Peking I

Nach der Ankunft am 8. September mache ich mich mit Tabea aus dem Nachbarabteil auf die Suche nach einer Bank,  um an chinesische Yuan zu kommen.  Auf dem Bahnhofsplatz finden wir eine Post,  die auch einen Bankomaten besitzt, der sagt jedoch er wäre „out of paper“, Geld hat er auch nicht mehr. Wir werden zu einer Bank of China ein paar hundert Meter weiter verwiesen,  wo es dann Geld gibt. Wir gehen noch gemeinsam in ein eine Touristeninformation und holen uns U-Bahn-Pläne,  dann trennen wir uns und ich versuche mein Hotel zu finden,  welches nur 10 Laufminuten vom Bahnhof sein soll. An der Stelle,  an der ich es auf meinem Handy markiert habe ist jedoch nur eine Polizeistation zu finden. Zum Glück gibt es dort ein offenes WLAN über das ich nochmal nach dem Hotel suchen kann,  und tatsächlich ist es noch ein Stück näher am Bahnhof.  Also den Weg zurück,  und schon stehe ich vor dem Zhong An Hotel. Mein Zimmer ist zwar klein,  die Dusche und Toilette sind nur hinter einem Vorhang im Zimmer,  aber alles ist sauber. Ich dusche erstmal und lege mich nochmal für eine Stunde hin.

Zum Abendessen fahre ich mit der U-Bahn zum Tianmen Platz und suche dort ein Reiseführer empfohlenes Restaurant, wo es Pekingente geben soll.  Ich finde an der angegebenen Stelle aber nur eine Baustelle.  Also laufe ich noch eine ganze Weile durch die Gegend bis ich endlich meine Pekingente bekomme. Danach laufe ich nochmal zum Tianmen Platz,  doch der ist abgesperrt.  Trotzdem kann man drum herum ein paar schön beleuchtete Gebäude sehen.  Dann fahre ich mit der U-Bahn zurück ins Hotel und schlafe.

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Peking bei Nacht

Was auffällt in Peking,  ist dass zwar viele Motorroller unterwegs sind, aber ausschließlich mit elektrischem Antrieb. Das ist natürlich einerseits der Luftqualität zuträglich,  die jetzt im September sowieso die beste im ganzen Jahr sein soll.  Andererseits sind die Dinger dadurch absolut ruhig,  man hört sie nur,  wenn sie hupen. Komisch eigentlich,  dass da nicht häufiger was passiert,  weil die Roller auch oft auf dem Gehweg unterwegs sind,  wo die meisten Fußgänger eher mit ihrem Smartphone beschäftigt sind als auf Roller zu achten.

Nach dem Frühstück am nächsten Tag wird mir von einem Agenten des Reisebüros die Fahrkahrte nach Pjöngjang ins Hotel gebracht. Danach fahre ich mit der U-Bahn zum Bei Hai Park und besuche den weißen Tempel auf der Insel. Danach gehe ich weiter zum nahegelegenenen Jingshan-Park und besteige den dortigen Hügel mit Pagode drauf. Von dort hat man einen schönen Blick über die Stadt.

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Blick auf die verbotene Stadt

Nach der Besichtigung der Parks gehe ich nochmal zurück ins Hotel, Dusche und fahre dann mit der U-Bahn zu Thomas und Suhui, bei ihnen kann ich etwas Gepäck deponieren. Wir essen dann gemeinsam bei ihnen zu Abend. Gegen 11 fahre ich heim, da ist die letzte U-Bahn aber schon gefahren, also nehme ich das Taxi. Das kostet 21 Yuan, also keine 3€.

Am 10.9. fahre ich nach dem Frühstück mit der U-Bahn zum Tianmen Platz und schaue mir dort das Museum im Turm an. Danach spaziere ich über den Platz und werde mehrfach von Chinesen angesprochen. Die verwickeln mich immer in ein Gespräch und wollen dann unbedingt einen Tee oder ein Bier trinken gehen. Mit einem gehe ich mal mit, und tatsächlich führt er mich in ein Café in einer Seitenstraße, wo es im Hinterzimmer ziemlich überteuerte Getränke gibt. Auf dem Tisch steht ein großes Schild mit allen möglichen Kreditkartensymbolen. Typische Touristenfänger also, ich gehe wieder raus aus dem Laden. Mein Begleiter folgt mir, und wir trinken gegenüber einen Tee zu humaneren Preisen. Als er merkt dass bei mir auf diese Tour nichts zu holen ist verabschiedet er sich aber trotzdem freundlich nach dem Tee. Ich laufe dann weiter zum Eisenbahnmuseum, welches direkt am Tianmen Platz in einem alten Bahnhofsgebäude untergebracht ist. Das Museum ist zwar ganz nett, aber nicht ganz das was ich erhofft hätte. Die angepriesenen Sandmodelle sind keine Eisenbahnanlagen, sondern nur dreidimensional gestaltete Landkarten.

Dann wird es auch schon Zeit, ich fahre zum Hotel, hole mein Gepäck, schreibe nochmal die letzten Nachrichten über das Hotel-WLAN (dabei bricht die Internetverbindung ab und mein schöner Mongolei-Beitrag verschwindet im Nirwana) und breche zum Bahhof auf. Ich soll eine Stunde vor Abfahrt des Zuges dort sein und bin dementsprechend um halb fünf dort.

Der Pekinger Bahnhof ist ähnlich organisiert wie ein Flughafen: erst muss man sein Ticket vorzeigen, dann geht es zum Security-Check. Dann sucht man auf einer Tafel raus, von welchem Gleis der Zug fährt und begibt sich in den entsprechenden Wartesaal (mein Zug fährt von Gleis 7). Dort wartet man dann, bis das Tor zum Bahnsteig geöffnet wird, was ca. eine halbe Stunde vor Abfahrt geschieht. Ich muss also noch 20 Minuten warten und esse solange Chips. Dann darf ich auf den Bahnsteig, wo der Zug auch schon darauf wartet, pünktlich um 17:27 Richtung Pjöngjang über Dandong abzufahren.

Mongolei

Die Grenzkontrollen sind eher locker, ich muss nur kurz meine Tasche öffnen, ansonsten gibt es nur ein paar Stempel in den Pass. Außerdem wird an der Grenze noch der russische Speisewagen mit einem mongolischen ersetzt.

Der Zug kommt sehr früh in Ulan Bator an, ich schlafe noch und Andrei steigt aus. Wir sind also nur noch zu zweit im Abteil ich wach werde. Sonst sind im Waggon ziemlich viele ausgestiegen, und neue Touristen sind jetzt in den anderen Anteilen. Mein chinesischer Mitfahrer versucht mit meiner Hilfe die russischen Zahlen aussprechen zu lernen und wir versuchen mit Wörterbüchern uns etwas zu unterhalten, was aber eher schwierig wird.

In Russland hat sich die Fahrt ja ein bißchen wie eine Klassenfahrt angefühlt: es wird versucht Alkohol zu trinken ohne dass die Schaffner es mitbekommen, auch sonst passen die Schaffner auf dass alle rechtzeitig aussteigen und dass alle ihre Bettwäsche bekommen. In dem chinesischen Wagen ist es aber genau umgekehrt: der Wagen stinkt nach Rauch, weil die chinesischen Schaffner in ihrem Abteil bei offener Tür rauchen und mit Schaffnern aus anderen Waggons Karten spielen. Und die in Ulan Bator zugestiegenen Passagiere haben nur noch gebrauchte Bettwäsche bekommen (in Irkutsk gab es zum Glück noch frische).

In Choyr hält der Zug nachmittags für ca. 20 Minuten an und ich laufe ein bißchen über den Bahnhof. An einer Bude will ich mit etwas zu Essen kaufen, und die Verkäufer wollen sogar Euro annehmen. Als ich aber meine Münzen auspacke werden sie schnell ablehnend, die wollen sie anscheinend nicht. Naja, dann gibt es halt nichts zu Essen für mich.

Mittags gehe ich dann in den mongolischen Speisewagen und bestelle mir ein Gericht bestehend aus Rind, Gemüse und Reis. Das Essen ist locker das beste bisher in einem Speisewagen. Zusammen mit einem (zugegebenermaßen etwas wässrigem) mongolischen Bier zahle ich 13€ (wäre wahrscheinlich günstiger gewesen wenn ich mit mongolischem Geld gezahlt hätte). Im Speisewagen unterhalte ich mich mit anderen Touristen, die, wie es sich später herausstellt, auch in meinem Waggon direkt im nächsten Abteil hausen. Es handelt sich um ein schottisch/englisches Ehepaar und eine alleinreisende junge Deutsche.

Nach dem Essen schauen wir in unserem Wagen gemeinsam aus dem Fenster, während der Zug durch die mongolische Wüste zuckelt (laut GPS fährt er so zwischen 60 und 80 km/h). In dem Ausläufer der Wüste Gobi sieht man hin und wieder eine Jurte, und ziemlich viele Herden von Pferden, Rindern und Kamelen.

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Kamele in der Mongolei

Die Strecke ist relativ kurvig, obwohl wir wie gesagt durch die Wüste (bzw. vielleicht eher Steppe) fahren, so hat man immer wieder einen schönen Blick auf den Rest des Zuges (wir sind ja im letzten Waggon). Relativ oft gibt es auf der eingleisigen, nicht elektrifizierten Strecke jedoch Ausweichstellen, an denen uns fast immer ein langer Güterzug entgegen kommt.

