Nachtrag zum Saunaschiff

Im letzten Eintrag habe ich ein paar Kleinigkeiten vergessen, die ich noch zur Überfahrt von Somaliland nach Jemen erwähnen wollte.

Am Morgen es ersten Tages der Überfahrt wurden wir von einem Kampfhubschrauber umkreist. Ich habe leider nicht erkannt, welchem Land dieser zugehörig war, aber vermutlich gehört er zu einer der Missionen im Golf von Aden, die gegen die dort vorherrschende Piraterie kämpfen sollen. Nachdem er drei mal um unser Schiff herumgeflogen war zog er auf jeden Fall wieder ab. Später, als wir uns auf der Brücke mit dem Kapitän unterhalten haben, erfuhren wir mehr. Es handelte sich um Franzosen, die auch per Funk Daten zum Schiff, dessen Ladung und der Route abgefragt haben. Daß wir an Bord waren wurde aber nicht durchgegeben. Die Mission am Adener Golf scheint also wirklich ernsthaft jedes Schiff zu kontrollieren. Einer der Seemänner erzählte uns dann auch, daß ein solcher Hubschrauber auch mal auf einem anderen Schiff, auf welchem er arbeitete, landete und die Mannschaft persönlich kontrolliert wurde.

Eine andere interessante Sache ist die Beflaggung des Schiffes. Auf internationalen Gewässern sind wir ohne Flagge gefahren, was anscheinend so üblich ist. In jemenitischen Gewässern wurde dann die Somalische Flagge aufgezogen. Die Flagge von Somaliland wird nicht anerkannt, deswegen wird die Flagge eines Landes benutzt, dessen Regierung ungefähr zwei Straßenblocks in Mogadischu kontrolliert.

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Und was auch nochmal erwähnenswert ist, wie heiß es auf dem Schiff war. Die Kabinen können bestenfalls als Saunazellen beschrieben werden, es gab passenderweise auch eine Dusche mit einem Kaltwasserhahn. Nur dumm daß selbst da brühend warmes Wasser herauskam.

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Berbera nach Mokha

Am nächsten Tag bekommen wir einen Anruf, daß Nachts ein Schiff nach Jemen fahren würde, und zwar nach Mukhalla, ein Ort sehr weit im Osten, wo wir sonst wahrscheinlich nie hingekommen wären, weil es eben so weit im Osten liegt, und vor allem weil die Zufahrtsstraßen aus Sicherheitsgründen für Touristen nicht passierbar sind.

Nachmittags werden wir dann abgeholt um ganze 50 Meter zum Immigration Office zu fahren, was ziemlich genau schräg gegenüber unseres Hotels liegt. Der Wärter schickt uns erstmal wieder weg, weil sein Chef noch nich anwesend ist. Doch als wir gerade wieder ins Auto steigen wollen, kommt er gerade dahergelaufen. Die Ausreiseprozedur geht relativ schnell, ein paar Infos aus unseren Pässen werden in ein Buch übertragen, zusammen mit der Information daß wir mit dem Schiff Seastar nach Mokha fahren würden. Mokha liegt ganz im Westen des Jemen, an der Westküste, die nicht an den Golf von Aden grenzt, sondern ans rote Meer. Außerdem bekommen wir die Ausreisestempel, den sich Daniel sogar selber in den Paß stempeln darf. Und dazu gibt es noch eine Bescheinigung, die uns das Betreten des Hafens ermöglicht.

Danach gehts weiter zur Reederei, die unser Schiff betreibt. Dort zahlen wir den Fahrpreis, 50 US-$, und werden als zweiter bzw. dritter auf der Passagierliste eingetragen. Der erste ist ein Jemenit.

