Mauretanien 2.0

Nach dem Frühstück gibt’s mal wieder die Neuigkeit, dass die Wäsche natürlich nicht trocken geworden ist. Ausrede: gestern schien keine Sonne und heute Nacht hat es geregnet. Stimmt, aber die Wettervorhersage war dementsprechend und trotzdem wurde mir am Tag vorher versichert, dass sie ganz sicher trocken sein wird. Aber gut, inzwischen sind wir das ja fast gewöhnt.

Dann geht’s zur Grenze. Die Ausreise aus dem Senegal verläuft problemlos, aber die Einreise nach Mauretanien zieht sich mal wieder, da die Verbindung zur Datenbank, in der unsere Fingerabdrücke, Fotos und Daten gespeichert sind, heute sehr instabil ist. Wir werden schon gewarnt, dass wir gegebenenfalls über Rosso fahren sollen, was wir ablehnen, da wir uns nicht sicher sind, ob wir nochmals in den Senegal einreisen können, da uns das Passavant dort nämlich abgenommen wurde.

Nach einer halben Stunde ist zumindest mein Visum fertig und es dauert nochmal so lange, dann hat auch Robert sein Visum. Danach folgen noch die Stempel, und frecherweise fragt der Chef dann noch nach Geld. Nach kurzer Diskussion ist jedoch eine kostenlose Weiterfahrt möglich. Danach erhalten wir noch das Passavant, und als Strafe fürs nicht-zahlen wird unser Auto noch gründlich durchsucht. Die Koffer werden geöffnet, nach Alkohol und Drogen gefragt und dann ist auch gut. Die Einreise nach Mauretanien haben wir erledigt, los geht’s auf der schlechten Straße / Piste. Heute sehen wir wenig Krokodile, dafür um so mehr Warzenschweine.

Warzenschweine

Leguan

Warzenschwein

Nach 4 Stunden Fahrt, unzähligen Schlaglöchern und 250 km sind wir dann endlich in Nouakschott. Wir checken ins Jeloua ein und gehen Abends mit meiner Freundin was essen.

Am nächsten Morgen machen wir uns nach dem Frühstück auf die Suche nach dem Büro des Nationalparks Banc d’Arguin. Leider ohne Erfolg.

Wir fahren zu den beiden schönen Moscheen, besichtigen können wir sie aber nicht. Danach schlendern wir über den Marché Capital, bevor wir wieder zurück zum Hotel fahren.

Marokkanische Moschee in Nouakchott

Marché Capital

Irgendwie landen wir auf Grund des chaotischen Verkehrs falschherum in einer Einbahnstraße, aber vor uns fahren auch viele in unsere Richtnug. Ampeln sind auch eher zur Zierde da, also fahren wir weiter in die falsche Richtung. Irgendwann schimpft einer auf der Gegenspur und zeigt, dass wir umdrehen sollen. Wir bleiben stehen, und auf einmal fährt uns hinten einer drauf. Bis wir ausgestiegen sind, hat er aber schon halb umgedreht und fährt in die andere Richtung weg. Anscheinend hat er nur unsere Anhängerkupplung erwischt, seine Motorhaube ist aber etwas eingedrückt.

Im Hotel angekommen besuchen wir endlich die Touareg, die einen Stand vor dem Hotel haben und uns schon beim letzten mal ihre Kunstwerke zeigen wollten. Wir werden auch fündig, allerdings ist das verhandeln hier deutlich mühsamer als im Senegal. Wir brauchen 1 Stunde und 3 Tee, bis wir sie da haben, wo wir sie haben wollen. Abends essen wir nochmals mit meiner Freundin gemeinsam im Hotel – heute gibt es fantastisches Kamel mit Gemüse bzw. Reis.

Am nächsten Morgen fahren wir gegen 9.30 Uhr los. Ziel: Parc National de Banc d’Arguin. Nach 150 km biegen wir ab und fahren zunächst auf einer Teerstraße in den Park. Einige Kilometer später biegen wir ab auf die Piste und folgen ziemlich der Route auf unserem Navi. Diese ist allerdings irgendwann zu Ende und wir fahren nach Gefühl und Himmelsrichtung nach Iwik. Die Piste ist streckenweise sehr sandig und anspruchsvoll, sonst aber großteils gut befahrbar.

Piste nach Iwik

In Iwik steuern wir ein Campement an. Die Chefin lädt uns zum Essen ein, es gibt anlässlich des Feiertages ein Festmahl. Wir bekommen Reis, ein Stück Fleisch und eine Zitrone. Ist nicht schlecht.

Danach laufen wir nochmal in den Ort, Robert geht baden, auf dem Rückweg quatschen wir mit ein Mitarbeitern des Nationalparks, die Boule spielen. Es gibt dort sogar WiFi, die GIZ baut gerade neue Gebäude für sie und da freuen sie sich schon drauf. Ein großes Skelett eines Wals ziert den zentralen Platz.

Walskelett

Als wir zurück sind, setze ich mich ein wenig in die Sonne, Robert läuft noch auf einen Hügel Richtung Meer. Wir stellen unser Zelt auf, machen uns Tee und Fertigsuppe. Schon ist es dunkel und wir gehen bald ins Bett. Der Mond scheint wirklich hell, sodass man fast keine Taschenlampe braucht. Robert gelingen noch ein paar tolle Bilder.

Nachts in Iwik

Ich wache bei Morgengrauen auf und wecke gleich Robert, da es toll aussieht. Leider verpassen wir wegen Müdigkeit die Chance, Fotos zu machen. Gegen 7.45 Uhr stehen wir auf. Zusammenpacken, Frühstück und dann los zum Ufer. Unser Segelboot wartet schon auf uns.

Unser Segelboot

Sehr gemütlich geht es dahin, wir bekommen wie üblich drei mal den gesüßten Tee. Irgendwann gegen Mittag herrscht allerdings dann Flaute, sodass wir ankern müssen. Kurz später kommt der Wind aber Gott sei Dank wieder und wir segeln weiter. Laut unserem Kapitän sind wir in 25 Minuten dort, wo es viele Vögel gibt – Inshallah. 50 Minuten später sieht man in der Ferne einige Vogelscharen. Aber wirklich noch sehr weit entfernt. Nach weiteren 20 Minuten sind wir dann noch etwas näher dran, mit der Zoomlinse kann man die Vögel auch sehr gut erkennen.

Viele Vögel

Flamingos

Dann drehen wir um. Inzwischen ist es 14 Uhr. Eigentlich wollten wir spätestens jetzt zurück sein. Aber gut, so ist es halt in Afrika. Wenigstens kommen wir gut voran, da der Wind gut steht. Zudem werden wir auch noch bekocht. Frischen Fisch haben wir leider nicht gefangen, also wird getrockneter Fisch eingelegt und Reis dazu gekocht. Gegessen wird dann aus einer Schale mit den Händen. Robert und ich stellen uns natürlich doof an, da wir das nicht so hinbekommen wie sie. Wieso muss man auch gerade Reis mit Händen essen? Können das nicht zumindest Nudeln sein? Danach erfolgt die übliche Teezeremonie. Erst wird der Tee aufgekocht, dann werden die ersten Gläser befüllt, danach der Zucker in die Kanne und dann zig mal umgießen, damit alles gut vermengt ist und das Schnapsglas zur Hälfte aus Schaum besteht. Zuerst bekommt Robert den Tee, danach wird sein Glas wieder aufgefüllt und ich bekomme es. Das andere Glas geht zuerst an den Kapitän und erst danach trinkt der Matrose.

Um 15:45 Uhr sind wir zurück und stellen fest, dass wir uns endlich einen guten Sonnenbrand geholt haben. Der erste nach 7 Wochen Reise. Wir entscheiden uns, heute nur noch nach Cap Tafarit zu fahren und dort eine weitere Nacht zu Campen. Bis Nouadhibou schaffen wir es bei Helligkeit nämlich nicht mehr. Cap Tafarit ist ein schöner Ort, wir campen direkt am Meer.

Camp in Cap Tafarit

Wir baden und freuen uns über eine Dusche. Danach kochen wir und es gibt lecker Pasta mit Trüffelpesto. Frei nach dem Motto: wer ko, der ko!

Wir wachen erneut bei Morgengrauen auf und dieses Mal gibt’s auch ein Bild davon.

Sonnenaufgang

Ist schon eine tolle Kulisse und dazu das Meeresrauschen. Wir bleiben noch etwas liegen, dann machen wir uns Tee, da der Kaffee inzwischen alle ist, und essen dazu Bananen und ein paar Kekse.

Abfahrt ist um 10.15Uhr. Quer durch die Wüste zur Hauptstraße und dann weiter Richtung Nouadhibou. Spannend mal wieder, wie wenig die Beschreibung der Route aus Sicht der Einheimischen mit unserer Wahrnehmung übereinstimmt. So sieht „bonne route, pas de sable“ aus:

Angeblich gute Straße ohne Sand

Gegen 14.30 Uhr kommen wir in Nouadhibou an und checken ins Hotel ein.

