Mongolei

Die Grenzkontrollen sind eher locker, ich muss nur kurz meine Tasche öffnen, ansonsten gibt es nur ein paar Stempel in den Pass. Außerdem wird an der Grenze noch der russische Speisewagen mit einem mongolischen ersetzt.

Der Zug kommt sehr früh in Ulan Bator an, ich schlafe noch und Andrei steigt aus. Wir sind also nur noch zu zweit im Abteil ich wach werde. Sonst sind im Waggon ziemlich viele ausgestiegen, und neue Touristen sind jetzt in den anderen Anteilen. Mein chinesischer Mitfahrer versucht mit meiner Hilfe die russischen Zahlen aussprechen zu lernen und wir versuchen mit Wörterbüchern uns etwas zu unterhalten, was aber eher schwierig wird.

In Russland hat sich die Fahrt ja ein bißchen wie eine Klassenfahrt angefühlt: es wird versucht Alkohol zu trinken ohne dass die Schaffner es mitbekommen, auch sonst passen die Schaffner auf dass alle rechtzeitig aussteigen und dass alle ihre Bettwäsche bekommen. In dem chinesischen Wagen ist es aber genau umgekehrt: der Wagen stinkt nach Rauch, weil die chinesischen Schaffner in ihrem Abteil bei offener Tür rauchen und mit Schaffnern aus anderen Waggons Karten spielen. Und die in Ulan Bator zugestiegenen Passagiere haben nur noch gebrauchte Bettwäsche bekommen (in Irkutsk gab es zum Glück noch frische).

In Choyr hält der Zug nachmittags für ca. 20 Minuten an und ich laufe ein bißchen über den Bahnhof. An einer Bude will ich mit etwas zu Essen kaufen, und die Verkäufer wollen sogar Euro annehmen. Als ich aber meine Münzen auspacke werden sie schnell ablehnend, die wollen sie anscheinend nicht. Naja, dann gibt es halt nichts zu Essen für mich.

Mittags gehe ich dann in den mongolischen Speisewagen und bestelle mir ein Gericht bestehend aus Rind, Gemüse und Reis. Das Essen ist locker das beste bisher in einem Speisewagen. Zusammen mit einem (zugegebenermaßen etwas wässrigem) mongolischen Bier zahle ich 13€ (wäre wahrscheinlich günstiger gewesen wenn ich mit mongolischem Geld gezahlt hätte). Im Speisewagen unterhalte ich mich mit anderen Touristen, die, wie es sich später herausstellt, auch in meinem Waggon direkt im nächsten Abteil hausen. Es handelt sich um ein schottisch/englisches Ehepaar und eine alleinreisende junge Deutsche.

Nach dem Essen schauen wir in unserem Wagen gemeinsam aus dem Fenster, während der Zug durch die mongolische Wüste zuckelt (laut GPS fährt er so zwischen 60 und 80 km/h). In dem Ausläufer der Wüste Gobi sieht man hin und wieder eine Jurte, und ziemlich viele Herden von Pferden, Rindern und Kamelen.

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Kamele in der Mongolei

Die Strecke ist relativ kurvig, obwohl wir wie gesagt durch die Wüste (bzw. vielleicht eher Steppe) fahren, so hat man immer wieder einen schönen Blick auf den Rest des Zuges (wir sind ja im letzten Waggon). Relativ oft gibt es auf der eingleisigen, nicht elektrifizierten Strecke jedoch Ausweichstellen, an denen uns fast immer ein langer Güterzug entgegen kommt.

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Zug fährt durch die Mongolei

Als es schon dunkel wird kommen wir an der chinesischen Grenze an. Die Grenzkontrollen sind noch lockerer als das letzte mal. Weil mein chinesischer Mitfahrer sich weigert, eine Zollerklärung auszufüllen und dementsprechend etwas Chaos produziert wird auch vergessen, meine ausgefüllte Erklärung mitzunehmen. Aber meine Stempel im Pass bekomme ich alle. Nach den Kontrollen steigt der Chinese aus und ich habe das Abteil für mich allein. Der Zug fährt dann ein Stück zurück zu der Umspuranlage, da China wieder dieselbe Spurweite hat wie Europa

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Umspuren in Erinhot

Danach fährt der Zug wieder in den Bahnhof von Erinhot zurück und hat dort noch fast zwei Stunden Aufenthalt. Weil ich noch nichts zu Abend gegessen habe hole ich mir im Supermarkt im Bahnhof Chips, Süßigkeiten und Bier. Letzteres ist noch wässriger als das mongolische und dazu noch so kalt, dass Eis darin herumschwimmt. Noch während wir halten verteilen die Schaffner Gutscheine für gratis essen im Speisewagen (der mongolische wurde mittlerweile auch durch einen chinesischen ersetzt) am nächsten Tag, und zwar gleich zwei Stück: einen für ein Frühstück zwischen 6:30 und 7:30, und einen für ein Mittagessen zwischen 9:30 und 10:30.

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Ich, kurz vor Peking aus dem Fenster des fahrenden Zuges schauend

Der Zug fährt erst nach 1 Uhr nachts ab, und ich schlafe erst kurz darauf ein, so dass ich das Frühstück natürlich verpasse. Aber zum Mittagessen schaffe ich es, zusammen mit den Leuten aus dem nächsten Abteil. Es gibt Schweinefleisch und Reis, dazu kaufe ich ein Bier für einen Euro. Die Landschaft vor dem Fenster ist übrigens sehr reizvoll geworden, bewaldete Berge mit Seen dazwischen. Leider habe ich die Kamera nicht im Speisewagen dabei. Als wir zurück in unserem Waggon sind sind draußen schon die Vororte von Peking zu sehen. Wir kommen auf die Minute genau um 11:40 am Hauptbahnhof von Peking an. Die Schaffner fangen schon vorher an aufzuräumen und sauber zu machen, sogar die Vorhänge werden abmontiert und zur Wäsche gegeben.

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Angekommen in Peking