Dann geht es erstmal zurück ins Hotel. Nach dem Abendessen kaufen wir noch Wasser und ein paar Kleinigkeiten zum Essen für die Überfahrt. Danach gehts zum Hafen, wo auch schon unser Schiff wartet. Das Schiff heißt Seastar, ist 56 Meter lang und wurde 1967 in Deutschland gebaut. Das Schiff ist ein Viehtransporter, wir erfahren daß mit uns ca. 2000 Kühe, Ziegen und Schafe reisen werden. Von denen ist aber noch nichts zu sehen. Es ist auch erst ca. 9 Uhr Abends, das Schiff soll nachts zwischen 3 und 5 Uhr ablegen. Solange dürfen wir uns frei auf dem Hafen bewegen, was ziemlich interessant ist.

Das Bild zeigt ein paar Schiffswracks am Hafen von Berbera.

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Nicht weit von unserem Schiff liegt ein riesiges Transportschiff, von dem gerade Mais abgeladen wird, welcher direkt am Hafen in 50-Kilo-Säcke abgefüllt wird: transportiert wurde der Mais als Schüttgut und wird mit rieseigen Baggern in Maschinen gefüllt, die aus zwei übereinandergestapelten Containern besteht, welche den Mais dann in die Säcke füllen. Die fertigen Säcke werden dann direkt auf LKWs geladen. Diese sollen den von Spanien im Rahmen des WFP (World Food Programme) gesponserten Mais dann nach Mogadischu bringen. Der ganze Abfüllprozess ist sehr interessant anzusehen. Bei jeder Baggerladung, die in die Maschinen abgefüllt wird, weht eine Fahne mit Maisspelzen über den ganzen Hafen. Außerdem geht jedes mal einiges daneben. Aber um die Maschinen herum sind Planen ausgelegt, von denen dann der verschüttete Mais aufgesammelt wird, um von Hand in Säcke abgefüllt zu werden.

Weiter hinten am Hafen wird gerade ein Containerschiff gelöscht, was auch ganz interessant ist. Und am Ende des Hafens liegt eine Fähre, an deren Rampe ein älterer Mann auf einem Plastikstuhl sitzt und raucht. Als wir ihn ansprechen erklärt er uns, daß er Syrer und der Kapitän es Schiffs sei. Er warte seit 12 Tagen, daß die Ladung gelöscht wird, aber die Somalier arbeiten so langsam.

Nach der Runde über den Hafen gehen wir in die Caféteria um uns noch einen Tee zu bestellen, was sich jedoch als kompliziert herausstellt: Daniel bekommt seinen Tee mit Kamelmilch sofort, aber ich will einen ohne Milch. Als wir gerdacht haben, der Teeausschenker hätte kapiert was ich will, bringt er zunächst nur eine Tasse Tee. Wir erklären es ihm nochmal, mit Hilfe anderer Gäste im Café. Ich bekomme eine Tasse mit Teeblättern. Erst auf den dritten Versuch bekomme ich meine Tasse schwarzen Tee.

Als wir zurück zum Schiff kommen, geht das Beladen gerade los. Ich hatte gedacht, daß irgendwelche Tiertransporter-LKWs kommen würden, aber hier wird die Herde Kühe einfach auf den Hafen getrieben. Und die Kühe sind da recht eigenwillig, sie pinkeln und kacken den ganzen Hafen voll, manche Kühe kämpfen gegenseitig mit ihren Hörnern, andere begatten sich, viele rutschen auf dem Glatten Beton im Hafen aus, und alle machen zusammen ein riesiges Chaos. Die Kühe müssen alle über eine einzige Rampe aufs Schiff. Das geht am Anfang recht schnell, aber einige Kühe reissen aus oder bocken. Eine Kuh schafft es locker, die Rampe mal für 10 Minuten zu blockieren.