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Zug fährt durch die Mongolei

Als es schon dunkel wird kommen wir an der chinesischen Grenze an. Die Grenzkontrollen sind noch lockerer als das letzte mal. Weil mein chinesischer Mitfahrer sich weigert, eine Zollerklärung auszufüllen und dementsprechend etwas Chaos produziert wird auch vergessen, meine ausgefüllte Erklärung mitzunehmen. Aber meine Stempel im Pass bekomme ich alle. Nach den Kontrollen steigt der Chinese aus und ich habe das Abteil für mich allein. Der Zug fährt dann ein Stück zurück zu der Umspuranlage, da China wieder dieselbe Spurweite hat wie Europa

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Umspuren in Erinhot

Danach fährt der Zug wieder in den Bahnhof von Erinhot zurück und hat dort noch fast zwei Stunden Aufenthalt. Weil ich noch nichts zu Abend gegessen habe hole ich mir im Supermarkt im Bahnhof Chips, Süßigkeiten und Bier. Letzteres ist noch wässriger als das mongolische und dazu noch so kalt, dass Eis darin herumschwimmt. Noch während wir halten verteilen die Schaffner Gutscheine für gratis essen im Speisewagen (der mongolische wurde mittlerweile auch durch einen chinesischen ersetzt) am nächsten Tag, und zwar gleich zwei Stück: einen für ein Frühstück zwischen 6:30 und 7:30, und einen für ein Mittagessen zwischen 9:30 und 10:30.

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Ich, kurz vor Peking aus dem Fenster des fahrenden Zuges schauend

Der Zug fährt erst nach 1 Uhr nachts ab, und ich schlafe erst kurz darauf ein, so dass ich das Frühstück natürlich verpasse. Aber zum Mittagessen schaffe ich es, zusammen mit den Leuten aus dem nächsten Abteil. Es gibt Schweinefleisch und Reis, dazu kaufe ich ein Bier für einen Euro. Die Landschaft vor dem Fenster ist übrigens sehr reizvoll geworden, bewaldete Berge mit Seen dazwischen. Leider habe ich die Kamera nicht im Speisewagen dabei. Als wir zurück in unserem Waggon sind sind draußen schon die Vororte von Peking zu sehen. Wir kommen auf die Minute genau um 11:40 am Hauptbahnhof von Peking an. Die Schaffner fangen schon vorher an aufzuräumen und sauber zu machen, sogar die Vorhänge werden abmontiert und zur Wäsche gegeben.

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Angekommen in Peking

Irkutsk

Der Bus aus Listwjanka ist ziemlich voll,  einige stehen sogar. Ich sitze ganz hinten, und irgendwie verpasse ich rechtzeitig auszusteigen, so dass ich bis zur Endstation am Busbahnhof fahre. Das macht zwar nichts, aber ist halt ein längerer Weg bis zum Hotel. Dort komme ich dann so um 13 Uhr an und bringe erstmal mein Gepäck aufs Zimmer. In Irkutsk ist an sich sehr schönes Wetter, aber mit 16 Grad ist es nicht besonders warm.

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Herr Lenin weist mir freundicherweise den Weg zum Hotel

Dann starte ich einen Stadtrundgang. Zuerst zum ewigen Feuer am Flußufer. Dort sind mehrere Hochzeitsgesellschaften mit ihren Fotografen unterwegs, die sich vor allerlei Motiven ablichten lassen. Außerdem wimmeln ein paar Reisegruppen mit Asiaten umher. In Irkutsk gibt es viele alte ein- oder zweistöckige Holzhäuser, anfangs gab es in Sibirien noch keine Backsteinbrennereien. Von denen sind einige gut erhalten, andere sacken ab oder sind vollkommen heruntergekommen. Mit den ganzen Holzhäusern erinnert Irkutsk meiner Meinung nach bisschen an eine Stadt im Wilden Westen.

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Holzhaus in Irkutsk

Von dort gehe ich weiter ostwärts, vorbei an ein paar Kirchen, bis zur Moschee der Tataren. Was mir unterwegs auffällt, ist dass es in Irkutsk an jedem größeren Platz Lautsprecher an den Laternenmasten gibt, aus welchen ein Radioprogramm läuft, einschließlich Werbung. Außerdem gibt es relativ viele Straßenhunde, welche mir zuvor in Russland noch nirgends aufgefallen sind. Und sonst noch auffallend: viele Autos ohne Frontstoßstange. Vielleicht passieren hier sehr viele Unfälle (wonach der Verkehr aber eigentlich nicht aussieht)?

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Moschee in Irkutsk

Von der Moschee laufe ich Richtung Süden, zum Fluß. Unterwegs trinke ich noch einen Kaffe mit Tee und Gebäck. Am Flußufer laufe ich über einen Damm auf eine Insel im Fluß. Dort gibt es einen kleinen Vergnügungspark. Weiter hinten auf der Insel gibt es eine auch auf der Landkarte vermerkte Eisenbahn. Auf einem Schild am zugehörigen Bahnhof steht etwas von einer Spielzeugeisenbahn der Russischen Staatseisenbahn. Die Gleise haben aber ungefährt Meterspur, und es stehen auch einige Waggons auf dem Gelände. Für eine Spielzeugeisenbahn scheint mir das alles ein bißchen überdimensioniert, aber gut.

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Ist das eine Spielzeugeisenbahn?

Zurück auf dem Festland komme ich noch an einer Statue von Juri Gagarin vorbei, das war der erste Kerl im All. Von dort gehe ich nochmal kurz ins Hotel um die Jacke zu holen, seit die Sonne weg ist hat auch die Temperatur spürbar abgenommen. Weil es eh schon um 8 herum ist gehe ich auch gleich essen, ins Restaurant des Hotel Rus. Dort gibt es Pelmini und danach einen Hackbraten mit Zwiebeln und Ei drauf; zu trinken Разливное пиво . Zum Abschluss (ist ja mein letzter Abend in Russland) will ich noch etwas Vodka trinken. Ich suche mir einen von der Karte aus und bestellt – und bekomme eine Karaffe mit 0,1 Litern. So viel wollte ich eigentlich nicht, aber stehen lassen kann ich den natürlich auch nicht…

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Juri Gagarin

Am nächsten morgen stehe ich um viertel nach sieben auf, und dusche erstmal. Leider zuerst nur eiskalt, erst nachdem ich die Haare schon eingeseift habe wird das Wasser nach und nach wärmer. Die Dusche ist auch irgendwie eine sehr komische zusammengezimmerte Konstruktion, wahrscheinlich einfach nachträglich in einer Nische eingebaut. Auf jeden Fall steht das Wasser danach in diversen Senken, die im Bad verbaut sind.

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Tram in Irkutsk

Mit der Tram fahre ich zum Bahnhof, kaufe mir dort an einem Kiosk noch eine Art Hot-Dog und ein süßes Stück und gehe dann zum Zug. Der fährt gerade ein, als ich den Bahnsteig betrete. Was als erstes auffällt sind die Waggons. Die sind nämlich chinesisch, aber von deutscher Bauart wie das Typschild anzeigt. Von innen unterscheiden sie sich aber nur in Details von den typischen russischen Nachtzugwagen. Einerseits durch andere Beschriftung (chinesisch natürlich), andererseits durch fehlende Kleinigkeiten – kein Toilettenpapier auf dem Klo (dafür Seife, das gab es in den russischen Wagen nie), kein Snackverkauf beim Schaffner, keine zusätzlichen Matratzen in den Abteilen und keine Handtücher bei der vom Schaffner ausgehändigten Wäsche. Dafür gibt es aber Ventilatoren in den Abteilen.

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Einfahrender Zug nach Peking

Im Zug sind eigentlich nur Ausländer anzutreffen, ich glaube mein Waggon ist fast nur von Holländern besetzt (ältere Paare, die sich zu zweit vier Fahrkarten gekauft haben um das Abteil für sich zu haben), abgesehen von den chinesischen Schaffnern. In meinem Abteil schläft ein einzelner Mann als ich es betrete, ich lege aber erstmal nur mein Gepäck ab und gehe nochmal nach draußen. Am Zug läuft gerade ein Mann mit orangener Warnweste und einem Hammer mit sehr langem Griff entlang und klopft an jedem Fahrgestell an mehrere Stellen. Ich vermute mal er erkennt dann am Klang ob noch alles dran ist am Waggon. Zudem fällt mir auf, dass die Schornsteine, die an jedem Waggon vorhanden sind, heute alle rauchen. Es wird anscheinend schon geheizt. Jeder Waggon wird hier einzeln beheizt, und zwar mit einem Kohleofen (den der Schaffner regelmäßig befüllen muss).