Nachmittags fahren wir dann nochmals zum Schiffsfriedhof, den wir nochmal aus der Nähe betrachten wollen. Wir laufen am Strand entlang und treffen einen Brasilianer. Wir unterhalten uns nett mit ihm, er erzählt uns, dass vor gar nicht all zu langer Zeit hier 300 Schiffe lagen, aber inzwischen sind die Chinesen fleißig am Altmetall sammeln, sodass es nicht mehr so viele sind.

Schiffsfriedhof in Nouadhibou

Der Strand Mal wieder ein einziges Drecksloch, davor die Wracks. Wirkt irgendwie gespenstisch.

Abends gehen wir in ein Restaurant und es gibt leckeren Fisch. Als wir nach Getränken fragen, wird uns zu unserer Überraschung Bier angeboten. Wir lassen uns gleich zwei bringen. Bei der Abrechnung staunen wir nicht schlecht: die zwei Bier haben zusammen fast 15€ gekostet! Naja, das ist wohl die gerechte Strafe, wenn man in einem Land, in dem Alkohol verboten ist, doch meint, Bier trinken zu müssen.

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Lac Rose bis Saint Louis

Vom Lac Rose fahren wir mal wieder nach Dakar. Ziel sind ein paar Erledigungen für das Auto. Der Verkehr nach Dakar ist nervig. Wir brauchen eine dreiviertel Stunde von einer Autobahnausfahrt über einen Kreisverkehr zur Brücke über die Autobahn, keine 300m. Es wird kreuz und quer gefahren, jeder quetscht sich rein wo er kann, egal ob man damit alles blockiert.

Unser erster Stopp ist die offizielle Mitsubishi-Niederlassung, aber dort ist man nur bedingt hilfreich: erst will man uns gar nicht weiterhelfen, weil man sich nur um Autos kümmere, die auch hier gekauft wurden. Dann sagt man uns, dass man morgen zumindest mal für knapp 50€ den Fehlerspeicher auslesen kann.

Wir probieren unser Glück nochmal bei einer Tankstelle, die hat sogar ein Diagnosegerät und einen passenden Stecker, doch auslesen lässt sich nichts. Sie schicken uns zu einer anderen Tankstelle, dort hätte man ein besseres Diagnosegerät. Das funktioniert dann zwar auch nicht, aber immerhin sind sie sonst recht hilfreich, wir tauschen ein paar Aufhängungen für den Auspuff. Außerdem werden wir an einen Platz weiterverwiesen, wo man unseren Auspuff schweißen kann, was wir dann auch dort erledigen lassen.

Auspuff schweißen

Angesichts der fortgeschrittenen Zeit entschließen wir uns, nochmal im Stadtzentrum zu übernachten und checken daher in dem Hotel ein, in dem wir schon einmal waren. Abends gehen wir auch nochmal im Institute Français essen, und nach langer Zeit bekommen wir mal wieder Schweinefleisch.

Am nächsten Tag fahren wir wieder zum Mitsubishi-Händler, verzichten aber auf die Fehlerspeicherauslesung (das haben wir nämlich mittlerweile mittels eines Tricks selbst hinbekommen, man kann den Fehlercode auch über eine Art Morsecode im Armaturenbrett auslesen), sondern fragen nur nach wegen Teilebestellungen. Alles, woran wir Interesse hätten, wäre innerhalb von 45 Tagen (!) lieferbar, und dazu noch zu Preisen als wären die Teile aus purem Gold: ein paar Bremssättel für 800€ muss man sich schon mal gönnen wollen. Öl für das Verteilergetriebe verkaufen sie erst gar nicht, aber wir bekommen einen Tipp, wo wir das bekommen könnten. Dort fahren wir auch hin (nicht weit, aber dank Verkehr zeitraubend), bekommen das gewünschte Öl und lassen es bei einer naheliegenden Tankstelle auch gleich einfüllen. Länger als der Ölwechsel dauert die Rechnungsstellung danach, da wird minutiös alles mögliche abgefragt, steht dann aber trotzdem falsch auf der Rechnung. Zumindest dieses Thema haben wir mal erledigt.

Verkehr in Dakar. Man beachte die IKCO-Niederlassung, die iranische Autos verkauft

Anschließend stellen wir uns nochmal ein bißchen in den Stau Richtung Autobahn, dann fahren wir wieder zum Lac Rose.

Dort machen wir zuerst eine kleine Bootsfahrt. Der Bootsführer stochert mit einem Stock in den untiefen See und erzählt uns ein paar Sachen dazu. Leider ist es etwas bewölkt, daher ist der See eher orange statt rosa. Trotzdem ist es interessant, aus dem See wird viel Salz gewonnen, und zwar komplett durch manuelle Arbeit. Die Arbeiter holen das Salz mit Körben vom Seegrund. Sie müssen sich dazu mit Sheabutter eincremen, da die Haut das sonst nicht lange aushalten würde.

Salzgewinnung am Lac Rose

Salzgewinnung im Lac Rose

Nach der Rundfahrt fahren wir ins Hotel und quartieren uns diesmal auf dem zugehörigen Campingplatz ein. Zum Abendessen bekommt Fabi Rindfleischspieße und ich Rochen in Panade.

Am nächsten Tag wollen wir den Strand entlang nach Saint Louis fahren, das war früher mal die letzte Etappe der Rally Paris-Dakar. Das geht nur bei Ebbe, die heute um 09:20h vorhergesagt ist. Wir kommen dafür gerade noch rechtzeitig los.

Wir müssen zuerst die Dünen vor dem Strand überqueren, was anspruchsvoll ist, aber klappt. Dann geht es los, auf dem schmalen Streifen zwischen dem trockenen Sand, der zu weich zum fahren ist, und dem Wasser. Dazwischen kann man gut mit 60-80km/h fahren.

Fahrt am Strand entlang

Bei Kayar, einem Ort am Meer, müssen wir den Strand verlassen, da hier gerade die Fischer ihre Boote slippen und der Strand dadurch blockiert ist. Wir fahren durch den Ort. Hinter dem Ort gibt es keinen Weg direkt auf den Strand, nur eine Piste durch einen angrenzenden Pinienwald. Von dort gibt es kein Durchkommen zum Strand, die Bäume stehen zu dicht. Nach ein paar hundert Metern finden wir jedoch eine Stelle, wo wir über ein paar Dünen an den Strand kommen.

Durch einen Fahrfehler bleiben wir aber am Übergang von Dünen zum Strand stecken. Schaufeln ist angesagt, außerdem Sandblech und Hebesack ausladen. Zum Glück kommen recht bald ein paar Jungs, die im Wald Holz gesammelt haben, vorbei und helfen uns beim Schaufeln und Schieben. Es dauert trotzdem über eine Stunde, bis das Auto wieder frei ist.

Gegenverkehr am Strand

Wir fahren weiter am Strand, doch merkt man, dass die Flut im Anrollen ist. Der befahrbare Streifen wird immer schmaler, gelegentlich schwappen die Wellen bis vor das Auto. Weiter rechts wird es schnell zu weich, weiter links zu nass. Wir verlassen daher bei Mboro den Strand und fahren über die Straße im Hinterland weiter.

Wir finden auch eine neu geteerte Straße (auf der noch die Baumaschinen rumstehen), die auch noch in keiner Landkarte eingezeichnet ist. Die Bauarbeiter sagen uns, die neue Straße wäre eine Abkürzung Richtung Saint Louis. Die ersten 13km sind auch geteert und super befahrbar, danach wird es dann leider eine Piste, aber selbst da kommen wir zügig durch.

In Saint Louis angekommen checken wir in ein Hotel ein, dann fahre ich zu einer Tankstelle und lasse das Auto reinigen – das Auto hat einiges an Salzwasser abbekommen. An der Tankstelle steht auf der Preisliste auch „Pulverisation“, da wird irgendein Rostschutz gegen das Salz aufgetragen. Ich lasse also alles machen, incl. Motorwäsche, Pulverisation und Abschmieren.

Da das Hotel unter spanischer Leitung steht gibt es zum Abendessen Paella mit Meeresobst.

Paella

Am folgenden Tag laufen wir nochmal zu Fuß durch Saint Louis und schauen uns Dinge an, die wir das letzte mal noch nicht gesehen haben, z.B. zwei Museen. Außerdem besuchen wir unzählige Geschäfte und kaufen diverse Souvenirs.

Fischerboote in Saint Louis

Zum Abendessen gehen wir ins La Kora. Wir essen Mille Feule mit Blutwurst und einen sehr leckeren Fisch.