Neben der Rampe gibt es noch einen Kran, der jeweils zwei Kühe in den Laderaum hieft. Das geht aber nicht sehr schnell. Als fast alle Kühe verladen sind, bleiben nur noch die widerspänstigen übrig. Und je weniger Kühe übrig sind, desto mehr Männer braucht es pro Kuh um diese aufs Schiff zu bekommen. Erst 3, dann 5, und am Schluß sind es sicher je 10 Mann die eine Kuh aufs Schiff ziehen. Eine der Ausreißerkühe schafft es dann auch irgerndwie zwischen die Paletten, auf denen wir sitzen und zuschauen, und rennt mich dann noch von Hinten um. Zum Glück ist nichts passiert.

Nachdem die Kühe verladen sind taucht die Ziegen- und Schafsherde auf. Nachdem die ersten Ziegen auf der Rampe sind taucht irgendwo zwischen den herumstehenden Container noch eine ausgerissene Kuh auf, aber die muß erstmal warten. Die Ziegen und Schafe sind wesentlich einfacher zu handhaben, sie laufen immer einander hinterher. Nur manche laufen neben der Rampe und müssen dann zurückgeführt werden. Aber der Ziegen- und Schafnachschub scheint kein Ende zu haben. Stunden später legen wir dann ab, ich schlafe schon.

Die See ist zwar relativ ruhig, aber das macht die Fahrt nicht unbedingt angenehmer, weil das Boot eh schaukelt und Schlagseite hat, da es ziemlich überladen ist. Und andererseits ist der Wind nur schwach, was die Hitze nicht gerade erträglicher macht. Die Crew ist ziemlich nett, und wir können uns frei auf dem Schiff bewegen. Nur auf den Bug kann man nur schwer, da man dazu durch die Ziegenherde klettern müsste, was wir uns ersparen, da es vorne ziemlich nach Tieren stinkt. Auf der Brücke ist es aber ziemlich interessant, da hier für unsere Verhältnisse ziemlich antike Navigationsgegegnstände herumstehen. Das Schiff fährt ziemlich langsam, so zwischen 10 und 15 km/h. Und es ist überall sehr laut, da auf dem Achterdeck ein lauter Generator brummt. Aber der Strom reicht nichtmal für die Klimaanlagen, der Kapitän meint, alles würde für die Ventilatoren im Laderaum gebraucht, damit die Kühe nicht ersticken. Dementsprechend gibt es auch keinen kühlen Raum auf dem Schiff, nur ein paar Ventilatoren machen es ertragbar.

Das nächste Bild zeigt einen Blick von der Brücke Richtung Ladefläche, das darauf einen Blick auf die Brücke mit dem Steuermann und dem Funker:

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Abends gibt es bei Sonnenuntergang das erste mal Essen, zum Fastenbrechen. Es gibt Datteln, Gebäck und Saft als Vorspeise, als Hauptgericht Milchreis mit Gemüse und Fleisch.

Ein paar Crewmitglieder wollen mir in einer Kabine etwas zeigen, ein Pulver mit Klumpen drin, Ich denke erst, es ist Weihrauch, als ich „fire“ sage, meinen sie nein, aber sie halten trotzdem ein Feuerzeug dran, um mir zu zeigen daß es nicht brennt. Ein anderer Seemann meint dann, es handele sich um „Uranium“. Aber ganz schlau werde ich nicht aus der Vorführung.

Am nächsten Tag wird dann noch eine Ziege auf dem Schiff geschlachtet und auseinandergenommen, vermutlich für die Rückfahrt es Schiffes. Interessant anzusehen:mastory-image (14)

 

Gegen Mittag kommen wir dann nach ca. 30stündiger Überfahrt in Mokha an. Wir gehen als erste vom Schiff, nachdem ein Zöllner unsere Pässe und Rucksäcke inspiziert hat. Der Immigrationsbeamte ist sehr nett, er kann ein paar Brocken deutsch da er mal in der DDR war. Und er fährt uns nachder Einreiseprozedur freundlicherweise auch gleich noch in den Ort zum Taxistand, sonst hätten wir bei 40 Grad im Schatten durch die glühende Sonne dort hinlaufen müssen.