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Kohleofen im Waggon

Als ich nach Abfahrt des Zuges wieder ins Abteil komme steht mein Mitbewohner gerade auf und stellt sich als Andrei aus Omsk vor. Ich unterhalte mich länger mit ihm, er spricht ein paar Brocken deutsche, die er vor 30 Jahren in der Schule gelernt hat und ist Pastor einer baptistischen Kirche auf dem Weg in die Mongolei, zu missionarischen Zwecken. Er zeigt mir auf seinem Tablett Bilder von seiner Familie und seinem Urlaub. Um die Mittagszeit legt er sich nochmal schlafen und ich gehe in den Speisewagen um zu essen. Dort werde ich erstmal von der Bedienung umgesetzt, weil die Plätze reserviert sind. Als nächstes werde ich gefragt, ob ich frühstücken will (nach Moskauer Zeit wäre es jetzt ca. 8 Uhr früh), aber ich bestelle mir einen Fisch mit Kartoffeln. Die Speisekarte ist hier sogar auf Englisch übersetzt und die Bedienung redet auch englisch. Kurz nachdem ich bestellt habe wird noch ein deutsches Ehepaar mit zu mir an den Tisch gesetzt, weil alle anderen Plätze reserviert sind. Die beiden sind schon seit Moskau in diesem Zug, d.h. noch nicht ausgestiegen, und sind Inhaber vierer Fahrkarten weil die erste Klasse ausgebucht war. Sie erzählen mir, dass sie in Brest nicht nach Weißrussland reingelassen wurden, da sie versäumt hatten, ein Transitvisum zu beantragen. Auf jeden Fall mussten sie dann mit dem nächsten Zug zurück nach Polen fahren und konnten dann von Warschau aus mit dem Flugzeug nach Moskau fliegen, um dort den jetzigen Zug gerade noch zu erwischen. Und sie bestätigen meinen Eindruck dass im Zug eigentlich nur Touristen abhängen. Dass bei mir im Abteil ein Russe sitzt überrascht sie.

Während wir essen füllen sich auch die anderen Tische. Dort wurde vorher schon alles eingedeckt. Es ist eine größere schwedische Reisegruppe, die während dem Essen sogar noch von einer Führerin bequatscht wird.

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Zug am Bailalsee

Die Strecke führt mittlerweile am Baikalsee entlang und man hat einen tollen Ausblick. Man kann im Gegensatz zu den russischen Zügen auch die Fenster relativ weit aufmachen, so dass man gut fotografieren kann. Leider zieht dann aber direkt der Kohlegeruch vom Kamin durchs Fenster herein. Was mir schon die ganze Zeit unterwegs aufgefallen ist, ist die hohe Frequenz an Zügen die einem entgegen kommen, eigentlich alle paar Minuten. Das meiste sind Güterzüge, und alle davon sind extrem lang. In Irkutsk konnte man vom Flußufer ganz gut die vorbeifahrenden Güterzüge auf der anderen Seite sehen, ich schätze dass die durchaus einen Kilometer oder länger sind. Und fast alle sind eine bunte Mischung aus Tankwagen, Schüttgutwagen und Containern.

Andrei ist in Slyudyanka, einem Ort direkt am Baikalsee wo der Zug kurz hält, ganz enttäuscht dass vom Bahnsteig keiner den Omul-Fisch verkauft. Ich habe mich auch schon gewundert dass ich bis auf in Brest noch nirgends jemanden gesehen habe, der Essen und sonstiges Zeug auf dem Bahnsteig verkauft, davon reden doch sonst alle die mit der Transsib gefahren sind. Dafür steht eigentlich an jedem größeren Bahnhof eine große, alte Dampflokomotive als Ausstellungsstück herum.

In Ulan Ude kaufe ich mir dann an einem Bahnhofskiosk Teebeutel, Zucker und ein paar Süßigkeiten nachdem die chinesischen Schaffner ja nichts dergleichen zum Verkauf anbieten (eine Tasse haben sie mir aber freundlicherweise gegeben, und einen Samowar gibt es sowieso). Außerdem steigt dann noch eine dritte Person zu uns ins Abteil ein, ein Chinese, der weder russisch noch englisch spricht, aber uns klarmacht, dass er nach Erlian will, die erste Stadt in China hinter der Grenze. Die Landschaft verändert sich jetzt auch, zuerst verschwinden die ganzen Birken und nur noch grüne Steppe ist zu sehen, dann wir die langsam gelblich. Die Eisenbahnstrecke ist jetzt auch eingleisig und nicht mehr elektrifiziert.

Mitten auf der Strecke bremst der Zug plötzlich scharf ab, so dass sogar die Flaschen auf dem Tisch umfallen. Kurz zuvor habe ich noch Kühe direkt neben der Strecke gesehen und mich gefragt, ob die nicht auch ab und zu auf das Gleis gehen. Und tatsächlich, kurz nachdem der Zug zum Stehen gekommen ist ruft einer von weiter hinten im Waggon, dass eine tote Kuh neben dem Gleis liegt. Eine andere Kuh steht daneben und schaut sehr verwundert. Wir sind im vorvorletzten Waggon, hinter uns kommt nur der russische Speisewagen und ein anderer russischer Wagen (wahrscheinlich für das Personal des Speisewagens), und da der Zug gerade in einer Kurve steht kann man von uns aus den ganzen Zug überblicken. Und da steigt plötzlich ein Mann mit orangener Weste aus der Lokomotive aus, läuft den kompletten Zug entlang und schaut prüfend unter die Fahrgestelle. Wahrscheinlich sucht er nach Resten der Kuh. Nachdem er den ganzen Zug abgelaufen ist läuft er wieder nach vorne und kurz darauf geht es auch schon weiter.

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Tote Kuh neben dem Gleis. Eine andere Kuh schaut was los ist

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Mann in orangener Weste prüft ob die Kuh den Zug kaputt gemacht hat

Kurz vor der Grenze habe ich Dostojewski fertig gelesen, jetzt ist Tolstoi dran.

Listwjanka

Pünktlich am 3. September um 8:26 Ortszeit (3:26 Moskauer Zeit) kommt mein Zug in Irkutsk am Passagierbahnhof an. Ich laufe als erstes über die Brücke, welche die Angara überquert, ins Stadtzentrum, um in einem Café zu frühstücken. Daraufhin fahre ich mit der Trambahn Richtung Busbahnhof.

Als ich aus der Tram aussteige sehe ich ganz offensichtlich zwei andere Touristen, eigentlich die ersten in Russland. Sie laufen in die selbe Richtung wie ich, zum Busbahnhof. Ich spreche sie an, und sie wollen auch mit dem Bus um elf nach Listwjanka. Wir laufen zusammen zum Busbahnhof und kaufen auch gemeinsam Tickets. Beim Einsteigen verlangt der Busfahrer dann noch zusätzlich Tickets für das Gepäck, ich laufe zurück zum Fahrkartenschalter, doch die Dame dort schafft es nicht, ihrem Computer Gepäckfahrkarten ohne Personenfahrkarten auszustellen. Weil es schon kurz nach elf ist lässt uns der Busfahrer auch ohne diese einsteigen. Während der Fahrt unterhalten wir uns, Valentina und Matt sind auf dem Weg in die Mongolei um dort für eine NGO zu arbeiten.

In Listwjanka trennen wir uns und gehen jeweils zu unseren Unterkünften. Ich muss dazu ein bißchen laufen. Listwjanka liegt nahe der Angaramündung am Baikalsee und erstreckt sich ca. 5km an dessen Küste, an deren Ende der Bus ankommt, mein Hotel liegt ungefähr in der Mitte des Ortes. In meiner Unterkunft angekommen ist erstmal ein bißchen Verwirrung angesagt, irgendwie scheint meine Reservierung untergegangen zu sein, und der Wirt spricht nur russisch. Seine telefonisch verständigte Frau spricht gut Englisch und verspricht sich zu kümmern. In der Zwischenzeit laufe ich zum anderen Ortsende, dort gibt es einen kurzen Wanderweg, der an einem Skigebiet endet. Da ich schon eine brauchbare Erkältung mit mir herumschleppe entschließe ich mich, den Rest des Aufstieges mit dem Skilift zu erledigen. Der kostet für eine Berg- und Talfahrt 200 Rubel, und hat eine Geschwindigkeit drauf, die ich trotz Erkältung vermutlich auch zu Fuß hätte schlagen können.

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Skilift in Listwjanka

Oben angekommen gibt es einen Weg zu einem Aussichtspunkt, von dem man einen schönen Blick über den See hat. Leider ist das Wetter nur mäßig, insbesondere nicht so warm, nur ca. 15 Grad.

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Blick auf den Baikalsee

Nachdem ich mich an der Kamera verausgabt habe laufe ich zurück zur Bergstation des Liftes, dort gibt es auch ein Café. Der Wirt hat anzubieten: Tee, Kaffee und Eis. Ich habe zwar schon einen guten Appetit, aber ich bleibe vorerst beim Tee. Danach fahre ich wieder bergab mit dem Lift.

Unten angekommen laufe ich wieder zurück zum See. Dort gibt es das Baikal-Museum mit diversen Ausstellungsstücken zur Besiedung des Baikalsees sowie dessen Erforschung mit Hilfe eines Uboots. Dazu gibt es auch eine Uboot-Simulation, bei der man in einen kleinen Raum eingeschlossen wird, an dessen Wänden Bullaugen-förmige Bildschirme angebracht sind, die zeigen, was man unter Wasser so sehen würde.

Außerdem gibt es diverse Aquarien in dem Museum, in dem man die typischen, endemischen Baikalfische (Omul und Sig) sehen kann, sowie die endemischen Baikalrobben, welche rundlicher sind als normale Robben. Eigentlich ein bißchen traurig, denn die Baikalrobben sind zu dritt (eine große und zwei kleine) in einem ziemlich kleinen Becken. Die große schwimmt immer hin und her, und zwar in die eine Richtung immer auf dem Bauch, in die andere Richtung immer auf dem Rücken.