Fisch mit Zubehör

Anschließend gehen wir noch ins Institute Français, wo es ein Konzert von Alias Diallo gibt (der nächstes Jahr auch als Präsidentschaftskandidat im Senegal antreten will).

Konzert mit Alias Dallo

Von Tambakunda über Kaolack und Touba an den Lac Rose

Beim Frühstück morgens im Hotel gibt es nach Wochen endlich mal wieder ein Croissant, und nicht nur Baguette, und dazu einen Saft – oh wie schön!

Wir entscheiden uns die Werkstatt im Ort aufzusuchen, da das ABS trotz Autowäsche und Reifen abspritzen nicht aufhört zu leuchten. Außerdem wäre ein Ölwechsel nach 9000km fällig und Abschmieren macht auch Sinn.

Wir sind vielleicht eine halbe Stunde in der Werkstatt, lassen alles machen, auch das ABS-Problem scheint behoben und wir fahren gleich noch wegen unseren Reifen schauen, da die hinteren beiden konstant Luft verlieren. Nicht viel, aber regelmäßig.
Beide haben kleine Löcher, die sind schnell gefunden und geflickt. Weiter geht’s.

Nach circa 30km leuchtet das ABS erneut und wir drehen um. Nochmal in die Werkstatt. Leider finden sie die Ursache nicht gleich und Robert begibt sich mit dem Chef auf Suche nach einem Diagnosegerät. Leider sind die Läden zu, wir sollen bis Dakar fahren, das wäre soweit kein Problem. Dort könnten die das sicher richten.

In Kongheul biegen wir links ab auf eine Piste, denn angeblich soll es nicht weit vom Ort Megalithen bzw. Steinkreise zu sehen geben. Ähnlich zu Stonehenge wird darüber gerätselt, was sie zu bedeuten haben. Wir finden erst mal nichts. Kein Schild, kein nichts. In einer unserer Apps ist ein POI eingezeichnet, wir latschen quer durch die Felder, fragen Kinder die auf dem Feld arbeiten, nichts. Wir nehmen nochmals eine Abzweigung, die wir schon versucht hatten, fahren dieses Mal aber weiter. Sowohl ein Mann, als auch ein Kind, die wir fragen, deuten uns nun die Straße entlang – anscheinend ist da also doch was. Wir gelangen in den nächsten Ort, der zumindest auch im Reiseführer steht. Dort fragen wir wieder vier Mal, bis wir in der richtigen Richtung unterwegs sind. Viele sprechen leider kein Französisch, erstaunlicher Weise aber 2 Personen Englisch. Irgendwann sind wir zu weit und drehen um. Der nächste deutet uns in eine andere Richtung – also wieder zurück. Dann kommt eine größere Gruppe auf uns zu, und sie deuten uns, wir sollen parken und laufen, sie zeigen uns den Weg. Wieder durchs Gestrüpp und auf einmal liegen die großen Steine vor uns. Die hätten wir bei dem hohen Gras nie selbst gefunden. Das Licht ist gerade sehr schön und wir können ein paar schöne Fotos machen:

Wir fahren durch die Piste zurück wieder auf die Hauptstraße Richtung Kaolack. Es ist noch ein gutes Stück. Langsam wird es dunkel und ehrlicherweise fährt Robert nur auf meine Bitte hin bis Kaolack, da er dort ein schönes Hotel gefunden hat und ich da unbedingt hin will. Im Gegensatz zu den sonstigen Strecken, die wir hin und wieder bei Nacht gefahren sind, ist hier recht viel los. Das macht es wirklich gefährlich. Viele fahren ohne Licht (vor allem hinten), es sind Eselskarren unterwegs, natürlich gänzlich ohne Beleuchtung, massiv überladene LKWs, die oft vergessen, das Fernlicht auszumachen, und stark blenden, und immer mal wieder springen ein paar Fußgänger über die Straße. Immerhin ist die Straße gut, sodass es nicht noch zusätzlich zig Schlaglöcher gibt. Die Warnungen vor Nachtfahrten sind also nicht ganz unbegründet und wir entscheiden uns, das zukünftig noch mehr zu vermeiden, als wir es eh schon tun.

Im Hotel angekommen freuen wir uns über ein sauberes Zimmer, schönes Ambiente, nettes Personal und zuletzt noch fantastisches Essen. Robert isst eine Art Rindfleisch Eintopf mit Gemüsespaghetti, ich Rindfleisch mit Pilzen in Rahmsoße dazu Kartoffeln. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann ich das letzte Mal etwas mit Rahm gegessen habe und freue mich unendlich drüber.

Wir würden gerne noch eine Nacht bleiben, aber am nächsten Tag erfahren wir, dass unser Hotel kein Zimmer für eine weitere Nacht frei hat. Wir telefonieren mit einem weiteren Hotel, was etwas teurer ist, die haben noch etwas frei und wir buchen direkt.

Zuerst entspannen wir noch eine Runde am Pool, packen zusammen und checken aus. Schön in der Mittagshitze laufen wir dann zum Markt. Gut, dass zumindest ein wenig Wind weht, das macht die Temperatur von 34°C deutlich angenehmer. Der Markt ist riesig, nur ab und zu werden wir angesprochen, ob wir was kaufen wollen. Hier kaufen ganz klar die Einheimischen ein. Zurück am Auto freue ich mich auf die Klimaanlage. Wir fahren zur großen Moschee, aber da gerade Gebetszeit ist, laufen wir aber nur einmal drum herum – ist ganz nett, aber nicht super aufregend.

Ausnahmsweise wird in unserem Hotel diese Nacht Vorkasse verlangt. Unsere Hütte ist groß, sauber und nett gemacht, könnte aber noch ein oder zwei weitere Möbelstücke vertragen. Die Anlage ist toll und es ist nichts los. Den Rest des Nachmittags verbringen wir am Pool.

Nachdem wir uns aber die Speisekarte  des Hotelrestaurants angesehen haben, entscheiden wir uns in die Stadt zum Essen zu fahren. Dort essen wir beide Rinderfiletspieße mit Pommes und ein großes Bier zum Teilen dazu für ca. 14€. Definitiv der bessere Deal als im Hotel, wo wir für das Geld nicht mal eine Hauptspeise bekommen hätten.​

Am nächsten Morgen fahren wir los Richtung Touba – das Mekka des Senegal. Dort angekommen, bekommen wir gleich Gesellschaft am Auto und ein Führer bietet sich an. In diesem Fall ist das sinnvoll, da man deutlich mehr erfährt über die heilige Stadt und vor allem so nicht gegen irgendwelche Regeln verstößt. Ich muss mir ein Tuch als Rock umbinden, denn lange Hosen sind bei Frauen dort nicht erwünscht, die Arme sowie die Haare bedecken. Gut dass es nur 32 Grad hat.

Über das komplette Areal der Moschee hinweg muss man die Schuhe ausziehen, auch in den Abschnitten, wo es wegen Renovierungsarbeiten super dreckig ist. Nichts desto trotz ist es ein toller Ort. Es ist eine der wenigen Moscheen, die wir betreten dürfen auf unserer Reise und sie ist wirklich schön, mit vielen tunesischen sowie marokkanischen Dekorelementen:

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Die große Moschee in Touba

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Ehemalige Brunnen

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Moschee von innen

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Marokkanische Dekorelemente

In Touba leben laut unserem Führer, Ali, 2,5 Mio Menschen. Angeblich kann jeder, der sich dort niederlassen möchte, Grund bekommen, ohne ihn kaufen zu müssen. In Touba gibt es keine Hotels, zum großen Fest Magal, an dem in diesem Jahr 4 Millionen Menschen in die Stadt gepilgert sind, schlafen die Menschen bei den Einheimischen zu Gast.

Nach der Besichtigung laufen wir noch zum Friedhof – auch der ist beeindruckend. die Gräber stapeln sich gerade nur so. Uns wird erklärt, dass die Toten hier mumifiziert werden und dann seitlich mit Blick nach Mekka vergraben werden.

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Friedhof in Touba

Anschließend fahren wir fahren weiter Richtung Thiès. Dort angekommen steigen wir bei der Kathedrale aus und laufen dann über den Markt. Danach suchen wir ein Campement auf, welches aber leider nicht so toll aussieht, sodass wir uns entscheiden, doch noch bis zum Lac Rose zu fahren. Angekommen im Le Calao du Lac Rose nehmen wir uns ein Zimmer bzw. mal wieder einen kleinen Bungalow und essen auch dort zu Abend. Da wir jetzt wieder an der Küste sind, gönnen wir uns wieder mal Fisch – den hatten wir schon länger nicht mehr – und er schmeckt fantastisch.