Mokha selbst ist nicht sehenswert, ein trockener, staubiger, verlassener Ort, der seine Besten Zeiten sicher vor langer Zeit hatte, wie man auch auf dem Bild erkennen kann. Deswegen warten wir dort wirklich nur, bis unser Sammeltaxi voll ist. Während dem Warten gehen wir nochmal schnell zum dreckigen Strand, damit ich meine Füße reinhalten kann, und finden noch einen Geldautomaten für unsere erste Ladung jemenitischer Rial.

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Mit dem Sammeltaxi fahren wir dann weiter nach Ta´izz, einer größeren Stadt die schon im Hochland liegt und deswegen wesentlich angenehmere Temperaturen vorzuweisen hat.

Las Geel, Berbera

Somaliland ist sehr muslimisch angehaucht, was man momentan insbesondere wegen des Ramadan zu spüren bekommt. In der öffentlichkeit sieht man wirklich kaum einen, der ißt oder trinkt. Auch sonst ist das Straßenbild spürbar vom Islam beeinflußt, alle Frauen tragen ein Kopftuch, manche sind sogar komplett verschleiert, so daß man nur die Augen sieht. Auch sieht man in Cafés meistens nur Männer, und die wenigen Frauen bleiben unter sich, d.h. sie haben ihren eigenen Damentisch. Was auch auffällig ist, daß beim Ruf des Muezzin zum Gebet in Restaurants doch ein Großteil der Menschen aufstehen um ihrem Gebet nachzugehen.

Wie bereits erwähnt, sind die Somaliländer gegenüber Ausländern ja sehr offen und sprechen einen oft an. Aber wegen des großen Einflußes des Islam wäre natürlich nicht damit zu rechnen, daß Frauen einen anreden – aber sie tun es trotzdem. Und zwar erstaunlich oft, obwohl es ja in dieser Gesellschaft nicht vorgesehen ist, daß Männer und Frauen miteinander kommunizieren, die nicht miteinander verwandt oder verschwägert sind.

Kleine Straßenszene aus Hargeysa kurz vor Sonnenuntergang:

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Von Hargeysa aus haben wir über das Hotel eine Tour nach Las Geel gebucht. Ohne organisierte Tour ist es schwierig da hinzukommen, weil es ein gutes Stück entfernt von jeglicher Ortschaft liegt, wo man mit öffentlichem Transport hinkommen könnte. Außerdem braucht man eine Erlaubnis von irgendeinem Ministerium und einen Soldaten, der auf einen aufpaßt, wenn man dort hinfahren möchte.

Auf dem Weg sehen wir noch zwei Riesenschildkröten auf bzw. neben der Straße, wirklich riesige Tiere, sicher einen knappen Meter lang. Las Geel heißt übersetzt soviel wie Wasserstelle für Kamele. Aber das sehenswerte sind ca. 8000 Jahre alte Höhlenmalereien, die erstaunlich gut erhalten sind. Die Malereien befinden sich auf den Decken von überhängenden Felsen und stellen hauptsächlich Kühe, Menschen, Hunde und Messer dar. Die Bilder sind, obwohl sie nicht wirklich konserviert oder präpariert wurden, erstaunlich gut erhalten. Lustigerweise kommen die Farben auf den Fotos fast noch besser zu Geltung als in echt.

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Doch die Bilder sind nur ein Teil der Show, fast genauso späktakulär ist die Landschaft, in der die bemalten Felsen liegen – weite Steppe, durchzogen von trockenen Flußläufen, in der Ziegen und Kamele umherlaufen und von den Pflanzen essen.