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Das müsste ein Omul im Museum gewesen sein

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Baikalrobbe schwimmt in ihrem Becken auf dem Rücken

Nach dem Museumsbesuch bin ich wirklich fast ausgehungert und laufe zurück zu meiner Unterkunft. Kurz vor der Unterkunft ist ein Café, in dem ich mir einen Tee sowie ein mit Äpfeln und Bananen gefülltes Croissant genehmige.

Das Gästehaus, das inzwischen die Sache mit meinem Zimmer geklärt hat, stellt sich als Deutschen-Loch heraus, vermutlich weil es in einem deutschen Reiseführer sehr gelobt wird (so bin ich ja letztens auch drauf gekommen). Ich beziehe mein Zimmer, schließe meine Ladegeräte an, und mache mich gleich wieder auf den Weg zu einem von der Wirtin empfohlenen Restaurant. Das liegt wieder ca. 1,5km westlich, Richtung Baikalmuseum, und nennt sich прошлого век. Dort bestelle ich Omul. Dieser ist sehr lecker, recht fettig. Der Fisch kommt im Ganzen, jedoch ohne Skelett und ohne Gräten. Ich glaube jedoch nicht, dass er zu den Weichtieren gezählt werden sollte, sondern eher dass der Koch sich gut mit der Zubereitung versteht. Zum Fisch gibt es Bier und Baikal Ice Wodka.

Im Hotel treffe ich dann noch die Reisegruppe, die dort mit mir übernachtet. Vier von ihnen trinken noch ein Bier mit mir und wir unterhalten uns über die gemachten Erfahrungen.

Am nächsten Tag gibt es im Gästehaus typisch russisches Frühstück, Spiegeleier mit Würsten, dazu Brot und Obst. Nach dem Frühstück gehe ich Baden im See. Das ist nicht ganz gemütlich, draußen ist es bewölkt bei 14 Grad, mit einer steifen Brise. Der See hat ungefährt dieselbe Temperatur. Die Unterkunft ist nicht weit vom See, man muß aber trotzdem ein bißchen zur Badestelle laufen, weil eine Kaimauer im Weg steht. Doch die 25 Jahre zusätzlichem Leben, die einen erwarten, wenn man einmal komplett im Baikalsee untertaucht, lassen mich all diese Hindernisse trotz Erklätung überwinden. Das Badevergnügen ist doch recht kurz, einmal untertauchen, dann schnell wieder raus und zurück, direkt unter die heiße Dusche. Die Dusche hat leider eine Mischbatterie von derjenigen Sorte, die nur die Wahl zwischen Baikalseetemperatur und kochend heiß lässt. Der Bereich dazwischen lässt sich nur mit äußerstem Fingerspitzengefühl einstellen, was mir nicht sofort gelingt. Wie auch immer, das Bad im See hat meine Erkältung zumindest teilweise kuriert: die Nase läuft nicht mehr, aber der Hals ist noch dick.

Nachdem ich mich wieder angezogen habe mache ich einen Spaziergang Richtung Osten, zum Ortsende. Leider nieselt es mittlerweile, wärmer ist es auch nicht geworden. Ich laufe einen Schotterweg weiter Richtung Osten. An einer Schranke steht ein Schild, das irgendetwas von einem astronomischen Observatorium erzählt. Ich lauf den Weg noch weiter, ca. 2km, dann komme ich zu einem komischen, Lambdaförmigen Gebäude, das ich aus der ferne schon am Tag zuvor vom Skilift aus gesehen habe. Außerdem finde ich mitten im Wald einen mit Stacheldraht eingezäunten Stahlturm.

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Stahlturm im Wald

Mehr Wege gibt es nicht, also laufe ich zurück in den Ort, zuerst ins Café vom Vortag, wo ich mir ein Stück Kuchen und einen Espresso einführe, und dann ins Gästehaus. Dort wärme ich mich bei einem Tee weiter auf.

Zum Abendessen gehe ich ins selbe Restaurant. Der Himmel ist mittlerweile etwas aufgelockert, es kommen sogar ein paar Sonnenstrahlen durch. Diesmal gibt es eine Fischsuppe zum Abendessen, und als Hauptgang Sig im Kosakenmantel. Im Hotel schreibe ich noch ein paar Texte, lese ein bißchen und höre die Matratze ab.

Am nächsten morgen herrscht Traumwetter.

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Baikalsee mal bei schönem Wetter

Ich möchte aber noch Irkutsk anschauen und laufe daher nach dem Frühstück zur Bushaltestelle. Dort treffe ich noch auf eine Gruppe Schweizer, die mit kleinen Kindern unterwegs sind. Zusammenfassend kann ich also sagen, in dem kleinen, keine 2000 Einwohner fassenden Ort Listwjanka, mehr ausländische Touristen getroffen zu haben als im ganzen Rest von Russland, in dem ich über eine Woche zugebracht und eine Strecke von mehreren tausend  Kilometern zurückgelegt habe, zusammen.

Novosibirsk

Ich komme Vormittags in Novosibirsk an, es ist jetzt der 1. September. Das Wetter ist angenehm, schön sonnig, über 20 Grad. Nach dem Aussteigen verabschiede ich mich von den Mitreisenden, gehe in das Bahnhofsgebäude und erkundige mich nach den Duschen. Diese befinden sich im Bahnhofshotel, welches auch im Hauptgebäude untergebracht ist, und kosten 400 Rubel, ganz schön teuer. Dafür befinden sich die Duschräume im obersten Stockwerk, und so hat man einen tollen Blick über die Gleisanlagen des Bahnhofs.

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Blick aus dem Duschraum über den Bahnhof von Novosibirsk

Nach dem Duschen gebe ich mein Gepäck bei der Gepäckaufbewahrung ab (160 Rubel) und gehe in die Stadt Richtung Lenin-Platz. Unterwegs fallen mir sehr viele Espresso-Buden auf, kaum größer als eine Litfass-Säule, meistens in irgendeiner originellen Form (Espresso-Tasse, Kaffebohne oder Kanne), drinnen ein Mensch und eine Espresso-Maschine (die erinnern mich irgendwie an diese Werbung). Generell ist mir schon aufgefallen, dass der Espresso in Russland auffällig gut ist, fast wie in Italien. Und es gibt eigentlich in jedem Café und Restaurant eine gescheite Maschine. Hätte ich nicht erwartet, dass die Russen so auf Espresso bzw. Kaffee stehen.

Unterwegs gehe ich dann aber in ein richtiges Café um zu frühstücken. Mein Plan ist, zum Eisenbahnmuseum zu fahren, das ca. 30km südlich der Stadt liegt. Zum Glück prüfe ich nochmal im Internet, ob es auch offen hat, denn Montags hat es leider geschlossen. Also entfällt dieser Programmpunkt schon mal.

Was außerdem auf der Straße auffällt sind die vielen Autos mit Lenkrad auf der rechten Seite. Vermutlich alles importierte Gebrauchtwagen aus Japan. An vielen sieht man auch noch japanische Aufkleber an den Scheiben. Es sind auch ausschließlich japanische Marken. Außerdem in Massen unterwegs: uniformierte Schulkinder, und das obwohl es noch nicht mal Mittag ist, komisch.

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Lenin von hinten

Nach dem Frühstück gehe ich weiter zum Lenin-Platz, und von dort die Hauptstraße Richtung Süden. Dort kommt man an einer kleinen Kapelle vorbei, die mitten auf der Straße steht, und angeblich den geometrischen Mittelpunkt Russlands (zu Kaiserzeiten) darstellt. Habe ich jetzt aber nicht nachgemessen.

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Mittelpunkt Russlands

Weiter der Straße entlang kommt man zu einer roten, backsteinernen Kirche, angeblich mit über 100 Jahren das älteste Steingebäude in Novosibirsk.

Von dort laufe ich weiter zum Hafen am Fluß ob. Leider habe ich den Güterhafen erwischt, den darf man erstens nicht betreten, außerdem gibt es da keine Rundfahrten. Ich werde weiter Richtung Süden den Fluß entlang geschickt. Dort komme ich nach ca. 2-3km Fußmarsch zu einer Art Vergnügungspark, wo auch sehr viele Schulkinder abhängen, wo auch die Schiffe ablegen. Das nächste geht erst um 3 Uhr, also muss ich ein bißchen warten und esse so lange Pfannkuchen in einem Café. Dann geht es los mit dem Schiff, das auch ganz gut gefüllt ist. Leider fällt mir kuz nach dem Ablegen auf, dass es Richtung Süden, also flußaufwärts fährt, und damit auch aus der Stadt hinaus. Man sieht daher leider wenig von der Stadt, dafür viel Schilf, dafür eine ganz interessante Baustelle, an der eine neue Brücke über die Ob gebaut wird. Kurz bevor das Schiff umdreht legt es noch an einer Sandbank an, wo ein paar Leute aussteigen, wahrscheinlich für ein Picknick.

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Skyline von Novosibirsk vom Schiff aus

Zurück an Land fahre ich mit der Metro (die einzige in Sibirien, eine Fahrt kostet 18 Rubel) zurück zum Lenin-Platz und trinke dort noch einen Tee in einem Café, weil es leicht zu tröpfeln beginnt.

