuigkeit, dass die Wäsche natürlich nicht trocken geworden ist. Ausrede: gestern schien keine Sonne und heute Nacht hat es geregnet. Stimmt, aber die Wettervorhersage war dementsprechend und trotzdem wurde mir am Tag vorher versichert, dass sie ganz sicher trocken sein wird. Aber gut, inzwischen sind wir das ja fast gewöhnt.

Dann geht’s zur Grenze. Die Ausreise aus dem Senegal verläuft problemlos, aber die Einreise nach Mauretanien zieht sich mal wieder, da die Verbindung zur Datenbank, in der unsere Fingerabdrücke, Fotos und Daten gespeichert sind, heute sehr instabil ist. Wir werden schon gewarnt, dass wir gegebenenfalls über Rosso fahren sollen, was wir ablehnen, da wir uns nicht sicher sind, ob wir nochmals in den Senegal einreisen können, da uns das Passavant dort nämlich abgenommen wurde.

Nach einer halben Stunde ist zumindest mein Visum fertig und es dauert nochmal so lange, dann hat auch Robert sein Visum. Danach folgen noch die Stempel, und frecherweise fragt der Chef dann noch nach Geld. Nach kurzer Diskussion ist jedoch eine kostenlose Weiterfahrt möglich. Danach erhalten wir noch das Passavant, und als Strafe fürs nicht-zahlen wird unser Auto noch gründlich durchsucht. Die Koffer werden geöffnet, nach Alkohol und Drogen gefragt und dann ist auch gut. Die Einreise nach Mauretanien haben wir erledigt, los geht’s auf der schlechten Straße / Piste. Heute sehen wir wenig Krokodile, dafür um so mehr Warzenschweine.

Warzenschweine

Leguan

Warzenschwein

Nach 4 Stunden Fahrt, unzähligen Schlaglöchern und 250 km sind wir dann endlich in Nouakschott. Wir checken ins Jeloua ein und gehen Abends mit meiner Freundin was essen.

Am nächsten Morgen machen wir uns nach dem Frühstück auf die Suche nach dem Büro des Nationalparks Banc d’Arguin. Leider ohne Erfolg.

Wir fahren zu den beiden schönen Moscheen, besichtigen können wir sie aber nicht. Danach schlendern wir über den Marché Capital, bevor wir wieder zurück zum Hotel fahren.

Marokkanische Moschee in Nouakchott

Marché Capital

Irgendwie landen wir auf Grund des chaotischen Verkehrs falschherum in einer Einbahnstraße, aber vor uns fahren auch viele in unsere Richtnug. Ampeln sind auch eher zur Zierde da, also fahren wir weiter in die falsche Richtung. Irgendwann schimpft einer auf der Gegenspur und zeigt, dass wir umdrehen sollen. Wir bleiben stehen, und auf einmal fährt uns hinten einer drauf. Bis wir ausgestiegen sind, hat er aber schon halb umgedreht und fährt in die andere Richtung weg. Anscheinend hat er nur unsere Anhängerkupplung erwischt, seine Motorhaube ist aber etwas eingedrückt.

Im Hotel angekommen besuchen wir endlich die Touareg, die einen Stand vor dem Hotel haben und uns schon beim letzten mal ihre Kunstwerke zeigen wollten. Wir werden auch fündig, allerdings ist das verhandeln hier deutlich mühsamer als im Senegal. Wir brauchen 1 Stunde und 3 Tee, bis wir sie da haben, wo wir sie haben wollen. Abends essen wir nochmals mit meiner Freundin gemeinsam im Hotel – heute gibt es fantastisches Kamel mit Gemüse bzw. Reis.

Am nächsten Morgen fahren wir gegen 9.30 Uhr los. Ziel: Parc National de Banc d’Arguin. Nach 150 km biegen wir ab und fahren zunächst auf einer Teerstraße in den Park. Einige Kilometer später biegen wir ab auf die Piste und folgen ziemlich der Route auf unserem Navi. Diese ist allerdings irgendwann zu Ende und wir fahren nach Gefühl und Himmelsrichtung nach Iwik. Die Piste ist streckenweise sehr sandig und anspruchsvoll, sonst aber großteils gut befahrbar.