Thiof mit Reis

Zurück nach Norden

Dalaba wird der südlichste Punkt unserer Reise bleiben, ab hier fahren wir wieder Richtung Norden. Auf dem Rückweg machen wir noch kurz hinter Dalaba einen Abstecher zum Garten von Auguste Chevoir, einem Franzosen, der versucht hat, in einem botanischen Garten fremde Pflanzen zu kultivieren. Von dem Garten ist aber nur noch ein wilder Wald übrig, durch den wir etwas spazieren, nachdem wir das Auto vor einem Matschloch abgestellt haben. Wegen eines umgefallenen Baumes wären wir eh nicht weiter gekommen.

Garten von Auguste Chevoir

Der nächste Stopp ist beim Wasserfall von Kinkon. Hier muss man Eintritt zahlen, da das Gelände zum Elektrizitätswerk gehört, das aus der Wasserkraft des Flusses Strom gewinnt. Der Wasserfall ist toll, man kann ihn von verschiedenen Aussichtspunkten aus bewundern. In der Nähe gibt es auch noch den dazugehörigen Stausee mit Staudamm, zu dem wir auch noch hinlaufen.

Wasserfall bei Kinkon

Wasserfall bei Kinkon

Wir fahren zurück an die Hauptstraße nach Pita und gehen dort einmal über den Markt. Das ist hier wirklich eine sehr angenehme Erfahrung, da wir nicht angesprochen oder genervt werden um etwas zu kaufen, aber wenn wir dann jemanden etwas fragen sind alle sehr freundlich. Wir finden auch was wir suchen. Anschließend essen wir noch Fleischspieße am Straßenrand und trinken Kaffee. Kaffee wird hier aus Espressotassen (oft ohne Henkel und bis zum Rand befüllt) getrunken, kommt meist aus bunten Thermoskannen, aber schmeckt tatsächlich sehr gut. Gekocht wird er auf offenem Feuer in Bialetti-Kannen.

Weiter geht es nach Norden bis nach Labé, wo wir angesichts der anbrechenden Dunkelheit übernachten. In der Unterkunft sind auch zwei Jungs aus Holland, die mit ihrem Peugeot Boxer noch weiter nach Ghana wollen, mit ihnen unterhalten wir uns am Abend.

Piste zum Wasserfall

Am nächsten Tag fahren wir weiter Richtung Norden, aber kurz vor Popodara biegen wir nochmal auf eine Piste ab, um zum Wasserfall von Sala zu fahren. Die Piste zieht sich etwas, aber die Anfahrt lohnt sich, denn der Wasserfall ist noch größer als der vom Vortag. Zudem liegt er mitten im Urwald und es sind keine anderen Menschen um uns herum. Wir schauen uns den Wasserfall von einer Klippe aus an – ein wunderbarer Ort. Danach laufen wir zu einer anderen Stelle, wo man im Fluss baden kann, kurz bevor er rauschend in die Tiefe stürzt.  Neben der Badestelle ist ein verlassenes Camp, vermutlich konnte man hier mal übernachten, aber jetzt ist alles geschlossen und kein Mensch weit und breit. Schade, eigentlich ein super schöner Platz.

Wasserfall von Sala

Badestelle in der Nähe des Wasserfalls

Zurück an der Hauptstraße geht es weiter nach Norden, wieder durch den 25km langen schlechten Straßenabschnitt. Wir entschließen uns trotz Dunkelheit noch bis nach Koundara zu fahren. Dort fahren wir ein Hotel an. Die Zimmer sollen zwar nur 10€ kosten, sind dafür aber richtig schön versifft. Wir entschließen uns im Dachzelt zu schlafen und mieten uns ein Zimmer nur, um Toilette und Dusche zu benutzen. Für die Nichtbenutzung des Betts bekommen wir dann sogar noch einen Rabatt von 2€.

Gut beladener Gegenverkehr

Abendessen bekommen wir in einem Restaurant neben dem Hotel, das aus einer kleinen Blechhütte direkt an der Straße besteht. Wir essen Rindfleisch mit Spaghetti bzw. Reis. Das Bier wird extra für uns mit dem Motorrad herbeigeschafft. Das Essen ist lecker, aber leider voll mit Knochensplittern.

Abendessen: Fleisch mit Reis

Am nächsten Morgen schlafen wir recht lange, obwohl ich eigentlich befürchtet hatte, dass wir wegen der naheliegenden, lauten Straße keine Ruhe hätten. Dann unterhalten wir uns noch mit zwei Deutschen, die auch auf dem Hof des Hotels in ihrem Auto übernachtet haben. Letztlich kommen wir erst gegen 11 Uhr los und fahren weiter zur Grenze.

Vor der Ausreise muss unser Passavant an vier verschiedenen Zollstationen gestempelt werden. Dazu kommen Gendarmerie-Checkpoints, die unsere Pässe abschreiben. Zwischendurch versuchen wir, unser letztes Geld in Wasser und Kaffee zu investieren, was daran scheitert, dass wir den Kaffee nicht bezahlen können, weil das andere Gäste für uns erledigt haben. Wir sind nochmal positiv überrascht, wie freundlich die Guineaner sind. Ganz am Schluss bekommen wir dann noch unsere Ausreisestempel.

Der senegalesische Grenzposten befindet 13km hinter der Grenze. Als wir dort ankommen ist gerade Mittagspause. Angeblich geht es ab 15 Uhr weiter, wir haben also ca. 1,5h zu warten. Wir beschließen, die Zeit zu nutzen und einen Kanister Diesel vom Dach in den Tank umzufüllen. Dabei bricht ein Schlüssel in einem Schloss ab, das den Kanister auf dem Dach sichert. Unsere Versuche, das Schloss mit diversem Werkzeug zu öffnen scheitern, aber schnell ist ein Kerl aus einer Fahrradwerkstatt mit einer Säge zu Hand und öffnet das Schloss in Sekunden. Durch die ganze Aktion verpassen wir, dass die Grenzer ihren Posten wieder eingenommen haben und landen am Ende der Schlange.

Nach dem Einreisestempel müssen wir zu einem Checkpoint, an dem unsere Impfpässe auf Gelbfieberimpfungen kontrolliert werden. Danach kommt erst der Zoll wegen den Fahrzeugpapieren.

Feuer am Straßenrand

Am Straßenrand sieht man oft Buschfeuer, zum Teil reichen sie bis an die Straße heran. Wir fragen uns, ob die Feuer künstlich gelegt wurden. Wir fahren bis Tambacounda und gehen dort in ein Hotel. Temperaturmäßig ist es hier zwar wieder sehr heiß, da es aber relativ trocken ist merkt man die Temperaturen gar nicht mal so.

Von Cap Skirring nach Bissau

Genau einen Monat sind wir unterwegs. Nach dem Frühstück spazieren wir am Strand entlang. Wir sind uns einig: definitiv einer der schönsten Strände an dem wir je waren.

Cap Skirring

Wir sehen eine Ansammlung von Geiern am Strand. Als Robert näher hingeht um ein Foto zu machen, bemerkt er eine Schildkröte, die auf dem Rücken liegt, und von den Geiern verspeist wird.

Geier essen Schildkröte

Wir laufen zurück und gehen nochmal baden. Das Meer ist super sauber, angenehm warm und verhältnismäßig ruhig. Traumhaft.

Danach packen wir zusammen und fahren los zurück nach Ziguinchor. Von dort fahren wir weiter zur Grenze. Die Ausreise aus dem Senegal verläuft problemlos, die Einreise Guinea-Bissau auch, allerdings ist der bürokratische Aufwand der hier betrieben wird durchaus nennenswert. Um einzureisen werden unsere persönlichen Daten zweimal aus den Pässen in große Bücher geschrieben, die persönlichen Daten unseres Pajeros gleich dreimal (wohlgemerkt natürlich immer an verschiedenen Orten) und zusätzlich nochmal der Pass kontrolliert. Dennoch müssen wir im nächsten Ort zum Zoll, um einen Passavant ausgestellt zu bekommen. Da wird dann unser Auto nochmal in ein großes Buch eingetragen. Es klappt alles wunderbar, aber diese Abschreiberei ist echt mühsam. Afrika halt…

Wir passieren zwei weitere Kontrollstellen, wo jedes mal das Passavant gestempelt wird. Der eine will 1000 CFA fürs Stempeln. Ich schicke Robert nochmal hin. Er klärt das, danach fahren wir weiter, ohne gezahlt zu haben.

Die Straße ist zwar immer noch geteert, aber die letzten Regenzeiten haben ihre Spuren hinterlassen. Immer wieder Schlaglöcher. Dafür tolle Landschaft. So stellt man sich Dschungel vor.

Gegen 18h sind wir dann in Bissau. Das Hotel ist sehr versteckt und es steht auch kein Name und nichts dran. Schwierig zu finden, da Booking und Google es auch noch an unterschiedlichen Stellen vermerkt haben, die aber beide inkorrekt sind, aber wir fragen nach dem Weg und irgendwann stehen wir davor.