Um halb sechs bin ich mit Anastacia verabredet, eine Novosibirsker Architektin. Sie spricht sehr gut Englisch und führt mich noch durch ein paar Seitenstraßen und erzählt mir einige Dinge über die Gebäude. Novosibirsk ist ja nicht so alt, keine 200 Jahre, und die älteren Gebäude sind alle aus Holz. Manche davon sind aber noch schön erhalten. Wir gehen danach noch Abendessen. Dabei erklärt sie mir z.B., dass der 1.9. Schulbeginn ist, und viele Schulen haben nur eine kurze Einführungsveranstaltung, danach haben die Kinder frei. Deswegen sind die auch schon Vormittags unterwegs gewesen.

Um 10 trennen sich unsere Wege, ich mache mich Richtung Bahnhof auf und hole dort mein Gepäck. Zum Glück bin ich zeitig dran, denn das Gleis 6, von dem mein Zug um 23:04 abfahren soll, ist schwer zu erreichen. Der Tunnel vom Hauptgebäude hört bei Gleis 5 auf. Manche klettern danach einfach unter den Zügen durch zu den restlichen Gleisen, aber mit dem schweren Rucksack ist mir das irgendwie zu umständlich. Ich finde dann eine Brücke, die geht aber auch nicht weiter, nur zurück zum Hauptgebäude. Erst am ganz anderen Ende des Bahnsteiges finde ich dann eine Brücke, die auch zu Gleis 6 führt.

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Bahnhof von Novosibirsk bei Nacht. Das Gebäude soll übrigens eine Lokomotive darstellen, der Mittelbau mit dem runden Fenster ist das Führerhaus mit Rad, rechts davon der Schornstein, links davon der Tender.

Im Zug bin ich allein im Abteil (sonst sind auch viele Abteile im Waggon komplett leer) und lese noch ein bißchen bevor ich schlafe. Am nächsten Tag möchte ich gegen Mittag etwas zu Essen besorgen und suche den Speisewagen. Ein Schaffner schickt mich am einen Zugende zum anderen (übrigens sehr schade dass am Zugende die Tür vor dem Ausstiegsbereich immer abgesperrt ist, so kann man nicht durch das Fenster nach hinten raus bzw. nach vorne zur Lokomotive schauen). Im Speisewagen angekommen stellt sich heraus, dass das in diesem Zug nur ein Bistrowagen ist mit einer Art Kiosk. Es gibt hier zwar diverse Snacks, aber die einzige warme Speise ist Borsch. Naja, besser als gar nichts. Abends habe ich dann aber nicht Lust auf Nochmal Borsch, aber zum Glück verkauft die Schaffnerin auch Fertigsuppen, die man sich dann selbst mit heißem Wasser aus dem Samowar zubereiten kann. Kommt auch wesentlich günstiger als der Bistrowagen (Tütensuppe zu 60 Rubel, statt 250 für Borsch in jenem).

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Blick aus dem Zugfenster. Wie so oft sieht man Birken

Abends steigen in Tayshet dann noch zwei Frauen zu, die aber sofort schlafen. Irgendwie kann ich aber nicht einschlafen, wahrscheinlich weil seit Moskau mittlerweile schon 4 Stunden Zeitunterschied sind. Train-Lag vermutlich.

Kasan

Die Nacht im Zug ist nicht sehr erholsam: mit mir im Abteil ist eine junge Mutter mit einem Baby, das fast die ganze Nacht durch ziemlich laut ist. Außerdem hat eine andere Mitreisende Husten und sorgt so immer dann für Lärmpegel wenn das Baby mal gerade ruhig ist. Außerdem ist noch ein Geschäftsmann im Anzug und mit dicker Uhr im Abteil, vom Auftreten eigentlich jemand, von dem ich nicht erwartet hätte, dass er mit dem Nachtzug, und dazu noch im Viererabteil fährt. Zum Glück steigen die drei anderen Passagiere schon frühmorgens um halb acht an einem anderen Bahnhof aus, so dass ich die letzten zwei Stunden bis zur Ankunft um 9:42 in Kasan nochmal schlafen kann.

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Mein Abteil von außen

Mein Hotel in Kasan liegt direkt gegenüber des Bahnhofsplatzes, und mein Zimmer ist sogar schon bezugsfertig. Deswegen ergänze ich meinen Schlaf dort auch gleich nochmal um 2 Stunden.

Als ich gegen Mittag wach werde bin ich sehr hungrig und gehe aus dem Hotel heraus, um ein Restaurant zu suchen. Draußen schüttet es wie aus Eimern. Die Straßen sind vollkommen überschwemmt. Mit meinen Halbschuhen habe ich keine Chance, die Straße zu überqueren, ohne dabei die Schuhe komplett zu fluten. Aus diesem Grund ist meine Auswahl an Restaurants extrem eingeschränkt. Es stehen ein Metzger, eine Filialie einer Pizza-Fast-Food-Kette und eine Kantine zur Auswahl. Ich entscheide mich für letztere. Drinnen ist zwar Selbstbedienung und eine lange Schlange an der Essensausgabe, aber das ist mir in diesem Moment egal. Ich nehme mir ein Stück gekochtes Rindfleisch, dazu ein Stück Fisch, eine Schüssel Pelmini (auch ein russisches Nationalgericht, so ähnlich wie Maultaschen, aber kleiner), und Linsen als Beilage. Zusammen mit einem Becher Saft und einer Flasche Wasser kostet der Spaß ganze 110 Rubel (also etwas mehr als 2€). Das Essen ist für diesen Preis mehr als in Ordnung, sicherlich das beste Preis-Leistungsverhältnis für eine Mahlzeit bisher auf dieser Reise.

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Überschwemmte Straße in Kasan

Nach dem Essen hat der Regen schon etwas nachgelassen, und die Straßen sind zumindest an einigen Stellen wieder überquerbar. Trotzdem scheint solch heftiger Regen keine Seltenheit zu sein in Kasan, was nämlich an den Häusern auffällt sind üppige Regenrohre mit großem Durchmesser.

Was auch auffällt in Kasan ist die Beschilderung, z.B. am Bahnhof und an Bushaltestellen, sowie die Beschriftung von Geschäften. Fast alles ist zwei- oder dreisprachig: russisch, tatarisch und englisch. Tatarisch wird auch mit kyrillischen Buchstaben geschrieben und ist die Sprache der Tataren, die hier in der Gegend wohen. Kasan ist überdies noch Hauptstadt der autonomen Republik Tatarstan. Auf der Straße hier sieht man auch deutlich mehr Menschen mit dunklerem Teint und asiatischen Gesichtszügen als in Moskau.

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Mirage-Hotel, Springbrunnen, Pyramide. Könnte Las Vegas sein, ist aber Kasan.

Ich laufe durch die Stadt, entlang eines Kanals in Richung Kreml, das ist die ehemalige Stadtfestung. Dort gibt es eine große Moschee, die Tataren sind Moslems. Die Moschee kann man auch von innen besichtigen. Man muss hier aber nicht, wie sonst in Moscheen üblich, die Schuhe ausziehen, sondern bekommt Plastiktüten zum Überziehen für die Füße, obligatorisch für 3 Rubel zu erwerben.

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Moschee im Kreml zu Tatarstan

Im Untergeschoss der Moschee gibt es noch ein Museum mit alten tatarischen Koranen und anderen Gegenständen.

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Moschee von innen

Vom Kreml gehe ich durch die Fußgängerzone, die Baumann-Straße heißt, Richtung Stadtzentrum. Auf der Fußgängerzone übergießt sich ein junger Kerl mit Eiswasser aus Eimern, anscheinend scheint diese Ice-Bucket-Challenge auch hier verbreitet zu sein. Vielleicht aber auch einfach ein lokales Brauch.

In einem Café bestelle ich mir einen Tee, und dazu Schak-Schak, eine lokale Spezialität in Form extrem klebriger Bällchen mit Honig, die man in den Tee wirft.

Von dort geht es weiter zum Soviet Lifestyle Museum in einer Seitenstraße der Fußgängerzone. Das Museum beherbergt lauter Alltagsgegenstände aus Soviet-Zeiten, z.B. Spielzeug, Kleidung und Musikinstrumente. Gleich am Eingang bekomme ich gesagt, dass man alles anfassen, fotografieren und die Klamotten anprobieren darf. Das Museum ist zwar nicht sonderlich groß, aber trotzdem sehr interessant, und dadurch dass man alles ausprobieren kann macht es auch viel Spaß.

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Im Soviet Lifestyle Museum

Danach will ich zum Essen in ein tatarisches Restaurant. Das ist ein Stück zum laufen. Vor Ort sagt mir dann aber der Mann an der Garderobe, dass das Restaurant wegen einer Hochzeit heute geschlossen ist. Als ich wieder vor die Tür trete schüttet es genauso heftig wie am Mittag. Ich warte also unter dem Vordach des Restaurants. Dabei suche ich im Internet ein neues Restaurant und finde dabei heraus, dass es noch eine andere Filiale von dem Restaurant, in das ich eigentlich wollte gibt. Es ist ca. 15 Minuten Fußmarsch weit entfernt. Als der Regen ein bißchen nachlässt laufe ich los, muss mich unterwegs aber mehrmals unterstellen weil der Regen wieder stärker wird. Ich brauche am Ende über eine halbe Stunde. Dafür ist in der anderen Filiale aber Platz genug, außer mir ist nur ein anderer Tisch besetzt. Es gibt zuerst eine Lammsuppe und danach Pferdefleisch mit Pilzen, dazu ein Bier.