Piste nach Iwik

In Iwik steuern wir ein Campement an. Die Chefin lädt uns zum Essen ein, es gibt anlässlich des Feiertages ein Festmahl. Wir bekommen Reis, ein Stück Fleisch und eine Zitrone. Ist nicht schlecht.

Danach laufen wir nochmal in den Ort, Robert geht baden, auf dem Rückweg quatschen wir mit ein Mitarbeitern des Nationalparks, die Boule spielen. Es gibt dort sogar WiFi, die GIZ baut gerade neue Gebäude für sie und da freuen sie sich schon drauf. Ein großes Skelett eines Wals ziert den zentralen Platz.

Walskelett

Als wir zurück sind, setze ich mich ein wenig in die Sonne, Robert läuft noch auf einen Hügel Richtung Meer. Wir stellen unser Zelt auf, machen uns Tee und Fertigsuppe. Schon ist es dunkel und wir gehen bald ins Bett. Der Mond scheint wirklich hell, sodass man fast keine Taschenlampe braucht. Robert gelingen noch ein paar tolle Bilder.

Nachts in Iwik

Ich wache bei Morgengrauen auf und wecke gleich Robert, da es toll aussieht. Leider verpassen wir wegen Müdigkeit die Chance, Fotos zu machen. Gegen 7.45 Uhr stehen wir auf. Zusammenpacken, Frühstück und dann los zum Ufer. Unser Segelboot wartet schon auf uns.

Unser Segelboot

Sehr gemütlich geht es dahin, wir bekommen wie üblich drei mal den gesüßten Tee. Irgendwann gegen Mittag herrscht allerdings dann Flaute, sodass wir ankern müssen. Kurz später kommt der Wind aber Gott sei Dank wieder und wir segeln weiter. Laut unserem Kapitän sind wir in 25 Minuten dort, wo es viele Vögel gibt – Inshallah. 50 Minuten später sieht man in der Ferne einige Vogelscharen. Aber wirklich noch sehr weit entfernt. Nach weiteren 20 Minuten sind wir dann noch etwas näher dran, mit der Zoomlinse kann man die Vögel auch sehr gut erkennen.

Viele Vögel

Flamingos

Dann drehen wir um. Inzwischen ist es 14 Uhr. Eigentlich wollten wir spätestens jetzt zurück sein. Aber gut, so ist es halt in Afrika. Wenigstens kommen wir gut voran, da der Wind gut steht. Zudem werden wir auch noch bekocht. Frischen Fisch haben wir leider nicht gefangen, also wird getrockneter Fisch eingelegt und Reis dazu gekocht. Gegessen wird dann aus einer Schale mit den Händen. Robert und ich stellen uns natürlich doof an, da wir das nicht so hinbekommen wie sie. Wieso muss man auch gerade Reis mit Händen essen? Können das nicht zumindest Nudeln sein? Danach erfolgt die übliche Teezeremonie. Erst wird der Tee aufgekocht, dann werden die ersten Gläser befüllt, danach der Zucker in die Kanne und dann zig mal umgießen, damit alles gut vermengt ist und das Schnapsglas zur Hälfte aus Schaum besteht. Zuerst bekommt Robert den Tee, danach wird sein Glas wieder aufgefüllt und ich bekomme es. Das andere Glas geht zuerst an den Kapitän und erst danach trinkt der Matrose.

Um 15:45 Uhr sind wir zurück und stellen fest, dass wir uns endlich einen guten Sonnenbrand geholt haben. Der erste nach 7 Wochen Reise. Wir entscheiden uns, heute nur noch nach Cap Tafarit zu fahren und dort eine weitere Nacht zu Campen. Bis Nouadhibou schaffen wir es bei Helligkeit nämlich nicht mehr. Cap Tafarit ist ein schöner Ort, wir campen direkt am Meer.

Camp in Cap Tafarit

Wir baden und freuen uns über eine Dusche. Danach kochen wir und es gibt lecker Pasta mit Trüffelpesto. Frei nach dem Motto: wer ko, der ko!