Kommunikation ist in diesem Land nicht leicht. Alle sprechen portugiesisch, bzw. kreol, und nur teilweise, und wenn dann eher schlecht, französisch. Wenig englisch. Zwei Portugiesinnen, die wir später treffen werden, gestehen uns, auch lange nicht alles zu verstehen, was hier auf kreol geredet wird.

Am Abend gehen wir in ein Restaurant, das nicht all zu weit weg ist und an welchem wir schon vorher vorbeigefahren sind. Ich bestelle einen Burger, Robert gemischtes Gegrilltes. Beides Dinge, die wir zumindest annäherungsweise auf der Karte entziffern können. Die Qualität eher unterdurchschnittlich, zumindest mein Burger ist eher mau bis nix. Dafür müssen wir aber trotzdem ordentlich löhnen, zusammen ca. 15€. Wir laufen zurück ins Hotel und gehen schlafen.

Nachdem wir am nächsten Morgen im Hotel entdeckt haben, wo es Frühstück gibt, was nicht gerade berauschend ist, laufen wir los in die Stadt. Wir schlendern Richtung Zentrum, was nicht weit entfernt ist. Zuerst stellen wir fest, dass der „Park“ um die Ecke tatsächlich ein Park ist. Bei Dunkelheit sah das nach einem verkommenen Platz aus. Danach kommen wir an einer Kirche vorbei und laufen weiter Richtung Präsidentenpalast.

Präsidentenpalast in Bissau

Dort gehen wir in das im Reiseführer angepriesene Café des Hotel Impérial. Wir gönnen uns süße Pastéis de Nata und einen Kaffee. Danach laufen wir über die Nebenstraße wieder zurück, da das ethnologische Museum geschlossen hat. Auf dem Weg werden wir hin und wieder von Geldwechslern angesprochen. Sie bieten einen überdurchschnittlichen Kurs an (in Bissau ist die Währung, wie auch im Senegal, der CFA-Franc, der eigentlich fix an den Euro gekoppelt ist). Komisch, vielleicht hat das was mit den Drogengeschäften zu tun, für die Bissau so berühmt-berüchtigt ist?

Wir laufen weiter zur Burg, die von Militärs bewacht wird, und fragen „auf blöd“ ob man rein darf. Also mit Händen und Füßen. Der Soldat deutet uns, wir mögen warten. Wir glauben eigentlich nicht, dass wir die Burg besichtigen können, aber kurz später werden wir dann doch gebeten einzutreten. Ein Soldat und eine Soldatin, die allerdings keine Uniform trägt, da Feiertag ist, laufen mit uns rein. Uns wird der General vorgestellt, nachdem man uns Besucherausweise ausgehändigt hat. Ein netter, etwas älterer Herr. Wir stellen fest, dass die einzige Sprache, auf der wir uns zusammen verständigen können, spanisch ist. Nun ja irgendwie geht es. Es folgt eine einstündige Führung durch die Festung, mit reichlich Geschichtsinfos zur großen Revolution von 1963-1974. Wir besuchen einige Gräber von wichtigen comandantes, sowie das Grab von Amilcar Cabral, einem der wichtigsten Unabhängigkeitskämpfer und dem Nationalhelden schlechthin.

Grabstätte von Amilcar Cabral

Während wir an den Gräbern stehen, kommen 2 Portugiesinnen dazu. Anne und Raquel übersetzen teilweise für uns. Danach werden uns stolz die Konferenzräume gezeigt, wir verstehen zunächst nicht ganz wieso. Aber später sehen wir, dass sie das alles erst im letzten Jahr wieder aufgebaut haben. 2017 war alles noch eingestürzt:

Aufnahmen der Festung von 2017

Zum Vergleich ein aktuelles Bild der Festung

Es folgen drei weitere Räume, in denen die Waffen der Freiheitskämpfer ausgestellt sind. Spannend zu sehen, wer hier alles Waffen und Zubehör geliefert hat: vorrangig die Sowjets, aber auch die Chinesen, Tschechen und Italiener tauchen dort wieder auf. Zu guter letzt ist der alte Käfer von Amilcar Cabral ausgestellt, und wir dürfen uns sogar rein setzen und Fotos machen:

Der alte Käfer von Amilcar Cabral

Danach dürfen wir noch die Büros anschauen, vorrangig weil es dort eine Klimaanlage gibt und wir uns dort noch ins Gästebuch eintragen und einen Obulus da lassen sollen. Zum Schluss stellt sich heraus, dass der General drei Jahre in Lviv gelebt hat und fließend russisch spricht. Robert ist begeistert und ab dann verstehen wir anderen gar nichts mehr.

Am Ausgang gibt’s noch eine Fotosession, dann gehen wir mit den beiden Mädels noch Mittagessen. Wir entscheiden uns danach, noch gemeinsam mit ihnen in ihr Hotel zu gehen, da sie meinen, dass wir dort an der Rezeption nähere Infos zum Nationalpark Cantanhez sowie den Straßenbedingungen auf den verschiedenen Wegen nach Conakry bekämen. Sie sollten recht behalten: der Park ist angeblich offen, man vermutet, dass es englischsprachige Guides gibt und bei der Straße ist der Rezeptionist erst unsicher, aber als er hört, dass wir einen Pajero haben, meint er, dass das passen sollte.

Wir treffen uns abends nochmal mit den Portugiesinnen und gehen gemeinsam Abendessen. Es ist noch eine Freundin der beiden dazugekommen, die in Bissau lebt und das Leben dort sehr schätzt. Ich kann es mir nicht vorstellen, aber das hat womöglich auch was mit der Sprache zu tun.

Casamance

Wir checken aus unserem Hotel aus und wollen wieder zurück in den Senegal, genauer gesagt in die Casamance. Gambia ist nicht so groß, das wichtigste haben wir gesehen.

An der Grenze läuft die Ausreise aus Gambia zügig und problemlos. Auf senegalesischer Seite jedoch will man das Auto nicht einreisen lassen, weil unsere Genehmigung abgelaufen sei. Man könne auch keine neue ausstellen. Man bietet uns an, das Auto an der Grenze zu parken und mit dem Taxi weiterzufahren. Das lehnen wir ab.

Wir fahren also zurück nach Gambia und reisen wieder ein, zumindest das klappt problemlos. Dann fahren wir die ganze Strecke, die wir gekommen sind, wieder Richtung Osten, bis nach Soma. Dort wieder raus aus Gambia. Beim Zoll auf senegalesischer Seite ist dann von Problemen gar keine Rede mehr, wir bekommen zügig einen neuen Wisch für das Auto ausgestellt, diesmal sogar mit einer Quittung über die Gebühren, also alles ganz korrekt. Wir fragen uns, warum im Senegal jede Grenze ihre eigenen Zollvorschriften zu haben scheint.

Wir schaffen es trotz des Umweges noch bei Tageslicht nach Ziguinchor. Dort checken wir ins Hotel ein und essen auch dort zu Abend.

Reste kolonialer Architektur in Ziguinchor

Treiben am Fluss in Ziguinchor

Am nächsten Tag gehen wir zu Fuß zum Konsulat von Guinea-Bissau und holen uns dort ein Visum – das kostet hier deutlich weniger als bei uns zu Hause, und geht auch in 5 Minuten ganz fix. Wir spazieren noch weiter durch die Stadt, runter zum Fluss, zur Post und wieder zurück zum Hotel. Dort geht Fabi nochmal ins Zimmer, ich fahre mit dem Auto kurz vor zum Kreisverkehr, denn dort gibt es zwei Tankstellen mit Autowäsche, welche das Auto mal wieder verdient hat.

Während ich warte, dass das Auto gewaschen wird, kommt ein Zollbeamter, erkennbar an seiner Uniform, zu mir. Er möchte die Fahrzeugdokumente sehen. Ich habe die gar nicht dabei, die sind in Fabis Handtasche im Hotel. Er meint, ich müsse sofort zum Hotel fahren, um sie zu holen, was ich aber ablehne, da das Auto noch gewaschen wird. Aber das Hotel ist nur 3 Minuten zu Fuß entfernt, wir könnten ja hinlaufen – darauf lässt er sich erst ein, als ein zufällig herumstehender Passant auf ihn einredet. Im Hotel bekommt er die Papiere, die er will. Ein kurzer Blick reicht ihm, er mag unseren Passavant nicht. Wir müssten sofort mit ihm mitkommen zur Zollstation.

Die Zollstation ist nicht weit, keine 3 Minuten Fahrt. Dort will der Zöllner als erstes den Autoschlüssel haben, den ich ihm aber nicht gebe. Das Zollbüro ist noch abgesperrt, der Wärter sperrt auf. Wir sollen im Vorraum warten. Etwas später kommt auch ein Typ mit Bubu und Hut rein und geht ins Büro, das scheint der Chef zu sein. Irgendwann werden wir dann rein gerufen. Der Chef spricht sogar ein paar Worte deutsch, sein Vater sei Deutschlehrer, und er war auch selber schon mal in Deutschland. Er muss aber nochmal mit seinem Chef reden, den er noch nicht erreicht hat. Wir sollen warten. Ich frage, ob wir auch im Hotel warten können, was er nach kurzem Zögern erlaubt. Wir tauschen Handynummern aus, er wird uns anrufen wenn er seinen Chef erreicht hat.