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Unser begleitender Soldat ist auch ein netter Kerl, der sehr motiviert ist uns etwas zu zeigen. Lustig wird es, als er anfängt, auch die Sträucher zu essen, an denen sonst die umherlaufenden Ziegen nagen. Er zeigt uns auch, wie man aus dem trockenen Flußlauf Trinkwasser gewinnt: er gräbt einfach ein bißchen im Sand, bis die Grube mit klarem Wasser volläuft, welches er dann mit den Händen zum Mund führt. Ein echter Wüstenmensch halt. Und zum Abschluß unseres Aufenthalts in Las Geel sehen wir auch noch die Namensgeber des Ortes: Kamele die aus einer Pfütze im Flußlauf trinken und von den umherstehenden Sträuchern mit fingerlangen Dornen in aller Ruhe trinken und essen.

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Von Las Geel geht es weiter nach Berbera, der größten Hafenstadt in Somaliland. Da Berbera offensichtlich am Meer liegt, liegt es logischerweise auch auf Meereshöhe, und nicht auf dem Hochland, wo wir uns bisher hauptsächlich aufhielten. Die Folge sind Temperaturen um die 40 Grad, die auch nachts nur auf ca. 30 Grad abkühlen. Leider bin ich den Rest des Tages zu nichts mehr zu gebrauchen, da ich anscheinend etwas schlechtes Gegessen hab, und liege nur noch im Hotel herum.

Am nächsten Tag versuchen wir, in Berbera unser Schiff nach Jemen zu Organisieren. In Hargeysa haben wir um Hotel bereits etliche Tipps und Kontakte bekommen, also gehen wir direkt zum Hafen. Leider ist das Büro unserer Reederei wegen Ramadan Nachmittags geschlossen, also müssen wir warten. Wir sind dann zum Strand gefahren, um uns bei der Hitze zumindest etwas Abkühlung zu verschaffen. Und der Strand ist wirklich schön hier, sehr weit, wenige Menschen, glasklares und ziemlich warmes Wasser.

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Nach dem Baden bekommen wir einen Anruf, in dem uns leider mitgeteilt wird, daß das Schiff doch nicht wie geplant nachts losleggt, sonder erst einen Tag später, und das auch nur „maybe“. Abends gehen wir dann noch ein bißchen durch die Stadt, die leider einen etwas heruntergekommenen Eindruck macht, viele Häuse sind Ruinen, anscheinend noch vom Krieg Ende der 80er Jahre. Und im Hafen liegen einige Wracks durchaus größerer Schiffe herum.

Hargeysa

Hargeysa ist die Hauptstadt von Somaliland. Sie versprüht auch ein gewisses Hauptstadtflair, aber andererseits merkt man auch sehr, daß es hier noch an vielem fehlt. Die wenigsten Straßen sind geteert, und wenn, dann sind sie trotzdem voll von Schlaglöchern und mit Sand bedeckt. Andererseits fahren hier im Vergleich zu Äthiopien wesentlich neuere Fahrzeuge auf den Straßen, komischerweise fast ausschließlich Rechtslenker, obwohl der Verkehr mehr oder weniger auf der rechten Seite fährt. Die meisten Autos sind Toyotas, viele aus Japan (man erkennt oft noch alte Aufschriften oder Aufkleber), die meisten aber, laut Auskunft Einheimischer, aus den Arabischen Emiraten, wo Linksverkehr zu herrschen scheint.

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Momentan ist hier ja Ramadan, d.h. tagsüber sind viele Geschäfte und insbesondere Restaurants geschlossen, aber dafür ist richtig viel los sobald die Sonne untergegangen ist. Zum Glück gibt es in unserem Hotel tagsüber auch etwas zu essen, obwohl die Speisekarte schon wesentlich eingeschränkt ist. Und nach Sonnenuntergang gibt es im Hotel ein kostenloses, leckeres Fastenbrechenessen, bestehend aus Dattelen, Sambusa (mit Gemüse gefüllte Teigtaschen), Gebäck und Obstsalat.