Wir wachen erneut bei Morgengrauen auf und dieses Mal gibt’s auch ein Bild davon.

Sonnenaufgang

Ist schon eine tolle Kulisse und dazu das Meeresrauschen. Wir bleiben noch etwas liegen, dann machen wir uns Tee, da der Kaffee inzwischen alle ist, und essen dazu Bananen und ein paar Kekse.

Abfahrt ist um 10.15Uhr. Quer durch die Wüste zur Hauptstraße und dann weiter Richtung Nouadhibou. Spannend mal wieder, wie wenig die Beschreibung der Route aus Sicht der Einheimischen mit unserer Wahrnehmung übereinstimmt. So sieht „bonne route, pas de sable“ aus:

Angeblich gute Straße ohne Sand

Gegen 14.30 Uhr kommen wir in Nouadhibou an und checken ins Hotel ein.

Nachmittags fahren wir dann nochmals zum Schiffsfriedhof, den wir nochmal aus der Nähe betrachten wollen. Wir laufen am Strand entlang und treffen einen Brasilianer. Wir unterhalten uns nett mit ihm, er erzählt uns, dass vor gar nicht all zu langer Zeit hier 300 Schiffe lagen, aber inzwischen sind die Chinesen fleißig am Altmetall sammeln, sodass es nicht mehr so viele sind.

Schiffsfriedhof in Nouadhibou

Der Strand Mal wieder ein einziges Drecksloch, davor die Wracks. Wirkt irgendwie gespenstisch.

Abends gehen wir in ein Restaurant und es gibt leckeren Fisch. Als wir nach Getränken fragen, wird uns zu unserer Überraschung Bier angeboten. Wir lassen uns gleich zwei bringen. Bei der Abrechnung staunen wir nicht schlecht: die zwei Bier haben zusammen fast 15€ gekostet! Naja, das ist wohl die gerechte Strafe, wenn man in einem Land, in dem Alkohol verboten ist, doch meint, Bier trinken zu müssen.

Mauretanien

Der Tag beginnt mit Routine: Frühstücken, packen, auschecken, los. Es ist 10 Uhr. Ab Richtung Mauretanien.

Wir fahren am berühmten 25er vobei: der Langzeit-Überwinterungs-Campingplatz für Europäer schlechthin. Es sind viele Fahrzeuge da, aber wir kennen schlimmere Bilder aus dem Netz. Mal sehen wie es auf der Rückfahrt dort aussieht…

Dann nehmen wir die Abzweigung Richtung Süden. Am Kreisverkehr steht ein Polizist und wir sollen anhalten. Schnell stellt sich heraus: ich bin mal wieder zu schnell gefahren. 70 statt erlaubten 60 km/h. Irgendwo auf dem Weg wurden wir fotografiert und dann wurde das Bild per WhatsApp dem Kollegen am Kreisverkehr geschickt – jetzt ist mir auch klar, warum es mitten in der Wüste überall Netz gibt… Naja 150 Dirham: viel aber nicht der Weltuntergang. Robert will handeln, ich fahren. Der Polizist schreibt alles ab, wir erhalten immerhin eine Quittung mit dem Betrag, und weiter geht’s.

Es ist das gleiche Bild wie vor 2 Tagen: Wüste links, Meer rechts. Die Straße ist nicht mehr ganz so gut aber immer noch problemlos zu fahren. Es herrscht noch weniger Verkehr als zuvor, mit dem Unterschied, dass sich das Verhältnis Kamele zu Achtung Kamel Schildern umgedreht hat. Zunächst sehen wir rechts noch Dakhla auf der anderen Seite der Lagune und kurz drauf passieren wir das Schild: tropic de concer – nördlicher Wendekreis. Wir wenden aber nicht, sondern fahren weiter.