Wir sind noch auf dem Weg zum Hotel (zu Fuß, das Auto mussten wir stehenlassen), da bekommen wir einen Anruf mit der Ansage „OK, problem finish„. Wir laufen zurück. Das Büro ist gerade geschlossen, also setzen wir uns nochmal ins Vorzimmer. Ein paar Minuten später werden wir ins Büro gebeten, dann erklärt uns der Zöllner, er sei erst seit einem Jahr auf der Position und wisse noch nicht genau wie das laufe, auf jeden Fall hätten wir kein Problem mehr und könnten gehen. Er gibt uns noch seine Karte, wir sollen ihn anrufen, wenn wir nochmal Probleme in seinem Zollbezirk haben.

Wir gehen zurück ins Hotel, freundlicherweise dürfen wir uns noch eine Stunde länger im Zimmer aufhalten und nutzen die Zeit, um nochmal in den Pool zu springen.

Tankstelle in Ziguinchor

Anschließend fahren nach Cap Skirring. Dort gehen wir in eine recht einfach Unterkunft direkt oberhalb vom Strand. Wir gehen noch im Meer baden, trinken noch Bier und Orangensaft am Strand und essen dann Fisch und Crevetten bei unserer Unterkunft. Abends laufe ich nochmal alleine am Strand entlang, irgendwo in der Ferne hört man Trommelgeräusche, sonst ist der Strand wie verlassen.

Blick aus unserem Zimmer in Cap Skirring

Réserve de Bandia und Einreise Gambia

Wir haben genug von Dakar, heute geht es weiter. Wie immer Richtung Süden.
Wir fahren zuerst zum Nationalpark Réserve de Bandia. Gegen Mittag sind wir dort. Der Ticketverkäufer sagt uns, wir könnten mit unserem eigenen Auto reinfahren, aber  bräuchten einen Führer. Für uns zwei plus Auto macht das dann knapp 60€. Nicht gerade wenig, aber damit hatten wir schon gerechnet. Allerdings sind wir zur falschen Zeit da, denn am besten wäre es morgens um 8 Uhr oder nachmittags ab 16 Uhr, weil dann mehr Tiere zu sehen sind. Wir entscheiden uns ein Hotel zu buchen, denn Nachmittag über zu entspannen und am nächsten Morgen früh besagte Tour zu machen.

Wir fahren zum Babao Camp und werden von einer sehr netten Französin begrüßt. Nette Zimmer, leider keine Klimaanlage, dafür ein Pool. Wir verbringen den Nachmittag dort, gehen abends in das zugehörige Restaurant. Das Essen soweit gut, nachdem ich mal wieder Lust auf Pasta habe, und seit Wochen auf jeder Karte Spaghetti Bolognese steht, wage ich den Versuch. Schmeckt so lálá, aber man erkennt was es sein soll. Vermutlich werde ich den Versuch in nächster Zeit nicht nochmal starten. Die Nacht wird schwül heiß.

Wir lernen: vorerst keine Unterkunft mehr ohne Klima. Mein Kissen ist am nächsten Morgen pitschnass, mein frisch gewaschener Schlafanzug durchgeschwitzt und meine Haare waren glaube ich seit dem Schwimmen gestern Mittag (!!!) nicht mehr trocken. Ich freue mich auf die Klimaanlage im Auto.

Wir stehen früh auf, duschen, machen uns fertig und fahren zum Reservat Bandia. Dort bekommen wir eine Führerin, die sogar deutsch spricht.

Zuerst kommen wir zu den Hyänen, die eingezäunt sind, weil das Reservat mit 2000ha zu klein ist und sonst alle anderen Tiere schnell als Mittagessen für die Hyänen enden würden.

Auf unserer Tour sehen wir sehr viel: Giraffen, Zebras, viele tolle Vögel, Büffel, Antilopen, Meerkatzen und andere Affen, einen Waran und zuletzt nach langem Suchen und Pirsch zu Fuß (angeblich illegal, aber in diesem Fall auf Anweisung unserer Führerin) noch zwei Einhörner. Super interessant und wirklich cool. Man kann also entspannt in 3 Wochen Fahrzeit von München auf Safari gehen. Hier ein paar Bilder:

Hyäne

Meerkatze

Waran

Riesenschildkröte

Blauer Glanzstar

Babyzebra mit Mutter

Toko

Antilopen

Nashorn

Giraffen

Am Ende der Tour kann man noch ganz viele Krokodile in einem Tümpel bestaunen. Wirklich ein schönes Reservat, und außer den Zebras sind alle Tiere dort auch heimisch.

Danach gehen wir kurz einkaufen und fahren dann zurück in unsere Unterkunft, um noch die gewaschene Wäsche und unsere Koffer einzuladen, bevor wir Richtung Gambia weiterfahren. Mal sehen wie wir durchkommen. Die gute Frau vom Hotel meint, dass wir mindestens 5 Stunden brauchen würden, wegen der Touba-Magal dieses Wochenende. Letztlich brauchen wir 3 Stunden 30 Minuten (was auch der Information des Navis nahe kommt), dann sind wir an der Grenze.

Die Ausreise aus dem Senegal läuft einfach, nervig sind die ganzen Kinder. Alle wollen was haben, und man muss aufpassen dass sie nichts aus dem Auto nehmen. Die Einreise nach Gambia ist auch recht entspannt. Ein Polizist kommt direkt zu uns ans Auto und quatscht uns an – super freundlich. Außerdem: endlich Französischpause! Hier wird englisch gesprochen! Wir sollen es uns gemütlich machen, aber lang wird es nicht dauern. Es war gerade Gebetszeit, irgendeiner mit dem Stempel ist deswegen noch unterwegs. Als er zurück ist geht es recht zügig. Zuletzt wird noch gefragt: so normally this is for free, but if you feel like it, maybe you could give us something? Wie zucken mit den Schultern und sagen sorry, but no und es wird uns freundlich geantwortet: ok no worries, good bye. Beim Zoll geht es auch schnell, dann wird eine Gebühr verlangt. Da auch alle anderen zahlen und es nicht viel ist, zahlen wir auch. Dann will ein anderer Zollbeamte auch noch das Auto von innen sehen und irgendwas haben, er verlangt 10€. Wir sagen dass wir die Kofferraumdurchsuchung dem Schmiergeld vorziehen würden. Daraufhin wendet er sich ab. Wir warten kurz, dann fragen wir ihn, was jetzt los sei, er meint dann, wir können fahren.

Es ist ca. 18Uhr. Bis dato der schnellste Grenzübergang in Afrika. Wir fahren weiter nach Farafenni, holen Geld am Automaten und fahren dann zur Fähre. Mal sehen wie gut das klappt. Vorne angekommen heißt es: hello my friend, you do not have ticket yet, that’s a shame… You did not see the ticket office? Well, maybe we can help you. Wir ahnen schon, dass es nicht mit rechten Dingen zugeht und sagen: no thanks, we will find the ticket office. Wieder 4km zurück und dann haben wir nach mehrfachem Fragen das Büro gefunden, um die Tickets gekauft und fahren wieder vor zur Fähre. Nach etwas Chaos schaffen wir es und sind gleich beim ersten Schwung auf der Fähre dabei! Es hieß im Vorfeld, man müsse oft sehr lange warten, bis man endlich auf eine Fähre kommt. Wie perfekt ist das denn?

Auf der Fähre darf man leider kaum Fotos machen, allgemein sind die Gambier keine Freunde von Fotos. Über den Fluss wird gerade eine Brücke gebaut, lange kann das nicht mehr dauern:

Brücke im Bau über den Gambiafluss

Das wäre dann die erste Brücke in dem Land, das ca. 300km lang, durchschnittlich 35km breit ist und der Länge nach vollständig von einem Fluss getrennt ist. Sobald die Brücke fertig ist, was noch dieses Jahr passieren soll, wird die Verbindung wohl deutlich besser sein und der Trans-Gambian-Highway seinen Namen auch verdienen. Spätestens dann werden wohl die Grenzübergänge jeweils in und vom Senegal wieder das Nadelöhr.

Wir entscheiden uns, noch bei fast Dunkelheit bis zum Tendaba Camp zu fahren. Das sind ca. 30 Kilometer. Auf dem Weg dahin ein paar Polizeistopps. Nur einer fragt nach: so what do you have for me? Ich versuche den Dialog ungefähr wiederzugeben: wir antworten: you would like to see passport, driver licence or what do you mean?nono, not that. you should have brought something for me… but what do you want?what is in that bag?a lot of clothes, we are travelling for 3 months, we need a lot of clothes. – hm OK, so you come all the way to Africa and have nothing for me? – No. – Well then, thanks and bye. Alles verhältnismäßig harmlos. Wir sind gespannt was noch kommt.