Ganz interessant finde ich, dass der Ablauf in allen russichen Restaurant ziemlich ähnlich ist. Es gibt überall, abgesehen von kleinen Cafés, einen Begrüßer, der einen auch zu einem freien Platz begleitet und einem die Speisekarte gibt. In den Speisekarten sind meistens Bilder zu den einzelnen Gerichten, immer jedoch Angaben über die Menge der Speisen in Gramm, und zwar zu jeder Zutat. Wenn es also Pferd mit Pilz gibt, dann steht da 200/150/20, was bedeutet, dass das Gericht aus 200g Pferdefleisch, 150g Pilze und 20g Dekorationsgrünzeug besteht. Die Kellner kommen meistens sehr schnell und wollen wissen was man essen möchte, meistens zu schnell für mich, da ich immer ein bißchen brauche um die Wörter in der Speisekarte zu entschlüsseln. Wenn man fertig ist wird zwar das leere Geschirr mitgenommen, aber es fragt keiner ob man noch etwas möchte oder ob man bezahlen will. Wenn man sich dann meldet bekommt man die Rechnung in einer Mappe, in die man auch das Geld legt, und in der man dann auch das Wechselgeld bekommt. Dort hinterlässt man dann auch das Trinkgeld, so wurde mir gesagt.

Nach dem Essen gehe ich ins Hotel und schlafe. Am nächsten Tag ist das Wetter sehr freundlich, endlich mal. Da ich im Hotel kein Frühstück gebucht habe gehe ich in ein Café in der Nähe, was ich mir am Vortag schon ausgesucht habe. Dort bestelle ich zwar um 11:03h, aber mein gewünschtes Frühstücksmenü, dass es laut Speisekarte bis elf gibt, bekomme ich trotzdem nicht mehr.

Nach dem Frühstück fahre ich mit dem Bus für 30 Rubel ca. eine halbe Stunde lang zum Tempel aller Religionen. Das ist ein Gebäude, das für alle Weltreligionen einen eigenen Turm hat, mit den entsprechenden Symbolen.

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Tempel aller Religionen

Das Gebäude kann man leider nicht betreten, da der Künstler selber drin wohnt. Außerdem befindet es sich immer noch im Bau, da noch weitere Türme errichtet werden, es sind aber schon über 10. Ich vermute außerdem, dass direkt hinter dem Gebäude eine echte Moschee ist, weil sich da so viele Türme mit Halbmonden gruppieren. Um den Tempel herum ist alles ein bißchen heruntergekommen. Auf der anderen Straßenseite ist eine kleine Müllhalde, und dahinter die Wolga. Ich hatte gehofft, dass man da ein wenig am Wolgaufer entlanglaufen kann, aber das bietet sich hier leider nicht an. Also fahre ich zurück mit dem Bus zum Bahnhof. Auf dem Weg kann ich an einer Tankstelle erkennen, dass ein Liter Benzin 32 Rubel kostet, also ca. 0,66€. Vielleicht sollte ich ein paar Liter als Souvenir einpacken…

Am Bahnhof zurück laufe ich über eine Brücke hinter die Gleisanlagen, dort ist noch eine kleine Straße und dann das Wolgaufer mit einem kleinen Yachthafen und einem Badestrand. Da ist es eigentlich ganz nett.

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Blick über die Wolga

Nach dem Spaziergang gehe ich nochmal kurz ins Hotel um die Sachen zu packen. Ich darf das Zimmer sogar bis 3 Uhr besetzen. Danach gehe ich wieder auf die andere Straßenseite zum Bahnhof, wo mein Zug Richtung Novosibirsk um 15:45 ablegt.

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Bahnhofsgebäude in Kasan

Mit mir im Abteil sind eine Mutter und eine schon ältere Tochter. Die machen direkt nach der Abfahrt ihre Betten bereit und legen sich schlafen. Das ist für mich ein bißchen blöd, weil ich eines der oberen Betten habe und somit nicht mehr sitzen kann. Aus dem Fenster kann ich auch nur auf dem Gang sehen, was schade ist, weil das meine erste Zugfahrt in Russland bei Tag ist.

Daher gehe ich in den Speisewagen und esse dort als einziger Gast einen Lachs mit Zwiebelsoße und Pommes sowie ein Bier. Die anderen Passagiere holen sich dort nur etwas und essen das dann im Abteil, die meisten jedoch haben eh Proviant für die Fahrt im Gepäck. Als ich nach dem Essen zurück ins Abteil gehe liegt im anderen oberen Bett noch jemand, der offenbar später zugestiegen ist. Ich lege mich dann aber auch schlafen.

Als ich gegen Mittag (jaja, so ist das mit den Zeitzonen, kaum schläft man mal 10h ist die Uhr schon einmal komplett im Kreis gelaufen) wach werde sind die beiden Frauen bereits im Begriff zusammen zu packen. Sie steigen dann kurz darauf in Tyumen aus. Ich gehe zum frühstücken in den Speisewagen. Es gibt aber leider nur Osch (Ош, komischerweise in keinem Wörterbuch verzeichnet, aber es handelt sich um Suppe mit Fleisch), alles andere will mir die Bedienung aus irgendeinem Grund nicht bringen. Zurück im Abteil unterhalte ichs mich mit dem verbliebenen Mitfahrer, der sich als Iwan vorstellt. Er ist mit drei Kollegen unterwegs, die allerdings ein Abteil weiter untergekommen sind. Sie sind alle Verkehrspolizisten aus Novokuznetsk, ein paar hundert Kilometer südlich von Novosibirsk, die von einer Ausbildung an einer Akademie nach Hause fahren. Wir trinken zusammen ihren mitgebrachten Martini. Die Schaffnerin merkt das relativ schnell, obwohl die Abteiltür zu ist. Aber sie mag uns irgendwie, sie spricht auch ein paar Brocken deutsch, und sagt nichts. Auf jeden Fall kommt sie kurz vor Schichtende (es gibt immer zwei Schaffner pro Wagon, die sich abwechseln; einer schläft und der andere hat Dienst) und stellt ihre Tasche mit lauter Flaschen bei uns ab, wahrscheinlich dass damit die Kollegin, die das Dienstabteil übernimmt, nichts davon mitbekommt. Außerdem lässt sie uns ein Buch da, in der man Lob und Kritik reinschreiben soll, über sie. Das ganze geht anscheinend an ihren Chef. Interessant ist, dass die Leute oft 1-2 DIN-A4 Seiten vollschreiben. Mit den Jungs im Abteil rede ich ein paar Stunden, Iwan spricht am meisten Englisch, aber auch nicht wirklich viel. Zusammen mit meinen Russisch-Brocken und dem Übersetzungsprogramm im Handy unterhalten wir uns aber über viele verschiedene Themen.

Abends gehe ich nochmal in den Speisewagen um etwas zu essen. Dort stehen lauter Kisten  auf den Tischen, anscheinend wird hier schon zusammengeräumt. Die Bedienung sagt gleich, dass es nur noch ein Gericht gibt. Gekochtes Rindfleisch, dazu sehr weiche Nudeln und Brot. Schmeckt gut, aber kostet fast 500 Rubel.

Als ich zurück ins Abteil gehe sind die anderen Jungs schon weg, wir sind also zu zweit im Abteil, trinken noch einen Tee und legen uns dann auch bald schlafen.

Moskau

Ich komme um 9:21 Uhr Ortszeit in Moskau am weißrussischen Bahnhof an. Es regnet leicht. Meine erste Mission in Moskau ist finanzieller Natur: die übrigen weißrussischen Rubel eintauschen,  russische Rubel besorgen. Das gestaltet sich jedoch nicht ganz trivial: zwar sind um den Bahnhof herum viele Wechselstuben,  aber die meisten tauschen nur Euro und Dollar, ein paar wenige auch Schweizer Franken und britisches Pfund – aber mein weißrussisches Geld will keiner haben. Nach längerem umherlaufen im Regen (natürlich mit dem ganzen Gepäck) und herumfragen bei den einzelnen Geldwechslern finde ich schließlich einen,  der mir das Geld täuscht. Natürlich zu einem richtig schlechten Wechselkurs. Ich bekomme ca.  850 Rubel dafür,  ca. 17 €.  Für den Kurs,  den ich in Minsk gezahlt hätte, wären wahrscheinlich über 1000 Rubel drin gewesen… Da das aber beides trotzdem zu wenig Bargeld für mich gewesen wäre suche ich weiter nach einem Geldautomaten. Davon gibt es auch genug, aber keiner will meine EC-Karte akzeptieren. Nach genauerer Betrachtung trägt auch keiner der Automaten eines der Symbole, die auf der EC-Karte zu finden sind. Na gut, ich habe ja noch eine Kreditkarte dabei, die hat ein Symbol was eigentlich auch auf jedem Automaten klebt, für diese fehlt mir aber der PIN. Ich suche mir ein offenes WLAN (wovon es in Moskau und in Russland generell mehr als genug gibt) und versuche, die PIN durch Fabi Erfahrung bringen zu lassen. Ich bekomme auch recht zügig eine Antwort von ihr und bin dann in der Lage, einen Automaten zur Geldausgabe zu bewegen.