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Tropic de Concer – nördlicher Wendekreis

Gegen 14h Ortszeit sind wir an der Grenze. In Marokko brauchen wir ca. 45 min für die Ausreise: erst Passkontrolle, dann durch den Scanner, danach Zoll, dazwischen zig mal im Kreis fahren weil irgendwo irgendwas fehlt. Und immer wieder irgendwelche Grenzhelfer, die uns ihre Dienste anbieten. Wir lehnen dankend ab, trotzdem helfen sie uns und sind wirklich nett. Auch die Grenzpolizisten sind sehr nett. Ein Junger kommt irgendwann mich zu und meint, dass er eine Freundin in Deutschland hat, mit der er italienisch studiert hat. Daraufhin quatschen wir ca. 5 Minuten auf italienisch bis Robert mit irgendeinem fehlenden Wisch zurück zum Auto kommt…

So, Ausreise erledigt. Es folgen 3km Niemandsland, bzw. ein Gebiet, das von den Polisario kontrolliert wird. So stellt man sich die Apokalypse vor: keine Straßen mehr nur Buckel aus Sand, altem Asphalt und Steinen, rechts und links zig ausgeschlachtete Autos, und rundherum angeblich Minen. Irgendwie ein seltsames Gefühl. Wir überholen ein paar Autos, die langsam in Schlangenlinien Richtung Mauretanien fahren, unser Pajero ist ja Gelände gewohnt.

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Autowracks zwischen den Grenzen

In Mauretanien angekommen bieten wieder Grenzhelfer ihre Dienste an. Wir schaffen das aber allein. Die Passkontrolle geht schnell, dann Richtung Visastelle. Dort befinden sich zig wartende Holländer und ein paar Marokkaner. Wir sind etwas verwirrt und es wird uns konstant gesagt, wir sollen doch gleich zum Zoll. Dann hätten wir das schon hinter uns. Nach kurzem Zögern geht Robert dort hin und kommt nicht all zu lange später zurück mit dem Wisch und einem Stempel im Pass. Das Auto ist also schon in Mauretanien. Wir nicht…

Wir unterhalten uns mit dem Holländern. Sie sind eine große Gruppe und fahren eine Rallye von Antwerpen bis Banjul. Als wir ankommen sind noch ca. 60 vor uns, 30 haben die Prozedur hinter sich. Fun fact: die stehen schon 2 bis 3 Stunden länger da… Nun ja uns bleibt nichts anderes übrig als zu warten… Hin und wieder die ein oder andere Diskussion, Pässe gehen vor und zurück. Der Chef kaut auf seinem Holz herum und scannt hin und wieder ein paar Pässe ein. Der andere nimmt Fingerabdrücke, (rechte Hand, linke Hand, dann beide Daumen) und danach ein Foto. Die Pässe wandern danach zum Boss, der sie scannt, dann wieder zum anderen zurück. Der druckt dann das Visum mit einem Drucker, mit einem zweiten Drucker dann das Foto. Dann wird erst eingeklebt. Das dauert natürlich. Immerhin unterhalten wir uns nett mit den Holländern und erfragen gleich, wann sie nach Senegal einreisen und wo, damit nicht nochmal das gleiche passiert. Es stellt sich raus: Sonntag ist für uns die Grenze am Damm von Diama Richtung Senegalein No-Go 😉

Um kurz vor 21h Ortszeit haben wir endlich unsere Pässe zurück und können, nachdem der Pass gestempelt wurde, einreisen. 8h an der Grenze, welcome to Afrika.

Wir fahren hinter der letzten Holländergruppe hinterher, die fahren mit Begleitschutz. Ein paar Mauretanier versuchen regelmäßig, diesen zu überhole, aber werden ordnungsgemäß ausgebremst, trotz Warnblinker, Polizei-Kennzeichen und dem Polizisten, der ständig mit der Hand aus dem Fenster dem Drängler „langsam“ zeigt.

Noch bei Nacht fällt uns auf: die Autos, die hier rumfahren sind nochmal ein gutes Stück heruntergekommener als die in Marokko. Vermutlich werden die alten Autos aus Marokko hierher verkauft (oder verschenkt?), sobald sie in Marokko ihren zweiten wirtschaftlichen Totalschaden hinter sich haben und alle noch funktionierenden Teile wie Scheinwerfer und Scheiben demontiert wurden.