Die Straßen sind erstaunlich gut – mal wieder. Im Camp angekommen werden uns 3 Zimmer gezeigt, wir entscheiden uns für eins mit Klimaanlage, essen leckeren Butterfisch mit Reis zu Abend (die andere Alternative wäre Hühnchen gewesen).
Die Leute sind sehr freundlich, aufmerksam und zuvorkommend. Wirklich angenehm.

Von Saint-Louis bis Dakar

Der Tag beginnt mal wieder mit Routine: Aufstehen, frühstücken, packen und losfahren. Heutiges Ziel: Saint-Louis, Senegal.

Die Straße bis zum Damm von Diama ist eher schlecht, zumindest im Verhältnis zu dem, was wir bis dato erlebt haben. Es schüttelt uns ordentlich durch. Dafür wird langsam die Landschaft grüner und wir kommen bald an den Senegal Fluss. Dort sehen wir Warzenschweine, Babykrokodile und ganz viele Vögel.

Babykrokodil im Diawling Nationalpark

Am Ende des Parks müssen wir noch zahlen. 10€, mal wieder stattlich, aber mit Eintrittskarte. Der Kassierer erzählt uns, dass kurz vor uns auch andere Deutsche durchgefahren seien und er Deutschland ja so cool findet, weil die GIZ ja mit ihnen arbeitet. Gut zu wissen, wir verabschieden uns und fahren weiter.

Die Ausreise aus Mauretanien verläuft problemlos. Die Einreise in den Senegal gestaltet sich hingegen schwieriger: der Einreisestempel ist schnell geholt, dann geht es um den Zoll. Er fragt nach dem carnet de passage, weil unser Auto älter als 8 Jahre ist. Dieses haben wir aber nicht, denn laut Internet geht es auch ohne. Daraufhin bietet uns der nette Zöllner zwei Optionen an: entweder wir werden direkt zur nächsten Grenze, also nach Gambia, eskortiert, kostet ca. 250€, oder wir zahlen einem Typen 250€, der erledigt das für uns. Der Gruppe neben uns geht es ähnlich. Die sind eine gemischte Gruppe (2 Deutsche und 3 Slowenen), später finden wir heraus, dass es auch dem Franzosen, der sein Auto nach Mali bringen möchte, so geht. Wir versuchen den Zöllner auf jede mögliche Art und Weise zu überreden und zu feilschen, aber es ist nichts zu machen. Nach 2h hin und her, entscheiden wir uns alle, den Typen zu bezahlen. Der Zollbeamte schickt unsere Papiere als Foto per WhatsApp und dann heißt es warten – Stunden. Wir unterhalten uns nett mit der anderen Gruppe, trinken Kaffee, alles genau beobachtet von lauter Kindern, die ständig nach cadeaux fragen.

Gegen 19.30 Uhr (es ist schon dunkel) erscheint der mysteriöse Mann dann endlich. Wir dürfen 7 Tage im Land bleiben, können aber immer wieder einreisen ohne noch mal zu bezahlen – wir sollen ihn vorher anrufen, er regelt das dann. Hoffen wir es mal. Wir bekommen von ihm einen Wisch, wo sein Name drauf steht, und dass er das Zollamt für uns bittet, die Passage zu gewähren. Außerdem gibt es einen zweiten Zettel, unterschrieben vom Zollamt in Saint Louis. Damit bekommen wir dann vom Zollbeamten den Passavant, den wir für die Weiterfahrt brauchen.

Endlich können wir fahren. Wir beschließen, gemeinsam mit der anderen Gruppe eine Unterkunft in St Louis zu suchen und danach essen zu gehen.

Die Straße nach Saint Louis ist zum Glück sehr gut, also auch trotz Dunkelheit gut zu fahren. Wir checken im Sunu Ekur ein. Ein paar Straßen weiter gibt es ein gutes Restaurant, dort essen wir alle plat du jour, bestehend aus Kapitänsfisch, und trinken ein Bier dazu. Bevor wir ins Bett gehen gönnen wir uns noch einen Cocktail mit den anderen zwei Deutschen, Ronny und Martina, auf der Dachterrasse.

Da wir uns Saint Louis noch bei Tag anschauen wollen, planen wir eine weitere Nacht zu bleiben. Leider spielt das Hotel bei unserem Plan nicht mit, da für die folgende Nacht ausgebucht ist. Wir packen zusammen, beladen das Auto, aber laufen erst mal durch die Stadt. Wir laufen zur Post, dann über die berühmte Brücke Pont Faidherbe zum alten Bahnhof, der heute nur noch ein Markt ist.

Alter Bahnhof von Saint – Louis

Dann zurück über die Brücke, und wir gönnen uns erst mal einen Drink im schönen Hotel de la Poste. Danach laufen wir weiter durch die Stadt über den Place Faidherbe Richtung Guet Nadar. Zwischen der Île St. Louis und Guet Nadar sind wieder zig Fischerboote geparkt.

Fischerboote am Strand von Saint – Louis

Wir laufen zurück zum Auto und fahren in unser neues Hotel am Strand. Das Ambiente ist top, es gibt einen Pool, das Zimmer ist schön, abgesehen von der Dusche, aber auch das ist nicht so schlimm. Wir gehen baden, überall sind Krebse. Der Strand ist sogar relativ sauber, was etwas überrascht, da ich noch nie so eine dreckige Stadt gesehen habe. Überall liegt Müll. Man kann teilweise kaum drum rum gehen, aber ich ahne schon, dass sich das so schnell nicht ändern wird. Danach gehen wir noch an den Pool und finden dort eine Riesenschildkröte! Sie dreht dort fröhlich ihre Runden.

Riesenschildkröte im Hotel

Nach dem Duschen gehen wir Abendessen im Restaurant. Auf dem weg dahin noch mehr und größere Krabben. Überall!

Wir essen lecker zu Abend und danach müssen wir aufpassen, dass wir ohne Krabbenbegleitung zurück in unser Zimmer kommen, da die Terrasse vor unserem Zimmer förmlich belagert wird.

Krabbe auf unserer Terrasse

Am nächsten Tag erledigen wir zuerst ein paar Besorgungen und frühstücken in einer Crêperie. Währenddessen wird ungewollt unser Auto geputzt, ist aber nicht ganz unnötig, wir schimpfen den Jungen erst, geben ihm dann aber doch was, da wir eh vorhatten, die Scheiben mal saubermachen zu lassen. Danach noch tanken und Warndreieck kaufen. Unseres hatten wir immer noch nicht gefunden, und angeblich ist sie Polizei hier ganz scharf drauf. An der Straße springe ich raus und der Typ sagt gleich, dass wir 2 brauchen würden. Da ich online auch schon davon gehört habe, kaufe ich ihm 2 ab. Dafür macht er einen guten Preis. Besser als der Laden am Tag zuvor für eins. Wir sind gespannt, wie oft wir kontrolliert werden…

Die Landschaft wird immer grüner. Wir sehen viele Baobabs, und fahren immer wieder durch Dörfer, in denen sich rechts und links lauter kleine Stände befinden, die Obst (eingeschweißt in Plastik, aber bei den Abgasen und dem Staub, die hier in der Luft liegen, auch irgendwie sinnvoll), Korbwaren, und vieles mehr verkaufen. Gerne sammeln sie sich an den zahlreichen, überdurchschnittlich hohen Straßenschwellen, denn da muss jeder abbremsen.

Langsam nähern wir uns Dakar. Und auf einmal gibt es eine Autobahn, mit Maut. Unfassbar! Das hatten wir seit Frankreich nicht mehr! Und dazu auch gar nicht mal so billig: Für die ca 30km zahlen wir umgerechnet 3 Euro. Dafür kommen wir verhältnismäßig gut voran, obwohl die Maut an drei verschiedenen Posten eingesammelt wird. Als wir dann von der Autobahn runter fahren und in den Stadtverkehr kommen geht es plötzlich kaum mehr voran. Hier ist einfach nur Stau. Und am Ende jedes Staus steht ein wild fuchtelnder Verkehrspolizist, der beliebig sein Pfeifferl einsetzt, um seinen Stau ja nicht aufzulösen. Für die letzten 3km brauchen wir eine halbe Stunde. Dazu kommt eine ordentliche Feinstaubbelastung.