Wirkliche Sehenswürdigkeiten gibt es nicht in Hargeysa, wenn man von einem Kriegsdenkmal absieht, welches an die Bombadierung Hargeysas durch die Zentralregierung in Mogadischu im Jahre 1988. Aber ist das Geschehen auf den Märkten und auf den Straßen umso interessanter, wie man vielleicht auch auf folgendem Bild erkennen kann, was vom Dach eines an den Markt angrenzenden Hotels entstand.

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Was die ganze Geschichte auch interessant macht, ist die Neugier und Freundlichkeit der Somaliländer: man wird permanent mit „How are you?“ oder „Where are you from?“ angesprochen, die meisten wechseln dann gerne ein paar Sätze und schütteln Hände, freuen sich wenn man sagt daß man aus Deutschland kommt, und das erstaunlichste daran ist, daß fast keiner danach auf die Idee kommt, nach Geld zu fragen. Sie freuen sich einfach, daß sie Europäer sehen, von denen wir hier, abgesehen vom Hotel, kaum einen sehen. Und wenn dann wirklich mal Kinder kommen, um einen nach Geld zu fragen oder schreiend hinterherzulaufen, kommen schnell Ältere, die die Kinder wegschicken und sich für sie entschuldigen.

Was hier auch auffällig anders ist als in Äthiopien, ist daß fast jeder mit einem Handy herumläuft und dazu auch permanent am telefonieren ist. Es gibt hier auch nicht nur einen staatlichen Mobilfunkanbieter, sondern gleich vier private, die in reger Konkurrenz zueinander zu stehen scheinen.

Zu Essen gibt es hier im Hotel zum Frühstück leider nur Brot, Butter und Marmelade, und dazu Kaffee oder Tee, aber das liegt daran daß zu Ramadan das Menü eingeschränkt ist. Abends gibt es dann in den Restaurants Fisch oder Fleisch, als Beilage Milchreis oder Pasta mit Tomatensoße. Dabei üben sich viele Kellner in den Restaurants einer obskuren Sportart: das Essen möglichst schnell zu servieren, am besten noch vor den Getränken. Dazu rennen sie mit dem Essen durchs Restaurant, um den Teller dann, sobald der Tisch in Reichweite ist, über den Tisch zu werfen, damit er direkt bis vor den Gast rutscht. Die Zubereitung des Essens geht hier auch relativ schnell, da im Prinzip alles vorbereitet und fertig ist, und nur noch aus den Töpfen auf die Teller geschaufelt werden muß.

Somaliland: der Weg nach Hargeysa

Von Jijiga haben wir einen Bus nach Wajale genommen, der Grenzstadt. Die Busfahrt war ziemlich anstrengend, da der Bus nach allen Regeln der Kunst überfüllt war: die Bestuhlung sah pro Reihe zwei plus einen Sitz vor, dazu gab es jeweils im Gang einen Klappsitz, macht also 4 Sitze pro Reihe. Pro Reihe saßen jedoch mindestens 5 Personen, plus Kinder.

Am Ortseingang von Wajale gibt es eine Art Sicherheitscheckpoint, bei dem auf Waffen überprüft wird. Dazu sollte der ganze Bus aussteigen, was auch alle bis auf wenige Frauen gemacht haben. Draußen stellte sich dann eine Soldatin neben die Bustür und tastete die ersten paar Leute ab, die wieder einsteigen. Nachdem die Hälfte eingestiegen war verschwand sie jedoch wieder, und der Rest stieg unkontrolliert wieder ein, und wir fuhren weiter.