Wir finden das von einer Freundin empfohlene Hotel. Schnell frisch gemacht und endlich essen. Wir finden das Restaurant Monaco. Als wir es betreten, schauen uns 4 Chinesen inklusive dem oberkörperfreien Koch mit großen Augen an und schütteln den Kopf. Französisch: Fehlanzeige. Essen: ebenfalls. Wir laufen weiter und finden ein weiteres Lokal, in welchem sogar noch was los ist! Schaut irgendwie nach einem Expat-Restaurant aus und die Karte ist dreisprachig: französisch, englisch, spanisch. Wir essen frittierten Fisch mit Reis Pommes und Gemüse. Ist soweit ganz gut.

Müde fallen wir am Abend ins Bett.

Am nächsten Morgen fahren wir erst mal Richtung Süden zum Ende der Halbinsel, das Cap Blanche. Auf dem Weg dorthin, links hinter dem Hafen, der Schiffsfriedhof. Ähnlich zu den zahlreichen ausgeschlachteten Autos am Wegesrand liegen hier hunderte Schiffe. Es sieht so aus, als gingen sie dort hin um zu sterben. Ein trauriger Anblick. Wir fahren weiter. Pisten, die teilweise über die Grenze laufen, führen zu einem Visitors‘ Center, welches auch auf der anderen Seite der Grenze liegt. Dort wird uns erklärt, dass es weltweit nur noch 500 Mönchsrobben gibt, davon seien 150 in der Nähe, leider aber dauerhaft nur zwei davon genau hier. Die lassen sich für uns leider nicht blicken, aber dafür liegt die Bucht schön, draußen sind einige Fischerboote unterwegs.

Cap Blanche

Danach geht es weiter Richtung Nouakschott. Die Landschaft dahin wird fast noch eintöniger. Es ist einfach nur flach und sandig, rechts und links gelegentlich Hütten, ein paar Nomaden und Kamele. Es wird Zeit, dass wir durch sind. Ich kann keine Wüste mehr sehen.

Auf dem Weg werden wir ca. 12 Fiches los. Geht eigentlich. Einer will unseren Erste-Hilfe-Koffer, Feuerlöscher und Warndreieck sehen. Letzteres finden wir grade nicht, aber er lässt uns trotzdem fahren – und das sogar ohne Schmiergeld!

Als wir endlich in Nuakschott angekommen sind, ist es schon fast dunkel. Zufällig ist eine alte Freundin, mit der ich in Italien studiert habe, momentan beruflich dort. Sie hat für uns im Hotel, in dem sie auch wohnt, ein Zimmer reserviert. Das Maison de Hôtes Jeloua ist mal wieder eine schöne Oase mitten im eher trostlos wirkenden Viertel. Wir essen gemeinsam im sehr guten, hoteleigenen Restaurant zu Abend und verbringen einen sehr schönen Abend. Meine Freundin erzählt uns viel über Land und Leute und macht uns überraschender Weise durchaus Lust auf mehr.

Am nächsten Tag lassen wir es gemütlich angehen und fahren gegen Nachmittag Richtung Port de Pêche. Am Stand türmen sich wieder mal hunderte Fischerboote. Alle individuell bemalt – echt schön. Einige Fischer kommen gerade zurück, andere machen sich auf den Weg aufs Meer. Ein großer Traktor mit Winde ist im Einsatz um ein großes Boot aus der dritten Reihe ans Ufer zu ziehen. Wir blieben stehen und schauen gespannt zu. Es quatscht uns ein älterer Herr an und erklärt uns, dass das sein Traktor sei, seine Kinder ihn nun führen und das Ding aus Deutschland sei, aus dem 2. Weltkrieg und über hundert Jahre alt. Ich sage ihm, dass der 2. Weltkrieg aber so lang nicht her ist, daraufhin sagt er: stimmt, ist aus dem 1. Weltkrieg – ah ja. Sicherlich alt das Ding, aber so alt?

Slippen am Strand von Nuakschott

Wir fahren noch ein wenig durch die Stadt, essen nochmal mit meiner Freundin zu Abend, bevor sie zum Flughafen muss und gehen dann auch schlafen. Morgen steht eine weitere Grenze bevor, mal sehen was die so mit sich bringt, Geschichten gibt’s dazu auf jeden Fall genug im Netz.