Am Hotel, das wir anvisiert hatten angekommen, gibt es nur noch 1 Zimmer, das ist mal wieder für 4 Personen und kostet 45000CFA. Das nächste, das wir ansteuern kostet 59000 ohne Frühstück und das letzte 47000 auch ohne Frühstück. Alle drei sind das Geld nicht wert, wir fahren also doch wieder ins erste zurück, checken ein, baden und gehen am Abend essen. Wir laufen ein wenig durch die schlecht beleuchteten sandigen Hintergassen. Laut unserem Führer sind wir in einer der besten Gegenden unterwegs. Die Häuser sehen auch sehr wohnlich aus und es sind überall Wächter vor den Einfahrt. Einige der Gebäude sind Botschaften. Trotzdem ist es etwas dunkel. Das Restaurant, in das wir wollen, hat leider zu, daraufhin gehen wir ins Alkimia. Eher schick und preislich weiter oben angesiedelt. Wir essen beide Rindermedaillons mit Pommes. Wieder mal vorzüglich. Danach jeder eine Kugel Sorbet. Alles recht westlich, aber gut!

Am nächsten Morgen fahren wir zuerst zum Cap Almandie, dem westlichsten Punkt Afrikas.

(fast) der westlichste Punkt Afrikas

Danach fahren wir weiter Richtung Stadtzentrum, zuerst zum Leuchtturm. Dort gibt’s eine kleine Führung und wir dürfen ganz oben rauf. Eine kleine Birne kann Dank Spiegelung 53km weit leuchten. Erstaunlich. Oben wird es extrem warm, daher sind tagsüber Vorhänge zugezogen, sonst würde es sich auf Grund des vielen Glases zu stark erhitzen. Schöner Ausblick von oben, aber leider ist es aktuell sehr diesig, weil der Wind von der Sahara her weht und viel Sand mitbringt.

Leuchtturm von Dakar

Danach fahren wir zum Monument der afrikanischen Renaissance. Ca. 200 Stufen geht es hinauf, bevor wir das klimatisierte Museum im Fuße der 52m hohen Statue betreten. Das Denkmal wurde zwischen 2002 und 2010 von Nordkoreanern gebaut wurde und pünktlich zum 50. Jubiläum der Unabhängigkeit Senegals fertig wurde. Der Anblick rechtfertigt meiner Meinung nach durchaus die Kritik der Afrikaner als „zu stalinistisch“, aber das ist vermutlich Geschmackssache.

Monument de la Renaissance africaine

Blick von der Spitze das Monuments auf den Kopf der Frau und Dakar

Danach fahren wir zu einem Autoteilehändler. Zu finden auf Grund einer kleinen Tafel mit circa 30 Autohersteller Logos (und 3x nachfragen auf 20m Strecke) an der Ecke einer Sackgasse weg von einer kleinen, sandigen Nebenstraße. Dort sitzen 3 Männlein vor verhältnismäßig neuen PCs und arbeiten vor sich hin. Der eine nimmt die Daten gleich auf. Leider sind aber weder die Dieselpumpe noch die Bremssattel auf Lager. Er schickt uns kurz später per WhatsApp Preise und Lieferzeiten. Zudem nennt er uns eine gute Werkstatt, wo der Inhaber wohl auch ganz gut gebrauchte Teile herbekommt. Wir fahren dann gleich dort hin, und die Mechaniker meinen, wenn wir Glück haben kommen wir ohne eine neue Dieselpumpe aus. Wir fahren zuerst zum Motorwaschen, dann wird geprüft, wo es leckt. Nach 3 Stunden Schrauberei schaut es gut aus, zumindest tropft nichts mehr. Dazwischen bekommen wir zwei mal Tee auf senegalesische Art – Stamperlgläser halb voll mit aufgeschäumtem, zuckersüßem Tee. Wir hoffen mal, dass das Problem jetzt gelöst ist. 10.000 CFA für ca. 3h Arbeit ist auch kein schlechter Preis.

Danach fahren wir ins Stadtzentrum und checken ins Hotel ein und freuen uns erst mal auf eine Dusche. Abends gehen wir ins Institut français. Dort gibt es ein gutes Restaurant. Robert isst einen Rinderfiletspieß und ich einen Burger.

Anschließend nehmen wir noch ein Drink in einem Pub, das von einer Französin geleitet wird. Sie erzählt uns über ihr Leben hier und dass sie eigentlich keine Lust mehr hat, denn man muss ständig hier und da jemanden bezahlen bzw. bestechen, damit nichts passiert. Es funktioniert nur so. Darauf hat sie keine Lust mehr. Gut verständlich…

Zurück im Hotel legen wir uns schlafen. Ohne Klimaanlage zu schlafen unmöglich, mit Klimaanlage ist es laut, da diese schon etwas in die Jahre gekommen ist. Wir schlafen trotzdem relativ gut.

Am nächsten Morgen frühstücken wir zur Abwechslung mal woanders. Wir wählen das Café de Rome mit schönem Innenhof. Zuerst wollen wir auf die Terrasse, entscheiden uns aber auf Grund der schwülen Hitze bereits um 10h auf den klimatisierten Innenhof. Danach laufen wir Richtung Museum Théodore Monod. Laut unserem Führer das wichtigste Museum Westafrikas. Nur das Erdgeschoss ist geöffnet und es sind vor allem zahlreiche Masken aus verschieden Ländern ausgestellt. Interessant, aber für das angeblich wichtigste Museum Westafrikas doch eher überschaubar.

Museum

Dann laufen wir weiter Richtung Präsidentenpalast, den wir überraschenderweise fotografieren dürfen, und danach zum Place de l’indépendance. Hier ist viel los, aber die Parkanlage hat schon bessere Zeiten gesehen (oder auch nicht?). Weiter geht es Richtung Bahnhof, der leider gerade renoviert wird. Aber man erkennt, dass es ein schönes Bauwerk war bzw. wird.

Bahnhof Dakar

Wir laufen zum Hafen und nehmen die Fähre auf die Ìle de Goree, auch bekannt als die Sklaveninsel. Sie liegt sehr schön, und es ist trotz der Touristen und vielen Händlern ein angenehmer Ort, da kein Verkehr herrscht. Wir erkunden die Insel. Überall Händler, die ihre Kunstwerke verkaufen wollen. Es gäbe sogar ein paar ganz schöne Sachen, aber nach dem hundertsten please come and look for one minute only oder ce n’est pas chèr nervt es.

Gasse auf der Île de Goree

Gebäude auf der Île de Goree

Unterhalb der Kanonen hat einer eine kleine Galerie aufgemacht und bemüht sich sehr, den Menschen etwas zu zeigen und etwas zu schaffen, das die Geschichte der Insel greifbarer macht. Er ist der einzige, der uns nichts andrehen will. Wir laufen weiter zum Sklavenhaus. Interessantes Gebäude – es ist das Haus mit der Tür ohne Wiederkehr. Ebenerdig wurden die Menschen getrennt eingesperrt, bevor sie durch eine Tür Richtung Meer auf ein großes Schiff geschickt und nach Amerika gebracht wurden.

Sklavenhaus

Danach trinken wir noch einen jus de bissau und laufen noch kurz ans andere Ende der Insel, bevor es Retoure Richtung Festland geht.

Am Hafen angekommen wollen wir noch Richtung Medina und große Moschee. Kurz hinter dem Hafengelände wollen zwei Kerle Roberts Handy und Geldbeutel klauen. Sie starten wie alle das Gespräch mit: quelle nationalité ? dann bückt sich einer vor Roberts linken Schuh und zupft ihn am Hosenbein, der andere steckt seine Hand währenddessen in die linke Hosentasche. Robert merkt es sofort, packt die Hand des einen und haut dem anderen auf die Schulter. Weg sind sie, zum Glück ohne Roberts Sachen.

Wir laufen weiter zur Moschee durch das Marktviertel. Autos und Busse quetschen sich durch Menschenmassen, alle wollen irgendwas verkaufen, Marktschreier nutzen Lautsprecher, die alle bis aufs Maximum aufgedreht sind, dazwischen Bettler und falls man keinen Stand hat, werden Kleiderwühltische auf den dreckigen Boden verlagert. Irgendwie beeindruckend, aber auch anstrengend. Dann laufen wir zur Moschee. Die ist ganz nett, rein kann man nicht, aber der Platz davor ist etwas ruhiger.

Große Moschee in Dakar

Der Rückweg zum Hotel wird wieder anstrengend. Die Stadt hat einfach zu viel Verkehr, zu viele Menschen und keine Bürgersteige, bzw. wenn, dann sind diese so zugeparkt, dass man nicht mehr durch kommt.

Mal wieder freuen wir uns auf die Dusche. Auf dem Weg zum Restaurant Chez Loutcha versuchen wieder zwei Typen mit derselben Masche Roberts Handy und Geldbeutel zu ergattern. Aber er reagiert schnell genug, wir kennen das Spiel ja schon. Im Restaurant bestelle ich Maffé, eigentlich nichts anderes als Gulasch und schmeckt sehr gut. Robert isst Fisch mit Hirse, auch sehr lecker. Müde fallen wir ins Bett.