In Wajale selbst hielt der Bus dann, und wir sind zur Grenze gelaufen. Die Grenze selbst besteht aus einer Art Brücke über einen ausgetrockneten Fluß, vor welcher jeweils eine Schranke, bestehend aus zwei Stöcken, zwischen die ein Seil gespannt ist, steht. Im Flußbett liegen neben ein paar Pfützen und einer Menge Schlamm hauptsächlich unmengen von Müll. Außerdem gibt es einen regen Grenzverkehr durch das Flußbett, vorbei anden Grenzbuden. Neben der äthiopischen Schranke ist ein Unterstand, wo ein paar Soldaten abhängen, die uns erstmal in ein Büro schickten, wo wir uns Ausreisestempel geholt haben. Auf der somalischen Seite haben wir uns die Einreisestempel geholt und sind danach zum Taxistand, der direkt neben dem Grenzerbüro liegt, gegangen. Dort haben wir uns für ein Sammeltaxi entschieden, welches aus einem alten Toyota-Kombi bestand. Wir mußten noch eine ganze Zeit warten bis die übrigen Plätze belegt waren. In dieser Zeit sind wir dann noch ein paar mal auf die äthiopische Seite gegangen, um uns etwas zu Essen und zu Trinken zu besorgen, was auf somalischer Seite wegen dem Fastenmonat Ramadan nicht möglich war. Als das Taxi Abfahrtsbereit war, saßen ganze 12 Leute darin: vorne neben dem Fahrer noch eine Frau und zwei Kinder, wir auf der Rückbank zu viert mit einem somalischen Ehepaar, und nochmal vier im Kofferraum. Die vier im Kofferraum zahlten etwas weniger als wir, wir haben uns also sogar die Business-Class gegönnt.

Als es dann endlich los ging, fuhr das Taxi leider nicht weit, erstmal ging es zu einem Posten, wo nochmal die Pässe kontrolliert wurden, woraufhin einem Scherzkeks unter unseren Mitreisenden einfiel, daß er seinen Paß noch stempeln lassen mußte. Nachdem dies erledigt war, mußte das Taxi noch tanken. Und danach noch zu einer Bude, wo der Reifendruck überprüft wurde. Als wir dann endlich aus der Stadt raus waren und dachten, daß es jetzt voran ging, hielt der Taxifahrer plötzlich an, rief einen Jungen von einer nahegelegenen Werkstatt herbei, der erstmal einen Reifen demontierte und diesen in einem vorbeifahrenden Auto mitnahm. Nach etwa einer Stunde Wartezeit kam der Junge auf der Straße zurückgelaufen und rollte den Reifen vor sich her, der jetzt anscheinend repariert war. Als dieser montiert war ging es dann endlich wirklich los – mit ca. 20 km/h, da die Straße hauptsächlich aus richtig heftigen Schlaglöchern bestand.

Zum Straßenzustand muß ich jetzt noch einen kleinen Rückblick auf Äthiopien anbringen: die Hauptstraßen, auf denen wir in Bussen und Minibussen fuhren, waren fast vollständig asphaltiert, und zwar sehr ordentlich, mit Wassergraben daneben und ohne Schlaglöcher. An wenigen Stellen und auf einem Teil der Strecke zwischen Jijiga und Wajale war nicht geteert, aber die Baumaschinen und Bauarbeiter waren sichtbar fleißig am Arbeiten um die Lücken zu schließen. Äthiopien scheint ein Projekt zu verfolgen, die Straßenverbindung von Addis Abeba nach Berbera am roten Meer durchgehend zu asphaltieren, und ist auch schon ziemlich nach am Ziel mit diesem Projekt. Der Sinn dessen scheint zu sein, die Abhängigkeit von Djibuti, welches momentan den Löwenanteil des Seehandels für Äthiopien abwickelt, zu reduzieren.

Das folgende Bild entstand im Taxi nach Hargeysa, in dem wir zu viert auf der Rückbank saßen.

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Nach der Hälfte der Strecke wurde dann auch unsere Straße Richtung Hargeysa besser, d.h. geteert und einigermaßen schnell befahrbar. In Hargeysa sind wir dann ins Oriental Hotel gegangen, das bisher teuerste Hotel dieser Reise, aber auch das mit Abstand beste, mit warmen Wasser, sauberem Bad, täglichem Zimmerservice, und sehr gut englischsprechendem Personal.