Vom Bahnhof geht es dann endlich mit der Metro Richtung Hotel. Dort bin ich dann um ca. 11 Uhr und kann schon einchecken, aber das Zimmer ist noch nicht bereit. Daher lasse ich nur das Gepäck dort und widme mich meiner nächsten Mission: das Ticket von Irkutsk nach Peking abzuholen. Dieses ließ sich nämlich nicht wie alle anderen Tickets über das Internet bestellen, sondern nur über eine Agentur, und bei eben dieser ist das Ticket hinterlegt und wartet auf seine Abholung. Ich fahre mit der Metro zu der Agentur, hole das Ticket, und fahre wieder zur Metrostation beim Hotel. Da ich den ganzen Tag noch nichts gegessen habe gehe ich in ein naheliegendes Restaurant und esse Borsch (lila Suppe mit Fleisch, ein russisches Nationalgericht), dazu hausgemachte Limonade und Espresso, für insgesamt ca. 650 Rubel.

Nach dem Essen ist es auch schon 14h und das Hotelzimmer ist bereit. Ich packe erstmal aus und lege mich nochmal eine Stunde aufs Bett, da die Nacht wegen der Zeitverschiebung doch recht kurz war.

Danach geht es mit der Metro zum roten Platz. Dort kaufe ich mir ein Ticket für den Kreml und schaue mir diesen von innen an. Mittlerweile hat der Regen auch nachgelassen und zwischen den Wolken kommt öfters die Sonne hervor. Im Kreml gibt es einige interessante Gebäude zu sehen, u.a. diverse Kirchen, sowie viele unherfahrende schwarze Limousinen. Außerdem gibt es jede Menge Polizisten, die verhindern, das man in bestimmte Ecken geht, wahrscheinlich weil da irgendwelche Politiker abhängen.

Nach dem Kreml laufe ich runter zum Fluss Moskwa und über eine Brücke auf die andere Seite. Von dort kann man von oben die Straßen betrachten, die darunter durchführen, und dort ist gerade Berufsverkehr mit schön viel Stau. Der Stau scheint nicht nur daher zu rühren, dass extrem viele Autos unterwegs sind, sondern auch weil die Autofahrer hier einige Angewohnheiten haben, die dem Verkehrsfluss nicht sonderlich nützlich sind. Alle fahren an einer roten Ampel bis weit hinter die Markierungslinien, so dass die Abbieger der anderen Straßen blockiert werden. Außerdem ordnet sich keiner auf die richtige Spur ein, so dass in einer Grünphase oft kein einziger über die Kreuzung kann. Das führt sogar dazu, dass gelegentlich Autos mitten auf der Kreuzung zurücksetzen müssen, um einen Knoten aufzulösen, der sonst den kompletten Verkehr blockiert. Und die Polizei scheint das ganze nicht sonderlich zu interessieren.

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Ich laufe dann zurück über die Brücke, wieder auf die Kreml-Seite, und dann dort etwas entlang des Flusses. Auf der danebenliegenden Straße ist Stau, und es geht so langsam vorran, dass ich zu Fuß schneller bin als die Autos. Von dem Flussufer kann man einige schöne Gebäude sehen, z.B. die Höchhäuser die Stalin errichten ließ (das oben abgebildete müsste heute ein Hotel sein).

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Basilius-Kathedrale

Dann geht es weiter um dem Kreml herum zur Basilius-Kathedrale, die gerade sehr schön vom Abendlicht beleuchtet wird. Rein kann man allerdings nicht mehr, es ist schon geschlossen.

Gegenüber der Kathedrale, auf dem roten Platz, sind gerade Zuschauertribünen aufgebaut, und dazwischen proben irgendwelche Schauspieler ein Stück. Hier scheint eine Oper oder so aufgeführt zu werden, laut den aushängenden Plakaten aber erst ab 1. September.

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Nebel auf dem roten Platz.

Neben dem roten Platz ist ja auch das Kaufhaus GUM, dort laufe ich einmal durch und trinke einen Melonensaft für 50 Rubel.

Danach fahre ich mit der Metro zur Puschkinstraße und suche mir ein Restaurant. Es gibt Lachs, belgisches Bier und danach Creme Brulee, welche allerdings kalt und ohne gute Kruste ist. Der ganze Spaß ist mit 1300 Rubeln auch noch recht teuer. Wegen akuter Müdigkeit fahre ich danach ins Hotel und lege mich hin.

Am nächsten morgen wache ich gerade noch rechtzeitig auf, um das Frühstück, welches bis 10 Uhr angerichtet ist, zu erreichen. Danach lege ich mich wegen immernoch andauernder Müdigkeit nochmal eine Stunde hin. Dann geht es nochmal mit der Metro zum roten Platz, ich möchte zum Lenin-Mausoleum. Ich kann es zwar von der gegenüberliegenden Seite sehen, aber wegen den aufgebauten Tribünen finde ich keinen Weg, dort hin zu kommen. Auf der Suche nach einem Weg komme ich an der Kathedrale vorbei, welche jetzt geöffnet ist, und gehe erstmal dort rein. Danach laufe ich nocheinmal zurück zum anderen Ende des roten Platzes, und dort finde ich dann auch den Weg zum Mausoleum. Allerdings stelle ich kurz davor fest, dass dieses nur bis 13 Uhr geöffnet hat, und ich bin ein paar Minuten zu spät dran. Tja, das war´s dann mit dem Mausoleum.

Dafür gibt´s dann erstmal was zu essen, und zwar im „Bier Restaurant“ in der Nähe vom roten Platz. Dort gibt es dann сибирская корона und dazu mit Hackfleisch gefüllte Teigtaschen.

Dann geht es Richtung Tverskaya Straße, durch diverse Fußgängerzonen und vorbei an einigen schönen Kirchen. In der nähe vom grünen Gürtel setze ich mich dann in ein Café und trinke eine Tee, dazu gibt es einen extrem guten Streuselkuchen. Danach fahre ich mit der U-Bahn wieder Richtung Hotel und gehe dort gegenüber vom Restaurant vom Vortag Essen. Es scheint ein sehr angesagtes Restaurant zu sein, relativ voll. Auf der Karte gibt es Sushi, asiatische Speisen, italienisches und amerikanisches Essen. Ich bestelle einen Roast-Beef-Salat, der auch ganz gut ist. Auf jeden Fall besser als das was man bei uns in einem Döner-Pizza-Sushi-Laden bekommen würde. Als Nachtisch gibt es auch hier wieder Creme Brulee, die jedoch ebenfalls weder warm noch knusprig ist.

Dann gehe ich nochmal kurz ins Hotel, um mein Gepäck zu holen, und fahre dann mit der Metro zum Kasaner Bahnhof, wo mein nächster Zug fährt. Um 22:16 geht es los, Richtung Kasan, wie man am Namen des Bahnhofs schon erkennen kann..

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U-Bahnhof in Moskau (beim Kasaner Bahnhof)

Minsk

Obwohl mein Zug ja weiter nach Moskau fährt steige ich in Minsk aus, um mir auch diese Stadt mal anzusehen. Ich stehe also um ca. halb vier in Minsk und tausche erstmal 50€ in lokales Geld um. Das Geld reinvestiere ich zum Teil gleich bei der Kofferaufbewahrung, um meinen Rucksack nicht durch die Stadt schleppen zu müssen.

Dann laufe ich einmal quer durch die Stadt. Minsk wird ja oft als Stadt bezeichnet, die sich seit dem Zusammenbruch des Kommunismus vor 25 Jahren am wenigsten verändert hat. Falls das stimmt, dann muss dieser Kommunismus unserem Kapitalismus sehr ähnlich gewesen sein: die Innenstadt ist, abgesehen von der Architektur, die doch sehr kommunistisch geprägt ist, kaum von einer mitteleuropäischen zu unterscheiden. Die Menschen laufen mit Kopfhöhren im Ohr und Smartphone in der Hand durch die Stadt, fahren mit dicken Geländewagen über die Straßen, und viele Geschäfte gehören zu den üblichen, überall vertretenen Marken (McDonalds, Hugo Boss, …). Nichtsdestotrotz gibt es in Minsk einiges zu sehen. Und was sofort ins Auge sticht: die Stadt ist extrem sauber. Nirgendwo liegt Dreck auf der Straße, und man sieht auch überall Straßenkehrer die sich um die Sauberkeit sorgen. Außerdem auffällig: kaum Touristen. Alle sprechen Russisch, keine Reisebusse, keine Leute, die (wie ich) wild in der Gegend rumfotografieren. Finde ich sehr angenehm.

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Wohnblöcke in Minsk

Nach meinem Spaziergang fahre ich mit der U-Bahn zurück Richtung Bahnhof. Die U-Bahn ist auch sehenswert, ähnlich dekorativ ausgestattet wie die Moskauer:

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U-Bahn in Minsk

Vom Bahnhof aus gehe ich nochmal los um mir ein Restaurant zu suchen. Da ich mich nicht entscheiden kann dauert der Trip länger, bis mir die Beine weh tun. Dann gehe ich einfach in das nächstbeste, was sich gar nicht mal als die schlechteste Wahl herausstellt. Es gibt mit Fleisch gefüllte Teigtaschen (Name schon verlegt, irgendwas mit M am Anfang, Manacha oder so). Und Preislich auch nicht besonders teuer, obwohl das Restaurant mitten an der Paradestraße liegt (ca. 20€ für Hauptgericht, zwei große Bier, Nachtisch, Espresso).

Nach dem Essen gehe ich zurück zum Bahnhof, hole meinen Rucksack, kaufe noch ein Bier und steige in den Zug, der planmäßig um 22:20 losfährt. Ich bekomme dann erstmal Ärger mit der Schaffnerin weil anscheinend der Konsum von Bier nicht gestattet ist im Zug.

Diesmal bin ich in einem Viererabteil, auch oben. Sonst in dem Abteil ein Paar und ein alleinreisender Mann, beide so ca. 40-50. Mit letzterem Unterhalte ich mich ein bißchen, er ist Ingeneur aus Minsk der aber in Moskau arbeitet und mit dem Zug pendelt. Die anderen beiden verschwinden kurz nachdem der Zug losgefahren ist und kommen erst zurück als wir schon die Betten gemacht haben.

München, Berlin, Brest

25. August 2014, 09:36 MESZ, U-Bahnhof München Untersbergstraße, los geht´s! Mit dabei: ca. 15kg Ballast, größtenteils Bekleidung und Literatur, aber auch Elektronik und Eigengewicht des Rucksacks sowie Kabel und Kosmetikprodukte.

Um 09:50 soll der ICE am Hauptbahnhof nach Nürnberg losfahren, tut er auch, bloß erst fünf Minuten später, was schon ein erster Grund für Unruhe sein könnte, da die Umsteigezeit in Nürnberg mit sieben Minuten eher knapp bemessen ist. Glücklicherweise hat der Anschlusszug in Nürnberg ebenfalls sieben Minuten Verspätung, von daher schaffe ich das sogar ohne körperliche Anstrenung. Und zu großer Freude ist die Verspätung bis Berlin wieder eingeholt.

In Berlin fahre ich mit dem Bus ein paar Stationen, lade das Gepäck bei Lukas ab und wir fahren mit seinem Fahrrad und einem Call-A-Bike durch Berlin, durchs Museumsviertel und dann zum Alexanderplatz. Dort muss ich mein Call-A-Bike durch ein neues ersetzen da dem Hinterreifen relativ schnell die Puste ausging. Dann weiter Richtung Prenzlauer Berg, dort entstand folgendes Bild mit der Intention, dass es sich in eine noch auf dieser Reise zu entstehende Reihe einfügen sollte:

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Danach fahren wir nach Hause und essen Linseneintopf und trinken dazu ein Bier. Im Internet sehen wir, dass mein Anschlusszug 25 Minuten Verspätung hat (wegen Personen auf dem Gleis). Außerdem fällt mir auf, dass der Zug ja auch am Ostbahnhof hält, und zwar eine ganze halbe Stunde später. Die gewonnene Zeit investieren wir in ein Bier und fahren dann mit der U- und dann mit der S-Bahn zum Ostbahnhof. Dabei geschieht mir der erste Faux Pas: der Vorsatz, jeden Zug, mit dem ich auf dieser Reihe fahre, zu fotografieren, ist durch U- und S-Bahn schon gebrochen.

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Zug fährt ein und ich stehe unter dem Schild

Im Zug habe ich die oberste Liege in einem 3er Abteil, das bis auf meinen Platz auch schon belegt ist, durch eine ältere und eine jüngere Frau (ja, die Nachtzüge in und um Russland haben alle gemischtgeschlechtliche Abteile). Die ältere kippt zur Begrüßung gleich mal ihren Joghurt über meinen Rucksack, macht aber keine Anstalten den Jughurt von meinem Rucksack zu entfernen. Auf der ganzen Strecke wird sie auch kein Wort von sich geben, vielleicht ist sie ja taubstumm oder so. Die jüngere ist eine Russin und spricht ein bißchen deutsch. Viel zum reden kommen wir aber gar nicht, denn der Schaffner kommt kurz nach Abfahrt ins Abteil um die Liegen herunter zu klappen, das heißt Schlafenszeit.

Eigentlich schläft es sich ganz gut in dem Zug, aber irgendwie wird bei jedem Stop (Frankfurt/Oder, Warschau und noch ein paar andere polnische Städte) irgendetwas an- oder abgekuppelt, was jedes mal Schläge verursacht von denen ich wach werde.

Richtig wach werde ich erst kurz vor der polnisch-weißrussischen Grenze, ca. 7:30h. Zuerst laufen die polnischen Grenzbeamten durch den Wagen und schauen nur kurz auf meinen Pass. Dann kommen die Weißrussen und sammeln alle Pässe ein und bearbeiten die gemeinsam. Ein Zöllner will nach einem Blick in meinen Rucksack noch etwas über meine mitgeführte Literatur wissen, aber irgendwie scheinen meine Auskünfte darüber bei ihm aufgrund sprachlicher Probleme nicht wirklich anzukommen, was ihm aber offensichtlich egal ist.

Nach den Grenzkontrollen fährt der Zug weiter nach Brest, wo die ältere Mitfahrerin wortlos verschwindet. Nach kurzem Halt fährt der Zug wieder ein Stück zurück in die Umspuranlage, da das weißrussische und das russische Schienennetz eine andere Spurbreite haben als der Rest von Europa.

Dazu wird der ganze Zug in einer Halle in die einzelnen Waggons getrennt. Diesen wird dann zunächst die Kupplung getauscht, da auch dazu ein anderes System verwendet wird. Dann werden die Waggons mit einer Art Wagenheber angehoben, die Fahrgestelle mit einem Seilzug herausgezogen und neue Fahrgestelle mit selbiger Methode untergeschoben. Dann werden die Wägen wieder heruntergelassen und wieder zusammengekuppelt. Klingt nicht besonders spannend, ist aber trotzdem interessant mit anzusehen.

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Waggon schwebt in der Luft, die Fahrgestelle fahren drunter weg. Auch erkennbar: die neue russische Kupplung.

Dann rollt der Zug wieder in den Bahnhof von Brest. Da ich nicht weiß, wie es dem Speisewagen ergangen ist (ich hatte die Vermutung dass der nachts irgendwo in Polen abgekuppelt wurde), kaufe ich am Bahnsteig von Omas mit Fruchtkörben zwei Portionen Himbeeren zu je zwei Euro (mir hätte auch eine gereicht, aber die Wechselgeldproblematik zwang mich dann zwei zu kaufen). Die Himbeeren waren übrigens sehr gut.

Nach ca. 2h in Brest (also incl. Grenzkontrollen und Umspuren) geht´s weiter. Meine verbliebene Mitfahrerin im Abteil schläft wieder. Ich lese ein bißchen, laufe dann einmal durch den Zug und finde einen neuen Speisewagen. Zum Mittagessen gönne ich mir ein Kaviarsandwich.

Letzter Tag im Jemen, Ägypten

Auch dieser Beitrag entstand nur anhand von kurzen Notizen am 25.08.2014 im ICE nach Berlin. Also ebenfalls eher kurz und ungenau.

Am letzten Tag in Sanaˋa muss ich noch mein Ausreisevisum auf der Polizei besorgen. Dazu muss man ein bißchen warten, aber an sich nicht späktakuleres. Außerdem treffen wir nochmal kurz den Deutschlehrer, um uns zu verabschieden. Außerdem kaufen wir noch traditionelle jemenitische Kleidung, einschließlich dem zugehörigen Gürtel mit Dolch (aber mit stumpfer Klinge). Danach trinken wir nochmal Tee und ich lasse mir beim Barbier den Bart scheren damit ich ordentlich aussehe wenn ich daheim ankommt.

Im Hotel hole ich mein Gepäck, aber das bestellte Taxi zum Flughafen kommt nicht (hatten wir mit unserem Fahrer, der uns nach Thulla gebracht hat, ausgemach), also muss kurzfristig ein neues gerufen werden.

Am Flughafen, der übrigens nur ein Terminal hat und relativ klein für einen Hauptstadtflughafen ist, herrscht ziemliches Chaos. Es Schiene wie ein Wunder wenn dort jemals ein Flugzeug pünktlich abheben würde. Mein Flug hebt also spätabends ab und kommt dann ziemlich früh in Kairo an.

Da ich mehrere Stunden Aufenthalt in Kairo habe, besorge ich mir schnell ein Visum für Ägypten (kostet 9 US-Dollar und darf dann selbst in den Pass geklebt werden), hebe ein paar ägyptische Geldeinheiten am Automaten ab, rede mit ein paar Taxifahrern wer mir einen guten Preis machen kann (Daniel hat mir vorher gesagt wieviel das ungefähr kosten sollte) und fahre zu den Pyramiden. Wir sind kurz vor 8 Uhr früh dort, wenn der Besucherpark aufmacht. Ich bin also der erste Gast an diesem Tag, und die erste halbe Stunde auch noch fast allein. Danach füllt sich der Park langsam nach dem immer mehr Busse kommen die die anderen Touristen in Massen abladen. Es finden sich dann auch Leute, die ein Bild von mir mit den Pyramiden machen können. Danach geht es weiter mit dem Taxi, das auf mich gewartet hat, ins Stadtzentrum von Kairo in ein Kaffee, wo es einen Tee und eine Shisha gibt. Und dann geht es zurück zum Flughafen. Ich meine mich erinnern zu können dass das ca. 150 ägyptische Geldeinheiten gekostet hat, aber ich weiß es eigentlich nicht mehr. Auf jeden Fall genehmige ich mir dann am Flughafen mein erstes Bier seit mehreren Wochen (das letzte gab es irgendwo in Äthiopien) und steige dann in mein Flugzeug nach München ein.